Hallo Mausel,
nachdem ich zuvor schon ein paar Jahre arge Schmerzen in verschiedenen Gelenken hatte, schickte mich mein Hausarzt zur internistischen Rheumatologin. Vor ca. 7 1/2 Jahren wurde dann seronegative Spondylarthritis mit peripherer Gelenkbeteiligung diagnostiziert. Nachdem einige Medikamente keine oder keine zufriedenstellende Wirkung zeigten, landete ich beim Kortison, da ich bis heute nehme. Die Symptome waren damals wechselnde Schmerzen in Händen, Füßen, Knien, ISG, Kiefergelenk. Der Entzündungsherd lag im ISG und hat sich die Wirbelsäule entlang nach oben gezogen, so dass sich ein entzündliches Weichteilrheuma dazugesellte mit Muskelschmerzen und nebenbei weitere Gelenkschmerzen in Schultern und Armen. Im ISG hat sich die Entzündung zurückgebildet, aber trotzdem kommt Jahr für Jahr was Neues dazu und die Medikation muss dahingehend verändert werden. Inzwischen habe ich Schäden an den Fingergelenken trotz der Medikamente. OPs musste ich Gott-sei-Dank noch nicht über mich ergehen lassen.
Als Medikamente habe ich zurzeit: Prednisolon 5 mg, MTX Inj. 15 mg + Folsäure 5 mg (nach 24 - 48 Std.), Celebrex 100 mg (das auch bei Arthrosen gut ist), nebenbei nehme ich noch Nahrungsergänzungsmittel wie Fischölkapseln, Vitamin D, Biotin und Spurenelemente, um die Nebenwirkungen in Grenzen zu halten.
MTX bekomme ich seit 8 Monaten, also seit dem letzten Schub, und es geht mir gut dabei, habe keine Nebenwirkungen außer Haarausfall. Es hat nach ca. 2 Monaten gut angeschlagen, aber erst, nachdem die Dosis von 10 auf 15 mg erhöht wurde.
Was die Schmerzen anbelangt, bin ich zufrieden, leide aber seit einigen Jahren sehr unter schneller Erschöpfung.
Ich bin 25 Wochenstunden berufstätig, das schlaucht mich sehr, da brauche ich in Haus und Garten nicht mehr viel machen. Wie lange ich das durchhalten kann, weiß ich nicht, ich lasse alles auf mich zukommen.
Beim Antrag auf GdB bekam ich leider nur 20 zugesprochen, da ich seronegativ bin, so hieß es im Widerspruchsbescheid. Muss mal einen Verschlechterungsantrag stellen, mit den geschädigten Fingern geht vielleicht was.
Ich habe lange gebraucht, mich mit dieser Diagnose abzufinden, sie stand wie ein großes Schreckgespenst vor mir und bestimmte meine Gedanken. Irgendwann lernte ich, sie als (wenn auch lästigen) Begleiter zu sehen, nicht mehr als Feind. So kann ich gut damit umgehen. Ich lasse mir von sowas meine Lebensfreude nicht nehmen.
Zu deiner Frage, ob das mal besser wird: Wenn die Medikamente gut eingestellt sind, bildet sich die Entzündung zurück oder wird zumindest gestoppt. Das Kortison hilft recht schnell, das MTX braucht seine Zeit. Besser wird es dann hoffentlich schon, aber ob du schmerzfrei wirst, kann man nicht sagen, die Erkrankung kann auch nicht geheilt werden. Wichtig ist bei dir, dass die Entzündung eingebremst wird und so die Gelenke nicht weiter in diesem Maße kaputt werden,denn Rheuma ist eine sehr tückische Krankheit. Wie lange du noch Vollzeit arbeiten kannst, kann auch niemand sagen, kommt drauf an, welche Art von Arbeit du machst. Einen Verschlechterungsantrag solltest du schon stellen, mit dem Rheuma ändert sich ja alles.
Hast du schon Blutbefunde? Bekommst du physikalische Therapien bzw. Ergotherapie? Hast du schon von der Rheuma-Liga gehört, die Funktionstraining anbietet? Darf ich nach deinem Alter fragen?
Ich wünsche dir, dass du schnell lernst, mit deiner Diagnose zurechtzukommen. Hier kannst du alles fragen, Frust abladen und dein Herz ausschütten. Wir sitzen schließlich alle in einem Boot.
Alles Gute!