Stimmt
@Katjes, ich habe gelernt glücklich zu sein.
Der Weg war lang und irgendwie doch nicht. Ich habe schon mein Leben lang Schmerzen, weshalb mein Umgang damit ein anderer ist, als bei jemandem, der das so nicht kennt. Ich kann ihn viel besser kompensieren und das Akzeptanz- und Gewöhnungsgedöns entfällt. Das funktioniert, solange ich mich einigermaßen bewegen kann. Ich bin ja schon bescheiden geworden. Dann werde ich gern sarkastisch, manchmal zynisch.
Alle paar Jahre erkranke ich lebensgefährlich. Das hat mich gelehrt, den Moment zu schätzen und als das zu sehen, was er ist: Alles, was man hat. Daraus wird die Vergangenheit und formt sich der Teil der Zukunft, den wir beeinflussen können.
Wenn etwas vorbei ist, sorge ich dafür, dass ich damit abschließen kann, ohne etwas verdrängen zu müssen. Das gärt und sorgt für Verspannungen oder schlimmer. Ich kläre Konflikte direkt und konsequent und lege dabei großen Wert auf Fairness. Sonst bekomme ich Magenschmerzen und Sodbrennen. Das war früher ganz schlimm.
Ich habe gelernt, Hilfe anzunehmen und meine körperlichen Grenzen zu achten. Ich habe meinem Körper verziehen und gehe gut mit ihm um. Er macht das nicht mit Absicht und ich bin weder sein Opfer noch mit ihm im Kriegszustand, sondern »unser Bewusstsein«, so in der Art.
Meine Haushaltshilfe hat heute Mittag hier alles schön gemacht. Auch das genieße ich. Sie gibt mir das Gefühl, es zu verdienen und macht es mit Freude. Alle hier schätzen und unterstützten meinen Wunsch nach Lachen oder fiesem Grinsen und Lebensqualität. Unter der Sepsis wollte ich heitere Menschen um mich herum und habe gescherzt. Das hat mir sehr geholfen, zu überleben.
Hier her umzuziehen*, war die beste Entscheidung seit langer Zeit. Hier habe ich mein Refugium und meine Liebe (zum Leben und mir selbst) gefunden. Menschen, denen ich willkommen bin, die mich mögen und gern helfen. Das trägt ungemein und lässt vieles erträglicher werden, Flocke.
Das ist es, was mich all die Schmerzen ertragen lässt. Um es hinzubekommen, habe ich mit sehr vielen Menschen gesprochen, Therapeuten, Nachbarn, unbekannten in Foren und ab und zu mit meinem Sohn.
*Auch das habe ich gemacht, um für ein gutes Jetzt zu sorgen. Darin bin ich sehr konsequent und entsprechend erfolgreich.