Hallo an alle,
wo ich das so lese bin ich doch ziemlich verunsichert.....
Ich habe Euch mal einen Bericht von der Rheuma Liga reinkopiert.
Impfungen bei Auto-Immunerkrankungen
von Dr. H. Michels, Kinder- u. Rheumaklinik, Gehfeldstr. 24, 82457 Garmisch-Partenkirchen, Prof. Dr. H.-J. Suschke, Kinderpoliklinik - Klinikum Innenstadt der Ludwig-Maximilians-Universtität München, Pettenkoferstr. 8a, 80333 München.
Schutzimpfungen stellen die wichtigste Vorbeugung zur Vermeidung von gefährlichen, evtl. sogar lebensbedrohenden Infektionserkrankungen dar. Dabei werden veränderte, nicht krankmaschende Bestandteile des Erregers (="Totimpfstoffe") oder noch lebende, aber abgeschwächte Erreger ("Lebensimpfung") (vgl. Tab. 2) gespritzt oder auch geschluckt ("Schluckimpfung"). Durch die Impfung wird das Immunsystem veranlaßt, Abwehrstoffe und spezifisch wirksame Immunzellen gegen diesen Erreger zu bilden. Dies führt zu einem jahrelangen Schutz ("Immunität") gegen den betreffenden Erreger. Da die Schutzwirkung jedoch zeitlich begrenzt ist und nicht lebenslang dauert, werden Jahre nach der Grundimmunisierung Auffrischimpfungen erforderlich. Bei Kindern mit Autoimmunerkrankungen wie der juvenilen chronischen Arthritis (JCA) sind Impfungen besonders wichtig, da die Infektionserkrankungen Rheumaschübe auslösen können oder die Infektionserkrankungen wegen der Erkrankung selbst oder wegen der verabreichten Medikamente (Immunsuppressiva, Zytostatika, Corticosteroide (vgl. Tab. 1) besonders schwer verlaufen können. Andererseits können gerade diese Patienten wegen der medikamentösen Behandlung mit Immunsuppressiva, Zytostatika oder Corticosteroiden empfindlicher auf die Impfung reagieren, eventuell kann ein Rheumaschub ausgelöst werden oder aber die Schutzwirkung entwickelt sich nicht ausreichend.
Eltern, Patienten und auch Ärzte bewegen nicht selten darüber hinaus u.a. folgende Fragen:
- Können Impfungen rheumatische Erkrankungen auslösen?
- Können Impfungen Schübe bei rheumatischen Erkrankungen auslösen?
- Sind Kinder mit immunsuppressiver und/oder Cortisonbehandlung hinsichtlich unerwünschter Wirkungen durch die Impfung vermehrt gefährdet im Vergleich zu anderen Kindern?
- Kann der Impferfolg, d.h. die Entwicklung der Schutzwirkung, durch die Behandlung mit Immunsuppressiva, Zytostatika oder Corticosteroiden beeinträchtigt sein?
- Sind alle Impfungen gleich wichtig bzw. welche Impfungen sind besonders wichtig.
Es handelt sich hier um wichtige Fragen, die nicht immer und für jedes Kind mit einem klaren "Ja" oder "Nein" zu beantworten sind. Vielmehr muß die Beratung für jeden Patienten individuell erfolgen, müssen Nutzen und Risiko sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.
Zu den einzelnen Fragen:
zu 1)
KÖNNEN IMPFUNGEN RHEUMATISSCHE ERKRANKUNGEN AUSLÖSEN?
Die Ursache rheumatischer Erkrankungen wie der JCA oder von Kollagenosen ist bislang nicht hinreichend geklärt. Insofern ist es nicht möglich, die Frage eindeutig zu beantworten. Nicht ganz selten berichten Eltern über einen engen zeitlichen Zusammenhang zwischen einer Impfung und dem ersten Auftreten der rheumatischen Erkrankung. Nach den bisherigen Erfahrungen wird in den meisten Fällen von einem zufälligen Zusammentreffen auszugehen sein.
zu 2)
KÖNNEN IMPFUNGEN SCHÜBE BEI RHEUMATISCHEN ERKRANKUNGEN AUSLÖSEN?
Auch diesbezüglich werden von den Eltern gelegentlich zeitliche Zusammenhänge berichtet. Wiederum wird es sich oft um ein zufälliges Zusammentreffen handeln. Jeder Einzelfall muß gesondert geprüft und bewertet werden. Auch hier wird ein klares "Ja" oder "Nein" nicht immer möglich sein.Sofern keine besondere Gefährdung oder sonstige dringende Indikation vorliegen, kann während einer aktiven rheumatischen Erkrankung eine Verschiebung einer anstehenden Impfung diskutiert werden.
zu 3) SIND KINDER MIT IMMUNSUPPRESSSIVER UND/ODER CORTISON - BEHANDLUNG HINSICHTLICHT UNERWÜNSCHTER WIRKUNGEN DURCH DIE IMPFUNG VERMEHRT GEFÄHRDET IM VERGLEICH ZU ANDEREN KINDERN?
Kinder mit immunsuppressiver und/oder Cortisonbehandlung sind gegenüber Lebensimpfungen gefährdet. Ihr duch diese Medikamente verändertes Immunsystem wird u.U. auch mit den abgeschwächten Erregern der Lebendimpfstoffe nicht fertig, so daß es zum Ausbruch der betreffenden Erkrankung kommen könnte. Lebendimpfungen dürfen bei diesen Kindern deshalb nicht durchgeführt werden. Frühestens drei Monate nach Beendigung einer immunsuppressiven Therapie darf mit einem Lebendimpfstoff geimpft werden. Natürlich hängt das Ausmaß der Gefährdung von der Dosierung der Medikamente ab, wobei eine höhere Dosierung eine größere Gefährdung und eine niedrigere Dosierung eine geringere Gefährdung bedeuten kann. Bei Cortisonpräparaten gilt eine Dosis von mehr als 5 mg Prednison als "immunsupprimierend". Besonders gefürchtet bei immunsupprimierten Kindern waren früher die Windpocken. Jetzt steht ein Impfstoff zur Verfügung, der rechtzeitig vor Einleitung der immunsuppressiven Therapie einzusetzen ist. Da der Windpockenimpfstoff erheblich abgeschwächt und daher sehr gut verträglich ist, kann bei geringfügiger Immunsuppression auch geimpft werden, wenn die Immunsuppression für eine Woche unterbrochen wird. Sollte es bei immunsupprimierten, noch ungeimpften Kindern tatsächlich zum Ausbruch von Windpocken kommen, so kann heute durch das Medikament Acyclovir (Zovirax) meist gut geholfen werden.
zu 4) KANN DER IMPFERFOLG, D.H., DIE ENTWICKLUNG DER SCHUTZWIRKUNG, DURCH DIE BEHANDLUNG MIT IMMUNSUPPRESSIVA, ZYTOSTATIKA ODER CORTICOSTEROIDEN BEEINTRÄCHTIGT SEIN?
Die Entwicklung der Schutzwirkung durch die Impfung ist an ein regelrecht arbeitendes Immunsystem gebunden. Unter der Behandlung mit Immunsuppressiva, Zytostatika oder Corticosteroiden kann die Reaktion des Immunsystems auf die Impfung beeinträchtigt sein, so daß keine ausreichende Schutzwirkung zustande kommt. Deshalb ist in solchen Fällen die Überprüfung der Immunität durch eine Blutuntersuchung anzustreben. Bei nicht ausreichendem Impfergebnis kann mit einer höheren Impfdosis nachgeimpft werden; wiederum muß das Impfergebnis durch Bestimmung der Serum-Anitkörper-Konzentration überprüft werden.
zu 5) SIND ALLE IMPFUNGEN GENAUSO WICHTIG, BZW. WELCHE IMPFUNGEN SIND BESONDERS WICHTIG?
Selbstverständlich gibt es je nach Alter und Situation des Kindes verschieden wichtige Impfungen. Beispielswiese wäre eine Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) nicht als dringlich anzusehen, wenn das betreffende Kinder weder in einem diesbezüglich gefährdeten Gebiet (diesbezügliche Auskunft durch den behandelnden Kinderarzt) wohnt noch eine Reise in ein solches Gebiet geplant ist. Dagegen gelten Impfungen gegen Diphterie, Tetanus oder Kinderlähmung, die bei uns nach wie vor zwar selten sind, dennoch als dringlich, da diese Erkrankungen als äußerst gefährlich und lebensbedrohend einzustufen sind.
ZUSAMMENFASSUNG UND ABSCHLIEßENDE BEMERKUNGEN
Grundsätzlich ist ein ausreichender Impfschutz gengen alle gefährlichen Infektionskrankheiten gerade für das rheumatisch erkrankte Kinder anzustreben. Dabei ist zu beachten , daß auch sonst häufig als eher harmlos einzuschätzende Erkrankungen wie Windpocken bei immunsupprimierten Kindern sehr schwer verlaufen können. Gegen Windpocken sollte deshalb vor einer immunsuppressiven Therapie geimpft werden. Zu beachten ist, daß nach erfolgter Impfung bei immunsupprimierten Kindern der Impferfolg mittels Blutuntersuchung überprüft werden soll. Bei Immunsupprimierten dürfen grundsätzlich keine Lebendimpfungen verabreicht werden. Bei Impfungen, die vorwiegend aus gesundheitspolitischen Gründen (Ausrottung der betreffenden Erkrankung in der Bevölkerung) bereits im Kleinkindalter gegeben werden, sollte bei rheumakranken Kindern individuell abgewogen und entschieden werden. Auf eine Rötelimpfung kann bei rheumakranken Jungen grundsätzlich und bei Mädchen vor der Pubertät verzichtet werden. Danach sollten rheumakranke Mädchen unbedingt geimpft werden, sofern sich im Blut keine ausreichenden Rötelnantikörper-Konzentrationen nachweisen lassen. Bei Hepatitis B ist vor der Pubertät die epidemiologische Situation zu berücksichtigen: bei geringer Gefährdung kann die Impfung zurückgestellt werden. In jedem Fall sollte jedoch vor Erreichen des geschlechtsaktiven Alters gegen Hepatis B geimpft werden.
Liebe Grüße eine nachdenkliche Katimaus