@Sinela
Ich würde Deine Frage ganz persönlich mit "jein" beantworten.
Cortison (ich spreche von exogen zugeführtem, also nicht dem körpereigenen, in der Nebenniere produzierten) deckt das gesamte Spektrum zwischen Segen und Fluch ab.
Die meisten Rheumapatienten und etliche von anderen Erkrankungen Betroffene (z. B. nicht wenige Krebspatienten) benötigen es einfach vorübergehend oder dauerhaft. Es wirkt schnell, sicher und ist bei geringem Preis (heute nicht mehr ganz unwesentlich) in mehrfacher Form und Hinsicht problemlos zu verabreichen. Es ist unverzichtbarer Bestandteil einer nicht unerheblichen Zahl von Behandlungsschemata.
Allerdings birgt es eine ganze Reihe von möglichen Nebenwirkungen, die neben der NW anderer "Basistherapeutika" sehr gerne vernachlässigt werden und in erheblichem Maß von der Tages- und teils auch Kumulativdosis abhängen.
Wir alle kennen Hunger (richtigen Kohldampf!), Gewichtszunahme, Umverteilung von Fett- und Abbau von Muskelgewebe, Ausbrüche oder Verschlechterung von Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Osteopenie oder -porose etc.
Was oft und gerne verschwiegen wird (auch in Diskussionen bei r-o): die vielzitierte Infektneigung unter "Basistherapien" beruht maßgeblich auf Cortison - in Abhängigkeit von der Dosis und vom Alter. Dazu gibt es klare Daten.
Es gibt noch reichlich mehr an Problemen an diversen Baustellen des Körpers - wie Kerstin Schröder schon sagte "kein Hustenbollo"....
ABER: es ist m. E. deutlich differenzierter zu betrachten.
Vor der Entscheidung steht der Grund für die Anwendung von Cortison (die Indikation) oder dagegen und die Abwägung zu Alternativen (die akut meist fehlen und auf Dauer nicht ganz selten unzureichend sind).
Richtig angewendet ist Cortison nicht risikolos, aber IMMER gegen die Risiken der (nicht oder unzureichend behandelten) Erkrankung abzuwägen - und dann schrumpft die Bedeutung des Wortes "Teufelszeug" ganz erheblich
Grüße, Frau Meier