Rheuma und Radfahren im Hügelland

Dieses Thema im Forum "Physiotherapie, Ergotherapie, Sport usw." wurde erstellt von ThomasM68, 27. Januar 2018.

  1. ThomasM68

    ThomasM68 Registrierter Benutzer

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    Hallo zusammen,

    Spot hilft uns, aber wir haben ja etwas andere Anforderungen als Leute ohne Rheuma. Als bei mir CP diagnostiziert wurde, habe ich auch konsequent mit Sport begonnen. Schnell habe ich dann festgestellt, nichts hilft meinen Beinen besser als ein Ergometer. Nach einigen Wochen konnte ich mich aber einfach nicht mehr dazu aufraffen. Das Problem bei mir, in geschlossenen Räumen vor mich hin zu strampeln find ich einfach nur doof und langweilig und konnte mich dazu nicht mehr aufraffen. Nachdem ich dann immer weniger das Ergometer benutzte nahmen meine Knieprobleme schnell wieder zu.

    Früher hatte ich bereits festgestellt, das mir Radfahren an der freien Natur auch Spaß macht, habe es dann aber irgendwann durch die damals noch nicht diagnostizierten vielfachen Gelenkprobleme eingestellt. Also hab ich mein Bike wieder fit gemacht und mit kleineren Touren begonnen. Der Spaß war schnell wieder da, aber leider habe ich häufig Probleme gehabt die Beine über die Querstange zu bekommen. Manchmal ging es auch gar nicht. Zudem ging es damit den Knien gut, aber die untere Wirbelsäule und die Handgelenke machten zunehmend mehr Probleme. Beim Mountainbike sitzt man halt stark vorgebeugt und das Gewicht laste auf den Handgelenken. War also auch nichts.

    Die Idee mir ein Rheumageeignetes Pedelec zuzulegen war schnell da. Das Konzept musste aber von Anfang an passen, da die Teile wenn man Sie häufig nutzen möchte und sie deshalb haltbar sein sollen schon eine kleine Investition sind. Kleinere Änderungen sind zwar möglich, aber das Grundkonzept musste von Anfang an passen. Dazu kam dann noch es musste mindestens für schlechte Schotterwege, Waldwege und zum Teil starke Steigungen geeignet sein. Ich wohne hier im Kraichgau zum Odenwald hin. In unserer Gegend gibt es einfach nur sehr wenige richtig befestigte Fahradwege. Auf der Straße wollte ich aus mehreren Gründen nicht fahren. Das ist hier einfach zu gefährlich und macht auch keinen Spass. Ich sehe es auch nicht als sinnvoll an, wenn man eine saubere Luft abseits der Straße hat permanent Autogase einzuatmen.

    Im 1. Schritt habe ich dann meine Anforderungen so gut als möglich definiert:

    · Gabel und Sattel gefedert und gedämpft

    · Berggeignete Motorunterstützung und Übersetzung

    · Breite gut gedämpfte Reifen

    · Tiefeinsteiger mit freiem Durchstieg, gleichzeitig verwindungssteif und belastbar

    · Gute Komponenten die auch noch gut funktionieren wenn Sie auf der Tour stark verschmutzen

    Als die Anforderungen definiert waren, habe ich einige Zeit im Internet recherchiert und alle Händler in der Umgebung abgeklappert nur um festzustellen „das gibt es nicht“. Angeschafft habe ich mir dann ein Trekkingrad mit Mittelmotor das den Anforderungen recht nahe kam und mit dem Umbau begonnen. Nachdem sich das Konzept in den letzten Monaten bewährt hat, möchte ich euch an meinen Ergebnissen teilhaben lassen. Seit Januar gibt es auch ein Rad von der Stange, das dem von mir umgebauten sogar recht nahe kommt. Das Centourion E-Fire Country F2500.

    Hätte ich das vorher gewusst hätte ich noch einige Monate gewartet, meine Glaskugel hatte aber gerade nicht funktioniert.

    Zugelegt habe ich mir dann ein Stevens eTriton Forma. An dem habe ich dann in mehreren Stufen Änderungen vorgenommen:

    · Sattelstütze Suntour SP12 NCX

    · Vorderes Kettenblatt von 18 auf 15 geändert

    · Kassette von 11-32 auf 11-36 geändert

    · Herrmanns Endorphin Griffe

    · Wingee Schutzbleche 52mm breit

    · Schwalbe Marathon Mondial Evo TravelStar SnakeSkin DD 50/622

    · Brooks B17 Imperial

    · Salsa Guide 31.8 Vorbau black/100 mm 25°

    · Shimano XT Pedale PD-T8000

    Ihr seht hier die Endstufe mit der ich jetzt zufrieden bin. Auf dem Weg dahin habe ich auch einiges gelernt.

    · Nur gefederte Parallesattelstützen Federn und dämpfen gut. Finger weg von Teleskopfederstützen. Die verkannten, und Ferung und Dämpfung sind um Klassen schlechter

    · Die Federgabel muss von euch selbst eingestellt werden. Die meisten Probleme in den Handgelenken kommen von falsch eingestellten. Zugstufe und Druck könnt auch nur Ihr selbst einstellen, oder Ihr habt einen Händler der sich mit euch gemeinsam die Zeit nimmt. Ist aber nicht schwer.

    · Die Reifen können gar nicht breit genug sein. Dadurch könnt Ihr mit recht geringem Luftdruck fahren (ich fahre mit 2,5 bis 3 bar) und habt eine gute Dämpfung durch die Reifen. Die Breite ist leider durch den Rahmen begrenzt und wenn man Schutzbleche dafür selbst anbauen muss, benötigt man etwas handwerkliches Geschick.

    · Sättel habe ich einige probiert. Wichtig ist, dass er zu eurem Sitzknochenabstand passt. Den kann man zuhause mit einem Stück Wellpappe selbst messen. Er darf auch nicht zu weich sein. Gelsättel auf längeren Touren sind doof. Besser ist eine möglichst unnachgiebige Sitzfläche. Der Brooks ist für mich ideal, ich möchte euch aber nicht verschweigen, dass der sich an euch anpassen muss. Dann ist er perfekt. Bis er eingefahren ist, ist er unbequem. Das Grundeinfahren war bei mir nach ca. 300 km erledigt. Seitdem wird er mit jeder Tour noch bequemer.

    · Ganz wichtig, die Sitzposition. Aufrecht führt zu schmerzen im Rücken, zu weit vorgebeugt belastet unsere Handgelenke zu stark. Ein guter Kompromiss ist es wenn Ihr ganz leicht nach vorne gebeugt sitzt.

    Auf den Fotos im Anhang seht Ihr das Höhenprofil einer durchschnittlichen Tour und das Rad. Auf diesem Foto sind aber noch 40/622 Reifen montiert. Die haben sich nicht bewährt weil ich den Druck nicht weit genug absenken konnte ohne das es durchschlägt. Die 50/622 sind nahezu perfekt. Das Höhenprofil ist hier bei uns ganz normal, es geht ständig rauf und runter da ich auch schon recht hoch wohne. Gestrampelt bin ich damit jetzt 1900km in 5 Monaten und meinen Knien geht es hervorragend.

    Mit freundlichern Grüßen

    Thomas

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  2. ThomasM68

    ThomasM68 Registrierter Benutzer

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    Wer mit dem Gedanken spielt sich auch ein Pedelec zuzulegen.

    Das Bike hat einen Bosch Performance. Die Unterhaltkosten werden euch vom Händler gerne schöngeredet sind aber hoch. Bei vielfahren Verdammt hoch sogar. Als Autoersatz um zu sparen nicht geeignet, Wer alles beim Händler machen läßt hat Betriebskosten je km wie beim Auto. Ich bewege es meist mit ca. 40% ECO, 50% Tour, 8% Sport und 2% Turbo. Sport und vor allem Turbo sollte wenn es möglich ist vermieden werden. Die Reichweite im Hügelland kann in den beiden hohen Stufen auf < 20 km fallen. Vor allem die Turbostufe ist ein Kettenmörder und Ketten sind teuer. Mit meinem Mix bei den Unterstützungsstufen ist eine XT Kette nach ca. 1000km platt, die Kassette schätze ich auf 3000km. Scheibenbremsbeläge waren bei mir bei 1900km beide platt, ich fahre bergab aber sehr schnell. Von Freunden die mit Ihren MTBs fast nur Turbo fahren weiß ich, dass der Motor eine Kette dann auch in 200 bis 300 km kleinkriegen kann. Inspektionen sind sehr teuer (70.-€ nach 400km, 130.-€ nach 2000km aber immer ohne Verschleißteile) aber unnötig.Alles was dort gemacht wird kann man selbst. Das Händlerargument das dies Hauptsächlich wegen dem Motor gemacht wird ist einfach falsch. Der Motor ist eine Black Box und der Händler kann dort selbst gar nichts tun. Der prüft nur ob die Schrauben fest sind und hängt ein Diagnosegerät dran.Die Anschaffung von Spezialwerkzeug schlägt dafür mit ca. 100.- € zu Buche, amotiesiert sich aber schon nach einer Inspektion. Für flachere Profile würde ich eher auf einen Heckmotor gehen. Der belastet die Kette nicht so wie der Mittelmotor, überhitzt aber bei langen Steigungen gerne mal.
     
    #2 27. Januar 2018
    Zuletzt bearbeitet: 27. Januar 2018
  3. Töns

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    Moin
    Ich finde deinen Beitrag sehr interesant, da ich mir im Frühjahr auch ein E-Bike zulegen will.
    Die Landschaft bei mir ist eher nur Flachland also keine Berge nur kleine Steigungen.
    10 Km bis zur Arbeit sind auch gut zu schaffen. Die Anschaffung des ca.3000 Euro teuren Trekkingrades läuft bei mir jedoch über das Fahrrad Leasing in der Firma.
    Soll heißen, es ist nur geleast ,ist Eigentum des Arbeitgebers und geht nach 36 Monaten wieder zurück zum Händler .Finaziert wird das Rad über eine Lohnumwandlung wie beim Frimenwagen. Die Rate wird vom Bruttolohn abgezogen.Inklusieve Rundumschutz(versicherung,verschleiß,u.s.w.) kostet mich das Rad ca.75 Euro +/- im Monat.
    Man kann das auch genauer nachlesen bei z.B.Lease a bike ,einer von vielen Anbietern.
    Ist eine gute alternative zum kauf ,wenn man nach 36 Monaten nicht mehr will ,
    geht das Rad zurück und es steht nicht einfach zuhause rum,ist ja zu teuer dafür.

    Gruß Töns
     
  4. ThomasM68

    ThomasM68 Registrierter Benutzer

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    Hallo Töns,
    mein Arbeitgeber bietet mir das auch an. Bei genauerer Betrachtung war es aber die schlechtere Lösung für mich. Über Leasing spare ich vermeintlich erst einmal ca. 20% so wie ich es vorgerechnet bekomme. Das ist aber nur die Halbe Wahrheit, denn die Spare ich tatsächlich nicht. Das Leasing geht immer vom Listenpreis aus. Wer sich nicht zu fein zum Handeln ist, holt auch so ganz schnell 20% raus. Die vermeintliche Ersparnis hat aber auch Schattenseiten, vor allem für uns Rheumatiker.
    • Du zahlst auf die Leasingrate keine Steuern und Sozialabgaben. Das ist ersteinmal schön, senkt aber im Bedarfsfall die Höhe vom Krankengeld. Ein Fall der bei uns ja sehr warscheinlich ist.
    • Du zahlst auf die Leasingrate keine Steuern und Sozialabgaben. Auch davon profitierst Du jetzt, aber verringerst Deine Rente.
    • Du darfst nicht wirklich umbauen wenn es sein muss oder bei der Rückgabe alles wieder zurückbauen
    • Die rechtliche Lage ist noch nicht ganz durchschaubar. Das Finanzamt prüft noch, wie es mit den kalkulierten Restwerten und dem Geldwerten Vorteil umgeht.
    Für sich allein gesehen sind das keine Nachteile, da die Rentenkürzung und Krankengeldkürzung in diesem Fall nicht groß ist. Wenn Du paralell dazu aber eine Betriebsrente laufen hast in die Du z.B. den steuerrechtlich zulässigen maximalbetrag einbezahlst, wird ein Schuh daraus. Dann sind bei beidem zusammen Deine Kürzungen bei Krankengeld und Rheuma schon recht hoch.

    Und achte darauf, dass der Vertrag keine Kaufoption für Dich enthält. Dieser Fall wird gerade verhandelt und es ist mit Nachzahlungen bei der Steuer und den Sozialabgaben zu rechnen. Problematisch ist auch, das bei dieser Lösung das Finanzamt später die Entfernungspauschale nicht mehr anerkennt, weil die Regeln für Dienstfahrzeuge angewendet wird und Dir dann die entsprechenden Werbungskosten fehlen. Alles Punkte die Dir weder die Leasinggesellschaft noch Dein Arbeitgeber sagen weil beide vom Dienstfahrrad profitieren.

    Kurz, alles rechtlich noch nicht abgesichert

    https://www.haufe.de/personal/entgelt/lohnsteuer-vorsicht-bei-gehaltsumwandlung-fuer-e-bikes_78_386430.html

    Da kannst Du einiges nachlesen. So oder ähnlich kannst Du es Dir auch auf anderen Seiten zusammensuchen.
     
    norchen gefällt das.
  5. Töns

    Töns Registrierter Benutzer

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    Moin Thomas
    Danke für die Tips.Einiges davon wusste ich schon ,aber den Link schicke ich an unseren Buchhalter. Der will immer alles genau prüfen um später nicht von uns gesteinigt zu werden.:argue:
    Trotzdem noch mal danke .Wir wollen beim Fahrrad Händler dann mit mehreren Leuten gleichzeitig aufschlagen um den Preis zu drücken.
    Aber erst mal abwarten was die Buchhaltung sagt.
    Einen schönen Sonntag euch allen.

    Gruß Töns
     
  6. Katjes

    Katjes Registrierter Benutzer

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    hallo thomas,
    da sowohl mein lima als auch ich basteltechnisch am rad unbegabt sind bzw. mein lima keine zeit hat. sind wir zu einem händler gegangen der uns mit computertechnik vermessen hat (ist ein zusammenschluß von mehreren händlern ,die teils aus dem profibereich und medizinischenbereich stammen.....nennt sich sattelkompetenz) und mir mein elektrofahrrad nach meinen bedürfnissen zusammengestellt hat ............ich bin hoch zufrieden ! kann ich doch wieder ohne schmerzen fahren.mein lima, mountainbiker (ohne rheuma) hat sein vorhandenes bike umbauen lassen (ohne motor) und hat seitdem auch keinerlei probleme.
    da wir im allgäu leben muß das rad auch mal den ein oder anderen hügel schaffen............jetzt können mein lima und ich auch wieder gemeinsame touren fahren.ich hab mal ein bild von meinem rad angehängt.
    liebe grüße
    katjes
     

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  7. ThomasM68

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    Hallo Katjes,
    das hatte ich nicht in der Planung. Für mich würde die gefederte Sattelstütze fehlen. Hab mal ein bisschen im Konfigurator gespielt. Hätte einiges an Arbeit erspart.
     
  8. ThomasM68

    ThomasM68 Registrierter Benutzer

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    Hallo zusammen,

    eine weitere Infoquelle für Pedelecs habe ich hier für euch. Sie ist ein guter Überblick, um zu sehen, welche Motoren für eure geplante Fahrleistung geeignet ist. Alex der Betreiber der Seite hat da etwas tolles angefangen. Die Seite lebt aber vom Mitmachen damit die Ergebnisse aussagekräftiger werden. Ich fände es gut, wenn auch andere Pedelecfahrer hier Ihre Fahrleistung und/oder Motorschäden dort melden würden.

    https://pedelecmonitor.wordpress.com/
     
  9. alua

    alua Neues Mitglied

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    Hi,

    ich fahre auch gerne Fahrrad, aber nur gemütliche Strecken und komme bisher gut damit klar. Ein E-Bike ist mir leider zu teuer :)

    LG
     
  10. ThomasM68

    ThomasM68 Registrierter Benutzer

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    Hallo Auna,
    die gemütlichen Strecken sind in unserer Region leider so gut wie nicht vorhanden. Du hast hier bei uns mehr Steigungen als ebene Strecken. Mit dem normalen Rad waren meine Gelenke da immer überlastet. Als Lösung blieb da für mich nur das Pedelec. Falls du wegen der Gelenke doch mal mit dem Gedanken an ein Pedelec spielst, immer mehr Arbeitgeber machen beim Fahrradleasing mit, vor allem weil sie auch einiges dabei an Sozialversicherungsbeiträgen einsparen. Bei einem vernünftigen, günstigen Pedelec kommst Du da inkl. aller Inspektionen und Ersatzteile auf kleiner 30.-€ im Monat.
     
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