Ich habe viele jahre Amerikanische Bulldoggen gezüchtet. Meine Kinder waren meistens bei den Geburten dabei, aber natürlich bekamen sie auch Deckakte und Todesfälle mit - eben alles das, was zum Leben gehört. Wer schon mehrere Hundegeburten miterlebt hat, der weiß, dass Leben und Tod mitunter sehr nah beieinander liegen. Es ist oft nur ein ganz hauchdünner Faden, den so ein kleiner Welpe noch mit dem Leben verbindet, speziell, wenn er einer der Nachzügler ist. Sehr oft mußte ich in solchen Fällen die kleinen Würmchen beatmen, ihnen das Herzchen massieren oder sie liebevoll abrubbeln damit ihr Kreislauf in Schwung kommt. Für meine Kinder war das stets alles natürlich und sie halfen auch mit. Dies war mir auch sehr wichtig, zumal ich diese Tabuisierung bestimmter natürlicher Themen, die ja unmittelbar zum Leben gehören, überhaupt nicht verstehen kann. Nur ein einziges Mal beschwerte sich eine Mutter in der Schule, also nicht mal bei mir direkt, weil mein jüngster Sohn damals in der zweiten Klasse erzählt hat, dass der Möppi (mein Liebling und damals angehender Deckrüde bei seinem ersten Deckakt) Schwierigkeiten hatte, zu treffen und darum die Mama ihm dabei geholfen hat. Weiter erzählte er dann wohl, dass die Hunde beim Deckakt hängen würden. Das ist ein völlig natürlicher Vorgang, aber diese eine Mutter war fürchterlich entrüstet.
Ich denke, man macht sich als Erwachsener heutzutage viel mehr Gedanken über solche Dinge als ein Kind. Das liegt vermutlich an unserer eigenen Erziehung. Man sollte den Kindern von Anfang an vom Kreislauf des Lebens erzählen. Wenn man zum Beispiel ihnen im eigenen Garten vor Augen führt, dass Pflanzen gedeihen und wachsen, dann sterben, auf dem Komposthaufen verrotten und daraus dann wieder neue Erde wird, die den Boden für neue Pflanzen bildet, dann ist das doch auch kein Problem. Und wenn dann ein geliebtes Haustier stirbt oder ein anderer Mensch, dann kann man auch ohne Schwierigkeiten an all das anknüpfen, was man dem Kind bereits zuvor über den Kreislauf des Lebens gesagt hat. Schwierig wird es erst dann, wenn man diese Themen grundsätzlich tabuisiert, dann hat man nämlich wirklich ein Problem, weil es keine Möglichkeit gibt, das Geschehen in die bisherige Erfahrungswelt einzuordnen. Kinder nehmen solche Dinge jedenfalls erheblich gelassener als Erwachsene.
Früher war es üblich, dass sich die Familien auch selber um ihre Toten gekümmert haben, sie für den Sarg und die Beerdigung oder Verbrennung zurecht gemacht haben. Heute werden Kinder oft sogar nicht einmal zu Beerdigungen mitgenommen. Wie sollen Kinder mit dem Tod ihrer Eltern später zurecht kommen, wenn sie nicht zuvor von ihren Eltern bezüglich des Umgangs mit dem Tod angeleitet wurden? Auch darum ist die Haltung von Haustieren wichtig für Kinder. Sie können dann im Falle eines Todes zum Beispiel lernen, wie man mit dem Tod umgeht und was er bedeutet.
Ich selbst sehe Leben und Tod allerdings sowieso ein wenig anders als die meisten, weil ich Ásatrúar bin und fest davon überzeugt bin, dass der Tod kein Ende, sondern vielmehr eine Transformation ist, der Beginn einer anderen Daseinsform in einer anderen Dimension eben. Zwar ist das für mich nicht der Himmel, sondern die geistig-seelische Hel-Dimension aus der wir kommen und in die wir gehen, aber vermutlich das, was sich ein Kind unter dem Himmel vorstellt, in den die Toten eingehen.