Liebe suse, lieber bertie,
wie gut kann ich Euch verstehen, geht es mir doch mit meiner ältesten Tochter nicht anders. Zwei Tage vor dem mündlichen Examen zur Kinderkrankenschwester erfuhr sie und mit ihr der gesamte Kurs, dass niemand übernommen werden könne - die Reformen im Land Niedersachsen führten zu einem Einstellungsstop im Uniklinikum. Sie hat insoweit noch Glück, dass sie bisher mit Zeitverträgen noch über die Runden kommt und Erfahrungen sammeln kann, aber jedes Mal, wenn wieder so ein Vierteljahresvertrag kurz vor dem Ende steht, kommt wieder die Angst. Und trotz der Arbeit, die reichlich vorhanden ist, wird niemand eingestellt, die Schwestern auf den Stationen arbeiten sich kaputt, aber es darf niemand eingestellt werden.
Ich frage mich wirklich nur, wie unsere Kinder denn bitte schön für ihre Rente vorsorgen sollen, wie sie überhaupt ihre eigene private Situation planen können - eigene Wohnung usw. - wenn sie trotz aller Flexibilität keine Arbeit finden. Wundert es da noch jemanden, dass immer weniger Kinder geboren werden?
Meine jüngste Tochter wird im kommenden Jahr ihr Examen als Kinderkrankenschwester machen und es ist jetzt schon klar, dass der Einstellungsstop im Klinikum auch dann noch bestehen wird, es sollen Stationen zusammengelegt werden, die freiwerdenden Kräfte werden dann auf den Stationen eingesetzt, auf denen jemand fehlt (ist ja auch ok so), aber trotzdem .... manchmal bin ich so wütend und so traurig zugleich für meine Kinder, in welche Zukunft gehen sie?
Trotzdem versuchen mein Mann und ich immer, wenn die beiden Mädels mal unten sind, ihnen Mut und Zuversicht zu vermitteln. Weil ich im vergangenen Jahr so wütend war, hab ich einen Brief an den Ministerpräsidenten von Nds. geschrieben, ihm einfach mal aufgezeigt, wie das so mit Perspektiven für die jungen Menschen aussieht. Ich bekam tatsächlich auch Antwort, dergestalt, dass die Bürger dieses Landes eben sinngemäß einiges einzustecken hätten bevor es wieder Licht am Ende des Tunnels geben würde und dass er sich in meine Situation gut hineinversetzen kann. Tja, und was fang ich wohl mit so einer Antwort an? Na klar, mein Hauptbestreben war, ihm als "hauptberuflichen" Initiator dieser Reformen mal klarzumachen, welche Auswirkungen diese denn menschlich haben und meine Wut loszuwerden (ich hab aber brav und nett geschrieben) und es ist wider Erwarten auch eine Antwort gekommen, aber es ändert sich ja nichts!
Ach, nun ist es wieder mit mir durchgegangen, wollte eigentlich gar nicht so viel schreiben. Danke für Eure Geduld, wenn Ihr Euch bis hierher durchgekämpft habt,
lG
JMCL