Lustige Geschichte zu Weihnachten
[FONT=&] Und ewig grüßt der Weihnachtsmann[/FONT]
[FONT=&]…Stille Nacht, heilige Nacht…[/FONT]
[FONT=&] „Schleicht`s Euch“! „Peng, Peng“. Zwei Schüsse krachen in der sternenklaren Nacht! Besorgte Anwohnern greifen zum Telefon und rufen die 110 oder die Feuerwehr. Wie jeden Tag in den letzten zwei Wochen, kurz vor Weihnachten, in einem kleinen Ort in Oberbayern.[/FONT]
[FONT=&]Ein Reporter vom Starnberger Merkur, der sich gegenüber des Schauplatzes, im Café einer Bäckerei, ein Redaktionsbüro eingerichtet hat, berichtet Live: [/FONT]
[FONT=&]Der Singkreis des Landfrauenvereins Starnberg war nur einer von zahlreichen Vortragsgruppen und Einzelkünstlern, die heute vergeblich versuchten, in das Seniorenstift an der Hauptstraße einzudringen. Dem inneren Drang, alten Menschen zur Weihnachtszeit eine Freude zu machen, stand immer wieder die kompromisslose Abwehrbereitschaft der Heimbewohner gegenüber, die es leid sind, als klatschendes Publikum für Amateuraufführungen herhalten zu müssen, erklärt der 91jährige Sepp Ferstl, als Sprecher des Heimbeirates des Seniorenstifts. [/FONT]
[FONT=&]„Ja, wir wollen hier vor Weihnachten nur in Ruhe unseren Kaffee trinken und nicht dauernd mit Gejodel und Gefiedel belästigt werden. Und wenn das im Guten nicht geht, dann müssen wir eben andere Maßnahmen ergreifen“. [/FONT]
[FONT=&]Maßnahmen, die sich am Anfang nur auf die hermetische Abriegelung des Gebäudekomplexes beschränkten. Sepp Ferstl`s Erfahrungen als Unteroffizier und Gruppenführer 1943 im Kessel von Stalingrad, als er und seine Kameraden in einer ähnlich verzweifelten Situation waren, kommen jetzt den Bewohnern des Seniorenstifts zugute. Die alten Pflegebetten vor den Außentüren, Stacheldrahtrollen vor den besonders gefährdeten Erdgeschossfenstern, sowie das verschweißte Rolltor in der Tiefgarage, reichten jedoch schon bald nicht mehr aus. Rund um die Uhr wurden Heimbewohner zum Wachdienst eingeteilt. [/FONT]
[FONT=&]Gleich in der ersten Woche wurde bei einer Personenkontrolle, der Eigentümer des Seniorenstifts von dementen Wachstreifen festgenommen, nachdem dieser ohne Ausweispapiere versuchte, die Rollatorsperren zu überwinden. Bei der anschließenden Leibesvisitation wurden etliche Lebkuchen und Butterstollen sichergestellt, die unverzüglich konfisziert wurden. Der Inhaber der Einrichtung wurde zwei Tage später von der Nachbarschaftshilfe gegen 20 Kilogramm Kaffee und zehn selbstgebackenen Sahnetorten ausgetauscht.[/FONT]
[FONT=&]„[/FONT][FONT=&]Morgens fallen schon die Schratzn vom Kindergarten über uns her, mit ihrem Flötenkreis. Die flöten hier rum mit „Mach hoch die Tür“ und „Kling, Glöckchen, …“ und alles falsch und durcheinander. Am Nachmittag kommen dann meistens die Trampeltänzer, äh, Schuhplattler vom Trachtenverein Schlagenhofen, die will hier keiner mehr sehen, aber mit uns koa mer des ja machn“. [/FONT]
[FONT=&]Besonders kritisch wird es am Abend, wenn die Aufmerksamkeit der alten Menschen nach einem langen Wachdienst zu erlahmen droht. Dann nämlich pirscht sich über die angrenzende Wiese, im Schutz der Dunkelheit, der Jagdbläserchor „Hubertus“ aus Herrsching heran. [/FONT]
[FONT=&]„[/FONT][FONT=&]Ja, die tröten dann „Die Sau ist tot“, wenn unsereiner nur in Ruhe Fernsehen und einen Glühwein trinken will. Und da bin ich dann auch zum ersten Mal mit meiner Schrotflinten dazwischen ganga“. [/FONT]
[FONT=&]Nicht minder gefürchtet ist unter den Senioren die Heimatbühne Auing, mit ihrem oberbayrischen Schwank „Der verkaufte Großvater“. Die zogen aber dieses Jahr, gegen ein sehr hohes Schweigegeld, dass eiligst unter den Bewohnern gesammelt wurde, überraschend ab. Doch nicht immer lassen sich die vorweihnachtlichen Animateure so unkompliziert abwehren. Der Dreigesang Steinebach mit seinem Adventsprogramm, wie „Oh Tannenbaum“ oder „Ihr Kinderlein kommet“ ließ sich aus Hubschraubern auf das Flachdach des Wintergartens absetzen, in der vergeblichen Hoffnung, durch einen Lüftungsschacht zur besinnlichen Kaffeetafel der Heimbewohner vorzudringen. Doch nach 25 Jahren Heimerfahrung kennt Sepp Ferstl inzwischen alle Tricks und hat die Lüftungsschächte mit Silvesterraketen und Böllern vom letzten Jahr sichern lassen.[/FONT]
[FONT=&]„Gestern hatten wir einen hier, der gab sich als Klempner aus und wollte nach der Heizung schaun. Und ich denk noch, da ist doch was faul, mach 'ne Taschenkontrolle und siehe da, kein Werkzeug und nix. Stattdessen der Gedichtband „[/FONT][FONT=&]Lieber, guter Weihnachtsmann“,[/FONT][FONT=&] damit wollte er uns hier den Abend versaun“.[/FONT]
[FONT=&]Letztendlich waren alle Anstrengungen der alten Leute umsonst. Am frühen Nachmittag des 3. Advents hielt die Schweißnaht des Rolltores der Tiefgarage dem Ansturm nicht mehr stand. Sepp Ferstl wurde entwaffnet und die tapferen Bewohner des Seniorenstifts wurden von der vorweihnachtlichen Stimmung doch noch eingeholt und ergaben sich Ihrem alljährlichen Schicksal.[/FONT]
[FONT=&]…O du fröhliche…[/FONT]