seronegative chronische Polyarthritis? — Widersprüchliche Diagnosen und Empfehlungen

Dieses Thema im Forum "Entzündliche rheumatische Erkrankungen" wurde erstellt von Jim83, 10. Januar 2018.

  1. Jim83

    Jim83 Neues Mitglied

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    Liebe Community,
    ich bin zum ersten Mal hier und wollte Euch um eine Einschätzung bitten. Vielleicht hat jemand einen ähnlichen Verlauf erlebt oder hätte einen Tipp, wie man vorgehen könnte?

    Tatsächlich habe ich zwei sich widersprechende Rheumatologenberichte erhalten.

    Ich bin 34, 195cm, 92kg, Nichtraucher, mäßig trainiert und habe (bis auf Kniescheiben-Athrose und einer LWS-Problematik, die durch Rückentraining gut im Griff ist) keinerlei Vorerkrankungen.
    2015 und 2016 hatte ich sporadisch mal leichte Schmerzen am rechten Zeigefinger und Daumen beim Tragen eines Tellers, das hatte ich ignoriert bzw. mir nix dabei gedacht.

    September 2017 dann wurden die Schmerzen an Zeigefinger und Daumen stärker, traten täglich und beidseitig auf. Der Hausarzt überwieß mich zu einem internistischen Rheumatologen, der Mitte Dezember eine seronegative chronische Polyarthritis diagnostizierte und eine Basistherapie mit MTX empfahl. Blutwerte (inkl. Rheumafaktor, Antikörper, etc.) sind alle im Normbereich. Das verschriebene MTX hatte ich noch nicht eingenommen. Über Weihnachten verschlechterten sich die Beschwerden, so schmerzten tagsüber mehrere Finger, Handgelenke und auch Zehen und (v.a. das rechte) Fußgelenk. Ibuprofen half etwas, aber nicht komplett.

    In der 1. Januarwoche war ich bei einem zweiten internistischen Rheumatologen, der erneut Blutwerte bestimmte. Er meinte wörtlich, dass er die Diagnose nicht bestätigen kann, wegen fehlender Schwellungen, fehlender Morgensteiffigkeit, normalen Blutwerten und normalen Röntgenbefunden der Hände. Ich hätte Polyarthralgie unbekannter Genese, er würde mit MTX noch warten und die Diagnose ergibt sich im Verlauf. Vielleicht würde es sich auch normalisieren. Auf meine großen Bedenken, ein Zeitfenster zu verpassen, meinte er ich solle mir keine Sorgen machen („Vergessen Sie das MTX“). Er verschrieb ein Cortisonpräperat, welches ich seit 4 Tagen nehme. Insgesamt haben sich die Beschwerden etwas verändert. Es sind weniger Schmerzen in den Fingern, aber dafür Kribbeln in den Fingern, Mißempfindungen im Handrücken und in den Handgelenken sowie im Nacken zu spüren.

    Der erste Rheumatologe hingegen betont, für ihn ist die Diagnose seronegative cP gesichert und ich solle umgehend mit MTX beginnen.

    Ich bin ehrlich gesagt dadurch ziemlich verzweifelt und verunsichert. Noch vor wenigen Monaten sah ich mich körperlich und geistig völlig fit und jetzt habe ich möglicherweise eine unheilbare Autoimmunerkrankung. Auch widersprechen sich zwei Experten in ihrer Diagnose und Empfehlung. Vielleicht ist das vom Einen empfohlene Abwarten mit der MTX-Medikation ein großer Fehler?

    Ich danke Euch sehr für jegliche Antworten, vielleicht hat bei jemandem eine seronegative cP ähnlich begonnen? Kennt Ihr besondere Experten speziell für die seronegative cP und (Früh-)Diagnostik (gerne auch per PN)?

    Viele Grüße, Jim
     
  2. merlinda

    merlinda Registrierter Benutzer

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    Hallo Jim,
    Bei einer cP sollte man tatsächlich zeitnah mit MTX bzw. mit einer geeigneten Behandlung beginnen, da die Entzündungen die Gelenke zerstören! Allerdings hast du keine erhöhten Entzündungswerte, richtig? Das wäre vermutlich (ich bin kein Arzt!) ein Hinweis, dass etwas anderes dahinterstecken könnte. Bei M. Bechterew/SpA können bspw. die Entzündungswerte fehlen trotz aktiver Erkrankung..... Eine SpA kann auch viele periphere Gelenkbeschwerden, also an den Händen, Füßen.... machen.

    [Die gute Nachricht: Die zerstörende Wirkung an den Gelenken durch die Entzündungen ist nicht ganz so unmittelbar (so meinte das einmal mein Rheumatologe).
    Aber nicht falsch verstehen: auch eine SpA sollte behandelt werden! Und ganz wichtig ist hier die Bewegung um die Gelenkversteifungen zu verhindern!]

    Bei deiner Beschreibung würde ich an deiner Stelle beim Arzt nochmal gezielt hinterfragen, ob nicht auch ein Bechterew/SpA dahinterstecken könnte. Bist du auf HLAB27 getestet?

    LG linda
     
  3. Jim83

    Jim83 Neues Mitglied

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    Hallo Merlinda und Kati,
    vielen lieben Dank für Eure Antworten und Tipps, das weiß ich sehr zu schätzen!

    @merlinda Richtig, die Blutwerte, einschließlich Entzündungswerte, sind im Normbereich. Nein, auf HLAB27 bin ich — was ich den Befundberichten entnehme — nicht getestet worden. Nach M. Bechterew/SpA habe ich die beiden Ärzte nicht gefragt.

    @Kati Magnesiumcitrat werd ich probieren. Momentan nehme ich 15mg Cortison seit einer knappen Woche. Schmerzen wenn ich die Finger drücke, sind subjektiv weniger geworden. Dafür Kribbeln in den Handrücken und Handgelenken, (leichte) Schmerzen im Nacken und seit gestern abend beidseitig in der Nierengegend. (Ein- und Durchschlafprobleme sind wohl typische Nebenwirkungen von Cortison und momentan eher noch eines meiner geringeren Probleme.)

    Ich hoffe so sehr, dass es doch was harmloseres als die cP ist. Laut dem ersten Rheumatologen ist die Diagnose gesichert. Meine Frage an ihn ob es denn nicht auch was anderes sein könnte, verneinte er. Laut dem Zweiten ist die Diagnose nicht bestätigt und die Beschwerden sind unbekannter Genese. Ich würde angesichts meiner großen Verunsicherung und Belastung auch noch einen Dritten fragen, ich weiß nur nicht, ob ich so rasch einen finde und wie lange ich noch warten kann/darf.
    Als Laie kann ich das gar nicht abschätzen, wenn sich zwei Experten widersprechen. Vielleicht ist es vom Risiko und Spätfolgen her doch besser, mit MTX zu beginnen. Wenn sich dann rausstellt, dass es doch keine cP ist, kann ich nach ein paar Monaten wieder aufhören? Wenn ich nicht anfange und es stellt sich raus, ist doch cP... Dann wäre das Abwarten mit einer notwendigen MTX-Medikation vielleicht schlimmer als der Beginn mit einer unnötigen MTX-Medikation. Ich blicke da nicht abschließend durch :(
     
  4. ana.t

    ana.t Registrierter Benutzer

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    hallo :)
    ob du wirklich die krankheit hast, kann ich dir nicht bestätigen. wenn doch, dann beginn auf jeden fall
    mit mtx - je früher die therapie, umso höhere die chancen für einen stillstand der kh.
    aber die seronegative cp gibt es.
    falls es dich tröstet: sie verläuft meistens nicht so aggressiv wie die seropositive cp.
     
  5. Jim83

    Jim83 Neues Mitglied

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    Hallo,
    besten Dank für Eure Antworten!
    Also bisher war ich leider nicht erfolgreich, in Kürze einen Termin bei einem anderen Experten zu bekommen, der sich die beiden widersprechenden Diagnosen ansieht :(
    Ich könnte mich in der zweiten Februarwoche in einer Klinik zur Diagnose vorstellen, allerdings ginge das nur stationär (was ich ehrlich gesagt sehr übertrieben finde, da ich ja nicht bettlägrig bin...). Der Hausarzt kennt nur den ersten Rheumatologen und traut ihm eher (also der Diagnose cP), weil er den zweiten nicht kennt.
    Das Kribbeln in den Händen hat zumindest nachgelassen, allerdings ist das Händedrücken immer noch schmerzhaft und ich habe teilweise Schmerzen im Bereich zwischen den Fingergrundgelenken und zwischen den Handmittelknochen, in den Handgelenken, und im Bereich der Fußmittelknochen. Ob das darin liegt, daß 15 mg Prednisolon zu wenig ist, oder daß es keinen entzündlichen Grund hat, weiß ich nicht.
    Seit drei Tagen kommen leichte aber störende, drückende Schmerzen im Nierenbereich beidseitig hinzu, die ich so noch nie hatte. Werde ich leider anschauen lassen müssen, wenn es gar nicht weggeht. Hatte das jemand mal als Nebenwirkung vom Cortison?
    Die Unsicherheit und dieses völlige zwischen den Stühlen sitzen ist natürlich sehr unschön :(
     
  6. Resi Ratlos

    Resi Ratlos Guest

    Meine Antwort: nein. Cortison macht keine Schmerzen, und die Nieren tun in der Regel nicht weh, von ganz wenigen (speziellen) Ausnahmen abgesehen.
     
  7. merlinda

    merlinda Registrierter Benutzer

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    Hallo Jim,

    meine "schmerzenden Hände" äußerten sich anfangs in von "Gefühlsveränderungen", fühlte sich auch wie ein Kribbeln an. Die Hand zum Gruß geben wurde zunehmend unangenehm und schmerzhaft. Mir tat auch der Handrücken weh... im Szintigramm bestätigten sich dort Entzündungen,... und auch die Knochen zwischen den Fingergelenken schmerzten. Erst später kamen entzündete und regelrecht schmerzhafte Fingergrund- und -endgelenke dazu.

    Schmerzen in der Nierengegend- vielleicht geht es auch in Richtung einer Spondylarthritis (M. Bechterew) mit peripherer Gelenkbeteiligung? Dann könnten die Nierenschmerzen u.U. ausstrahlende Schmerzen aus dem LWS-Bereich sein.... Aber letztlich kann das natürlich nur eine gründliche ärztliche Untersuchung kären!


    LG linda
     
    #7 15. Januar 2018
    Zuletzt bearbeitet: 15. Januar 2018
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