Sulfasalazin bei NSAR Überempfindlichkeit

Dieses Thema im Forum "Klassische langwirksame Antirheumatika" wurde erstellt von SiriusF, 4. Juli 2020.

  1. SiriusF

    SiriusF Neues Mitglied

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    Hallo zusammen,

    ich (45J, m) leide seit vielen Jahren an einer Psoriasis Arthritis, die jetzt leider behandlungsbedürftig geworden ist. Mein Rheumatologe will zunächst Sulfasalazin probieren, wobei ich wegen meiner NSAR Unverträglichkeit erstmal mit einer Art Provokationstest beginnen soll (1/4 Tablette 3 Tage, dann eine 1/2 Tablette, dann ggf. mit der normalen Startdosis beginnen). Was die NSAR Überempfindlichkeit angeht, vertrage ich generell keine Cox 1 Inhibitoren, wie Aspirin, Ibuprofen etc.. Die Unverträglichkeit äußert auf der Haut mit Juckreiz und Quaddelbildung, sonst passiert aber nichts.

    Jetzt zur meiner Frage: Nimmt von Euch jemand Sulfasalazin bei bestehender NSAR Unverträglichkeit oder hat in der Hinsicht negative Erfahrung gemacht und nimmt es deshalb nicht?

    Vielen Dank schonmal für Eure Hilfe und allen ein schönes Wochenende!
     
  2. Thursday Next

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    Ich bekomme von Ibuprofen juckende Quaddeln auf dem Kopf - ich nehme es trotzdem, weil kaum etwas anderes so gut bei mir wirkt. Wenn ich Lorano dazu nehme, habe ich keine Nebenwirkungen.

    Sulfasalazin habe ich längere Zeit genommen und keine Hautsymptome davon bekommen. Am Anfang hatte ich Schwindel, der hat sich dann nach der Einschleichphase gelegt - allerdings bekomme bei der üblichen Dosis von 2000 mg nach einer Weile wieder stärkere Nebenwirkungen: Schwindel, Übelkeit und depressive Verstimmungen. Ich habe dann zuletzt 1000-1500 mg genommen. Es gibt Menschen, die das Sulfasalazin langsamer abbauen und daher stärkere Nebenwirkungen bekommen.

    Welches Sulfasalazin sollst du denn bekommen? Die, die ich hatte (Heyl und Sanofi) sind nicht teilbar, ich frage mich, wie du die Dosis hinbekommen sollst.

    PS. Als Diagnose steht bei mir auch Psioriasis-Arthritis im Raum, ist allerdings nicht gesichert.
     
  3. SiriusF

    SiriusF Neues Mitglied

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    Hi,

    vielen Dank für Deine Antwort. Bei mir hat die Diagnose 10 Jahre gebraucht und ist eine reine Ausschlussdiagnose, wobei hla b27 + und Nagelveränderungen vorliegen, sonst aber alle Werte im Normbereich liegen.

    Ich habe Azulfidine verschrieben bekommen. "Offiziell" teilbar sind die Tabletten zwar nicht, aber für einen Provokationstest ist das halbwegs okay, denke ich. Ich nehme einfach ein scharfes Messer und teile nach Augenmaß. Wenn ich es vertrage, sind bei mir auch 2000 mg / Tag angedacht. Die Alternative wäre Leflunomid.

    Hast Du mal Etoricoxib statt Ibuprofen versucht? Funktioniert bei mir ganz gut.

    Ich sehen in Deinem Profilbild ein Rennrad. Kannst Du unter Sulfasalazin Sport machen? Ich bin nämlich auch Rennradfahrer - an Sport ist aber aktuell leider nicht zu denken.

    Schönen Sonntag noch und viele Grüße!
     
  4. Lagune

    Lagune Registrierter Benutzer

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    Hallo,

    also wenn du NSAR nicht verträgst (Ich übrigends auch nicht), dann heisst es ja nicht zwangsläufig das du Sulfasalazin nicht verträgst. Also, was hält dich bitteschön jetzt davon ab Sulfasalazin auszuprobieren, es ist nach meinem Wissen nach ja kein NSAR. Alles Gute wünsche ich dir, versuche es doch einfach, Versuch macht klug, absetzen kann man ja jeder Zeit, falls es doch nicht geht.
     
    #4 5. Juli 2020
    Zuletzt bearbeitet: 5. Juli 2020
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  5. Resi Ratlos

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    Lagune hat Recht. Sulfasalazin ist ein Abkömmling der Gruppe der Sulfonamide (antibiotische Wirkung, z. B. Cotrimoxazol) und deshalb häufig nicht gut verträglich bei vorbestehender Sulfonamidallergie.
    NSAR sind die klassischen (nicht selektiven) Cyclooxygenasehemmer und die "moderneren", selektiven Cox-2-Hemmer, die so genannten Coxibe.
     
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  6. Hibiskus14

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    Das muss ich mir merken. Ich hatte vor 30 Jahren eine Sulfonamidallergie und gebe das auch immer brav an. Obwohl bei Infekten heutzutage wohl eher keine Sulfonamide mehr verordnet werden.
     
  7. Resi Ratlos

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    Doch, Cotrimoxazol ist durchaus gängig bei Harnwegsinfekten - und zusätzlich Standard als PCJ*-Prophylaxe (dann aber statt 1-0-1 täglich, 1-0-0 dreimal wöchentlich)

    *Pneumocystis jirovecii, früher Pneumocystis carinii
     
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  8. Thursday Next

    Thursday Next Aktives Mitglied

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    Ich habe das Ganze so verstanden: Da Sirius schon einmal Nebenwirkungen an der Haut hatte, hält der Arzt die Wahrscheinlichkeit (möglicherweise schwerer) Hautnebenwirkungen bei Sulfasalazin für größer und will vorsichtig sein. Also nicht, weil er es für ein NSAR hält, sondern wegen Hautreaktionen in der Vorgeschichte.

    @SiriusF: Ich habe nicht mal einen positiven HLA-B27, auch keine eindeutigen Ekzeme - ich habe zwar schuppige Kopfhaut und Ohren, die unter Prednisolon besser werden, aber weder Hautarzt noch Rheumatologe halten es für Schuppenflechte. Auch keine nachweisbaren Entzündungen im MRT - der Rheumatologe sagt mittlerweile, es sei Fibromyalgie. Mein Hausarzt glaubt das nicht und hat mir testweise Prednisolon verschrieben, und zack - alles weg, auch die Verdauungsbeschwerden und, und, und.
    Das war Anfang des Jahres, und als Corona kam, habe ich dann mal wieder einen Versuch gestartet, regelmäßig laufen zu gehen - und bis letzte Woche ging das sehr gut. Allerdings habe ich Anfang Juni Sulfasalazin und Prednisolon abgesetzt (der Gastro will noch ein MRT des Dünndarms machen, weil es auch Morbus Crohn sein könnte) und bekomme langsam wieder Schmerzen. Jetzt läuft auch das Laufen nicht mehr so gut ...
    Die kurze Antwort lautet also: Wenn die Medikamente wirken, ist auch an Sport, oder zumindest Bewegung, wieder zu denken! Für mich ist das ganz wichtig.

    Ach ja, Etoricoxib wirkt bei mir auch gut, ich bekomme nur leider schnell Wassereinlagerungen davon.
     
  9. Resi Ratlos

    Resi Ratlos Registrierter Benutzer

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    Thursday,

    das ist eine Überlegung, die ich durchaus nachvollziehen kann. Allerdings ist der Zusammenhang trotzdem relativ willkürlich, da Hautreaktionen auf Medikamente ja etwas Häufiges sind und auch bei anderen DMARD´s auftreten können.
    Sollte der Zusammenhang dennoch so verstanden werden, hätte ich persönlich auch Etoricoxib kritisch gesehen.
     
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  10. SiriusF

    SiriusF Neues Mitglied

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    Hallo zusammen,

    sorry, ich hätte es besser erklären sollen: Sulfasalazin wird im Darm in ein Sulfonamid und 5-Aminosalicylsäure (5-ASA) gespalten. Der 5-ASA Teil ist also ein Salicylsäurederivat und somit strukturell mit ASS verwandt. Lt. Literatur beruht ein Teil des Wirkprinzips von 5-ASA auf einer Beeinflussung des Arachidonsäurestoffwechsels, wahrscheinlich über eine Hemmung von COX-1. Genau diese COX-1 Hemmung bewirkt über Signalkaskaden bei NSAR-Überempfindlichkeit letztlich pseudoallergische Reaktionen.

    Wie heftig die Überemfindlichskeitsreaktion ausfällt, hängt wohl u.a. von der Stärke der Hemmung ab, also von der Konzentration und von der Stärke der Wechselwirkung des NSARs mit Cox-1. Ibu z.B hemmt Cox-1 recht stark, deshalb bekommt Thursday da Quaddeln. Ich reagiere ähnlich auf Ibu aber auch auf ASS. 5-ASA hemmt Cox-1 wahrscheinlich viel schwächer. Das reicht dann bei Thursday nicht aus um eine Reaktion auszulösen und ich hoffe, dass es bei mir ähnlich ist.

    Im Beipackzettel steht übirgens in den Gegenanzeigen bei "Überempfindlichkeit (Allergie)" gegen Salicylate. Da hätte ich mir mehr Klarheit gewünscht, z.B. ob damit nur eine Allergie gemeint ist oder jegliche Überempfindlichkeit einschließlich Allergie, ob die eine Unverträglichkeit gegen ASS schon problematisch ist oder ob eine allgemeine Salicylat-Überempfindlichkeit (also auch gegen Salicylate in Nahrungsmitteln) vorliegen muss.
     
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  11. Hibiskus14

    Hibiskus14 Registrierter Benutzer

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    Oh, da muss ich aufpassen, Harnwegsinfekt gibt es schon mal gelegentlich aller paar Jahre.
    Und nö, Pneumocystis will ich nich! Hatte erst Viruspneumonie, das reicht für die nächsten 10 Jahre. (wenn mich nicht Covid-19 ereilt).
     
  12. Hibiskus14

    Hibiskus14 Registrierter Benutzer

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    Oh, da muss ich aufpassen, Harnwegsinfekt gibt es schon mal gelegentlich.
     
  13. SiriusF

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    Hier mal ein kurzer Zwischenstand: Nach einer Woche langsamer Dosissteigerung (1/16 Tabeltte bis 1/2 Tablette / Tag) bin ich jetzt in der normalen Anfangsdosis, also 1 Tablette (500 mg) / Tag. Bisher konnte ich keine Unverträglichkeit feststellen.
     
  14. SiriusF

    SiriusF Neues Mitglied

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    Liebe Leute, leider musste ich das Sulfa jetzt doch absetzen. Nachdem ich bei der Anfangsdosis gestartet bin, habe ich abends Urticaria (Nesselsucht) bekommen die dann Abend für Abend schlimmer wurde und jeweils am nächsten Tage große Ekzeme an den Oberschenkeln und Oberarmen hinterließ. Sogar jetzt noch, einige Tage nach dem Absetzen, bekomme ich abends noch leichte Urticaria.
    Ob das jetzt mit der NSAR-Unverträglichkeit in Zusammenhang steht oder eine Überempfindlichkeit auf die Sulfonamid -Komponente ist, kann ich nicht sagen. Was ich schon etwas seltsam fand ist, dass die Urticaria immer abends fast zur selben Uhrzeit und viele Stunden nach der Medikamenteneinnahme kam, obwohl ich die Zeit der Medikamenteneinnahme absichtlich stark variiert hatte.
     
  15. Thursday Next

    Thursday Next Aktives Mitglied

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    Das ist ja doof. Hat der Doc schon ein anderes Medikament vorgeschlagen?
     
  16. SiriusF

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    Ja, nervig. Er ist in Urlaub, aber ich konnte ihn trotzdem kurz telefonisch erreichen. Ich nehme jetzt ein paar Tage Predni, hauptsächlich um die Hautreaktion zu stoppen und am Montag, wenn er zurück ist, wird dann entschieden wie es weitergeht. Der ursprüngliche Plan war Leflunomid, weil das auch noch recht mild und ganz gut verträglich ist. Mal schauen...
     
  17. janne25

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  18. janne25

    janne25 Neues Mitglied

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    Hallo
    Also ich bin höchst allergisch auf Ass..Ibu.. Diplo..
    Ich nehme Azulfidone RA seit 20 Jahren.. und habe keine allergischen Reaktionen
    Lg
     
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