ich bin .
Früher in der DDR als Kind gross geworden.
Früher hießen unsre Parteigrößen, deren Biler überall hingen: Honecker, Sindermann, Mielke und Lenin.
Es wurden sehr viel Uniformen getragen, die ersten kamen im Oktober in der ersten Klasse.
Früher haben wir in Pionieruniform immer schrecklich gefroren, wenns Winter war.
Das Klopapier auf den Schulklos war rationiert, man musste beim Hausmeister klopfen und darum bitten. War der nicht da, musste man rumfragen. Man lernte schnell, immer etwas Klopapier in der Schultasche zu tragen. Der Sportunterricht fiel im Winter manchmal aus, weil die Turnhalle zu kalt war.
Zeichentrickfilme im Fernsehn waren eine Seltenheit - man war bei uns im Dorf stolz auf die Gemeinschaftsantenne auf dem Dorfhügel - man hatte ohne Störungen ARD, ZDF das bayrische.
Unsere Welt war kleiner. Von Ländern außerhalb der des Radius Bundesrepublik und Sowjetunion mit Ostblock haben wir bis zur 5. Klasse nichts gehört. Und wenn, dann nur negative Sachen.
Angst war eine Sache, die jeder hatte, dass andere zuviel über einen wissen könnten. Man hatte Angst vor der Reaktion der Hausgemeinschaft, der Dorfgemeinschaft oder des Wohnblocks. Man konnte, wenn man alternativ lebte und sich eine eigene Meinung bildete und diese auch aussprach, schnell als "Renegat, Asozialer , Defätist oder "unreines Element", Imperialistisch verdorben etc.pp.
Die Lehrer haben meist bei den Dorffesten mit den Eltern getrunken und dann über die schlechteren Schüler und die aus sehr einfachen Verhältnissen gelästert - in den Dörfern hatten ca. 40% der Häuser das Plumpsklo über Hof. Einer meiner Alpträume war, dass das Klo unter mir zusammenbricht und ich in die Grube mit - entschuldigt - Kacke falle^^
Wir Kinder waren stundenlang im Wald, im Bad, an Teichen, mit dem Rad oder zu FUß unterwegs. Wir sehnten uns nach Natur ohne Wilde Müllhalden oder Wiesen ohne stinkenden Dünger aus Flugzeugen, auch waren wir begeistert, wenn wir ein Bach oder Fluss sahen, in dem sogar Fische lebten.
Damals freute man sich auf Weihnachten und wenn man was "besonderes" ergattert hatte, vor allem mal schöne Klamotten der einen Leckerbissen zu essen, wie Nuss-Nougatauftrich. Eine Dose mit Ananasscheiben kostete im Delikat (Feinkostladen) 18 DDR-Mark!
Die Leute haben teilweise sehr viel Alkohol getrunken, auch auf der Arbeit, zum Beispiel auf dem Land in den LPG oder die Bauarbeiter oder Bergleute.
Und das schlimme war: Man war irgendwie nicht frei, auch wenn man keinen Hunger hatte.man war nicht frei in Meinungen, man durfte (besonders als Kind) nicht zuviel dumme fragen stellen, nicht mit dem Westen sympathisieren, Systemkritisch sein, sich selbst verwirklichen. Die Lehrer haben manchem Schüler mit der Papierschere die zu langen Haare gestutzt.
Und war man immer auffällig, wurde man beobachtet und man wurde benachteiligt, in der Arbeit, Karriere, Studium, Wohnungssuche, Wohnraumzuweisung bis hin auf die Zukunft der eigenen Kinder.
damals - ich wäre als Jugendlicher oder junger Erwachsener sicherlich in Bautzen (Staatsgefängnis) gelandet.
Damals. und trotzdem vermisse ich die Unbeschwertheit und die Anspruchslosigkeit, die man hatte...
trotz des Systems, trotz des kalten Krieges, trotz unserer unwissenheit und den Flaggen und Uniformen.
tut mit leid, wenn ich den Faden kaputtmachte, aber das ist mein damals...