Pflegegrad 1 und 2 - gegenseitige Pflege möglich?

Dieses Thema im Forum "Krankenkassen und Pflegeversicherung" wurde erstellt von Lusella, 1. Juni 2021.

  1. Lusella

    Lusella Registrierter Benutzer

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    Hallo allerseits,

    ich komme gleich auf den Punkt:

    Ich habe mittlerweile Pflegegrad 2 zuerkannt bekommen (37,75 Punkte). Mein Mann hat Pflegegrad 1 mit 13,5 Punkten. Mein Mann hilft mir schon, seit ich Hilfe benötige, z.B. beim An- und Auskleiden, Essen zerkleinern, Kämmen u.s.w. Das klappt wunderbar. Nun wollte ich bei der Krankenkasse das Pflegegeld beantragen und mir wurde gesagt, dass das nicht möglich sei, weil mein Mann auch einen Pflegegrad hat.

    Einen ambulanten Pflegedienst möchte ich nicht und brauche ich nicht. Mein Mann kann mich wunderbar unterstützen. Wir sind ein eingespieltes Team.

    Weiß jemand ob mir das Pflegegeld tatsächlich nicht ausgezahlt wird aus dem Grund, weil mein Mann auch einen Pflegegrad hat?

    Ich habe im Internet nichts darüber finden können.

    Herzliche Grüße
    Lusella
     
  2. Clödi

    Clödi Registrierter Benutzer

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    Hallo Lusella,

    ich kenne mich mit den Gesetzen nicht aus. Aber für mich klingt das schon logisch, dass jemand, der selber pflegebedürftig ist bzw. einen Pflegegrad hat, nicht gleichzeitig eine andere Person pflegen kann.

    Spätestens wenn dein Mann auch den Pflegegrad 2 hat und damit ebenfalls Anspruch auf Pflegegeld beißt sich ja die Katze in den Schwanz.
    Habt ihr eventuell Kinder, die ihr als pflegende Person angeben könnt? Alternativ gute Freunde oder Nachbarn?
     
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  3. Lusella

    Lusella Registrierter Benutzer

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    Hallo Clödi,

    nein, wir haben keine Kinder. Ich könnte eine gute Bekannte einsetzen. Das möchte ich aber nicht wirklich. Mein Mann ist nur geringfügig in seiner Beweglichkeit eingeschränkt. Er hat mir immer geholfen und möchte das auch weiter. So lange es eben geht. Es wäre zwar nur eine formale Sache aber ich sehe nicht ein, weshalb ich nicht meinen Mann dafür einsetzen darf. Er hilft mir seit vielen Jahren. So lange es geht möchten wir alles selbst regeln (dürfen). Das klingt vielleicht komisch aber es gibt uns ein besseres Gefühl im Sinne von "normal".
     
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  4. Clödi

    Clödi Registrierter Benutzer

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    Ich kann mir schon vorstellen, dass ihr beide ein eingeschworenes Team seid, das gut funktioniert, auch wenn dein Mann den Pflegegrad 1 hat.

    Aber wenn dir auch das Pflegegeld wichtig ist, werdet ihr euch eine Lösung einfallen lassen müssen, auch wenn es nur formal über deine Bekannte ist.

    Vielleicht könnte man sich noch bei der Caritas oder einer ähnlichen Institution über die rechtlichen Grundlagen schlau machen.
    Meine Eltern wurden da immer sehr gut beraten, was diese Sachen angeht.
     
    #4 1. Juni 2021
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juni 2021
  5. Lusella

    Lusella Registrierter Benutzer

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    Liebe Clödi,

    ich werde eine liebe Bekannte einsetzen. Es ist im Grunde ja egal. Ich war nur etwas irritiert, dass mein Mann es nicht sein "darf". Aber es handelt sich ja nur um eine Formalität. Er "darf" mir ja weiter helfen und mich betreuen.

    Liebe Grüße
    Lusella
     
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  6. Lusella

    Lusella Registrierter Benutzer

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    UPDATE:

    Hallo allerseits,

    seit meinem letzten Post sind nun schon fast 3 Monate ins Land gegangen. Ich möchte euch berichten, was sich in der Zwischenzeit ergeben hat:

    Ich habe, entgegen meinem letzten Schreiben hier, keine Bekannte als Pflegeperson eingesetzt. Ich habe mir das gut überlegt und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich das nicht möchte. Mein Mann hat mir immer geholfen und warum sollte er das nicht auch weiter dürfen? Nur, weil er auch einen Pflegegrad hat? Das kann es doch nicht wirklich sein- oder?

    Wir haben bei der Beratungsstelle des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin angerufen und nachgefragt ob es stimmt, dass Personen mit Pflegegrad sich nicht gegenseitig pflegen dürfen. Die Dame am Telefon war, gelinde gesagt, sehr irritiert wegen der Frage. Sie hat uns die Auskunft gegeben, dass dem nichts im Wege steht. Außer, die Person, die als Pflegeperson eingetragen ist, hätte Demenz oder andere schwerwiegende psychische Probleme. Das ist bei meinem Mann definitiv nicht der Fall.

    Trotzdem hat sich die Sachbearbeiterin der Krankenkasse stur gestellt und auf ihrer Meinung beharrt. Nach einigen unfruchtbaren Telefonaten, schriftlich wollte sie uns nichts geben, war ich so weit, dass ich mit dem Anwalt drohte. Auf einmal kam Schwung in die Sache. Sie hat tatsächlich ein zweites Gutachten beim medizinischen Dienst beauftragt. Das Gutachten sollte angeblich dazu dienen zu klären ob mein Mann mir helfen kann. Gestern war der Termin und eine Begutachtung hier bei uns in der Wohnung. Also kein Telefongutachten wie das erste Mal. Wir fragten weshalb das Gutachten gemacht würde. Ich hatte das unbestimmte Gefühl, dass die Auskunft der Sachbearbeiterin nicht ganz korrekt war. Und ich lag richtig. Das Gutachten sollte gemacht werden um erneut den Pflegegrad meines Mannes zu bestimmen. Und das obwohl er gegen das erste Gutachten keinen Widerspruch eingereicht hat. Ich erklärte kurz die Sachlage. Nämlich, dass es in Wahrheit darum geht, mir mein Pflegegeld nicht auszahlen zu wollen, weil mein Mann nicht als Pflegeperson für mich akzeptiert wird. Und das "nur" von der zuständigen Sachbearbeiterin.

    Die beiden Damen waren, durch die erneute Begutachtung meines Mannes, sehr wohl der Meinung, dass wir uns gegenseitig helfen können und auch sollen! Heute Morgen kam der Anruf der Sachbearbeiterin, dass das Gutachten vorliegt und ich ab September Pflegegeld bekomme.

    Ich habe das geschildert um jeden zu motivieren nicht aufzugeben, wenn es nicht rund läuft. Was ich auch gelernt habe: Alles was mit Ämtern oder Kranken- bzw. Pflegekassen zu tun hat, muss man sich schriftlich geben lassen! Das ist wichtig, wenn es zu Problemen kommen sollte.

    Zum Schluss lasse ich euch noch die Telefonnummer der Beratungsstelle da:

    Bürgertelefon zur Pflegeversicherung 030 / 340 60 66 - 02

    Alles Liebe und eine gute Zeit,
    Lusella
     
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  7. kroma

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    Toll - das freut mich für euch!
     
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  8. Lusella

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  9. Katjes

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    Lusella, danke, dass du uns alles so genau geschildert hast!
    Toll, das ihr nicht aufgegeben habt und die Kraft zum kämpfen hattet!
     
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  10. Lusella

    Lusella Registrierter Benutzer

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    @Katjes, es hat uns schon ziemlich belastet. Manchmal hätte ich fast resigniert. Das muss ich ehrlich gestehen. Aber dann haben wir uns gegenseitig Mut gemacht und das hat das Ganze erleichtert. Ich habe ja nicht nur dieses Problem gehabt, ich habe auch noch eine Mutter, die meine Hilfe benötigt und manchmal auch anstrengend sein kann. Aber niemand hat gesagt, dass das Leben einfach ist... Jeder hat sein persönliches Paket zu tragen. Und wenn ich mit meinem Bericht helfen kann, dann hat es sich doppelt gelohnt durchzuhalten.
     
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  11. Clödi

    Clödi Registrierter Benutzer

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    Sehr schön, Lusella! Hoffentlich kann es noch lange so bleiben, mit der Unterstützung durch deinen Mann :top:.
     
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  12. saurier

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    Danke Lusella,
    das hilft vielleicht ja doch irgendwann
    weiter.
    Die Telefonnummer ist eine gute Sache!
    saurier
     
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