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Kinder alleinerziehender Rheumis

Dieses Thema im Forum "Austausch für und mit Angehörigen" wurde erstellt von Sanchen, 21. April 2007.

  1. Sanchen

    Sanchen Neues Mitglied

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    Bis mein Sohn 12 war bekam ich von meiner KK eine Hilfe nach Hause, wenn bei mir gar nichts mehr ging. Danach musste er notgedrungen mehr Aufgaben übernehmen. Mit der Pubertät ist nun alles recht schwierig geworden und ich habe häufig nicht die Kraft mich angemessen mit ihm auseinanderzusetzen.
    Auf der anderen Seite will ich auch nicht dass meine Wohnung ganz verkommt. Mein Budget ist eben begrenzt und ich kann nicht mehrmals die Woche hier aufräumen und putzen lassen.
    Wer von euch erzieht denn allein und wie kommt ihr mit den Kindern so zurecht?
    lg Sanchen
     
  2. Colana

    Colana Musikus

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    Hallo Sanchen,

    ich war 13 Jahre alleinerziehend und kann mir gut vorstellen, was bei Euch abläuft. Da helfen nur noch Regeln.. und leider musst Du Dich da durchsetzen, sonst tanzt er Dir nur noch auf dem Kopf herum...

    z. B. sein Zimmer muss er grundsätzlich selbst aufräumen mit allem Drum und Dran. Wenn er die Schmutz-Wäsche vergisst, dann lässt Du sie da, wo sie ist. irgendwann hat er eben halt keine saubere Wäsche mehr und dann muss er sie selber halt waschen und aufhängen und wieder abnehmen und weglegen...

    Auch mit bestimmten Aufgaben ist er nicht überfordert:
    Mülleimer rausbringen oder halt mal abwaschen und abtrocknen oder staubsaugen oder halt mal einkaufen...
    Das müsst ihr beide aushandeln und daran Euch halten. Ansonsten gibt es eben halt kein Fernsehen oder Computer (im Zweifelsfalle Sicherung raus oder bei Internet den Stecker am Internetzugang beim Telefonkasten ziehen).

    Ansonsten kann ich Dir nur empfehlen:
    Mach immer nur 1 Zimmer - es geht nicht anders - Du musst mit Deiner Kraft haushalten. Nur 1x tgl abwaschen und abtrocknen... Ich muss auch immer eins nach dem anderen machen - und habe viele Abstriche machen müssen. Vorher habe ich alle 4 Wochen Fenster geputzt, nun vergehen auch schon mal 6 - 8 Wochen - es geht nicht anders. Nicht mehr jeden Tag saugen, obwohl es in den Fingern juckt, nur noch 1 x wö usw.

    Und immer wieder nach einer Tätigkeit Pause machen.... das ist wichtig für Deinen Körper...

    Ich wünsche Dir viel Kraft und Durchhaltevermögen und gute Besserung
    Viele Grüße
    Colana
     
  3. Sanchen

    Sanchen Neues Mitglied

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    hallo colana,
    ja, ich weiß, dass es Regeln braucht und früher konnte ich die auch ohne Probleme durchsetzen. Du hast schon recht, dass ich aufpassen muss, dass er mir nicht auf der Nase herumtanzt. Irgendwie ist mein sonst so sozial eingestellter Sohn recht unsensibel geworden. Vielleicht habe ich bereits zu lange gewartet, ihn die Kosequenzen für seine Faulheit spüren zu lassen. Aber er war immer ein liebenswerter und umgänglicher Junge. Ich habe nun gelernt ihm alles, was ich von ihm gerade erwarte, in kurzen, prägnanten Sätzen mitzuteilen. Länger zuhören ist in dem Alter gar nicht möglich. Wenn ich will, dass der Müll rauskommt, Zeitaufwand 1 Minute, bin ich aber trotzdem Tage damit beschäftigt.
    Dein Rat mich nicht mehr zu überfordern ist sicher angebracht. Ich muss besser mit meinen Kräften haushalten lernen. Und dann denke ich mal darüber nach, wo meine Stärken liegen, um mich besser durchsetzen zu können.
    Danke für deine guten Wünsche lg Sanchen
     
  4. Hallo Sanchen
    Ich möcht hier keinesfalls in ein Wespennest stechen, das steht mir nicht zu. Wie du ja schreibst, war dein Sohn immer liebenswert und umgänglich.
    Ok, man könnte sagen, das sind jetzt die "Flegeljahre". Auch andere Alleinerziehende haben sicher mit ihrem Nachwuchs arg zu knabbern, auch ohne Erkrankung. Aber redest du mit ihm? Redest du mit ihm über deine Krankheit? Er sollte schon wissen, was diese Krankheit bedeutet, aber verlange nicht, dass er es gleich versteht. Und sprecht ihr auch über seine Sorgen und Nöte? Mit "seinen Sorgen" meine ich nicht, die er mit dir hat, sondern mit Schule, evtl. schon Freundin usw. Unternehmt ihr auch etwas zusammen wenn er das möchte?
    Du solltest konsequent bleiben was die Hausarbeit angeht, wie Colana schon schrieb. Lass liegen was er nicht erledigt, aber versuch mal dich in seine Lage zu versetzen. Mir fällt grad was ein. Lies mal im Forum für Angehörige was es da für Probleme gibt zwischen Partnern. Da gehts nicht immer nur um den Haushalt, aber auch um das Miteinander.Glaub mir, da ist nicht alles einfach!! Aber da geht es eben um "Erwachsene". Dein Sohn muss das Leben erst noch begreifen.
    Ich hoffe ich hab nicht wirres Zeug geschrieben. Mir fiel noch viel mehr ein,bin voll im Element ;) .
    Ich wünsch dir viel Glück. Und gib mal Bescheid darüber wie es weitergeht bei euch.
    Liebe Grüsse von Sylke
     
  5. Conny37

    Conny37 Guest

    Hallo Sanchen,
    ich kann dem, was Sillepiepchen schrieb nur beipflichten.

    Ich hab auch den Fehler gemacht und mit meiner Tochter(15) anfangs nicht so viel über meine Krankheit (CP) gesprochen. Ich war auch selber noch am verarbeiten, bin es wohl auch noch ;). Sie hat dann versucht, sich hier im Forum Hilfe zu holen, was stellenweise auch wunderbar funktioniert hat, aber letzten Endes nicht ausreichte. Das hat dann dazu geführt, dass sie sich die Schuld gegeben hat, wenn ich eine Schub bekam. Das war dann auch einer der Gründe dafür, dass sie im November wegen Depressionen stationär behandelt werden musste. Dadurch war ich gezwungen, auch mein Leben (und meine Krankheit gehört nun mal dazu) neu zu überdenken.

    Sie muss jetzt in der Schule eine Facharbeit über 10:eek: Seiten schreiben und hat sich das Thema "Chronische Polyarthritis" ausgesucht, um verstehen zu können, was da eigentlich mit und in mir passiert, wenigstens ein bißchen. Was ich bis jetzt so gelesen hab, finde ich ganz gut *stolz guck*

    Ich hab für uns beide festgestellt, es hilft nur reden, reden, reden und das nicht nur über Krankheit, Haushalt usw. Auch wenn es einem von euch oder auch manchmal beiden ;) an manchen Tagen zum Hals raushängt, dann seid ehrlich zueinander und vertagt es auf einen anderen Tag.

    Liebe Grüße Conny

    PS: Wenn du noch Fragen usw. hast, kannst du mir gerne auch eine PN schicken, alles möchte ich dann doch nicht so öffentlich erzählen ;).
     
  6. Sanchen

    Sanchen Neues Mitglied

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    Hallo, alle zusammen und danke für euer Interesse.

    Das flegeln mir gegenüber hält sich eigentlich in Grenzen und für die Schule lernt er fleißig, auch ohne, dass ich ihn dazu anhalten muss. Er will ja Abitur machen. Das ist sein Wunsch. Wir haben eigentlich immer miteinander geredet. Aber jetzt redet nur noch er. Wenn ich mit ihm reden möchte, dann hält er das für rumlabern.
    In meine Krankheit ist er praktisch reingeboren. Als er noch klein war hatte ich schon Ops, benutzte Krücken und seit ein paar Jahren habe ich den Rollstuhl. Er weiß, dass ich manchmal schwer mit den Schmerzen zu schaffen habe und, dass ich auf meine Gelenke achten muss. Mehr will er gar nicht wissen.
    Ich hatte früher immer Angst, dass er wegen mir Schulgefühle entwickelt. Kinder sind ja schnell damit; das kennt man auch von Scheidungskindern. Deshalb versuchte ich nie zu jammern oder mich in seiner Gegenwart gehen zu lassen.
    Wenn er jetzt noch klein wäre vier oder sechs Jahre alt, dann würde ich das so vielleicht so erklären können, dass er meine Grenzen austesten will, um festzustellen ob ich noch stark genug bin, ihn zu schützen. Es würde mich aber eigentlich wundern, wenn er sich noch im jugendlichen Alter durch meine Erkrankung existentiell bedroht fühlen könnte.
    Aber wissen kann ichs freilich nicht. Vielleicht hake ich mal nach.
    @ Conny
    Ich finde es stark von deiner Tochter, dass sie sich mit deiner Erkrankung auseinandersetzt. Wenn sie Depressionen hatte wird es für sie aber sehr wichtig werden, zu welchem Ergebnis sie damit für sich selbst kommt. Vorallem, dass die Grenzen nicht verwischen, dass das deine Krankheit ist, nicht ihre. Ich drücke euch die Daumen und wünsche euch auch viel Kraft.
    lg Sanchen
     
  7. Conny37

    Conny37 Guest

    Hallo Sanchen,
    danke schön.
    Das mit dem Grenzen austesten, kann aber trotzdem sein. soll in dem Alter wohl auch vorkommen. Zum glück ist das bis jetzt an uns vorrüber gegangen.

    Liebe Grüße Conny
     
  8. padost

    padost Neues Mitglied

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    Hallo Sanchen,
    bei diesem Thema bin ich so hin und her gerissen. Ich selbst habe 2 Söhne, der ältere kennt mich noch als agile Mutter, die mit ihm Rollschuhe lief oder Badminton spielte. Wir waren oft unterwegs, es war lustig und fröhlich. Mein zweiter Sohn erlebte leider eine ganz andere Mutter( ich bekam Rheuma 2 Jahre nach seiner Geburt). Ich war nie mit ihm am Fußballspielen oder rumtollen- alles lief ruhiger ab. Ich war oft im Krankenhaus, oder selbst zu Hause nur mit halber, oder gar keiner Kraft. Natürlich müssen Kinder mit der Mutter Vorlieb nehmen, die sie haben, aber sie haben für mich auch das Recht, ohne diese Erkrankung ihr Leben zu leben. Es ist schwierig, dass auszudrücken was ich meine, es ist halt auch eine große Belastung für die Kinder und sie "funktionieren" halt nicht nur. Mein jüngster Sohn war auch ein sehr ordentliches Kind, hat sich in der Pupertät auch schlagartig geändert - die Balance zu finden ist halt sehr schwierig. Wir haben auch Auseinandersetzungen, manchmal habe ich keine Lust dazu, mache dann sein Zimmer einfach zu und denke --er muß in diesm Saustall leben und nicht ich. es ist nicht immer einfach etwas relaxter zu sehen. Aber wir ticken nun mal alle anders.-- Mein älterer Sohn sagt mir schon mal " Du bist zu gutmütig", aber ich versuche mich einfach über unwichtigere Dinge nicht mehr so aufzuregen und meine Kraft für was anderes zu sparen.
    Diese Merkwürdigkeit Pupertät kennt jede Mutter- gesund oder krank.
    Was ich allerdings immmerwieder erfahren habe, geht es mir wirklich schlecht und ich brauche Hilfe- sind alle beide da für mich.
    Ganz ehrlich, ich wollte kein Kind einer chronischen Rheumamutter sein.

    Grüße von Padost
     
  9. Sanchen

    Sanchen Neues Mitglied

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    hallo padost

    Für Kinder ist das Auf und Ab der Erkrankung mit Sicherheit schwierig, weil sie sich immer wieder neu darauf einstellen müssen. Wie bei Kindern von psychisch Kranken auch. Ohne Partner fehlt ihnen ja auch noch ein Vorbild dafür. Mir war allgemein immer wichtig, keine Schuldgefühle in meinen Angehörigen heraufzubeschwören.
    Aber irgendwie bin ich mit meiner Rücksichtnahme dann auf der Strecke geblieben.

    Ja, sicher fühle ich mich schuldig, dass ich Dies und Das und Jenes nicht für oder mit meinem Sohn machen kann, weil so viel Zeit und auch Geld für meine Gesundheit und Versorgung draufgeht, weil ich keine Arbeit mehr bekomme, ihm viele Wünsche nicht erfüllen kann und was sonst noch. So gesehen, wollte ich auch nicht das Kind einer Rheumamutter sein.
    Ich hoffe aber, dass mein Kind auch Gutes mitbekommt, dass er sich mit dem Leben, den Menschen und vielen daraus wachsenden Problemen positiv auseinandersetzen lernt, und dass er immer genug Lösungen findet, um zufrieden zu werden.