Wenn der Hintern auf Grundeis geht

Dieses Thema im Forum "Allgemeines und Begleiterkrankungen" wurde erstellt von Banditensocke, 17. Dezember 2019.

  1. Banditensocke

    Banditensocke Aktives Mitglied

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    Moin!

    Ich muss mir einfach mal ein bisschen Luft machen.

    Vor einem Jahr begannen bei mir nach einem Mega-Stressor (schwere OP) massive Gelenkschmerzen. Die internistische Rheumatologin nahm eine armlange Liste Laborwerte, dann hiess es erst einmal warten. Diese Zeit war die Hölle, ich hatte große Ängste, weil ich ja wusste, was im Kontext Rheuma so alles anstehen kann. Ich konnte kaum schlafen, u.a. natürlich auch dem Prednisolon geschuldet, das sie mir verschrieben hatte und ging ziemlich auf dem Zahnfleisch.

    Sie befand dann auf enteropathische Arthritis. Das machte auch erst einmal Sinn, da ich ja eine CED habe. Seither versuche ich, das Prednisolon wieder los zu werden, was allerdings nicht wirklich gut funzt, denn die Gelenkbeschwerden sind bisher immer zurück gekommen.

    Das letzte Labor meines Hausarztes hat auch immunrelevante Faktoren überprüft. Gesamtlymphozytenzahl stimmt, aber B Lymphozyten sind jeweils erhöht, T-Lymphozyten erniedrigt, Suppressorzellen erniedrigt, T4:T8 Quotient erhöht, natürliche Killerzellen erniedrigt, cytotox. T-L blanc erniedrigt.

    Die Rheumatologin hat daraufhin Alarm gebrüllt und von einem hoch autoimmun reaktiven Immunstatus gesprochen. Morgen sollen weitere Werte wie CK, Myositis Blot, C3 und C4 Komplement genommen werden.

    Parallel sind merkwürdige Symptome hinzu gekommen: Stiche im Kopf, Oberbauchbeschwerden, Augenbewegungsschmerzen und oft so ein merkwürdiges Druckgefühl hinter den Augen.

    Bauchbeschwerden - okay, die kenne ich als Crohnie zur Genüge. Der Rest - ????

    Mir geht der A.. Verzeihung Hintern gerade auf Grundeis. Ich habe vorher schon schlecht geschlafen (dachte, das liegt, ebenso wie die Hitzewallungen, am Wechsel), jetzt hänge ich wieder in der Vollpanik. Und genau das ist ja etwas, das ich gerade gar nicht brauchen kann. Mein Immunsystem bräuchte eigentlich Ruhe.

    Ich habe solche Angst - und fühle mich einfach nur allein damit.

    Ich erwarte hier weder Ferndiagnosen noch sonstwas. Ich musste einfach mal raus lassen, wie es mir gerade geht. Vielleicht gibt es hier ja auch den einen oder die andere, die Ähnliches durch hat und möglicherweise sogar Geschichten, die Hoffnung machen.

    Fertige Grüße
    von der Banditensocke
     
  2. PiRi

    PiRi IG-Mitglied

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    Liebe Socke, nein, ich kenne das nicht, möchte Dir aber wenigstens liebe und gute Gedanken schicken. Vielleicht auch ein bissel Kraft.
     
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  3. lieselotte08

    lieselotte08 Bekanntes Mitglied

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    Huhu, Söckchen....
    Joo, mir geht der Hintern öfter mal in dieselbe Richtung. Und dann werde ich hier oft das los, was mich am meisten belastet. Ich kann dir auch gute Gedanken schicken, und einen Esslöffel Kraft. Vielleicht kommen noch ein paar Löffel zusammen, damit du es schaffst, runter u kommen. Es ist bald Weihnachten und das möchte doch jeder genießen....:pftroest:
    Liebe Grüße
    Lieselotte
     
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  4. teamplayer

    teamplayer Registrierter Benutzer

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    Ich kenne etwas anderes, meine B-Lymphozyten konnten keine Immunantwort mehr auslösen, diverse Titer (Yersinen, versch. Herpesstämme, Zoster, etc.) waren erhöht und mir ging es sehr bescheiden. Das war in Anfang der 1990er und da ich auf die Immunglobuline allergisch reagierte, wurde jahrelang symptomatisch behandelt, mehr nicht.

    Auch knapp 30 Jahre später habe ich oft zu wenig Lymphozyten, aber sie werden nicht mehr typisiert. Mein Rheumatologe ist auch Immunologe, weiß es, macht aber nicht mehr. Ich kenne den Wert, ab dem es kritisch wird und passe dann besser auf. Abgewöhnt habe ich mir, mir ins Gesicht zu fassen, weil das einer der Hauptwege für Infektionen ist.

    Diese Panikschübe haben, glaube ich, viele hier und dann ist es gut, sie hier zu lassen und teilen. Alles Gute!
     
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  5. Savi

    Savi Registrierter Benutzer

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    Oh ja das der Arsch auf Grundeis geht, kenne ich auch. Fühl dich einfach mal gedrückt und habe die Gewissheit, dass einige dich sehr gut verstehen.
    LG
    Savi
     
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  6. Marie2

    Marie2 nobody is perfect ;)

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    hallo banditensocke,

    ich hoffe, die angst hat sich inzwischen etwas gelegt und du kannst ruhiger
    ins weihnachtsfest gehen :) augenbewegungsschmerzen und augendruck kenne ich und
    rate zu einem augenarztbesuch, zeitnah. ich wünsche dir, dass die neuen laborwerte unauffällig sind,
    vielleicht magst du berichten.

    alles gute, marie
     
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  7. Banditensocke

    Banditensocke Aktives Mitglied

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    Hallo Ihr Lieben,

    die letzten Tagen waren angefüllt mit Vorbereitungen, Arztbesuchen... und einatmen... ausatmen.

    Es ist schön zu wissen, dass hier einige verstehen, was gerade in mir vorgeht, weil sie selbst schon an dieser Lebensstation Halt gemacht haben - ich danke Euch von Herzen für Euren support und Eure lieben Worte. Ich habe vor allem darauf hin gearbeitet, abgeben zu können, zu delegieren.

    Geholfen hat mir dabei das Gespräch mit meiner Hausärztin. Wir kennen uns erst von zwei Terminen, aber ich bin sehr froh, dass ich hier Glück und ein gutes Händchen gehabt habe, wie sich nun zeigte.

    Geholfen hat mir das Gespräch mit meinem Gyn - der arbeitet nämlich nach einem funktionellen Ansatz, etwas, das ich seit mehr als 5 Jahren selbst aktiv verfolge. Er hat zugesagt, mich dabei zu unterstützen. Basis ist der Grundsatz: erst messen, dann essen. Wir werden nun also gemeinsam schauen, wie wir meinen Organismus optimal unterstützen können und ich werde zukünftig nicht mehr um jeden Wert betteln und verargumentieren müssen, warum es sinnstiftend ist, ihn zu betrachten. Eingeschlossen werden können nun auch Hormonwerte - mein Gyn arbeitet mit bioidentischen Hormonen und ich erhoffe mir davon, zukünftig wieder besser schlafen zu können. Das funzt seit der Menopause nämlich nicht mehr besonders gut.

    Hilfreich ist mein Entschluss, mich der (Re)Traumatisierung zu stellen, die mir die sehr schwere OP im letzten Herbst "beschert" hat und diese aktiv zu bearbeiten. Auch hier ist mein Glück, dass sich in relativer Nähe eine Therapeutin niedergelassen hat, die mit Peter A Levines Ansatz somatic experiencing arbeitet und mit der ich ein gutes Arbeitsbündnis schmieden konnte.

    Ich habe ausserdem begonnen, mich Meditation und MBSR zuzuweden, auch dies wird meinen Stresslevel senken und damit meinem Immunsystem helfen.

    Last but not least habe ich nun zum zweiten Mal erfahren, dass Prednisolon für mich Gift ist. Beide Versuche damit haben mich in die Notaufnahme gebracht, weil spätestens nach zwei Wochen Einnahme selbst sehr niedriger Dosierungen mein Herz und meine Psyche Achterbahn fahren. Seit ich wieder zu Methylprednisolon zurück gekehrt bin, hat sich die Lage entscheidend beruhigt, mein Puls hat wieder Normalfrequenz, ich kann atmen und meine Psyche ihre alte Stehaufmännchen-Mentalität zurück. Ich habe noch niemals in meinem Leben depressive Tendenden gehabt - unter Prednisolon werde ich dagegen binnen weniger Tage fast suizidal und binnen ebensoweniger Tage Karenz wieder fröhlich. Ob das jemand für Mumpitz hält, ist mir übrigens Hupe - ich kenne meinen Organismus und weiss sehr gut zu differenzieren, welche Stellschraube hier verantwortlich ist.

    Daher an dieser Stelle eine Warnung: Wer so etwas bei sich beobachtet UND Prednisolon einnimmt: hier könnte ein Zusammenhang bestehen.

    Ich war übrigens wegen der Augenbewegunggschmerzen selbstverständlich umgehend beim Augenarzt. Es hätte ja eine Optikusneuritis sein können. Die Untersuchung war aber ohne Befund. Warum diese Schmerzen also inzwischen mehrfach bei mir aufgetreten sind, bleibt rätselhaft.

    Weitere Laborwerte auch aus Speicheltests bekomme ich im neuen Jahr. Dann habe ich auch einen Termin bei einer Ärztin für TCM. Mit TCM habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht, allerdings schliesst mein alter TCM Arzt seine Praxis, respektive verlegt sie ins Allgäu, das ist ein bisschen weiit für mich. Ich hoffe, die Alternative, die ich aufgetan habe, erweist sich als kompetent und hilfreich.

    Soweit also ein Update. Sobald ich mehr weiss, melde ich mich wieder.

    Ich wünsche Euch allen von Herzen schöne, schmerzfreie und stressarme Weihnachtstage!

    Liebe Grüße und seid nett zu Euch!
    Banditensocke
     
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  8. teamplayer

    teamplayer Registrierter Benutzer

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    Hallo Banditensocke,

    das liest sich alles richtig gut und das freut mich. Schön, dass Deine Ärzte so gut passen.

    Das ist wirklich ein Glücksfall. SE empfinde ich als sehr effektiv und vermisse es manchmal. Viel Erfolg wünsche ich Dir.

    Mir geht es mit Prednisolon ganz ähnlich. Wobei ich es niemals verallgemeinern würde, denn für jemand anderen ist vielleicht Methylprednisolon das unverträgliche in der Gruppe. Deine Warnung könnte ganz allgemein zur Wachsamkeit aufrufen,egal, welches »Cortison« genommen wird.

    Könnte es sein, dass immer wieder die Augen fest zusammenkneifst, vielleicht auch im Schlaf? Daher kommen meine.

    Danke, die wünsche ich Dir auch,
    teamplayer
     
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