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Indianerweisheiten

Dieses Thema im Forum "Kaffeeklatsch" wurde erstellt von Nixe, 20. März 2003.

  1. Nixe

    Nixe Guest

    Als ich ein Kind war, verstand ich
    zu geben und zu teilen;
    seit ich zivilisiert wurde, habe ich
    diese Tugenden verlernt.
    Ich lebte ein natürliches Leben,
    jetzt lebe ich ein künstliches.
    Damals war jeder hübsche
    Kieselstein für mich kostbar,
    und ich hatte Ehrfurcht
    vor jedem Baum.

    Der Ureinwohner Amerikas
    verband seinen Stolz
    mit einer außergewöhnlichen
    Demut.
    Überheblichkeit war seinem
    Wesen und seiner Lehre fremd.
    Er erhob niemals den Anspruch,
    daß die Fähigkeit, sich durch Sprache
    auszudrücken,
    ein Beweis für die Überlegenheit
    des Menschen
    über die sprachlose Schöpfung sei;
    ganz im Gegenteil,
    er sah in dieser Gabe
    eine Gefahr.
    Er glaubte fest an das Schweigen -
    das Zeichen vollkommener Harmonie.
    Schweigen und Stille stellten
    für ihn das Gleichgewicht
    von Körper, Geist und Seele dar.

    Wenn du den Indianer fragst:
    "Was ist die Stille?",
    wird er dir antworten:
    "Das Große Geheimnis".
    "Die heilige Stille ist Seine Stimme".
    Und wenn du fragst:
    "Was sind die Früchte der Stille?",
    so wird er sagen:
    "Selbstbeherrschung,
    wahrer Mut und Ausdauer,
    Geduld, Würde und Ehrfurcht."
    "Hüte deine Zunge in der Jugend",
    sagte der alte Häuptling
    Wabashaw,
    "dann wirst du vielleicht
    im Alter deinem Volk
    einen weisen Gedanken
    schenken."

    Ohiyesa
    (Weisheit der Indianer)



    Erziehung zur Stille, zum Schweigen
    begann schon sehr früh.
    Wir lehrten unsere Kinder,
    still zu sitzen
    und Freude daran zu haben.
    Wir lehrten sie, ihre Sinne
    zu gebrauchen, die verschiedenen
    Gerüche aufzunehmen,
    zu schauen,
    wenn es allem Anschein nach
    nichts zu sehen gab,
    und aufmerksam zu horchen,
    wenn alles ganz ruhig schien.
    Ein Kind, das nicht stillsitzen kann,
    ist in seiner Entwicklung
    zurückgeblieben.

    Übertriebenes, auffälliges Benehmen
    lehnten wir als unaufrichtig ab,
    und ein Mensch,
    der pausenlos redete,
    galt als ungesittet
    und gedankenlos.
    Ein Gespräch wurde nie
    übereilt begonnen
    und hastig geführt.
    Niemand stellte vorschnell eine Frage,
    mochte sie auch noch so wichtig sein,
    und niemand wurde zu einer Antwort
    gezwungen.
    Die wahrhaft höfliche Art
    und Weise, ein Gespräch zu beginnen,
    war eine Zeit gemeinsamen
    stillen Nachdenkens;
    und auch während des Gespräches
    achteten wir jede Pause,
    in der der Partner
    überlegte und nachdachte.
    Für die Dakota war das Schweigen
    bedeutungsvoll.
    In Unglück und Leid,
    wenn Krankheit und Tod
    unser Leben überschatteten,
    war Schweigen
    ein Zeichen von Ehrfurcht
    und Respekt;
    ebenso, wenn uns
    Großes und Bewundernswertes
    in seine Bann schlug.
    Für die Dakota
    war das Schweigen
    von größerer Kraft
    als das Wort.

    Luther Standing Bear
    (Weisheit der Indianer)