Reden ist Silber, Schweigen ist Gold?

Dieses Thema im Forum "Austausch für und mit Angehörigen" wurde erstellt von Ninilabamba, 12. Februar 2017.

  1. Ninilabamba

    Ninilabamba Registrierter Benutzer

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    Hallo ihr Lieben.

    Bis heute habe ich mich hier über vieles informiert und bin froh, dass es diese Seite gibt. Zu allen meinen Fragen habe ich bei euch Antworten gefunden.
    Jetzt bin ich im Moment jedoch an einem Punkt, den ich in keine Suchmaske eingeben kann, um Antwort zu bekommen.
    Seit 3 Wochen bin ich in meinem zweiten Schub und bekomme seitdem MTX. Das schlug natürlich bis jetzt aber noch nicht an. Mit Corti und Ibu bekomme ich morgens die Schmerzen relativ gut in den Griff, so dass ich so gut es geht arbeiten kann.

    Doch dann kommen die Abende.

    Ich kann vorher nicht sagen, welche Gelenke mir abends wehtun. Das kommt auch fast immer ganz plötzlich. Und dann ist es kaum zum Aushalten.

    Wie macht ihr das, wenn ihr alleine wohnt? Was macht ihr, wenn ihr nicht mal in der Lage seid, eure BHs zu öffnen? Wenn ihr duschen wollt, aber mit den Armen nicht mal an den Kopf kommt, um eure Haare zu waschen? Ihr das T-Shirt nicht über den Kopf bekommt.

    Gestern Abend war meine Partnerin bei mir und ich wollte uns einen Tee kochen. Plötzlich schaffte ich es nicht, den Stecker der Kaffeemaschine zu ziehen, um den des Wasserkochers einzustecken. Ich ließ sie das dann machen. Unauffällig, wie ich dachte, weil ich nicht wollte, dass sie was mitbekommt.
    Tat sie aber natürlich. Ich konnte danach kaum irgendwas anfassen und ging mir immer wieder meine Hände kalt abspülen, in der Hoffnung, dass das irgendwie Linderung bringt.

    Ich habe einfach das Gefühl, dass mich das so beherrscht, dass ich ständig darüber rede und die Leute nerve. Das will ich nicht. Also sage ich nun ständig, nicht so schlimm, dabei könnte ich manchmal Schreien vor Schmerz.

    Da wir (noch) nicht zusammen wohnen, muss ich Abends damit alleine klar kommen. Ich habe auch etwas Angst, dass es sie abschrecken könnte, denn wir haben vor Kurzem übers Zusammen ziehen gesprochen.

    Wie reagieren eure Partner? Oder zerbricht doch viel dadurch? Wie geht ihr damit um? Behaltet ihr eure Schmerzen auch für euch?

    LG, Nini
     
  2. Gertrud

    Gertrud Registrierter Benutzer

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    Hallo Nini!

    Nein, ich behalte meine Schmerzen nicht für mich. Es gehört für mich zu einer Partnerschaft dazu, dass man sich gegenseitig unterstützt - und wenn jemand Schmerzen hat, dann muss das auch offen angesprochen werden, so dass der Partner das weiß.

    Rheuma verläuft in Schüben - es wird dir also sicherlich auch bald wieder besser gehen, spätestens wenn das MTX wirkt, was ja doch eine gewisse Zeit dauert. Ihr werdet also mit Sicherheit noch viele gute Zeiten haben - auch wenn das Rheuma immer dabei sein wird. Aber das ist nun mal so - niemand hat die Garantie auf ein perfektes Leben oder einen perfekten Partner. Und manchmal rückt so eine Krankheit das Weltbild auch im positiven Sinne zurecht.

    Alles Gute für euch!
     
  3. Chrissi50

    Chrissi50 Registrierter Benutzer

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    Das ist eine sehr schwierige Situation und ich denke, dass jeder anders damit umgeht.
    Ich bin 34 Jahre verheiratet und natürlich sage ich meinem Mann wie es mir geht. Aber er tut sich sehr schwer damit, weil er mit mir leidet und mir nicht helfen kann.
    Er ist inzwischen leicht überfordert und reagiert oft unwirsch, obwohl ich schon eine Weile nicht mehr über jeden Pubs rede und versuche, alleine damit klar zu kommen. Aber er sieht ja was los ist, und es belastet ihn sehr.

    Es ist bestimmt eine harte Zeit, bis sich die Partner an die Situation gewöhnen und normal damit umgehen können.

    Noch kann ich ja selbst nicht normal mit meiner Krankheit umgehen, obwohl ichs seit 5 Monaten versuche. Es kommen ständig neue Dinge, die mir Angst machen. Und so wird es den Partnern auch gehen.
     
  4. kukana

    kukana Moderatorin

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    Hallo Nini,
    vielleicht kann ich dich ein bisschen aufbauen, denn allein lebe ich auch und ich hatte eine Zeitlang die gleichen Probleme wie du.
    Duschen- einfach den Duschkopf ganz nach oben und drunterstellen. Arme über Kopf ging nicht, also Haare nur mit Wasser gewaschen. Töpfe heben- nee schieben. Stecker ziehen - nein, größere Steckleiste kaufen. Sachen aufheben, kleine Greifzange kaufen mit langem Griff.

    Aber ich kann dir sagen: wenn deine Therapie funktioniert dann geht es dir hoffentlich wie mir (kann ja nur von mir reden), Schmerzen kaum vorhanden, Mtx+Humira wirken nach wie vor sehr gut, Cortison nur eine Mini Dosis, ich arbeite zwar jetzt nicht mehr (44 Jahre reichten mir), aber bin auch aktiv in der Wohnung, gerade beim Renovieren und Möbel umstellen. Es dauert zwar alles ein wenig länger als bei einem Gesunden, aber es geht. Spaziergänge gehen, längere Strecken eben mit Pausen.

    Wenn deine Freundin dich liebt, dann wird sie damit auch umgehen können. Ihr müsst nur ehrlich sein zueinander, redet darüber, auch dass du manchmal HIlfe brauchst und im Gegenzug du leider nicht ihr helfen kannst. Eine Beziehung ist ja auch ein Miteinander und kein Aufrechnen was man macht oder auch nicht machen kann. Zeig ihr auch diese Seite, es sind viele Angehörige hier, die ihr bei FRagen auch helfen können.

    LG Kukana
     
  5. Ninilabamba

    Ninilabamba Registrierter Benutzer

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    Danke Gertrud, ja ich freue mich auch schon auf die schmerzfreie Zeit. Da geht mir das auch dann gar nicht mehr so durch den Kopf. Tatsächlich vergesse ich es völlig und der Kopf ist frei. Jetzt haben mich meine Gedanken natürlich völlig in der Mangel.

    Chrissi50, es geht mir genauso. Ich weiß noch nicht so damit umzugehen. Und ich habe auch anfangs nicht so richtig dran geglaubt, dass es wirklich so ist. Nachdem jetzt aber der zweite Schub da ist, hab ich es dann doch realisiert. :(

    Kukana, das baut mich echt auf. Danke! Ich hoffe, dass die Medis bei mir auch so gut wirken. Und ich werde deine Tipps befolgen. Auf Renovieren habe ich nämlich auch Lust :)

    Sie weiß ja, dass ich Hilfe brauche. Und sie sagt auch, ich soll immer sagen, wenn was ist. Aber im Moment sind wir beide sehr gestresst von der Arbeit und wenn wir uns dann mal sehen, will ich ihr das nicht so aufbinden.

    Aber mir geht es schon etwas besser, nur weil ich es hier mal loswerden konnte. Danke :)) Ich musste es einfach mal irgendwo laut aussprechen (oder ausschreiben). Toll, dass es euch gibt.
     
  6. kleine Eule

    kleine Eule Registrierter Benutzer

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    Hallo Nini,

    so wie Kukana schon schrieb, muss man halt für schlechte Tage eine Lösung finden, wie man mit den praktischen Problemen im Alltag umgeht. Wichtige Stecker habe ich auch an Steckerleisten oder abschaltbaren Einzelsteckdosen. So schalte ich die Dose vom Wasserkocher einfach an oder aus. Für schlechte Tage habe ich einen BH, den man vorne öffnen kann. Einen Reservehaustürschlüsses habe ich in einer Schlüsseldrehhilfe. Bei Kleidung schaue ich dann, welche sich gut anziehen lässt, wenn die Hände steif sind (also eher keine Bluse mit vielen Knöpfen).
    Dank der Medikamente komme ich im Alltag in der Regel gut klar, die schlechten Tage sind seltener geworden. Aber diese Tage nehme ich auch ruhiger, denn ich weiß, dass ich auch an denen klar komme. Ist halt dann etwa mühsamer, aber es geht.
    Du wirst Wege finden, wie Du Deinen Alltag organisieren kannst und möglichst selbstständig bist. Und ich denke, Deine Partnerin wird sich auch auf die veränderte Situation einstellen.

    viele Grüße von der kleinen Eule
     
  7. moi66

    moi66 Registrierter Benutzer

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    Hallo Nini,
    eigentlich ist dem Vorgeschriebenen nichts mehr hinzuzufügen - außer vielleicht eine persönliche Erfahrung von mir.
    Den Partner nicht belasten zu wollen kann auch dazu führen, dass dieser sich ausgeschlossen fühlt.
    Mein Mann und ich haben beide unserer "Baustellen" - und anfangs haben wir oft versucht, den anderen damit nicht zu belasten.
    Das hat dann -wechselseitig- dazu geführt, dass wir dachten, der andere sei verärgert, weil kurz ab oder er sich weigerte, vernünftige Antworten zu geben.
    Jeder Mensch und jede Partnerschaft sind anders. Das sind nur meine Erfahrungen.

    PS: BH streife ich immer die Träger runter und dreh das Ding mit dem Verschuss nach vorne..Anziehen genau umgedreht;)
     
    #7 12. Februar 2017
    Zuletzt bearbeitet: 12. Februar 2017
  8. Sabinerin

    Sabinerin Registrierter Benutzer

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    Hallo Ninilabamba,

    willkommen im Forum. :)

    Ich habe meinen Mann mit 17 Jahren kennengelernt. Er hatte bereits Diabetes Typ-1 (also Insulinpflichtig). Ich bin mit 22 Jahren an Rheuma erkrankt und wurde mit 25 Jahren frühberentet.

    Für uns gehören die Krankheiten zum Leben dazu. Auch für mich als ich selbst noch gesund war. Wir haben viele Krisen durchstehen müssen und ich denke heute, dass man nicht an den großen Problemen im Leben scheitert, sondern an den kleinen alltäglichen Dingen. Die kleinen Dinge zermürben m.E. eine Beziehung mehr als die großen Herausforderungen. Eine Krankheit ist eine Tatsache und da kann sich der Partner Gedanken machen, ob er die Tiefen, die Krisen, die Schwierigkeiten mittragen möchte.
    Die alltäglichen Dinge schleichen sich unbemerkt ein und irgendwann wird aus der Mücke ein Elefant ;)

    Ich persönlich bin für eine klare Ansage. Man setzt sich zusammen und erklärt seinem Partner warum dies oder das schwierig ist und es gut wäre, wenn er das übernehmen würde.
    Schübe, phasenweise Durchhänger, Tiefs und verminderte Beweglichkeit gehören zu den rheumatischen Erkrankungen dazu, mal mehr, mal weniger. Auch hier klar und deutlich äussern, was Probleme bereitet und dann alleine und gemeinsam nach Lösungen suchen.

    Für sich selbst kann man Alltagserleichterungen finden, z.B. Wasserhähne austauschen, Rucksack tragen, Flaschen nicht fest zudrehen, Regale und Schränke umräumen, um besser Dinge herausnehmen zu können etc.

    Da Du gerade erst erkrankt bist, "beherrscht" die Krankheit Dein Leben. Das ist normal und ist ein Teil der Krankheitsbewältigung. Diese Zeit braucht Zeit und lässt sich nicht forcieren.
    Wenn aber Deine Basistherapie wirkt, wird vieles im Leben wieder erträglicher.

    Offenheit und Ehrlichkeit ist wichtig, auch sich selbst gegenüber bzw. gerade sich selbst gegenüber. Medikamente "machen nichts weg", sondern helfen wieder Lebensqualität zu finden.

    Gib Dir und Deiner Partnerin Zeit, um mit der neuen situation klarzukommen.
    Und nutzt Deine gute Zeit, um positive Dinge zu tun. Lass den Haushalt Haushalt sein, guck über Dreckwäsche hinweg....nutzt die gute Zeit, habt Spaß, unternehmt was. Das ist wichtig, um dann die schwierige zeit gut zu überstehen. :)
     
  9. Samantha89

    Samantha89 Registrierter Benutzer

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    Hallo Ninilabamba,

    auch ich kann nicht wirklich viel Neues hinzufügen. Dennoch würde ich meinen Senf mit einen Tipp für eure Beziehung dazugeben ;P
    Ich bin noch jung (27J) und verheiratet. Meinen Mann habe ich vor der Diagnosestellung kennengelernt, er hat aber alle Probleme mitbekommen und auch die ganze Suche nach der richtigen Diagnose. Da ich das Studium nicht beenden konnte und im Moment nicht arbeite, waren die Zeiten sehr schwer. Auch ich habe versucht, mir die Schmerzen, die Müdigkeit und vor allem die fast ständige Übelkeit nicht anmerken zu lassen - hat natürlich nicht funktioniert. Er merkt es jedes Mal.

    Wir haben oft über die Situation gesprochen, ich habe ihn konkret gefragt, was seine Ängste sind (also durch meine Muskelschwäche, dass ich Rollstuhlpflichtig und pflegebedürftig werde). Was ich damit sagen will, ich glaube für eine glückliche Zukunft ist es wichtig, dass du offen mit deiner Partnerin darüber sprichst. Macht es euch gemütlich, erzähle was du möchtest und frage sie, wie es ihr geht und was ihre Ängste sind. Mein Mann ist auch oft verzweifelt, weil er mir nicht helfen kann. Ich sage ihm dann, was ich in dieser Zeit brauche (meist seine Nähe in Form einer Umarmung). Er zwingt mich auch nach draussen mit ihm für kurze Spaziergänge, da mir Bewegung gut tut. Also überleg dir, was du brauchst und es muss nicht mal viel sein!! Es wird ein wenig Zeit brauchen, bis sie dir das glaubt und annehmen kann, aber bei uns funktioniert es meistens sehr gut.

    Ich hoffe, ich konnte dir Mut machen für eure gemeinsame Zukunft.
    Alles Gute
    Samantha
     
  10. Silberpfeil

    Silberpfeil Registrierter Benutzer

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    mit menem Mann habe ich da nicht die Probleme - eher mit Freunden/Bekannten etc.

    ...da kommen dann schon öfters Bemerkungen - wie; im Alter schmerzen nun mal bei jedem die Gelenke etc.

    ... in meiner schlimmen Zeit, waren solche Worte nur noch depremierent - so dass ich nichts mehr erzählt habe...

    In der Partnerschaft ist es wichtig über alles zu reden - nur so kann der Partner auch verstehen, warum ,wieso ,weshalb.....
     
  11. Chrissi50

    Chrissi50 Registrierter Benutzer

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    Viele wissen auch garnicht, was "Rheuma" bedeutet. Ich dachte früher auch: da ziehste Angoraknieschützer an und gut ists mit dem Zipperlein ;) Was sich hinter diesem Sammelbegriff verbirgt wurde mir allerdings ganz schnell klar.

    Wichtig ist, dass der Partner wenigstens einigermaßen über die Erkrankung informiert ist, damit er Dinge nachvollziehen kann.
     
  12. Dittmarsche

    Dittmarsche Guest

    Ich kann Dir nicht sagen, ob Reden besser ist oder Schweigen.
    Aber eines kann ich aus meiner Erfahrung sagen: bislang zerbricht nahezu jede Beziehung an meiner Erkrankung. Oder sagen wir: an meinen Erkrankungen.
    Ob dies nur eine Ausrede ist oder aber die Wahrheit, weiß ich nicht.
    Hier mal ein kurzes Potpourri an diesen "Ausreden":
    "Ich muss zu viel Rücksicht nehmen" (Lebensgefährte kurz vor der Trennung nach 2-stelligen Jahren Zusammensein)
    "Ich bin überfordert"
    "Ich bin kein Pfleger" (das war, bevor es überhaupt begann! Derjenige kannte überhaupt nicht den Grad an Beeinträchtigungen und von "brauche einen Pfleger" bin ich nun wirklich noch entfernt. Einen verständnisvollen Partner allerdings, den hätte ich schon gern gehabt.)
    "vielleicht war es "zu viel""
    "mit Dir ist ja Rentnerse*"

    Aber es gibt auch Einfühlendes zu berichten, gerade kürzlich:
    "Oh, tut mir leid, das (mit dem Lupus) hatte ich vergessen, Du musst mir das bitte sagen" (ging um "Sitzen in der Sonne")

    Bei mir sind inbesondere die Probleme mit der Mobilität und mit der allgemeinen Belastbarkeit welche, die völliges Unverständnis auslösen, also bisschen anders gelagert. Aber die Phasen, wo mir alltägliche Handgriffe nur erschwert möglich, kenne ich natürlich auch nur zu gut.

    Das betrifft alle Beziehungen zwischenmenschlicher Art.
    Was mich immer mehr in die Defensive treibt und zu einem erheblichen sozialen Rückzug geführt hat.
    Ich bin es einfach leid, mich erklären oder gar verteidigen zu müssen und dann auch noch die Resilienz aufbringen zu müssen, zynische, verletzende, einfühllose Kommentare abprallen zu lassen. (Das betrifft auch noch andere Ebenen.)

    Aktuell kann ich nicht mehr die physische und emotionale Energie aufbringen, um mich noch auf so etwas wie Beziehung oder Partnerschaft einzulassen. Mir wird das alles zu schmerzhaft und Schmerzen gibts schon gratis genug, da brauchts nicht noch seelisch davon kübelweise.

    Denke auch, es ist etwas anderes, wenn man eine langjährige, tiefe Verbindung hat, die schon in gesunden Zeiten begonnen hat. Die hält möglicherweise besser den "schlechten Zeiten" stand.
     
  13. Chrissi50

    Chrissi50 Registrierter Benutzer

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    Auch langjährige Beziehungen sind mitunter überfordert.
    Wir sind fast 35 Jahre verheiratet, und im Moment habe ich Probleme, die der Arzt nicht zuordnen kann, die nicht behandelt werden, was mich sehr verunsichert. Ich bin durchn Wind, habe aber meine RA-Diagnose erst seit einem halben Jahr, wir sind noch Fischlinge.

    Mein Männe ist mit den Nerven runter.
    Also er kann damit garnicht umgehen und ich habe das Gefühl, ich muss mich zusammenreissen, damit ich ihn nicht noch mehr belaste.
    Keine Ahnung, ob sich das einspielt und wann, denn wir haben gereizte Stimmung.
     
  14. Silberpfeil

    Silberpfeil Registrierter Benutzer

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    Hallo Chrissi50,

    das ist nicht so gut für dich - DAS ZUSAMMENREIßEN....doch das weißt du auch...

    damit wird ja so ein psychischer Druck aufgebaut, was alles Andere ist als gesundend....

    Lese mal das Buch; Lass Dir nicht alles gefallen" von Rolf Merkle... das ist richtig mit Übungen etc.

    Du warst ja nicht immer krank - und da hat es dein MAnn mit dir auch ausgehalten ;)

    ich drück sich mal aus der Ferne
     
  15. Chrissi50

    Chrissi50 Registrierter Benutzer

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    Danke. Ich weiß ja, dass es nicht gut für mich ist. Ich lass es ja auch raus, und mein Männe steht mir bei. Ich lass eh alles raus, ich trag das Herz auf der Zunge und ecke da schon gern mal an :p;)

    Ich hab nur gestern überlegt, dass ich ihm die Vorfreude auf den Urlaub vermiese, wenn ich dauernd zeige, wie unsicher ich bin, weil niemand meine neuen Beschwerden ernst nimmt und ich mich alleingelassen fühle.

    Jetzt hab ich aber einen Gesprächstermin bei meiner Heilpraktikerin ausgemacht. Vielleicht nimmt sie mir die Unsicherheit bzw. Angst, und dann bin ich auch wieder lockerer. Mit meiner RA kann ich gut umgehen, mein Mann auch, aber mit den Nebenwirkungen eher nicht :rolleyes:
     
  16. Dittmarsche

    Dittmarsche Guest

    Ich finde, es ist eine Zwickmühle und dazu noch eine hoch sensible.
    Meine Erfahrung ist die, dass, wenn ich nicht auf meine Bedürfnisse und Befindlichkeiten hinweise (und das tue ich seltenst in dem Umfang, wie es der Wahrheit entspräche), dann dringt das auch gar nicht ins Bewusstseins des Anderen. Mithin wird eben so agiert, wie ein Gesunder agiert und ich kann dann zusehen, wie ich da "hinterherhechle" und versuche, Schritt zu halten. Das geht regelmäßig zu Lasten meiner "Gesundheit" und ich kann mit negativ-Folgen rechnen.
    Weise ich allerdings doch in dem Umfang auf meine Bedüfnisse und Befindlichkeiten hin, wie nötig wäre, um mir gut zu tun, dann ist der Andere genervt, enttäuscht, gestresst, verständnislos, ungläubig.
    "Der Andere", das sind alle: Freunde, Verwandte, Partner, aber halt auch Ärzte, Behördenmenschen usw. Aber leider auch "andere/anders Kranke". Jeder halt, dem man begegnet.

    Dieser Spagat stresst mich wahnsinnig. Und zehrt auch an meinem Selbstwertgefühl und an den Kräften.
    Und letztlich ist das Mauseloch dann das, was zwar auch nicht glücklich macht, aber wenigstens am wenigsten stresst. Ich kann es mir so einrichten, wie es für mich gut ist.
     
  17. Silberpfeil

    Silberpfeil Registrierter Benutzer

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    Hallo Dittmarsche,

    da hast du vollkommen recht...

    Ich habe Jahrelange Therapie hinter mir - auch bzg. meiner Einschränkungen die Hauptsächlich wegen meiner Depressionen hatte...
    Auch damals noch dazu meine körperlichen beschwerden....

    Es gibt wenige Menschen, die damit umgehen können... und meine Erfahrung::: auch nur DIE, DIE selbst schon da waren, wo ich war oder bin....

    Es hat bei mir auch lange dedauert - dass es mich scherrt, was andere denken ...

    ich habe auch aussortiert (natürlich ist es in der nahen Familie Mann/Kind) nicht einfach- aber beim REST --- weg, was einem nicht gut tut...


    Habe gerade auch vor, einer Freundin den Rücken zu kehren-- ihre ständiges Diskreditieren - geht mir so auf den Nerv...
    Früher wäre ich ihr hinter her gelaufen - und mich gebeugt - und ihr zum Mund geredet...
    Bevor so was mich wieder runter zieht - Abstand und los lassen.

    Mir haben u.a. bestimmte Bücher geholfen - dies und das anders zu machen -und auch eine Denk-Sichtweise darüber zu bekommen...
     
  18. Dittmarsche

    Dittmarsche Guest

    Ich laufe auch niemandem mehr nach, das war eine Entscheidung des letzten Jahres. Und so wird der Kreis immer kleiner...
    Aber was soll ich mit Menschen, die innerhalb eines Jahres nicht einmal in der Lage waren, mal zu fragen, wie es mir geht (mich aber ansonsten gern mit ihrem Kram zumonologisieren)? Entweder sie haben Schiss, ich könnte gar ehrlich antworten und mögen das nicht hören, weil es sie selber runterzieht oder aber, sie kommen nicht mal auf die Idee, weil sie nur in ihrer Egozone kreisen. Beides benötige ich nicht. Zudem habe ich auch den Anschluss an die "normale Welt der Gesunden" ziemlich verloren. Deren Werte sind nicht meine, deren Bedürfnisse ebenfalls nicht. Ich bedauere das nicht mal, denn mir ist so Vieles nichts wert, wonach sie streben. Etwas traurig macht mich, dass ich selten Wesen finde, die da ähnlich ticken wie ich. Aber ein Forum gibt es, wo ich mich wenigstens so ein klitzekleines bisschen einklinken kann. Auf anderer Ebene noch ein weiteres, aber da muss ich auch schon ziemlich Spagat machen.
    Aber letztlich ist es mir lieber, ich habe ein paar Wenige, auf die ich wirklich bauen kann als einen riesen Kreis der Oberflächlichkeit.
    Wer viel hat, muss viel pflegen und erhalten. Auch das kostet Kraft, die ich nicht mehr über habe.

    Ich "halte" mir eine nette FÄ f. Psychsomatik, die mich begleitet/begleiten soll. Da kann ich dann lassen, was mich bedrückt.
    Auch ich habe eine reaktive Depression, eben auf all das, was mir die letzten Jahre so widerfahren ist. Das war auch nicht von schlechten Eltern.
    Da ist auch viel, viel Vertrauen in die Gutartigkeit von Menschen bei verloren gegangen. Das wird auch nicht mehr heilen. Zu sehr habe ich die hässliche Fratze kennengelernt. Ich kann nur einen Modus Vivendi finden, mit dem ich mich arrangiere.
     
  19. Silberpfeil

    Silberpfeil Registrierter Benutzer

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  20. Maggy63

    Maggy63 Kreativmonster

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    Vielleicht ist deine Bekannte sogar ganz froh darüber, wenn aus der gemeinsamen Reise nichts wird. Sie hat sich ja merklich zurückgezogen, hätte sie ehrliches Interesse an dir, wäre das nicht so. Wahrscheinlich ist ihr das alles zuviel mit den Krankheiten und sie will sich damit nicht belasten.
    Du tust dir selbst einen großen Gefallen, wenn du den Kontakt auf 'Guten Tag' beschränkst, du brauchst deine Energie für dich.

    Ich hab den Kontakt zu einer Uraltfreundin nach über 40 Jahren einschlafen lassen, weil ich mit ihrer Art nicht mehr zurecht kam und mich jedes Gespräch mit ihr zu sehr aufgeregt und erschöpft hat.
    Was soll ich sagen - mir geht es mit der Entscheidung sehr gut und ich habe sie noch nicht einen Tag bereut.
     
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