Leitlinien zu rheumatischen Erkrankungen

Dieses Thema im Forum "Entzündliche rheumatische Erkrankungen" wurde erstellt von Marie2, 28. September 2012.

  1. Frau Meier

    Frau Meier Guest

    Aus aktuellem Anlass hier die Kriterien für das Still-Syndrom (=Morbus Still = adultes Still-Syndrom) des Erwachsenen:

    Literatur: Yamaguchi M et al.: Preliminary criteria for classification of adult´s Still´s disease.
    J Rheumatol. 1992; 19(3); 424-30.



    Hauptkriterien:

    1. Fieber von >/= 39° Celsius für mindestens 1 Woche
    2. Arthralgien über mindestens 2 Wochen
    3. Leukozytose (>/= 10.000/µl) mit mindestens 80% Neutrophilen
    4. Makulöses, lachsfarbenes Exanthem, das ausgeprägt am Abend auftritt und am Morgen verschwunden ist

    Nebenkriterien:

    1. Halsschmerzen
    2. Lymphadenopathie und/oder Splenomegalie
    3. Erhöhte Transaminasen und /oder LDH
    4. Perikarditis
    5. Pleuritis
    6. Negative Rheumafaktoren und negative antinukleäre Antikörper

    Notwendige Ausschlussdiagnosen:

    1. Infektionen (insbesondere Sepsis und infektiöse Mononukleose)
    2. Malignome (insbesondere maligne Lymphome)
    3. Rheumatische Erkrankungen (insbesondere Polyarteriitis nodosa, Vaskulitis mit extraartikulärer Beteiligung)

    Die Diagnose adultes Still-Syndrom erfordert mindestens 5 Kriterien - davon zumindest 2 Haupt-kriterien sowie Ausschluss der Diagnosen 1-3.


    Quelle:
    Kriterien zur Diagnose und Klassifikation rheumatischer Erkrankungen von E. Röther, J. Röther und H.H. Peter, 5. Auflage 2012


    Beste Grüße, Frau Meier
     
  2. Frau Meier

    Frau Meier Guest

    Da dieses Thema aktuell gehäuft diskutiert wird, möchte ich hier ein paar wichtige Daten einstellen.
    Ich beschränke mich dabei auf die im Konsens definierten Kriterien ab 2008 und lasse sowohl die ACR-Kriterien von 1990 als auch "Begleitsymptome" aus 2004 bewusst weg.


    KLINISCHE Kriterien zur Diagnose eines Fibromyalgiesyndroms (FMS)

    Literatur: Eich W et al., Definition, Klassifikation und Diagnose des Fibromyalgiesyndroms.
    Zeitschrift für Rheumatologie 2008; 67:665-67.


    Die Diagnose eines FMS kann nach symptombasierten Kriterien erfolgen:

    * chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen und
    * Steifigkeits- und Schwellungsgefühl der Hände, Füße und des Gesichts und
    * körperliche bzw. geistige Müdigkeit/Erschöpfung und nicht erholsamer Schlaf

    Der Nachweis von mindestens 11 von 18 bei Palpation druckschmerzhaften tender points ist für die klinische Diagnose eines FMS nicht notwendig.


    Vorläufige Diagnosekriterien des ACR 2010

    Literatur: Wolfe F et al., The American College of Rheumatology preliminary diagnostic criteria für fibromyalgia and measurement of symptom severity.
    Arthritis Care Res. 2010; 62:600-10.


    Ein Patient erfüllt die diagnostischen Kriterien der Fibromyalgie, wenn die folgenden 3 Bedingungen erfüllt sind:

    1. Widespread-Pain-Index (WPI) >/= 7 und Wert auf der Symptomschwere(SS-)Skala >/= 5 oder WPI 3-6 und SS-Skala-Wert >/=9.

    2. Die Symptome bestehen seit mindestens 3 Monaten in ähnlicher Stärke.

    3. Der Patient bietet keine Hinweise auf eine Erkrankung, die die Schmerzen anderweitig erklären könnte.

    Bestätigung

    1) WPI: Bestimmung der Zahl der Areale, in denen der Patient in der letzten Woche SChmerzen hatte.
    In wie vielen Arealen hatte der Patient Schmerzen? Der Wert liegt zwischen 0 und 19.

    Areale:
    Schultergürtel links, Schultergürtel rechts, Oberarm links, Oberarm rechts, Unterarm links, Unterarm rechts, Hüfte (Gesäß, Trochanter) links, Hüfte (Gesäß, Trochanter) rechts, Oberschenkel links, Oberschenkel rechts, Unterschenkel links, Unterschenkel rechts, Kiefer links, Kiefer rechts, Brustkorb, Abdomen, Oberer Rücken, Unterer Rücken, Nacken

    2) SS-Skala-Wert:

    * Fatigue
    * unerholtes Aufwachen
    * kognitive Symptome

    Angabe des Schweregrads für jedes der 3 genannten Symptome in der vergangenen Woche anhand der folgenden Skala:

    0: kein Problem
    1: unbedeutende oder leichte Probleme, allgemein geringfügig oder intermittierend
    2: mittelgradige, beträchtliche Probleme, oft und/oder in mittlerer Stärke vorhanden
    3: schwere, tiefgreifende, kontinuierliche, lebenseinschränkende Probleme

    Betrachtung der somatischen Symptome allgemein und Angabe, ob der Patient Folgendes aufweist*:

    0: keine Symptome
    1: wenige Symptome
    2: eine mittlere Zahl von Symptomen
    3: ein hohes Maß an Symptomen

    Der SS-Skala-Wert ist die Summe der Schwere der 3 Symptome (s.o.) plus das Ausmaß (Schwere) somatischer Symptome allgemein. Der Endwert liegt zwischen 0 und 12.

    *Somatische Symptome, die in Betracht gezogen werden könnten:
    Muskelschmerzen, Reizdarmsyndrom, Fatigue/Müdigkeit, Denk- oder Gedächtnisstörung, Muskelschwäche, Kopfschmerzen, Schmerzen/Krämpfe im Abdomen, Taubheit/Kribbeln, Schwindel, Schlafstörung, Depression, Verstopfung, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Nervosität, Brustschmerzen, Verschwommensehen, Fieber, Diarrhoe, Mundtrockenheit, Juckreiz, Giemen, Raynaud-Phänomen, Urtikaria/Angioödem, Tinnitus, Erbrechen, Sodbrennen, orale Ulzera, Verlust/Veränderung des Geschmackssinns, Krampfanfälle, trockene Augen, Kurzatmigkeit, Appetitverlust, Hautausschlag, Sonnenempfindlichkeit, Hörstörungen, Hämatomneigung, Haarverlust, Pollakisurie, Algurie, Blasenkrämpfe.


    Quelle: Kriterien zur Diagnose und Klassifikation rheumatischer Erkrankungen von E. Röther, J. Röther und H.H. Peter, 5. Auflage 2012


    Liebe Grüße, Frau Meier
     
  3. Marie2

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    schönen dank!

    für diejenigen, die sich noch weitergehend dazu informieren möchten:
    bitte in den jeweiligen leitllinien nachlesen.

    lg marie
     
  4. Frau Meier

    Frau Meier Guest

    Wie versprochen die revidierten Kriterien für die Polymyalgia rheumatica:

    EULAR/ACR-Kriterien 2012

    Obligate Kriterien (ohne Punkte) sind:

    • Mindestalter 50 Jahre
    • Bilaterale Schulterschmerzen
    • Erhöhte BKS und/oder CRP Werte

    Weitere Kriterien:

    • Morgensteifigkeit > 45 Minuten (2 Punkte)
    • Hüftschmerz/eingeschränkter Bewegungsumfang (1 Punkt)
    • kein Nachweis von Rheumafaktor und/oder Antikörpern gegen citrullinierte Peptide (2 Punkte)
    • keine peripheren Gelenkschmerzen (1 Punkt)
    Für die Diagnose einer PMR werden 4 Punkte gefordert.

    Hier kann jedefrau/jedermann das gut nachlesen:
    http://www.rheumazentrum-heidelberg.de/fuer-aerzte/krankheitsbilder/polymyalgia-rheumatica.html

    Der Vollständigkeit halber auch die "alten" Kriterien:

    Bird HA et al. An evaluation of criteria for polymyalgia rheumatica, Ann Rheum Dis. 1979;38:434–9.
    Bisher existieren keine international anerkannten diagnostischen Kriterien.
    1. Beidseitige Schulterschmerzen und/oder beidseitige Steifigkeit (alternativ auch Schmerzen in
    folgenden Regionen: Nacken, Oberarme, Gesäß, Oberschenkel)
    2. Akuter Krankheitsbeginn (innerhalb von 2 Wochen)
    3. Initiale BSG-Beschleunigung von ≥ 40 mm/h
    4. Morgendliche Steifigkeit von > 1 Stunde
    5. Alter > 65 Jahre
    6. Depression und/oder Gewichtsverlust
    7. Beidseitiger Oberarmdruckschmerz
    Der Schulterschmerz ist der beste Diskriminator gegenüber PMR-ähnlichen Symptomen. Eine
    wahrscheinliche PMR wird angenommen, wenn 3 Kriterien positiv sind oder 1 Kriterium zusammen
    mit einer Temporalarteriitis auftritt.

    Quelle:
    http://dgrh.de/fileadmin/media/Praxis___Klinik/Therapie-Empfehlungen/61798_kriterien_zur_diagnose_und_klassifikation_rheumatischer_erkrankungen.pdf

    Beste Grüße, Frau Meier
     
  5. Butterflyandy

    Butterflyandy PMR seit 12/2013

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    Verstehe ich das jetzt richtig?? Die Diagnosekriterien sind "angepasst" worden?? Wissen das auch die Ärzte?? (Ironie)..Nein, im Ernst....ich wäre froh darüber. Ich musste mich schon so oft "erklären"...weil: das Mindestalter für PMR ja 65 sein sollte und bekam zu hören, "sie können das nicht haben, sie sind zu jung"...und dann kam ich hier ins Forum und las, dass die überwiegende Mehrheit wirklich so um die 50+/- sind.
    Bei mir passen die Symptome sehr gut, alllerdings wird eine begleitende RA nicht ausgeschlossen....
     
  6. Frau Meier

    Frau Meier Guest

    @Butterflyandy

    Ironie ist hier m. E. nicht von Nöten.
    Nicht alle Ärzte sind Rheumatologen, die PMR eine relativ häufige Erkrankung (die oft von Allgemeinmedizinern, nicht spezialisierten Internisten und sogar Orthopäden anbehandelt wird), die Diagnose aufgrund des unspezifischen Bildes aber keineswegs immer eindeutig, und die Kriterien sind nicht in Stein gemeißelt. Das ist ein Teil der vielleicht für Betroffene unbefriedigenden Situation - nicht jede "PMR" ist eine.

    Du hast aber prinzipiell richtig verstanden:
    Die Kriterien zur Klassifikation bestimmter Erkrankungen (es handelt sich bei den hier erwähnten zur PMR nicht um Diagnosekriterien!) werden den Entwicklungen und erweiterten Erkenntnissen öfter mal "angepasst".
    Die alten stammen aus 1979:

    http://Bird HA et al. An evaluation of criteria for polymyalgia rheumatica, Ann Rheum Dis. 1979;38:434–9

    Gruß, Frau Meier
     
    #26 12. Oktober 2014
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 12. Oktober 2014
  7. Putzel

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    An Marie meinen herzlichsten Dank !! Das ist mal ein fundierter Beitrag !!!! Sehr sehr gut.
    Tausend Dank für diese Mühe
    Lb. Grüße Grit
     
  8. Putzel

    Putzel Mitglied

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    Auch herzlichen Dank an Fr. Meier. Eine Wahnsinns-Arbeit. Das ist wirklich sehr gut, dass das gemacht wurde.
    Herzliche Grüße Grit
     
  9. Marie2

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    dankeschön grit!

    es freut mich, wenn das alles jemandem hilft :)

    lieben gruß marie
     
  10. silvia strasser

    silvia strasser sweety 1

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    Leitlinien

    Hallo Marie 2
    Vielen herzlichen dank für die Infos.Super tolle Sache.
    Grüße aus Ingolstadt:top::top::top:
     
  11. Suny

    Suny Registrierter Benutzer

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    Blutbefund

    Hallo , viell kann mir von euch jemand sagen was ANA negativ, Ana Tier 1:160 und saa ro positiv bedeutet? Kann man anhand diesen Befundes auf eine rheumatische Erkrankung schließen ?
     
  12. apfelinerin

    apfelinerin Guest





    Der Arzt wird genauer sagen
     
  13. NataschaJana

    NataschaJana Neues Mitglied

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    Hilfe

    Ich habe ein Blutwert und wollte mal Fragen was das bedeutet.. Der Ana Hep 2 zellen wert ist positiv 1:1280.
    Ich habe starke Beschwerden und möchte gerne wissen ob das mit so einem Wert zusammen hängen kann.
     
  14. Rotkaeppchen

    Rotkaeppchen Registrierter Benutzer

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    Das kommt darauf an, welche Beschwerden du hast. Mach dir doch bitte einen eigenen Thread dazu auf, wo du eventuell auch ausführlicher auf deine Beschwerden eingehst. Denn hier bist du mit deiner Frage völlig falsch.
     
  15. NataschaJana

    NataschaJana Neues Mitglied

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    Ja, das dachte ich schon. Ich bin nur neu hier und habe keine Ahnung wie das alles funktioniert.
     
  16. Marie2

    Marie2 nobody is perfect ;)

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    hallo,

    bedauerlicherweise sind die leitlinien, posting 2 und 3, völlig verhunzt.
    bis ich einen neuen und übersichtlichen aufbau installiert und neue funktionierende links generiert habe,
    dauert es einen kleinen moment ;-)
    die letzten thematisch nicht passenden beiträge entferne ich demnächst,
    mit dank an die user, die geantwortet haben und bitte um verständnis :)

    lieben gruß marie
     
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