Preisbildung ist streng geregelt
Hi,
Mein Arzt machte mich darauf aufmerksam, dass in NRW häufiger Re-Importe von Humira aus Belgien oder Niederlande aufgetaucht waren. Ich habe in meiner Apotheke darauf hingewiesen, dass ich nur das Original abnehmen werde und keinen Re-Import. Eben weil man nicht sicher sein kann, dass die Kühlkette ununterbrochen bestand.
Der Apotheker könnte theoretisch Humira normal abrechnen, da er den Re-Import aber billiger bezieht ist sein Verdiens daran höher.
Gruß Kuki
Hallo Kuki,
das mit höherem Verdienst ist bedingt, weil
die Preisbildung für verschreibungspflichtige Medikamente in Deutschland sehr streng reglamentiert ist. Wenn Apotheker vom Großhändler eine "deutschsprachige" Packung Präparates "A" für 2000 EUR bezieht, dann wird sein eigenes Verkaufspreis folgendermaßen kalkuliert: 2000 EUR + 3% + Pauschale 8,35 EUR + Notdienstpauschale 0,16 = 2068,51. Also der Unterschied hier zwischen seinem Einkaufspreis und Verkaufspreis ist 68,51 EUR.
Wenn der Apotheker gleichwertiges gleichnamiges Importarzneimittel kauft - kriegt er die Packung selbstverständlich billiger, weil Laut Gesetz sollen die Importarzneimittel billiger sein als die "Bezugsarzneimittel", also die Packungen, die ursprünglich vom Originalhersteller auf deutschen Sprache gekennzeichnet sind und auf dem deutschen Markt verkauft werden.
Also, wenn der Apotheker dasselbe Präparat zu 1920 EUR bekommt, dann 1920 EUR + 3% + 8,35 EUR + 0,16 EUR = 1986,11 EUR. Der Unterschied zwischen Apothekeneinkaufspreis und Apothekenverkaufspreis ist hier 66,11 EUR. Dies bedeutet der Apotheker verdient mit dem Importarzneimittel "A" 2,50 EUR weniger. Wer hier aber eindeutig profitiert ist die gesetzliche Krankenkasse, bzw. die Steuerzahler.
Bezüglich Einhaltung der Kühlkette sieht es folgendermaßen aus: jede Packung wird auf ihrem Weg kontinuierlich kontrolliert. Temperaturmonitoring ist Pflicht für jeden Mitglied der Lieferkette: der Großhändler im EU Land bekommt die Ware vom Hersteller und kriegt ein Thermoprotokoll mit dabei, wenn er die Ware dann an einen Importeur weiterverkauft dann kriegt der Importeur auch ein Thermoprotokoll mitgeliefert bekommen, wo für jede 15 Minuten Temperaturangaben schwarz auf weis stehen.
Was möchten die Überwachungsbehörden als erstes sehen wenn sie einen Importeur besuchen? Genau - das Thermoprotokoll: von dem Fahrzeug, in dem die Ware aus dem EU-Einkaufsland geliefert wurde, von dem Lager, von dem Raum, in dem die Umkonfektionierung getätigt wurde. Und was kann passieren wenn die Temperatur nicht stimmt? Nicht unbedingt das, aber Lizenzsuspendierung stellt in der Pharmabranche keine Seltenheit dar. Möchte jemand seine Lizenz verlieren? Nein.
Man könnte ja sich denken: ja, hier in Deutschland ist das ganze vielleicht tatsächlich in Ordnung, aber wie sieht das im Ausland aus? Erfahrungsgemäß kann ich sagen, dass Behörden überall sehr streng alles überwachen, und man kann auch mit Sicherheit behaupten, dass in manchen Ländern die Großhändler, die Pharmazeutika exportieren, sogar viel öfter und strenger von Behörden aller art inspeziert werden als die "guten" Großhändler, die nicht exportieren oder zwecks Exportverhinderung sogar gesetzwidrige Verträge mit Herstellern schließen - z.B. die Geschichte hier
http://www.romania-insider.com/phar...d-eur-12-mln-for-export-stop-agreement/53045/