Hallo Nebi,
ich kann bestätigen, dass sowohl Wetterumschwünge, feucht-kaltes Wetter, als auch psychischer Stress fiese Schmerzzustände bei mir auslösen, bzw. eine vorhandene Schubsituation nahezu bis ins Unerträgliche steigern kann.
Es gibt dann Tage, an denen ich vor Schmerzen aufschreie, wenn einer meiner Kater auf meinen Schoß springt, um zu kuscheln. Dies sind dann auch die Tage, an denen ich mich nicht duschen kann, weil ich weder in die Wanne steigen kann, noch sicher auf meinen Beinen stehen kann, noch die Handbrause halten kann. Weswegen ich mir auch mein Badezimmer behindertengerecht umbauen lasse.
Auf das Wetter haben wir leider keinen Einfluss. Wir können allerdings unsere Aktivitäten etwas dem Wetter anpassen, also z. B. Tätigkeiten, die sich planen und verschieben lassen, an einem Tag erledigen, an dem das Wetter für das eigene Wohlbefinden richtig super ist. Mir geht es bei trockenem, sonnigem Wetter, gleich ob eisig kalt oder angenehm warm, immer richtig gut. Vielen hier geht es ähnlich, möglich dass es bei Dir auch so ist.
In psychisch stressvollen Situationen habe ich es auch sehr oft erlebt, dass ich genauso schmerzhaft reagiere wie auf den Wetter bedingten Stress. Anfangs konnte ich noch keinen direkten Zusammenhang erkennen. Dann war es leider einige Zeit so, dass ich nahezu direkt auf den Stress reagierte. Weswegen ich mich jetzt sehr stark darum bemühe, die dem Stress zugrunde liegenden Konflikte zu entschärfen und zu lösen. Was nicht immer einfach ist. Was manchmal auch nicht möglich ist. Aber alleine schon zu wissen, was den Stress auslöst, hilft die Intensität der schmerzhaften körperlichen Reaktion zu verringern. Zumindest bei mir.
Mittlerweile habe ich ein so gutes Gespür für meinen Körper entwickelt, sodass ich nicht nur feinste Missempfindungen wahrnehme, sondern auch (meist) die zugrunde liegende Konfliktsituation erkenne. Was nicht nur meine Handlungsmöglichkeiten erhöht, sondern auch rheumatische Verschlechterungen aufgrund psychischen Stresses reduziert.
Diesen Zusammenhang habe ich allerdings nicht alleine erkannt, sondern in Zusammenarbeit mit meinen behandelnden Ärzten, aber auch einer Psychotherapeutin. Die mir half zu erkennen, dass wir als Kinder nur wenige Möglichkeiten hatten, mit Konflikten umzugehen. Es waren immer die Möglichkeiten, die es uns damals ermöglichten, zu „überleben“. Sei es nun sich als Familien- oder Klassenclown in den Vordergrund zu drängen oder ganz still, beinahe unsichtbar zu werden. Ich habe bewusst zwei Extreme zur Verdeutlichung gewählt.
Heute haben wir als Erwachsene mehr Möglichkeiten. Allerdings leben die als Kind gelernten Verhaltensmuster weiter, werden aktiv, sobald wir in einer uns belastenden Situation sind. Weswegen es wichtig ist, zu erkennen, was bei uns welche Reaktionen auslöst. Um dann bewusst entscheiden zu können, wie wir reagieren.
Ich weiß nicht, wann Deine Psychotherapie war, vermute aber, dass es bereits einige Jahre her sind. Deshalb kann ich Dir nur empfehlen, erneut eine unterstützende Psychotherapie zu machen. In der dann weiterführend die Ereignisse Deiner Kindheit mit Deiner Situation heutigen verknüpft wird. Wo herausgearbeitet wird, in welchen belastenden Situationen unbewusst das kleine Kind Nebi reagiert anstatt die erwachsene Nebi.
Um zu verdeutlichen, was ich gerade so theoretisch geschrieben habe, gebe ich Dir ein typisches Beispiel aus meinem Leben:
„Sonderwünsche“ nach einem neuen Kleidungsstück (wenn der Saum gelöst wird, passt das Kleid noch) oder Spielzeug (Du hast nicht Geburtstag und es ist nicht Weihnachten) wurden zu Hause entweder ignoriert oder schimpfend abgelehnt. Weswegen ich irgendwann aufhörte, Wünsche zu äußern, ja, sogar aufhörte, Wünsche zu spüren. In der Psychotherapie erkannte ich, dass diese Selbst-Beschränkung immer noch aktiv war. Sobald mir dies bewusst war, konnte ich z. B. erkennen, warum ich so oft Magenprobleme nach Einkäufen hatte. Erkannte auch, dass ich die Schmerzen nur hatte, wenn ich mir etwas Neues kaufte, nicht aber für meine Tochter oder meinen Mann. Nach dieser Selbst-Erkenntnis konnte ich etwas an meiner unbewussten inneren Einstellung ändern. Heute habe ich keine Magenschmerzen mehr, wenn ich mir etwas Neues kaufe.
Es gibt noch andere Dinge, die ich nach dem Erkennen änderte. Auch Dinge, die rheumatische Schmerzen auslösten. Weswegen ich persönlich eine unterstützende Psychotherapie als sehr gut empfinde. Denn uns belasten ja nicht nur unglückliche Begebenheiten unserer Kindheit, sondern auch ganz aktuell die Einschränkungen aufgrund unserer Erkrankung. Da ist es gut, mit einem „neutralen“ Menschen reden zu können. Denn unsere Familienangehörigen und Freunde sind ja auch oft überfordert, haben selber Probleme mit unserer Erkrankung. Denn wir haben ja nicht „nur“ eine Grippe, die irgendwann vorbei ist, sondern eine schwere, lebenslange Erkrankung, von der wir noch nicht wissen, was sie noch alles bei uns anrichtet.
Ich hoffe, Du konntest meinen Gedanken folgen, denn es ist jetzt doch deutlich mehr Text geworden, als ich eigentlich schreiben wollte.
Ich wünsche Dir jedenfalls, dass Du Deinen psychischen Druck verringern kannst. Denn er wirkt definitiv verstärkend auf Deine rheumatischen Beschwerden. Genauso wie das derzeitige Ünselwetter.
Ich wünsche Dir ferner, dass Deine Schmerzen bald weniger werden. Notfalls musst Du kurzfristig gemeinsam mit Deinem Arzt besprechen, ob es nicht kurzfristig möglich ist, Dosierung der Schmerzmedikamente zu erhöhen oder einen höheren Cortison-Stoß einzunehmen. Denn die akute, starke Schmerzsituation muss durchbrochen werden, weil ansonsten noch die Gefahr der Entwicklung eines chronischen Schmerzsyndroms besteht. Welches ebenso schwierig zu behandeln ist wie die entzündliche rheumatische Erkrankung.
Liebe Grüße
Erika