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Regentage (Gedicht)

Dieses Thema im Forum "Kaffeeklatsch" wurde erstellt von berti, 22. Juli 2004.

  1. berti

    berti Neues Mitglied

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    Angesichts der diesjährigen Wettersituation habe ich ein Gedicht gefunden, welches die Sache aus der Sicht der Hasen beschreibt. Dieses Gedicht ist allerdings in schlesischer Mundart geschrieben. Ich hoffe ihr versteht es trotzdem. Ich habe durch meine Mutter noch eine enge Beziehung zur schlesischen Sprache.

    Regentage

    Jitz rants und schwere grooe Wulka joan.
    Do fleugt kee Alerweibersummer nimme.
    A Hoase sitzt und fängt zu schimpfa oan.
    Hurcht, woas a spricht ei semm gerechta Grimme!
    Sieba Tage Ran! (Regen)
    Wu mags uff derr Welt noch a treuges Platzla gan?
    Noß is derr Pusch und noß sein die Äcker,
    Voo früh bis obends gieht doas Geklecker.
    Niederträchtiges Water doas!
    Ma hopst ei die Fichta, ma setzt sich eis Groas,
    Klatschenoß ies olls,Die Jauche steht ehm bis onn a Hols.
    Und wu ma hienkimmt, onn olla Ecka,
    Kriecha die Viehcher, die schworza Schnecka.
    Hinte a Stücke, munne a Stücke,
    Übroale trifft ma die äkliche Klicke,
    Und trifft ma uff eene,
    Doo glitscht ma aus und bricht Hols und Beene.
    Und Giftpilze schissa jitz ei die Hüh,
    Bale rut wie Blutt, bale weiß wie Schnie,
    Und immerfurt loatscherts, und immerfurt,
    Is hoot überhaupt noch nich uufgehurrt!
    Doo hilft kee Ärgern, kee Schimpfa, kee Gräma,
    Ma wird sich als Hoase noch müsse zum Schwimma bequäma.

    Mohlt Euch blußig doas Bild jitz aus,
    Wie merr olle warn rudern üms Färschterhaus.
    Om Ende wachsa ins goar noch Flussa,
    Doo warn merr geangelt onstotts geschussa.
    Und kumma zuletzte noch uff a Tiesch
    Als gebrotner Fiesch!
    Spoß beiseite, die Sache ies ernste!
    Hier heeßt´s bluus: woas de nich konnst, doas lernste!
    Ätsch, doas kleckert ehm bis ei a Schlung,
    Hoot´s denn nich bale gesäut genung?
    Sul denn doas wettergiehn Moonda und Wucha?
    Ma kriggt ju is Reißa ei olle Knucha.
    Stille, iech rädt´t mich ock bluß ei die Buust.
    Ees weil iech gleeba und doas ies mei Truhst:
    Doo maag´s meinswägen jitz rann oder schnein,
    Derr Färschter sul gestern ersuffa sein!
    Stimmt doas, doo hoa iech om längsta gekloat,
    Doo hoot doch die Schweinerei Zweck gehoat.
    Derr Hoase schimpft, a hoot oo Grund derzu.
    Uff eemoll scheint die Sunne wieder ei´s Gehülze,
    Do sein die ala Weibla fruh,
    Und renna ei a Puusch; denn jitz gibbt´s Pilze!

    von Ernst Schenke
    aus dem schlesischen Lese- und Vortragsbuch
     
  2. Neli

    Neli Optimistin

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    Walle, Regen, walle nieder,
    Wecke mir die Träume wieder,
    Die ich in der Kindheit träumte,
    Wenn das Naß im Sande schäumte!

    Wenn die matte Sommerschwüle
    Lässig stritt mit frischer Kühle,
    Und die blanken Blätter tauten,
    Und die Saaten dunkler blauten.

    Welche Wonne, in dem Fließen
    Dann zu stehn mit nackten Füßen,
    An dem Grase hin zu streifen
    Und den Schaum mit Händen greifen.

    Oder mit den heißen Wangen
    Kalte Tropfen aufzufangen,
    Und den neuerwachten Düften
    Seine Kinderbrust zu lüften!

    Wie die Kelche, die da troffen,
    Stand die Seele atmend offen,
    Wie die Blumen, düftertrunken,
    In dem Himmelstau versunken.

    Schauernd kühlte jeder Tropfen
    Tief bis an des Herzens Klopfen,
    Und der Schöpfung heilig Weben
    Drang bis ins verborgne Leben.

    Walle, Regen, walle nieder,
    Wecke meine alten Lieder,
    Die wir in der Türe sangen,
    Wenn die Tropfen draußen klangen!

    Möchte ihnen wieder lauschen,
    Ihrem süßen, feuchten Rauschen,
    Meine Seele sanft betauen
    Mit dem frommen Kindergrauen.

    Klaus Groth
     

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  3. Neli

    Neli Optimistin

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    Trübes Wetter

    Es ist ein stiller Regentag,
    so weich, so ernst und doch so klar,
    wo durch den Dämmer brechen mag
    die Sonne weiß und sonderbar.

    Ein wunderliches Zwielicht spielt
    beschaulich über Berg und Tal;
    Natur halb warm und halb verkühlt,
    sie lächelt noch und weint zumal.

    Die Hoffnung, das Verlorensein
    sind gleicher Stärke in mir wach;
    die Lebenslust, die Todespein,
    sie ziehn auf meinem Herzen Schach.

    Ich aber, mein bewußtes Ich,
    beschau' das Spiel in stiller Ruh'
    und meine Seele rüstet sich
    zum Kampfe mit dem Schicksal zu.


    Gottfried Keller (1819-1890)
     

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  4. matzi

    matzi Neues Mitglied

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    Beim Regen


    Liebe Sonne, scheine wieder,
    schein die düstern Wolken nieder!
    Komm mit deinem goldnen Strahl
    wieder über Berg und Tal!

    Trockne ab auf allen Wegen
    überall den alten Regen!
    Liebe Sonne,lass Dich sehn,
    dass wir können spielen gehn!


    Von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben