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Sein Kummer lässt mich nicht atmen

Dieses Thema im Forum "Austausch für und mit Angehörigen" wurde erstellt von Suze, 24. März 2011.

  1. Suze

    Suze Neues Mitglied

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    Hallo ihr Lieben,

    nachdem wir in der letzten Nacht gestritten haben und heute leider vollkommen fertig zur Arbeit mussten, habe ich mich entschlossen Euch um Rat zu fragen. Denn ich weiß nicht wie ich mit dem allem umgehen soll.

    Bei meinem Freund ist RA diagnostiziert worden. Zur Zeit nimmt er ein Basismedikament, das aber noch nicht wirkt (erst in ca. 3 Monate) und Cortison. Er hat fast immer Schmerzen, obwohl er Cortison nimmt. Das zieht ihn natürlich ziemlich runter. Besonders weil er mit der Diagnose noch nicht lange konfrontiert wurde. Zusätzlich ist er noch todunglücklich in seinem Job und bewirbt sich zur Zeit auch. Die Bewerbungsgespräche machen ihm natürlich auch noch Kummer und durch die vielen Arztbesuche und Bewerbungsgespräche fehlt er bei der Arbeit leider häufiger, was ihn auch zurück wirft.

    Ist echt ne schlimme Situation für ihn.

    Aber heute und hier wollte ich mal über mich reden. Ich habe das Gefühl ihm wirklich zu helfen. Ich bin ein positiv ausgerichteter Mensch und versuche ihm ständig klar zu machen, dass die Medis schon bald helfen werden, dass es weiter geht, er einen Job findet. Aber er schwimmt sowas im Selbstmitleid, ich komme nicht an ihn ran. Diese Phasen hatte er schon vor der Diagnose. Er ist also nicht nur wg. des Rheumas so down, sondern ihn zieht schnell mal was runter.

    Ich versuch ihn aufzubauen, zu ihm lieb zu sein. Übe mit ihm Bewerbungsgespräche, lese Rheumabücher, koche für ihn, kauf ihm Blumen, mache den Haushalt, mache Witze, höre ihm stundenlang zu etc.

    Doch so langsam kann ich nicht mehr. Auch ich habe nebenbei noch einen Job zu erledigen, auch ich habe häufig Schmerzen (Migräne und Tinnitus). Wenn ich ihm sage, dass ich mich ausruhen möchte, weil ich Kopfschmerzen habe, dann fängt er an mit mir zu diskutieren was schlimmer ist: Migräne oder Rheuma. Ich sag ihm, dass das kein Wettkampf ist.

    So komme ich mir manchmal aber vor, wie im Wettkampf, welche Krankheit schlimmer ist, hat gewonnen.

    Manchmal drückt mich das so runter, es lässt mich nicht atmen. Entweder hat er Rheumaschmerzen oder er hat Ärger im Job. Sobald das Wochenende da ist, ist er wie ausgewechselt. Wir waren letztens ein paar Tage in Berlin. Auch da hatte er Schmerzen, aber er ist damit irgenwie viel normaler umgegangen. Wir waren so glücklich, hatten so viel Spass, haben soviel erlebt. Aber die Kombination: unglücklich im Job und Rheuma... das ist das, was ihn so nieder streckt.

    Ich weiß nicht wie ich damit umgehen kann. Gestern hatte ich echt genug. Gestern hat er wieder den ganzen Abend rumgejammert, da bin ich ins Arbeitszimmer gegangen und habe im Internet gesurft. Ich habs echt nicht mehr hören könnne.

    Wenn ich zu ihm sage, es gibt Menschen die sind noch schlimmer dran als du, dann behauptet er hätte lieber Krebs, denn dann wüsste er dass es vorbei geht, entweder wird er gesund oder er stirbt. Ich als seine Freundin finde das irgendwie ungeheuerlich.

    Was soll ich tun, mehr Verständnis haben oder mich zurück ziehen? Ich könnte ihn auch noch mehr behätscheln, aber ich habe Angst, dass er sich dann noch mehr in sein Selbstmitleid vergräbt. Deswegen bin ich immer diejenige die ihn antreibt, ihm sagt, er soll das Glas als halb voll betrachten etc. Ich weiß nicht was richtig ist.

    LG Suze.
     
  2. josie16

    josie16 PsA

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    Hallo Suze!
    Herzlich Willkommen hier im Forum.
    Natürlich ist es ein großer Einschnitt, wenn man die Diagnose bekommt.
    Ich sehe es aber genauso wie Du, dein Freund scheint im Selbstmitleid zu zerfließen.
    Da Du ja schon geschrieben hast, daß dein Freund nicht nur wegen der Diagnose so niedergeschlagen ist, wäre es vielleicht sinnvoll, wenn er eine Psychotherapie anfangen würde. Eine Verhaltenstherapie, wo er seinen Frust und Schmerz abladen kann und wo er Vorschläge bekommt, wie er damit umgehen kann.
    Ich persönlich mache das schon seit längerer Zeit und mir tut das gut. Natürlich kann man Schmerzen nicht "wegsprechen", aber man kann überlegen, was man tun kann, daß es einen unter diesen Voraussetzungen nicht so mies geht.

    Die Frage ist, ob er sich darauf einläßt. Ich denke, Du solltest deinen Freund auch nicht zu sehr in Watte packen, das tut ihm glaube ich nicht gut und dir auch nicht!
    Du schreibst ja schon, daß Du selber nicht mehr kannst, Du solltest offen mit ihm darüber reden, warum das so ist und ihm dann die Therapie vorschlagen.
    Ob er sich darauf einläßt, kann man nicht vorraussagen.
    Alles Gute für euch!
     
  3. Gitta

    Gitta Aktives Mitglied

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    Hi Suze,
    deine Gedanken sind schon richtig.Du bist seine Patnerin und nicht seine Mutter.
    Du hast auch nur eine Gesundheit und musst dich mit deiner
    "Ungesundheit" auseinandersetzen.
    Denk einfach darüber nach,ob du dein restliches Leben so weitermachen möchtest.
    Ich wünsche dir,das du für dich,den richtigen Weg findest.

    Biba
    Gitta
     
  4. luiselotte

    luiselotte Registrierte Benutzerin

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    Hallo Suze,

    bei allem Mitleid für Deinen Freund - er sollte trotz Erkrankung (die nicht tödlich ist) und Ärger im Job nach einer gewissen "Gewöhnungszeit" an die neue (Rheuma-)Situation nicht vergessen, daß auch Du nur ein Mensch und keine Superheldin bist, die auch ihr Leben bewältigen muß.

    Leider führt bei manchen Menschen mit dementsprechendem Temperament eine Krankheit zu den schlechtesten Seiten, die kein Mensch braucht - Egozentrik z. B.

    Du brauchst meiner Meinung nach kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Du auch mal an Dein eigenes Gleichgewicht denkst.

    Ihr solltet Euch vielleicht einmal richtig aussprechen, damit er verstehen kann, daß Du bei aller Hilfsbereitschaft und Zuneigung nach Abklärung seiner akuten Probleme auch ab und zu mal ein anderes, positives Thema brauchst. Und wenn Du nicht durchdringst zu ihm, wäre es eventuell wirklich am besten, er holt sich für die Aufarbeitung seines Stimmungstiefs professionelle Hilfe.

    Wenn Du am Ende bist, kannst Du ihm schließlich auch nicht mehr helfen...
     
  5. Suze

    Suze Neues Mitglied

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    Vielen Dank erstmal für Eure Hilfe. Das hat mir sehr geholfen. Ich bin mir manchmal einfach sehr unsicher.
     
  6. tina71

    tina71 Neues Mitglied

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    Hallo Suse,

    ich kann mir vorstellen, dass der Kummer, den dein Freund hat, sich nicht nur auf die aktuelle Situation bezieht. Diese Diagnose hat ja schon weitreichende Folgen und ich weiß ja nicht, wie alt ihr seid, aber eventuell hat er jetzt gerade das Gefühl, dass ihm die Entscheidungsmöglichkeiten genommen werden und er den Anforderungen des Lebens ( Job, Familie etc. ) nicht gerecht werden kann. In dem Moment, in dem man Schmerzen hat, ist auch die Aussicht darauf, irgendwann keine zu haben, nicht so ein großer Trost, insbesondere dann nicht, wenn man durch mangelnde Erfahrung noch gar nicht weiß, ob es wirklich besser wird.
    Dann könnte ich mir vorstellen, dass er durch den Versuch deinerseits, ihn aufbauen zu wollen, dass Gefühl hat, du verkleinerst sein Problem.
    Und dass er es als Druck empfindet, jetzt um deinetwillen "gut drauf sein zu müssen", obwohl ihm nicht danach ist. Wenn er einen neuen Arbeitsplatz sucht, ist es sicher nicht einfach, sich unter Schmerzen und mit der Ungewissheit, wie es in der nächsten Zukunft aussehen wird, zu "verkaufen". Vielleicht denkt er an Kinder, seine Rolle als Mann, Vater. Frage dich, ob du es aushalten kannst, ihn eine gewisse Zeit einfach anzunehmen. Ich empfand es als erdrückend, wenn mein Mann mich nach dem Motto "das wird schon wieder" aufbauen wollte und es gab mir auch das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Die Diagnose einer chronischen Erkrankung braucht Zeit zum verarbeiten. Das läuft in Stufen ab, genau wie Trauerarbeit... Leere, Wut, Traurigkeit, Akzeptanz ! Ich denke, es wäre einen Versuch wert, die "Aufbauversuche" einzustellen, denn da schwingt ja auch immer der Appell "funktioniere und mach keine Probleme" mit ...Und gerade wenn er sowieso schon so veranlagt ist - ändern wirst du ihn nicht, du machst aus einem Pessimisten keinen Optimisten !
    Rede doch mit ihm über seine Sorgen, darüber, wie er sich die Zukunft vorgestellt hat und wie sich das für ihn jetzt verändert. Frage ihn, was er sich im schlimmsten Fall vorstellt - meistens sieht man dann, auch für den schlimmsten Fall gibt es Lösungsmöglichkeiten. Das sind konkrete Dinge und man richtet seinen Focus weg vom funktionieren und schafft eine gemeinsame Situation. Setze ein Signal und sage ihm, wenn du reden willst, bin ich da, ich gebe dir Zeit, die Situation zu verarbeiten - denn er wird sicher lernen, mit RA zu leben, das mussten wir alle - aber es braucht seine Zeit. Sage ihm vielleicht auch, dass dich seine Diagnose auch beschäftigt, dass du für ihn da bist aber nicht alles auffangen kannst ( jammern z.B.), ich bin sicher, in einigen Monaten sieht das schon ganz anders aus !
    Momentan kann er sich einfach nicht auf dich einstellen, ist egoistisch - aber das wird sich bestimmt wieder ändern !
    Alles Gute für Euch wünscht
    Tina
     
    #6 24. März 2011
    Zuletzt bearbeitet: 24. März 2011
  7. phoebe

    phoebe Aktives Mitglied

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    hallo

    schon beim lesen fiel mir auf, dass du alles tust..alles was in deiner macht steht..und das ist oft zu viel. -auch wenn es dir merkwürdig erscheint..dein problem ist anerzogen ..du hast es ihm oft zu leicht gemacht. deine hilfe ist so selbstverständlich geworden..dass er es annimmt..ohne drüber nachzudenken.
    es ist sowieso besser, dass er nur das bekommt was er sich "selbst besorgt! warum sollte er nicht auch nett bitten dürfen..um das was er wirklich haben will?? -also..lass ihn ruhig mal los ..und denke mehr an dich!!!!
     
  8. Danydrum

    Danydrum Neues Mitglied

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    Sein kummer lässt mich nicht mehr atmen

    Hallo,

    es ist widhtig, das du dir auch Auszeiten nimmst. Auch mal was für dich
    tust. Vernachlässige bei aller Hilfe dich nicht selbst.
    Bin selber Rheumabetroffen und versuche meinem Mann der immer alles
    für micht tut klar zu machen, dass er auch zeiten für sich nehmen soll.

    Alles liebe für Euch Danydrum:D
     
  9. Juliane

    Juliane Neues Mitglied

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    Hallo Suze,

    mein erster Gedanke:
    es reicht!

    So viel Fürsorge, Verständnis, Hilfe die Du gibst
    - und noch immer reicht es nicht.
    Wenn Du soo weiter machst wird es nie! reichen.

    Sei auf der Hut zu einer "unkaputtbaren" Hängematte zu werden-
    sonst dauert es nicht lange und Du wirst krank.

    Ich denke Du solltest beim nächsten Gespräch mal direkt
    Dein Problem ansprechen, was Du fühlst, wie kaputt es Dich macht
    und das alles seine Grenzen hat.
    Er muss wissen, das Du nicht verantwortlich bist.

    "Nein"- ist ein vollständiger Satz.

    Du wirst sicher heftigen Widerstand bekommen, schließlich ist es ja soo bequem.
    Gib nicht nach, es wird eine Weile dauern.
    So, wie bei Kindern die partu was haben wollen (und nach dem 10ten Aufstand kriegen).
    Ich wünsch Dir viel Stärke, es kommt Euch beiden gemeinsam
    zu Gute und bringt einen neuen Anfang.
    LG von Juliane.
     
  10. Julia123

    Julia123 rheumatic pixie

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    Hallo Suze,
    du kannst einen anderen Menschen nicht ändern, aber du kannst Strategien entwickeln, um selbst mit der neuen Situation klarzukommen. Das heißt nicht, dass du deinem Partner alles abnimmst und dabei selbst zugrunde gehst, sondern, dass du ihm lediglich Impulse zur Selbsthilfe gibst.
    Hängst du dich zu sehr rein, dann verläßt er sich zu sehr auf dich, profitiert stark von seiner Krankheit (Sekundärer Krankheitsgewinn) und wird im Endeffekt immer unselbständiger und "abhängiger" von seiner Krankheit und von dir. Denn das Leben und die Beziehung funktioniert dann nur noch durch die Krankheit und durch deine Fürsorge und dein Eingreifen.


    Sorge auch für die selbst. Man kann nicht für andere da sein, wenn es einem selbst schlecht geht. Mache ihm klar, dass du ihm nur eine Hilfe sein kannst, wenn du auch Freiraum für dich selbst hast.
    Höre ihm zu, berate ihn, aber nimm ihm nicht sein Leben ab. Je selbständiger er mit seinen Belangen umgeht und diese auch selbst regelt, desto besser wird er auch seine Krankheit bewältigen können. - Ich spreche hier aus Erfahrung!
    Nimm seine Schmerzen ernst, aber mache sie nicht zu deinem Lebensinhalt.

    Ein weiterer Punkt ist: Das Finden der richtigen Therapie gegen Rheuma ist oft ein Suchspiel und es dauert auch eine Weile, bis die Medikamente wirken. Es gibt hier auch Unterschiede von Person zu Person.
    Als ich in dieser Situation war, hat mir die liebevolle Unterstützung meines Hausarztes sehr geholfen, der mir immer wieder gesagt hat, dass wir etwas finden werden, was mir hilft, aber dass dies einfach seine Zeit braucht.

    Ich hoffe, ich konnte dir mit meinem Geschreibsel ein Bischen helfen.

    Gruß

    Julia123
     
  11. Ni.Ka

    Ni.Ka Mitglied

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    Das, was ich schreiben wollte, haben die anderen schon geschrieben:top:. Ein gesunder Egoismus bei den Angehörigen gehört schon dazu und du solltest dich selber nicht vergessen.
    Es hilft niemanden, wenn du dich auch noch aufgibst, mit ´runterziehen läßt, dadurch werden deine eigenen Beschwerden garantiert nicht besser.
    Zäum´doch das Pferd von hinten auf, pack´deinen Freund und ihr fahrt mal zusammen weg, in den Zoo oder ans Meer oder besucht Freunde oder oder oder. Es gibt viele Möglichkeiten, die ihn auch ablenken. Hat er ein Hobby, wo er so richtig aufgeht? Dann kannst du versuchen, ihn in die Bahn zu lenken.
    Ich schätze mal, er braucht auch eine richtige Aufgabe, die ihn stundenlang vergessen läßt, was er hat. Wenn er so wehleidig ist, solltest du es zwar akzeptieren, aber nicht zu deinem Lebensinhalt machen.
    Wenn man mit der Allgemeinsituation unzufrieden ist, ist alles andere ebenfalls Mist, dann kommt noch so eine blöde Krankheit, die ist dann der willkommende Auslöser für den letzten Schliff.
    Ich hatte seinerzeit einer Freundin mit Psychotherapie gedroht, wenn sie ihr Selbstmitleid nicht in den Griff bekommt. Sie hat eine andere chronische Krankheit, an der sie sich bis zum Abwinken hochzog.
     
  12. Gertrud

    Gertrud Aktives Mitglied

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    Ich glaube, das Schlimmste, was man einem Kranken antun kann, ist, ihn als "wehleidig" hinzustellen und ihm vorzuwerfen, nicht selbst energisch genug gegen Krankheit und Selbstmitleid anzugehen ....

    Jeder gute Ratschlag von Angehörigen, die selbst nicht betroffen sind, wird einen Kranken nicht erreichen - und eher das Gegenteil bewirken: Rückzug.

    Jeder Kranke entwickelt irgendwann Kräfte, gegen die Krankheit anzukämpfen - aber die entwickelt er aus sich selbst und unabhängig von dem, was seine Mitmenschen von ihm erwarten/wünschen.

    Bis es so weit ist, kann man nur eines tun - für ihn da sein und ihn akzeptieren, wie er ist (wie man das ja immer tun sollten, wenn man liebt). Ihm zeigen, dass man den Weg mit geht und ihn immer versucht zu unterstützen.

    Dass man dabei aufpassen muss, sich nicht selbst aufzugeben und zu überfordern, ist klar - und das bleibt sicherlich ein schwieriger Weg für die Angehörigen.
     
  13. Ni.Ka

    Ni.Ka Mitglied

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    Gut geschrieben Gertrud:top:
    Vielleicht ist wehleidig auch das falsche Wort dafür, was ich benutzt habe. Aber wir aus der Familie sind irgendwie aus einem anderen Holz geschnitzt, so das auch ich hin - und wieder mal alles ein wenig "abtue". In meinem engsten Familienkreis haben sich seit 2008 ereignet: 3 Herzklappen, 3 Bypässe, 1 Hirnblutung inkl. weitere Schlaganfälle und plötzlicher Herztod, allerdings in der Ambulanz des Krankenhauses, so das das Mitglied gerettet werden konnte. Das alles ist nicht irgendwo passiert, sondern hier zu Hause, insofern bin ich evtl. anders davor, wenn man so viele Dinge auf Leben und Tod in dem kurzen Zeitraum mitgemacht hat, hautnah und dieser rote Faden spinnt sich weiter.

    Also, wenn ich mit meinem Post etwas zu direkt war oder jemanden beleidigt habe, möchte ich mich entschuldigen, ich stehe ja selber auf der Krankenseite und weiß ungefähr, was abläuft, habe schon etliche Medis und Thearpien hinter mehr, irgendwie findet sich keine Lösung. Und natürlich bin ich auch ab und an deswegen frustriert...
     
  14. Lene09

    Lene09 Neues Mitglied

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    Hallo Suze,
    der Beitrag spricht mir total aus der Seele. Er ist zwar schon älter und vielleicht ist inzwischen alles besser geworden!
    Aber ich habe auch dieses Problem. Mein Mann hat seit mehreren Jahren Fußschmerzen, besonders an den Zehen. Es ist ziemlich rumgedoktert wurden. Erst wurde er auf Gicht behandelt und dann Rheuma und jetzt wissen sie nicht was es ist. Also nicht definitiv RA.
    Probleme hat er "nur " an den Füßen. Metex hat er gleich nach der ersten Einnahme abgesetzt. Dann passierte lange Zeit nichts. Jetzt war er in einer Rheumaklinik und sie haben ihn durchgecheckt und es ist alles relativ gut.
    Was mich nervt und mürbe macht, sein Selbstmitleid. Obwohl er nicht mal eine gesicherte Diagnose hat ist seine Krankheit die Schlimmste. Innerhalb von 5 Wochen haben wir 2 Kollegen verloren, einer hat sich knapp 2 Jahre mit Krebs gequält und ist dann elendiglich eingegangen. Wenn ich das höre und er dann jammert weil die zehen wehtun und behaptet seine Krankheit wäre schlimmer als zB. der Krebs des Kollegen fehlen mir die Worte. Ich habe auch versucht ihn aufzumuntern, das es zum Glück nichts tödliches ist und mit Schmerzmitteln gut zu händeln. Das geht gar nicht. er jammer jammert und jammert. Dann wollte er wandern und dabei hat er ein Tempo vorgelegt wo ich nicht mithalten konnte. Das verstehe ich dann überhaupt nicht.
    Ich will ihm nicht unrecht tun, aber es fällt mir sehr schwer damit umzugehen!
    Manchmal hatte ich auch das Gefühl er veranstltet eine Art "Krankheitsranking", aber das find ich nicht gut.
    Bei allem was ich sage wirft er mir vor, das ich keine Schmerzen habe und somit ruhig sein soll, auf der anderen Seite soll ich ihm helfen.
    Liebe Grüße Lene
     
  15. Andi Ahnungslos

    Andi Ahnungslos Neues Mitglied

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    Hallo an Euch,
    erst seit ein paar Wochen bin ich auf diese Seite gestoßen.
    Inzwischen erstrecken sich meine Erlebnisse (ich weiß nicht, ob Erfahrungen die richtige Bezeichnung ist), über 24 Jahre, seit der Diagnose RA.
    Betroffen ist mein Mann. Nun las ich den ganzen Thread, der schon etwas älter ist. Das Leben in einer Beziehung mit einem chronisch schwer kranken Menschen gleicht einem Spagat zwischen Doku Soap und Reality Show. Es gibt keine Regeln, keine Medizin , kein Erfolgsrezept.
    Jeder Mensch tickt anders, ich bin eine Kämpferin und habe mich dann doch vereinnahmen lassen. Doch, ich habe versucht, alles hinzukriegen: mein eigenes Leben und seine Bedürfnisse. Das Fazit, ich bin dankbar für jede schöne Stunde, die ich alleine hatte und unsere gemeinsamen Momente. Der Patient ist stark auf sich fixiert, das verstehe ich absolut. Wichtig war immer: Die Würde des Menschen hat absoluten Vorrang.
    Heute stehe ich vor ganz neuen Situationen und bin etwas ratlos. Immer wieder wird es neue Probleme geben und auch Lösungen, was ich ganz bedeutend erachte, wir als Partner müssen morgens zuerst nach unserem Befinden fragen. Dann kann der Tag kommen und der verdient eine Chance.
    Grüße Andi
     
  16. Dittmarsche

    Dittmarsche Mitglied

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    Mit Absicht und wg. Zeitmangel lese ich jetzt mal nicht die Beiträge. Ok, Thread ist schon älter, aber das Thema ist ja alltäglich und aktuell.

    Mein erster Gedanke: lass' ihn einfach mal in Ruhe!
    Wie soll ein Mensch seinen eigenen Weg und eigen Einstellung zu seiner Erkrankung finden, wenn dauernd "irgendwer" (Partner, Ärzte, Freunde, etc.) auf ihn einwirken?
    Was gut gemeint ist und auch phänotypisch gut aussieht, muss nicht gut sein!

    Wenn ich das lese, so seid Ihr, also die beiden im EP beschriebenen Protagonisten sowas wie Co-Abhängige. Mir fällt kein besserer Vergleich ein, aber in sich verwobene Verstrickung von Verhaltens- und Persönlichkeitsmustern fällt auf.

    Was den Job- und Weihnachtsmarkteffekt angeht > mein erster Gedanke, ohne das vom Xmas-Markt gelesen zu haben> genau das, was ich drüben in dem "ohne Basis leben-Thread" schrieb: vielleicht mal über "Lebenswandel" nachdenken = Jobwechsel, Jobende. Sowas kann enorm schmerzlindernd wirken. Denn da fällt Druck weg. Druck = Anspannung = mehr Schmerz. Sowas kann ein jahrelanger Prozess freilich sein, bis man, also Patient, dann endlich an den Punkt kommt, wo er/sie begreift, was eines der zentralen Probleme im eigenen Leben ist. (z.B. dem Druck und den Erfordernissen einer vollkapitalistischen Leistungsgesellschaft inkl. erheblichem Statusdenken nicht entsprechen zu können oder zu wollen. < Kannoption, nicht Muss = keine Unterstellung, sondern eine Möglichkeit. Andere wäre: Probleme bei/mit sozialer Interaktion, am Arbeitsplatz oder allgemein = soziale Interaktion, z.B., wenn häufig mit Konflikten behaftet, kann ebenfalls riesen Stressfaktor darstellen, der dann Angst macht. Angst = Anspannung = mehr Schmerz.)

    Verhaltensmuster also auch überdenken. Wer bestärkt da wen in seiner "Rolle" innnerhalb der Beziehung? (Opfermodus, hilfloser Helfermodus, z.B.)

    Krankheit kann einen ziemlich in einen gefühlten Hilflosigkeitsmodus katapultieren, gefühltes schicksalhaftes "Ausgeliefertsein". Mir tut's gut, mir so weit wie es irgend geht wieder eine Autonomie mit und in Krankheit "zurückzuerobern". Also das, was ich eigen-mächtig beeinflussen kann, auch zu tun. Handlungsspielräume erobern. Möglichkeiten erkennen und nutzen.
    Nennt man glaube ich: Selbstwirksamkeit.

    Helfer- /Unterstützerseite: Vorsicht mit "Betüddeln". Den anderen/Kranken nicht in eine Abhängigkeitsrolle manövrieren, die ihn immer handlungsunfähiger macht oder gar entmündigt! (Helfersyndrom: fühlt sich gut an, wenn wer so abhängig von einem ist, macht stark und gutes Gewissen...kann aber fatal sein.) Also Grenzen der Übergriffigkeit auch rechtzeitig erkennen! Eigene (Belastbarkeits-)Grenzen erkennen! Gefahr des Ausbrennens.

    Das meine Gedanken dazu. Wie gesagt, nichts von den anderen Beiträgen gelesen und nu mal in den Tag starten. Gibt bestimmt dazu auch tonnenweise Literatur...
     
    Mary68, Tusch und aischa gefällt das.