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Thema der Woche - Überleben um jeden Preis?

Dieses Thema im Forum "Kaffeeklatsch" wurde erstellt von BienchenSumm, 7. März 2012.

  1. BienchenSumm

    BienchenSumm summt herum

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    Es wäre schade, wenn das Thema der Woche wieder einschlafen würde.
    Deshalb möchte ich ein neues Thema vorschlagen:

    Moderne Medizin: Überleben um jeden Preis?

    Ganz gleich ob Unfall oder Krankheit, plötzlich kann dein Leben auf den Kopf gestellt werden.
    Wie seht Ihr das, bzw. was möchtet Ihr für Euch selbst oder für Eure liebsten Angehörigen?
    Soll alles Menschenmögliche getan werden, auch wenn dies ein Leben an Geräten, im Wachkoma
    oder als Hochquerschnittsgelähmter bedeutet?
    Krebsbehandlung um jeden Preis, auch unter Inkaufnahme schwerster Nebenwirkungen, nur um ein paar Wochen/Monate zu gewinnen?
    Wie weit sollte die Medizin gehen?
    Möchtet Ihr Einfluss nehmen und habt Ihr mit einer Patientenverfügung vorgesorgt?


     
  2. Blonder Brummer

    Blonder Brummer Neues Mitglied

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    Thema der Woche

    Hallo BienchenSumm,
    ein sehr interessantes Thema. Ich selber habe seit ca. 15 Jahren eine Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Bezugsvollmacht sowie einen positiven Organspendeausweis.
    Leider stößt dieses Thema bei der Gesellschaft auf meist taube Ohren, weil viele Menschen Angst haben, vor Krankheit, nicht mehr über sich selbst bestimmen zu können usw.
    Durch meinen Beruf als Altenpflegerin, hatte ich immer mehr mit diesem Thema zu tun. ( Auch viele junge Menschen, sind in Alten.-Pflegeheimen, da es in SH keine Pflegeheime für junge Menschen gibt). Vor 25 Jahren sind kranke und ältere Menschen in Würde gestorben. Heute wird auf Teufel komm raus künstlich ernährt, reanimiert, dass der Mensch auch ja weiterlebt, egal wie.Die Pflegeheime sind voll von Komapatienten, und gerade da merkte ich, dass ich anfangen muss mir Gedanken zu machen, ob ich das wirklich möchte. Und mir ist klar geworden, dass ich das nicht möchte.

    Kein Mensch hat die Pflicht zu leben, aber das Recht in Würde zu sterben.

    Liebes BienchenSumm, wünsche dir noch viel Erfolg mit diesem Thema.

    Liebe Grüße BB
     
    #2 8. März 2012
    Zuletzt bearbeitet: 8. März 2012
  3. dorothe

    dorothe Neues Mitglied

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  4. Katjes

    Katjes Bekanntes Mitglied

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    hallo,
    gölege und ich haben schon lange vorgesorgt (sind in den 40gern) mit vorsorgevollmachten,organspendeausweis,testament etc......................wir wollen beide nicht künstlich länger am leben erhalten werden................und auch niemanden diese entscheidung aufbürden................
    liebe grüße
    katjes
     
  5. Katjes

    Katjes Bekanntes Mitglied

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    ich habe in meinem beruf eines der 1. babys betreut,das in der 26. schwangerschaftswoche auf die welt gekommen ist und überlebt hat........................damals ein medizinisches wunder !!! dieses kind war schwerstbehindert,konnte nur mit sauerstoffzufuhr atmen.......es war blind..........taub,hatte gehirnschäden und es war klar das es nie laufen wird...............es lag 1 jahr im krankenhaus..............als es dann nach hause entlassen wurde ..............mußte alles steril und keimfrei sein,der kleinste infekt hätte den tod bedeutet (das heißt die eltern haben ihr komplettes privatleben eingestellt aus angst vor viren und bakterien,die einzigen menschen die ins haus kamen war das pflegepersonal)...................ihr könnt euch nicht vorstellen,was das für eine psychische und physische belastung für die eltern war..................natürlich haben sie ihr kind geliebt...............
    überleben um jeden preis ???
    ich habe selbst eine von geburt an behinderte nichte............und liebe das mädchen und wenn die medizin so weitermacht,wird sie hoffentlich als erwachsene ein selbstbestimmtes leben führen können.................aber bis dahin muß meine schwägerin allen op`s zustimmen...............was ist nötig und welche op könnte noch verschoben werden,für welche methode entscheidet man sich................mehrere male im jahr ins krankenhaus.................und wann kann das kind kind sein ???
    als eltern muß man solche entscheidungen treffen................als erwachsener sollte man selbst entscheiden.
    ich finde es gehört in jedem personalausweis ob ich organspender bin und wie im falle eines falles mit mir umgegangen werden soll !!!
    der tod gehört nun mal zum leben dazu...................leider wird er in unserer gesellschaft zu sehr verdrängt !!!
     
  6. Louise1203

    Louise1203 Gesperrter Benutzer

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    Hallo,

    ein interessantes und für manche Leute ein brisantes Thema. Denn wer beschäftigt sich schon gerne mit solchen Dingen wie Tod und Siechtum........??

    Mein Mann und ich haben schon seit Jahren eine Patientenverfügung. Ein Organspende-Ausweis habe ich nicht. Ich darf nicht spenden auf Grund einer Erbkrankheit.

    Uns war es wichtig, alles zu regeln und beim Notar/Amtsgericht zu hinterlegen damit wir nicht der Willkür von Ärzten und/oder Verwandten ausgeliefert sind.

    Liebe Grüsse

    Louise
     
  7. Sali

    Sali Neues Mitglied

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    Ich bin 28 und habe bisher noch keiner Patientenverfügung. Ich finde es ziemlich schwer jetzt im "gesunden" Zustand zu entscheiden was im Falle eines Falles das richtige ist, da spielen so viele Faktoren eine Rolle. Was ich definitiv nicht möchte ist nur noch durch Geräte am Leben gehalten zu werden. Ich habe vor 4 Jahren für meinen Großvater entschieden die Geräte abzustellen als er nach einem Schlaganfall und schweren Hirnblutungen im Koma lag. Das war schwer, sehr schwer sogar aber es war die richtige Entscheidung und er wollte es so- und er wollte dass ich es entscheide. So habe ich auch gehandelt. Ich war bis zum Schluss bei ihm und ich glaube das hat er gewußt.

    Einen Organspendeausweis habe ich nicht und werde ich mir auch nicht zulegen- dazu habe ich eine etwas "eigene" Meinung...
     
  8. Tiangara

    Tiangara PMR seit 08/2008

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    Hallo,

    da ich im April zu einer Hüft-OP ins Krankenhaus muss, haben wir das in der Familie zum Anlass genommen, nun endlich vorzusorgen. Mein Mann, meine Tochter und ich haben jeweils den beiden anderen Generalvollmachten erteilt. Die enthalten alles, was im Fall der Fälle anstehen könnte. Dass da nichts missbraucht wird - das Vertrauen haben wir.

    Wachkoma, Leben an Geräten, künstliche Ernährung usw. - NEIN, das möchte ich alles nicht!

    Hätte ich eine Krebserkrankung, dann würde ich mich aus heutiger Sicht so entscheiden, dass ich eine Chemo nur dann machen würde, wenn noch keine Tochtergeschwülste gefunden wurden.

    Ich hoffe, es wird nie dazu kommen.

    LG, Tiangara
     
  9. medikan

    medikan PSA/RA seit 2010

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    Hallöle,

    auch ich habe seit einigen Jahren eine Patientenverfügung, von einem Notar geschrieben und auch hinterlegt. Kostet zwar einiges (wird am Vermögen/Besitz errechnet), aber so kann ich sicher sein, dass es auch befolgt wird, was ich möchte.

    Bis ich die Diagnose Rheuma bekam, war ich eine fleissige Blutspenderin, ich habe einen Organspendeausweis und bin auch für Knochenmarkspenden registriert. In wie weit das alles noch geht mit Rheuma, keine Ahnung, Blut spenden darf ich definitiv nie mehr.

    Ich möchte nicht irgendwo hirnlos liegen oder mich nicht mehr verständigen können. Nur an Apparaten hängen, kommt auch nicht in Frage. Behindert sein und auf Hilfe angewiesen, nun ja, das Leben kann trotzdem lebenswert sein. Chemo bei Krebs, ich denke, ich würde es versuchen, wenn eine Chance von über 50% besteht.

    Ansonsten bin ich persönlich der Meinung: Tiere haben es besser, die müssen sich nicht quälen, sondern können eingeschläfert werden. Ich finde, wenn ein Mensch sterben möchte aufgrund irgendwelcher schweren Erkrankungen o.ä., dann sollte man ihm das ermöglich.
     
  10. Katjes

    Katjes Bekanntes Mitglied

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    ich wollte noch sagen, daß man einen organspendeausweis haben kann und dort auch ankreuzen kann,das man einer entnahme von organen widerspricht.
    dann müssen dieses nicht die angehörigen entscheiden...............
     
  11. Katjes

    Katjes Bekanntes Mitglied

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    @sali
    genau das was du nicht möchtest...........daß das eingehalten wird,darüber kannst du verfügen.


    ich habe mich sehr früh mit diesem thema auseinandergesetzt,da meine eltern und auch freunde von mir schon sehr früh gestorben sind.

    der tod den wir uns wünschen...................einfach abends ins bett gehen und nicht mehr aufwachen................den erfahren die wenigsten.
     
  12. BienchenSumm

    BienchenSumm summt herum

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    Ich möchte das Wochenthema wieder ein bisschen anschieben...
    Ohne größere Beschwerden alt werden und dann eines Morgens einfach nicht wieder aufwachen -
    Das ist wahrscheinlich ein Wunschtraum von uns allen, aber der wird nur äußerst selten in Erfüllung gehen.

    Für mich selbst wünsche ich mir vor allem einen würdevollen Tod, wirksame Schmerzlinderung und eine vertraute Umgebung mit ausreichend Zuwendung,
    um mir meine Ängste zu nehmen.
    Bisher habe ich mich noch nicht zu einer Patientenverfügung durchringen können, aber ich hab mir fest vorgenommen,
    in diesem Jahr, Nägel mit Köpfen zu machen.
    Auch für meinen Mann und die Kinder ist es mit Sicherheit eine Erleichterung, wenn sie wissen, was ich im Ernstfall möchte bzw. nicht möchte.

    Würdet Ihr aktive Sterbehilfe befürworten?
     
  13. tina71

    tina71 Neues Mitglied

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    Hallo,

    ich finde es sehr schwierig, etwas zu entscheiden, dessen Tragweite ich nicht wirklich überblicken kann. Wer weiß, was ich denke, fühle und will, wenn ich in einer Situation käme, die ich mir vorher ganz anders vorgestellt habe ?
    Jetzt denke ich : ich möchte nicht über einen längeren Zeitraum ohne Bewußtsein von lebenserhaltenden Maßnahmen ( z.B. Maschinen ) abhängig sein, vor allem, wenn die Perspektiven nicht gut aussehen. Organspende kommt mit einer Autoimmunerkrankung ohnehin nicht in Frage, darüber muss ich mir also keine Gedanken machen.
    Ich habe für mich beschlossen, eine recht eingeschränkte Patientenverfügung zu haben : solange es Sinn macht, kämpfen, aber keine sinnlosen Maschinendauereinsätze. Ansonsten vertraue ich meiner Familie und meinem Schicksal.
    Die Horrorvorstellung : vorher etwas gedacht zu haben, was sich in der Situation ändert und keine Möglichkeiten der Verständigung zu haben....:eek:

    Medikamente - habe bei mehreren Familienangehörigen erlebt, dass sie irgendwann keine Chemos o.ä. mehr wollten. Spürt man innerlich, wenn es keinen Sinn mehr ergibt ? Und was ist der Sinn ? Das bloße Überleben um MEHR Zeit oder auch eine Kürzere Zeit mit mehr Qualität ? Ich kann diese Frage für mich nicht beantworten, auch wenn ich eingeschränkt durch das Rheuma sicherlich auch mit einer kürzeren Zeitspanne ( durch Medikamente und Nebenwirkungen ) zugunsten einer besseren Lebensqualität rechne.

    die Frage, die ich mit meinem Mann schonmal diskutiert habe : Überleben um jeden Preis - würden wir ein Organ unserer Kinder annehmen ( z.B. eine Niere ), wenn ansonsten nur der Exitus bleibt ? Andersherum wäre klar : ich würde meinen Kindern so ziemlich alles geben :D - aber annehmen ? Ich glaube nicht.


    Liebe Grüße, Tina
     
  14. Mona-Lisa

    Mona-Lisa habe RA seit 2011

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    Wir haben da leider in unserer Familie schon sehr negative Erfahrungen gemacht...

    Ich war auch im Glauben, daß der nächste Angehörige im Ernstfall, wenn keine Hoffnung mehr besteht, entscheiden darf, ob die Geräte abgeschaltet werden dürfen.

    Mein Vater war schwer krebskrank, der Körper voller Metastasen, nach einem Darminfarkt hätte er die Chemo kaum überlebt. Er war im künstlichen Koma - und meine Mutter wollte ihn nicht mehr leiden sehen und die Geräte abschalten lassen.

    Die Ärztin hat das strikt verweigert mit dem Hinweis, das wäre "aktive Sterbehilfe"! (Ich muß dazu noch sagen, daß meine Mutter schon vorher die Bürgschaft über ihn hatte auf Grund psychischer Probleme.)

    Was danach kam, war für mich der absolute Horror. Da sagt uns doch tatsächlich diese arrogante Ärztin: "Aber er kann das doch selber entscheiden! Wir können ihn doch aus dem Koma aufwachen lassen und ihn fragen!"

    Mir kommen immer noch die Tränen, wenn ich das hier schreibe...
    Mein Vater hat noch 27 Tage gelebt.

    Und kurz danach haben wir unsere Patientenverfügung geschrieben.

    Liebe Grüße,
    Mona-Lisa
     
  15. Steffi80

    Steffi80 Ich bin Ich

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    Ein sehr interessantes und zu gleich für viele ein sehr schwieriges Thema.

    Obwohl ich erst 31 Jahre alt bin, habe ich schriftlich festgehalten, das bei mir keine lebenserhaltenen Maßnahmen durchgeführt werden sollen. Mit meinem Mann habe ich da auch schon oft drüber gesprochen. Mit meinen Organen können die machen was sie wollen, wenn die denn dann noch zugebrauchen sind.

    Habe diese Sachen aber nur auf einen formlosen Blatt geschrieben. Im Notfall reicht das auch. Für eine Patientenverfügung und Testament beim Notar fühle ich mich noch zu jung. Ich weiß das es damit nichts zu tun hat.

    Krebs ist gerade ein sehr schwieriges Thema. Stecken gerade mitten drin, meine Schwägerin 36 Jahre alt ist gerade im Endstadium. Sie bekommt die Chemos noch. Für ein paar Tage mehr leben? Ist das sinnvoll? Nur noch mehr Schmerzen ertragen müssen? Ich weiß es nicht, was ich machen würde. Im Moment würde ich sagen, keine Chemo, wenn ich voll mit Krebs wäre. Aber in dieser Situation, ich weiß es nicht.

    LG Steffi
     
  16. ivele

    ivele Aktives Mitglied

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    danke für dieses thema

    denn es kommt immer wieder in meinen kopf, da ichs vor mir herschiebe.
    das heißt, mal denk ich dran - mach wieder nichts, dann ists wieder wochen verschollen..
    gerade in der heutigen, sehr technisch orientierten medizin,
    wo ja beinahe alles möglich ist, sollte man sich "vorsehen ".
    ich hab extra diese bezeichnung gewählt.
    zum beispiel grad auch bei mir ist es so wichtig.
    da ich ja etliche chron.erkrankungen hab ( wie etliche hier ), fürcht ich mich so schon vor einem KH- aufenthalt,
    bei dem ich mich nicht selbst versorgen kann.:eek:
    ich muß es bald machen, danke BB fürs erinnern:)

    !hab auch im freundeskreis einige menschen mit krebs und chemo ja, oder nein...
    wir haben darüber gesprochen.
    meine meinung ( jetzt !?!): wenn durch die nebenwirkungen ganz schlechte lebensqualität,
    dann besser kürzer ,aber mit möglichst guter sympmtomatischer therapie ( schmerzen, austrocknung, etc)
     
  17. Silberpfeil

    Silberpfeil Bekanntes Mitglied

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    vor diesem Thema habe ich Angst...

    Ich wünsche für meine Familie und mich- nie in diese Lage zu kommen- sowas entscheiden zu müssen- oder wegen einer Patientenverfügung - nichts mehr machen zu dürfen-
    Aber leider - kan man sich auch dieses nicht aussuchen...
    :(
    LG
     
  18. saurier

    saurier Bekanntes Mitglied

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    @hallo, ein theam, was glaube ich irgendwie jeden beschäftigt !

    wie ich darüber denke?

    ich nehme mal ein beispiel in unserer familie:

    meine schwieger mama ist am 18.03.2011 verstorben, schneller als je erwartet in einem zustand,
    den wir ebenso nicht erwartet haben.

    gestern war ihr 1.todestag, den wir ehrwürdig ganz in familie verbracht haben.

    meine s-mama, voriges jahr 84, hatte kaum vorsorge im januar 2011, nichts nur ihren "lege", da war sie schon krank.
    ohne dass mein mann und ich davon wussten. lege war hilflos sich und seiner lebenspartnerin gegenüber und sie konnte
    sich schon nicht mehr so äußern. die demenz schlug innerhalb von wenigen wochen mit aller härte zu!
    dann kamen noch stärkste schmerzen hinzu, nicht laufen können-einfach ein furchtbarer zustand für uns alle.
    lege hatte eine unwarscheinlich schweren 24 stunden tag sie rund um die uhr zu betreuen.
    göga half ihm, ich war zur reha. konnte nur aus der ferne jeden tag am telefon mit tipps und lösung von organisatorischen
    dingen helfen. ein schmerzarzt innerhalb von wenigen stunden zu mobilisieren, pflegestufe zu beantragen,
    medikamentenbefreiuung usw. alles´aus der reha.

    dass sie 14 tage später so krank wird, dass sie ins heim musste-erahnten wir alle drei nicht. lege, mein mann
    und ich auch nicht. jeden tag, ging es ein stück abwärts, schnell-viel zu schnell!

    sie hatte aber eine patientenverfügung, wusste wie sie einmal beerdigt werden will, eine notarielle hinterlegung
    für den fall dass sie nicht zu hause sein wird usw. das haben wir alles für sie schriftlich festgehalten.

    wir hatten gottlob bis ende januar eine patientenverfügung, eine ermächtigung für alle drei für sie dazusein,
    in ihrem namen zu entscheiden und vor allem in ihrem sinne! sie hat in einer patientenverfügung ziemlich
    konkret und hart(so erscheint es mir) entschieden :keine lebensverlängernden oder erhaltenden maßnahmen!
    keine infusionen, keine antibiotika oder sonstwas, keine sonde, keine künstliche ernährung und keine geräte
    die einen am leben erhalten. ein würdevolles sterben, ohne geräte aber mit medikamente, die ihr das hinübergehen
    erleichtern, ohne schmerzen ohne leiden zu müssen.

    das heim in dem sie 4 wochen leben durfte, war für uns gesehen ein seegen. lege hat ihre 24 stunden betreuung
    nicht mehr geschafft. selber schwer diabetes und augenkrank. kaum lösbar das ganze, aber zu stolzmuns zur hilfe
    zu holen. erst mitte januar konnte ser selber nicht mehr. das göga half, war gar keine frage!

    die mitarbeiter im heim selber waren dann ganz erstaunt, als mein mann dann sagte so und so möchte mama das haben.
    kein krh in den letzten tagen nichts-nur würde! würdevoll einschlafen zu dürfen.

    sie wurde innerhalb von 4 wochen so dement das nichts mehr ging, die letzet woche lag sie fest im bett,
    mobilisierung ging nicht. alles was zum dahingehen abläuft konnten wir jeden tag erleben.
    jeden tag ein kleines stück abschied mehr-am letzten tag kam nochmal der hausdoc-vom schmerzzentrum.
    sie hatte keine schmerzen, konnte aber auch nichts mehr sagen. aber sie wusste wir sind da. wir haben
    sie in den arm genommen und noch mal liebhaben dürfen.

    heute denke ich dieses liebhaben, darauf hatte sie gewartet! sie war ganz entspannt und friedlich.

    die leitende stationsschwester wusste, dass sie erst anrufen sollte, wenn s-mama eingeschlafen ist.
    das hat sie sehr lieb getan. es war früh morgens um 8.30 und wir konnten den ganzen tag von ihr
    abschied nehmen. so wie sie es wollte. die kinder, wir, lege.

    ich will damit zeigen, sie hat sich bewusst zu lebzeiten ausgesprochen, für das was sie nicht möchte
    und was sie möchte. wir hatten keine zwang nun entscheiden zu müssen! es war alles geregelt!
    das haben wir im höchsten maße respektiert!

    ich kann nur jeden raten, auch wenn es natürlich etwas ist, was einem unsagbar schwer fällt:
    regelt diese dinge zu lebzeiten, wenn ihr klar bei verstand seid, danach geht es nicht mehr!
    die angehörigen sind den ärzten und maschienen schutzlos ausgeliefert und dürfen dann ggf.
    nichts entscheiden! wenn unheilbar krank heisst es, sollen die angehörigen im sinne des anderen
    entscheiden, wenn keine verfügungen bestehen.

    aber: woher wiess ich heut, das meine kinder wissen was ich wollte???

    oh man das ist so schwer und man darf die augen nicht davor schließen.
    nicht am leben erhalten um jeden preis! das möchte ich auch, aber ich hänge auch am leben.
    wo ist der punkt-der mir sagt-wann ist das erreicht_um jeden preis????

    organspende ist ein anderes blatt-hier weis ich wohl was ich möchte-kein problem damit und ausweis ist da.

    saurier:(
     
    #18 19. März 2012
    Zuletzt bearbeitet: 19. März 2012