Anamnese und klinischer Befund: Eine adipöse 63-jährige Patientin kam zur Abklärung von seit 12 Monaten bestehenden, zum Teil kolikartigen, gelegentlich auch oberflächlich lokalisierten Bauchschmerzen, die mit einer langsamen, asymmetrischen Zunahme des Bauchumfanges einhergingen. Einen Monat zuvor war bei einer Gastroskopie eine leichtgradige Antrumgastritis diagnostiziert worden, deren Therapie mit Protonenpumpeninhibitoren aber zu keiner Besserung der klinischen Symptomatik führte. Die neurologische und psychiatrische Anamnese war unauffällig.
Untersuchungen: In der Sonographie des Abdomens fiel eine Steatosis hepatis auf, laborchemisch zeigte sich eine Dyslipoproteinämie. In einer Kernspintomographie des Abdomens fanden sich vermehrte subkutane und intraperitoneale Fetteinlagerungen. Die endoskopische Diagnostik ergab keine zusätzlichen wegweisenden Befunde.
Diagnose, Therapie und Verlauf: Aufgrund der klinischen Befunde und der Untersuchungsergebnisse stellten wir die Diagnose einer Lipomatosis dolorosa. Diese wurde initial mit Mexiletin 400 mg und begleitend mit zunächst 75 mg Amitriptylin täglich behandelt. Nach wenigen Tagen waren die Beschwerden schon deutlich geringer, nach einer Woche vollständig verschwunden. Drei Monate später konnte die Dosierung auf eine Erhaltungstherapie mit 100 mg Mexiletin und 25 mg Amitriptylin täglich reduziert und weitere zwei Monate später schließlich ganz abgesetzt werden, ohne dass die Beschwerden innerhalb der folgenden 12 Monate wieder auftraten.
Folgerung: Bei Bauchschmerzen sollte daran gedacht werden, das die Ursache nicht immer nur innerhalb des Bauchraums liegen muss, sondern auch auf Veränderungen des Unterhautfettgewebes zurückzuführen sein kann, wie z. B. bei der Lipomatosis dolorosa, die mit einer Kombinationstherapie aus Mexiletin und Amitriptylin behandelt werden kann.