Natrium-Hyaluronat (Hyalgan)
Dieses Präparat enthält aus Hahnenkamm gewonnene Hyaluronsäure, wobei die Verunreinigung mit tierischem Eiweiß unter 0.2% liegen soll. Als Indikation für die intraartikuläre Injektion werden Arthrosen der verschiedensten Gelenke angegeben. Das Präparat wird von der gleichen italienischen Firma produziert, die auch Ganglioside zur Verbesserung der Neuroregeneration vertrieben hat. In Deutschland und Österreich wurde dieses Präparat (Cronassial) nach kurzer Verwendung wegen schwerer Nebenwirkungen (Guillain-Barré Syndrom) relativ rasch vom Markt genommen (Pharmainfo IV/4/89). In Italien war es bis zum Verbot verwunderlicherweise über Jahre hin in weiterer Verwendung.
Injektion von Hyaluronsäure in das Gelenk zeigt verschiedene Effekte auf die Viskosität in der Synovialflüssigkeit und andere Parameter, aber die klinische Relevanz dieser Parameter ist fraglich (1). Ob die Idee, durch die Zufuhr von exogener Hyaluronsäure eine "Viscosupplementierung" der Gelenkflüssigkeit durchführen zu können (1), nur naiv ist - man ist an die Ölnachfüllung beim Auto erinnert - oder für Osteoarthritis-Patienten nützlich sein kann, entscheidet sich durch klinische Studien. In einem Übersichtsartikel (1, siehe auch 1a) wird 1994 festgestellt: "
Noch viele Untersuchungen sind notwendig um sicherstellen zu können, inwieweit Hyaluron antientzündliche und krankheitsvermindernde Effekte bei der Osteoarthritis hat". Versuchen wir gestrafft zu analysieren, ob neuere klinische Befunde eine klare Antwort geben. Auffällig sind die Uneinheitlichkeit und die Widersprüche der Daten und das weitgehende Fehlen von Doppelblindstudien. Dabei sind nur Vergleiche von Hyaluronsäure mit Placebo bewertbar, da ein Vergleich mit Substanzen fraglicher Wirkung, die inzwischen vom Markt genommen wurden (z.B. Peroxinorm, Arteparon) nichts aussagen kann. Eine nur randomisierte aber nicht doppelblinde Studie findet nach 4 Wochen 3 Parameter (z.B. Schmerz unter Bewegung) positiv verändert, bei Schmerzen in Ruhe aber keinen Unterschied zu Placebo (3), eine andere Doppelblindstudie gerade diesen Ruheschmerz signifikant verändert, dafür keinen Effekt bei Schmerz unter Bewegung (4). Klar positive Daten wurden in einer italienischen Studie gesehen (Schmerzselbstbewertung und durch den Arzt: 5) während eine englisch/japanische Studie allerdings bei einer kleinen Fallzahl keinen Unterschied zu Placebo fand (6). Eine österreichische Studie ist leider nicht doppelblind durchgeführt (7). Diese Studie wurde in größeren Zahlen in Vergleich mit Arteparon geplant. Da dieses Präparat aber zurückgenommen wurde, verblieb nur mehr eine relativ kleine Gruppe von 52 Patienten, die offensichtlich von 6 Zentren rekrutiert wurde. In einzelnen Parametern wurden signifikante Unterschiede gefunden. All diese Studien leiden u.a. an kleinen Zahlen und mangelndem Doppelblinddesign. Besondere Bedeutung kommt daher einer größeren englischen Doppelblindstudie zu (gesamt 91 Patienten), die an einem(!) Zentrum untersucht wurden (8). In allen untersuchten Parametern wurde nach 5 Wochen
kein Unterschied zu Placebo gefunden und die Autoren schließen daher,
daß Hyalgan keinen Vorteil gegen Placebo hat aber nebenwirkungsbelastet ist und daher keinen Platz in der Routine-Therapie der Osteoarthritis hat".
Nach intraartikulärer Injektion von Hyalgan kommt es häufig (47%:8) zur lokalen, schmerzhaften Rötung und Schwellung. Wenn man allerdings an die früheren Erfahrungen mit Chondroprotektiva denkt, die tierisches Eiweiß enthielten (Arteparon, Peroxinorm, Rumalon: Pharmainfo IX/4/1994), dann ist auch für Hyalgan eine generalisierte und dadurch gefährliche allergische Reaktion nicht auszuschließen. Auch bei den genannten Substanzen hat es lange gedauert, bis schwere Nebenwirkungen belegt werden konnten.
Zusammenfassung
Klinische Studien über die Wirkung von Hyalgan sind uneinheitlich und widersprüchlich. In der besten Studie (doppelblind, große Zahl von Patienten, nur ein Zentrum) wurde nach 5 Wochen Behandlung
kein Unterschied zu Placebo gefunden.
Hyalgan macht lokal am Gelenk schmerzhafte Reaktionen. Schwere allergische Zwischenfälle sind aufgrund von Eiweißverunreinigungen nicht auszuschließen. Wie für frühere sogenannte chondroprotektive Präparate, die vom Markt verschwunden sind oder dabei sind, zu verschwinden, muß die Risiko/Nutzenbewertung für Hyalgan negativ ausfallen.
Literatur: