Hallo Inselchen,
Wenn man Schmerzen hat, hat man sicherlich andere Gedanken , als gerade an die schönste Nebensache der Welt zu denken.
Ich gehöre zu den Leuten, die tagtgl. Schmerzen haben, 24 h am Tag, mal mehr mal weniger. Jede Berührung tut weh, im Alltag. Es dauerte , bis ich für mich gelernt hatte, wieder etwas schönes an Berührungen zu empfinden.
Ich weiss nicht, wie ich dir jetzt anworten soll. Denn ich lese zwischen den Zeilen heraus, das nicht nur die Erkrankung schuld an eurem bisherigen Sexleben ist.
Wir sind erwachsen und ich denke , wir können auch hier offen darüber reden. Denn ist für uns Erkrankte genauso eine Schwierigkeit damit umzugehen ( wie auch für die Angehörigen und Partner), wie wir Schwierigkeiten haben uns Essen zuzubereiten.
Also, als erstes:
Man kann auch Zärtlichkeiten haben, wenn es einem schlecht geht. Davon beton ich aber mal Zärtlichkeiten, nicht gemeint ist der reine Sex. Den wird sicherlich auch jeder von uns nur haben, wenn es einem gut geht, und das das nicht auf einmal auf Knopfdruck geht dürfte auch jedem klar sein.
Nein , es fängt auch schon in ganz kleinen Schritten an. Dazu gehört aber auch erstmal das Miteinander reden dazu. Ohne Vorwürfe, ohne Bedingungen und mit Zuhören.
Keine Vorwürfe dem Mann machen, wie z.b.: du willst ja immer nur sofort Sex,
keine Ausreden ( und in dem Moment sind es Ausreden, auch wenn man die Schmerzen hat)
- ich kann heute nicht, mir tut alles weh usw....
Das Miteinander fängt nicht beim Sex an und das gilt jetzt nicht nur für uns Erkrankte. Das gilt eigentlich für alle. Besonders für die Paare die schon sehr lange zusammen sind.
Die Routine macht viel kaputt.
Seit ihr alle sofort in die Kiste gesprungen, als ihr euch kennen gelernt habt? Die meisten sicherlich nicht, denn man wird sich erst beschnuppert haben.
Warum macht man das jetzt nicht mehr. Lasst man den Sex aussen vor. Lernt euch neu kennen.
Wisst ihr denn noch, wie schön es sein kann, wenn man sich mal nur streichelt, sich gegenseitig einfach etwas massiert, den Rücken krault.
Ich kann meinen Mann auch nicht mehr so dolle massieren, aber dennoch kann ich , mit sehr wenig Schmerzen meine Finger über seinen Rücken kreisen lassen ( z.b.)
oder aber auch selber solche Zärtlichkeiten zulassen und auch , und das ist das wichtigste : geniesen.
Redet darüber was ihr euch wünscht.
Stellt doch einfach mal wieder ein Verwöhnprogramm an.
Vieles aus dem Alltag, wird mit ins Bett genommen und das hat dort nichts zu suchen.
Hast du deinem Mann schon mal gesagt, was du gerne hättest? Welche Zärtlichkeiten du dir wünscht?
Hast du ihm denn schon mal gesagt, was und wann es dir Schmerzen verursacht?
hast du ihn denn schonmal gefragt, was er gerne hätte? Die wenigsten Männer wollen schnellen Sex.
Auch sie geniesen Zärtlichkeiten. Macht doch einmal aus, das ihr nur mal an einem Abend kuschelt,ohne Sex. D.h. auch für ihn, das er sich zurück nehmen muss ( auch wenn es für ihn schwerfällt)
Aber evlt. entspannst du dich dadurch so sehr, das du mehr zulassen kannst.
Zärtlichkeiten entspannen - Schöne Berührungen steigern den Serotoninspiegel und wirken Schmerzdämpfend. Auch wenn es nicht zum Sex kommt, lasst beide nicht zu, das Sex direkt zum Thema wird. Das es immer darauf hinauslaufen muss. Denkt in dieser Beziehung doch auch mal wie die Teenager und entdeckt euch neu.
Aber bevor ihr das machen könnt, müsst ihr reden und damit in einer Beziehung den Anfang machen, gerade wenn die Routine drin ist, ist nicht leicht. Aber spring über den Schatten, mach den Anfang, dir kann nichts passieren.
Und der Satz, er solle sich eine Gesunde suchen, ist mehr als , sorry, naiv.
Wenn er damit nicht mehr zurechtkäme , wäre er schon längst weg. So sehe ich das.
Eine Erkrankung ist kein Grund, keine Zärtlickeiten mehr zuzulassen. Eher im Gegenteil. Für Liebe findet sich immer ein Grund und Gebüsch ( hat meine Oma immer gesagt und die hatte ganz ganz schlimm zu hadern mit ihre Erkrankung)
Achso und die Zärtlichkeiten gehören nicht nur ins Schlafzimmer:
Kleine Anregungen:
Wann habt ihr euch das letzte mal in den Arm genommen, den Rücken gestreichelt, die Hände genommen und seid mal zärltlich die Finger entlang gegangen. Habt ihr mal mit euren HÄnden das Gesicht des Partners abgetastet?
Wann auch mal das letzte mal gesagt, das man sich gern hat oder liebt?
Länger mal in die Augen geschaut oder den Partner mal länger beobachtet und sich überlegt, in was man sich als erstes vom dem Partner verliebt hat.
Wisst ihr überhaupt, welche Gesichtszüge sich seit dem Kennenlernen bei dem Partner verändert haben?
Wenn ihr das mal wieder gemacht habt, miteinander geredet habt, euch neu entdeckt habt, dann wird die Frage nach dem Sexleben nicht mehr gestellt werden.
Auch wenn die Häufigkeit weniger wird, aber dafür intensiver und viel entspannter und evlt. sogar spontaner.
Ich denke mal, mein Beitrag sicherlich nicht nur als Tipp für euch gilt. In dieser Situation stecken viele.
Und wenn man alleine , bzw. zu zweit diesen Weg, den dich euch beschrieben habe nicht schafft, sollte man sich nicht schämen oder zu feige dazu sein, sich Hilfe in Form einer Eheberatung oder Partnerberatung holen.
Ich wünsche euch viel Erfolg auf diesem Weg.