Garfield
Aktives Mitglied
Ein herzliches Hallo in die Runde,
ich muß mal was loswerden.
Ich denk ich kann mit Fug und Recht behaupten, daß ich ein relativ bescheidener und ruhiger Mensch bin, der niemanden zur Last fallen möchte.
Besonders gelten diese Atribute aber für meinen Vater.
Nun - was ist passiert:
Mein Vater (73) hat sich vor 1 1/2 Wochen Sonntags selbst ins Krankenhaus eingeliefert, da es ihm seit ein paar Tagen sehr schlecht ging. Vorausschicken möchte ich, daß er herzkrank ist und seit er 55 war bereits diverse kleine Herzsonden hatte und 3 Mal die große mit Erweiterung der Herzkranzgefäße.
So war es auch diesmal, er mußte sofort auf die Intensiv und es wurde eine sehr schlechte Durchblutung des Herzens festgestellt (an einer Stelle nur noch 1%). Da man im hiesigen KKH keine gr. Herzsonde macht, wurde er in ein ca. 25 km entferntes KKH überführt und dort wurde die gr. Sonde gemacht mit Setzen eines Stants (ist das so richtig geschrieben?).
Bis hierhin alles ok. Meinem Vater gings ab sofort gut und er wurde nur zur Beobachtung zurück hierher verlegt. Am folgenden Tag klagte er über Schmerzen in der Brust und kurz gesagt - nix mit Pumpe - sondern Rippenfellentzündung. Die Ärzte gaben sofort Antiobiotika (dagegen ist er allergisch, steht auch in seinem Allergiepass, den das KKH bereits am ersten Tag bekommen hatte). Prompt sah er am darauffolgenden Tag wie ein Hummer aus, der zu heiß gebadet hatte. Sprich: der ganze Körper war knallrot und aufgedunsen. Statt die Antibiotika abzusetzen gab man ihm Corti dazu.
Morgens war es etwas besser aber abends sah er genauso aus wie am Tag vorher, sogar etwas schlimmer. Am darauf folgenden Tag setzte man endlich das Antibiotikum ab. Seit dem laboriert man m.E. nach an meinem Vater herum. Gestern, also Sonntag hatte er nun so einen starken Juckreiz, daß er nicht mehr wußte, wo er sich lassen soll und ihr wißt ja alle "Jöhk is schlimmer as Pin." (Jucken ist schlimmer als Schmerzen.)
Also hat er so lang gewartet, bis er es nicht mehr aushielt und hat dann im Lauf des Tages nach einem Arzt gefragt, da er am Sonntag noch Spritzen haben sollte. Da kein Arzt kam, hat er Stunden später und am späten Nachmittag nochmals nach einem Arzt gefragt. Das Jucken war schier unerträglich geworden. Er hat dann Abends endlich 3 Spritzen bekommen und dann wurde sein Zustand auch besser.
Jetzt kommts:
Heute gegen Abend kommt ein recht junger diensthabender Arzt zu ihm ins Zimmer mit einem recht forschen Auftreten und stellt meinen Vater regelrecht zur Rede, was denn sein hysterisches Verhalten gestern solle und warum er nach Spritzen verlangt habe, schließlich würden es ein paar Tabletten auch tun.
Mein Vater war wie vom Donner gerührt und frug den Arzt, wie er denn darauf käme, er (der diensthabende Arzt) sähe ihn doch heut zum ersten Mal und kenne ihn doch gar nicht und im Übrigen habe er sich nicht hysterisch verhalten, sondern habe nur gestern 3 mal über den Tag verteilt nachgefragt, wann denn nun ein Arzt käme und die ihm von einem anderen Arzt verordneten Spritzen geben könne, da er es nicht aushielte. Er meine, daß wäre doch als Patient sein gutes Recht und er hätte sicherlich nicht gefragt, wenns ihm gut gegangen wäre!
Darauf der Arzt:"Das ist schließlich vorne (im Schwesternzimmer) dokumentiert!"
Ob er denn nicht wisse, so die nächste Frage des Diensthabenden, daß gestern Sonntag gewesen wäre. Und man habe ja im KKH noch anderes zu tun.
Natürlich, so mein Vater, aber es muß doch wohl möglich sein, im Laufe des Tages nach einem Patienten zu sehen und ihm die ihm verordneten Spritzen zu setzen. Er wisse sehr genau, was Ärzte am WE zu tun haben und er habe ja auch nicht darauf bestanden, daß sofort einer käme, sondern habe nur nachgefragt, ob denn heute noch ein Arzt kommt.
Der Arzt daraufhin:" Ist ja auch egal, ich sorge jedenfalls dafür, daß sie ab morgen nur noch Tabletten bekommen!"
Ich komme gerade von meinem Vater wieder und habe ihn noch nie in einem derart aufgewühlten und desolatem Zustand gesehen.
Mein Vater ist wirklich ein bescheidener Mensch und ich weiß 100 %ig, daß er niemals nach einer Schwester geklingelt und nach einem Arzt gefragt hätte, wenn es ihm nicht echt dreckig gegangen wäre.
Und der Einwand des Arztes, daß ihm Tabletten auch helfen würden, ist doch in Ordnung. Meinem Vater ist egal ob Spritzen oder Tabletten - hauptsache es hilft!!!
Entscheidend ist an dieser Stelle, wie man es dem Patienten rüberbringt.
Das Verhalten meines Vaters als hysterisch zu titulieren halte ich schlicht für eine Unverschämtheit. Dies auch noch zu dokumentieren halte ich sogar für eine gewisse Rufbeschädigung, da nachfolgende Ärzte ein völlig falsches Bild von meinem Vater gewinnen.
Meinen Vater darüberhinaus auch noch als Herzkranken so anzugasen, dazu fehlen mir schlicht die Worte.
Nein ...
... sie fehlen mir nicht!!! Aber sie sind nicht druckreif.
Menschlich so daneben zu hauen wie dieser Arzt - unglaublich, aber wahr.
Ich bin noch völlig außer mir und überleg mir ernsthaft mich beim Chefarzt (übrigens ein überaus kompetenter und feiner Mensch) schriftlich über diesen "Gott in weiß" zu beschweren.
Ich meine, ist egal was ist, aber die haben doch nicht ein Stück Fleisch, ein Tier, eine Sache oder eine Nummer vor sich, sondern immer noch einen
Menschen!!!!!
Tut mir leid, daß ich euch so zugetextet hab. Aber das mußte jetzt irgendwie raus.
Noch einen schönen Abend wünscht Euch ein überaus saurer
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