Hi Monsti, hi Bluemoon!
Das ist ein Ausschleich-Plan, der hätte auch von mir kommen können

)).
Ich halte mich ja bekanntermaßen aus dem Forum heraus, darf ohnehin online keine individuellen Empfehlungen zu Diagnosen und Therapien geben.
Da das Cortison-Thema aber sehr wichtig und mit Sicherheit von großem allgemeinen Interesse ist:
Generell kann man sagen, daß Cortison immer dann relativ schnell und in großen Schritten reduziert werden kann, wenn es nur in einer Art Stoßtherapie ganz kurz eingenommen wurde (Beispiel: Behandlung einer allergischen Reaktion; in der Rheumatologie: Cortisonstoß bei einem hochakuten Rheuma-Schub).
Wenn Cortison über längere Zeiträume eingenommen wurde („längere“ Zeiträume heißt dabei bereits länger als 3 Wochen in höheren Dosierungen), gelingt zumindest bei einer ganzen Reihe von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, dazu zählt insbesondere auch die rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis) der Versuch einer Cortisonreduktion umso besser, je langsamer man das Cortison ausschleicht.
Von irgendeinem ganz ausgewiesenen Cortison-Experten, ich weiss nicht mehr genau, ob es sogar der deutsche „Cortison-Papst“ Prof. Kaiser selber war, habe ich mir einmal die Regel gemerkt, daß die Ausschleichphase von Cortison bei jahrelanger Therapie so viele Monate betragen solle, wie viele Jahre das Cortison vorher gegeben wurde, d.h., erfolgte eine Cortisontherapie beispielsweise über 5 Jahre, sollte die Ausschleichphase mindestens 5 Monate betragen.
Das gilt natürlich nur als grober Anhalt; in der Praxis kann es so aussehen, daß die Ausschleichphase noch viel länger ist als nach dieser Regel, in anderen Fällen auch durchaus wesentlich kürzer. Es hängt immer vom Einzelfall ab.
Entscheidende Voraussetzung dafür, daß das Cortison z.B. bei einer rheumatoiden Arthritis überhaupt erfolgreich ausgeschlichen werden kann, ist eine wirksame krankheitsmodifizierende / krankheitskontrollierende Therapie (langwirksame antirheumatische Therapie (LWAR), „Basistherapie“, Therapie mit DMARDs = disease modifying antirheumatic drugs).
Cortison ist zwar ein hocheffektiver Entzündungshemmer und dazu der wirksamste, den wir kennen. Gleichzeitig ist Cortison aber nicht in der Lage, eine rheumatoide Arthritis dauerhaft zu kontrollieren und in Remission zu bringen. Das können nur die genannten DMARDs.
Allerdings ist Cortison, auch wenn es vielleicht paradox klingt, ein Medikament, das die Wirksamkeit einer DMARD-Therapie ganz erheblich steigert. Wahrscheinlich sind die besten Erfolge bei der Therapie der rheumatoiden Arthritis und verwandter Erkrankungen, zumindest gerade in der Anfangsphase, möglicherweise aber auch im weiteren Verlauf, dadurch zu erzielen, daß man eine DMARD-Therapie mit einer niedrig-dosierten Cortison-Therapie kombiniert.
Wenn eine DMARD-Therapie eingeleitet wurde und mit zunehmender Wirkdauer die Krankheitsaktivität gut kontrolliert ist, ist es unter einer solchen erfolgreichen und wirksamen DMARD-Therapie möglich, die Cortisondosis mit dem Ansprechen der DMARD-Therapie parallel abzusenken und im weiteren Verlauf u.U. ganz zu beenden.
Voraussetzung dafür ist eine komplette Krankheitskontrolle durch das DMARD alleine (ggf. bei zusätzlicher Gabe von cortisonfreien Entzündungshemmern, nicht-steroidalen Antirheumatika, NSAR), heißt:
Blutsenkung (BSG) normal, c-reaktives Protein (CRP) nicht erhöht, „grüner Bereich“ im DAS (disease activity score, kann man selber online testen:
http://rheuma-online.de/online-monitoring/).
Dabei reduziere ich im sogenannten „low-dose“-Bereich des Cortisons, d.h. bei Dosierungen von 5 mg Prednisolon-Äquivalent und niedriger, das Cortison extrem langsam und vorsichtig, weil manchmal schon eine im Prinzip winzige Dosisreduktion von 1 mg oder manchmal schon von 0,5 mg einen deutlichen (negativen) Effekt hat, nämlich wieder zu einer Zunahme der Symptome und der Krankheitsaktivität führt.
Je nach Lage der Dinge und Ausgangssituation erfolgt die Dosisreduktion von z.B. 3 mg über 2,5 mg auf 2 mg, dann auf 1,5 mg, dann 1 mg etc. in Schritten von einer Woche bis alle 14 Tage, je niedriger man kommt, sogar noch langsamer, d.h. z.B. von 2 mg auf 1,5 mg und dann auf 1 mg durchaus auch bei lange vorausgegangener Cortisontherapie in monatlichen Schritten.
Wenn eine Therapie mit den „Ferraris der Rheumatherapie“ begonnen wurde, d.h. den modernen biotechnologisch hergestellten Substanzen wie den TNF-alpha-Blockern, ist allerdings oft alles ganz anders. Diese Substanzen sind oft so unglaublich wirksam, daß die Cortisondosis sehr viel schneller reduziert werden kann.
Dies gilt aber vor allem dann, wenn die TNF-alpha-Blocker nicht erst nach jahrelangen verzweifelten und letztendlich unergiebigen Therapieversuchen einer rheumatoiden Arthritis mit konventionellen DMARDs eingesetzt wurden, sondern in einem relativ frühen Stadium der Erkrankung gegeben werden, wenn noch nicht soviel „angebrannt“ ist.
Leider ist dies eine Erkenntnis, die noch nicht sehr weit verbreitet ist, und wir in Deutschland haben mittlerweile hinsichtlich der Therapie einer rheumatoiden Arthritis mit den modernen biologischen Substanzen ohnehin den fragwürdigen Ruhm erlangt, in Europa das Schlusslicht in der Verordnungshäufigkeit zu bilden.
Aber glücklicherweise haben wir Ulla. Vielleicht bildet sie eine Kommission. Oder frühstückt mal zusammen mit Horst. Denn schließlich sind bei uns im Gesundheitswesen noch lange nicht alle Rationalisierungsreserven ausgeschöpft. Die Ärzte müssen nur lernen, den Mangel noch intelligenter zu verwalten. Und endlich auf die Politik hören, die doch ganz eindeutig klargestellt hat, daß bei uns in unserem Gesundheitswesen – einem der besten der Welt – jeder Patient das bekommt, was er braucht. Die meisten haben es wahrscheinlich nur noch nicht gemerkt. Ist ähnlich mit dem Euro, der ja auch kein Teuro ist.
Und: Wofür brauchen wir denn überhaupt dieses moderne Zeugs? Wir haben doch Cortison.
Cortison ist preiswert (Jahrestherapiekosten für täglich 5 mg Prednisolon irgendwo in der Größenordnung 25 – 50 Euro (pro Jahr!!!), und gut wirksam.
Bei den TNF-alpha-Blockern wissen wir hingegen nur, daß sie bei der Hälfte der damit behandelten Patienten die Erkrankung komplett stoppen und den im Röntgenbild sichtbaren Progress vollständig zum Stillstand bringen. Und über die Langzeitfolgen ist überhaupt noch nichts bekannt. Außer, daß sich die Langzeitfolgen der rheumatoiden Arthritis, wie Zerstörung von Knochen und Gelenken, Zerstörung von Lebensfreude und Lebensqualität und Zerstörung von Lebensperspektiven, bis hin zu einer massiven Verkürzung der Lebenserwartung, damit verhindern lassen. Was ist das gegen die völlig unbekannten möglichen Langzeitnebenwirkungen in der Folge dieser Therapie?
Aber, zurück zum Cortison:
Da weiss man, was man hat.
Und wie man die damit verbundenen, bekannten Probleme reduzieren kann, indem man dieses Medikament intelligent anwendet.
Dazu, d.h. insbesondere zur Therapiesicherheit und zu einer auch biologisch angepassten Cortisontherapie habe ich einen m. E. ganz guten Beitrag in unserer Rubrik „Was ist eigentlich … „ geschrieben, lohnt sich u.U., mal reinzuschauen:
http://rheuma-online.de/wasisteigentlich/9.html
Einen schönen Tag noch! Und viel Erfolg bei der Cortisonreduktion!