Keineswegs, Maggy.
Stressoren, traumatische Erfahrungen beispielsweise können durchaus Auslöser sein. Immunsystem und Psyche stehen in einem komplexen Wechselspiel - das untersuchen wir beispielsweise in der Psychoneuroimmunologie. Wir gehen heute davon aus, dass es sich bei Autoimmunerkrankungen um ein biopsychosoziales, multifaktorielles Geschehen handelt.
Wir wissen heute um die Plastizität, also Veränderlichkeit unserer Organismen und vor allem unseres Gehirns. Wir wissen, dass "Genetik" ein erheblich bewegungsfreudigeres Feld ist, als wir noch vor einigen Jahren dachten, und dass es mannigfaltige Reziprozitäten zwischen Genom und Umwelt beispielsweise gibt. So mag jemand beispielsweise durchaus genetisch eine Prädisposition mitbringen - ob die Gene jedoch "angeschaltet" werden oder nicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab - darunter solchen wie Umweltgiften beispielsweise oder eben Stressoren.
Erfreulicherweise hören auch immer mehr Wissenschaftler und ganze Fachbereiche auf damit, in Dichotomien zu denken und vom Kleine ins Kleinste. Es geht zunehmend um Zusammenhänge. Niemand, der einigermaßen klar denkt, würde heute noch bestreiten, dass jede Erkrankung psychosomatisch ist, also Psyche und Soma betrifft und dass es ein rein theoretisches Konstrukt darstellt, Psyche und Körper überhaupt als etwas Getrenntes zu betrachten.
Für Patienten bietet das viele Chancen. Wenn ich also über eine gute Psychohygiene, Sinnhaftigkeit, Stressmanagement, über Meditation, Lebensführung, Ernährung beispielsweise Faktoren beeinflussen kann, die ihrerseits wiederum Einfluss auf meine Erkrankung haben, dann ist das ein Schatz - und zudem einer, der den Selbstwirksamkeitsaspekt befruchtet, der seinerseits wiederum die beste Medizin gegen Gefühle der Hoffnungslosigkeit und des Ausgeliefertseins darstellt.