Erst mit Cortison testen ob es Rheuma ist, dann erst Basis Medikament?

Dieses Thema im Forum "Entzündliche rheumatische Erkrankungen" wurde erstellt von Nourani Gamal, 6. April 2022.

  1. Nourani Gamal

    Nourani Gamal Neues Mitglied

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    Erst mit Cortison testen ob es Rheuma ist, dann erst Basis Medikament?

    hallo zusammen, ich hab mal eine Frage – meine Schwester ist jetzt auch mit Rheuma diagnostiziert worden, hat auch zum Glück relativ schnell einen Termin bei einem Rheumatologen bekommen der hat ihr aber erst mal nur Cortison im Stoß aufgeschrieben, dass sie jetzt bis zum MT X Beratungs Termin (den macht er wohl nach 4 Wochen) nehmen soll.

    da sie es schlecht verträgt, wurde jetzt auch ein Beta Blocker (Ramipril) verschrieben, Weil ihr Blutdruck teilweise sehr starke Schwankungen unter Cortison hat (auch bei 7,5 mg) wenn die Dosis unter 7,5 fällt, geht es ihr richtig schlecht und die Schmerzen kommen wieder. Der Arzt war der Meinung auf Nachfrage, dass man erst mit dem Cortison testen möchte, ob es wirklich Rheuma ist und dann erst ein Basis Medikament aufschreibt. Ist das wirklich richtig so? Dass man erst 4-6 Wochen Cortison nehmen soll, und dann erst ein Basis Medikament? Zumal unter dem Cortison sich der Schub nur bessert wenn sie mindestens 20 mg Cortison nimmt, aber dann ihr Blutdruck heftigste Eskapaden macht.

    ich hab das von meinem Rheumatologen anders kennen gelernt: es wurde Cortison und MTX gleich angesetzt. Ich habe das Gefühl dass in der Praxis wo sie war, entweder nur die Urlaubsvertretung unterwegs war der jetzt erst mal rumexperimentiert ob es wirklich Rheuma ist (CRP Wert lag bei ihr bei über 250), oder aber das wohl das Budget alle war und man sie bis in den April hinauszögern wollte um neues MTX zu verschreiben.

    da meine Schwester sehr unter dem Blutdruck Problem leidet und jetzt auch die Schmerzen wieder stärker werden weil sie jetzt das Cortison runterdosiert hat auf 7,5 morgens und 7,5 abends, wollte ich mal nachfragen ob das wirklich alles so richtig ist. Bei Nachfrage bei besagtem Rheumatologen, Soll auf jeden Fall damit weiter gemacht werden bis zum 16. April wenn der MTX- Beratungstermin ansteht.

    Vielen Dank im Voraus für eure Antworten Gruß aus Bonn
    Manu
     
  2. Satansbraten02

    Satansbraten02 Aktives Mitglied

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    Ramipril ist doch kein Beta-Blocker, sondern ein ACE-Hemmer zum Blutdruck senken.
    7,5 mg Cortison sind wirklich wenig. Ich hatte trotz Diabetes mit 40mg angefangen. Bei mir wars laut Rheumatologin sofort eindeutig Rheuma auch mit Sono zu sehen und CRP 130mg/l.
    Ich finde es für meinen Teil durchaus plausibel und gut, es bei nicht so deutlichen Anzeichen mit Cortison zu testen, bevor man auf das Immunsystem losgeht.
     
  3. Nourani Gamal

    Nourani Gamal Neues Mitglied

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    hallo und danke für deine Antwort, ich muss allerdings dazu sagen dass die Rheumadiagnose bei ihr schon seit Kinder Zeiten fest steht, und ich sie erst jetzt nach langen hin und her wieder dazu bewegen konnte noch mal einen Rheumatologen aufzusuchen. Zusätzlich ist zu ihrer juvenile idiopathische Arthritis die diagnostiziert wurde als Kind zusätzlich noch ein Morbus Lederhose diagnostiziert worden. Insofern gibt es eigentlich schon eine klare Diagnose ich verstehe deswegen das Handling des Rheumatologen nicht
     
  4. Lagune

    Lagune Bekanntes Mitglied

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    Hallo,
    also wenn die Diagnose schon feststeht, verstehe ich nicht warum deine Schwester jetzt erst noch sechs Wochen mit Cortison "testen" soll, zumal ihr ja niedrige Dosierungen gar nicht ausreichen und längere Zeit hochdosiert Cortison nehmen ist nicht gut.

    Bei mir war es so, als die Diagnose entzündliche rheumatische Erkrankung feststand wurde mit Cortison angefangen und fast zeitgleich auch mit einem Basismedikament, damit man nicht zu lange auf der höheren Cortison-Dosis bleiben muss.

    Ich würde unbedingt nochmal nachhaken und das nicht so hinnehmen.
     
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  5. stray cat

    stray cat Bekanntes Mitglied

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    hm...ich habe beides nicht, aber möglicherweise, weil die juvenile idiopathische Arthritis sich hoffentlich ins Nirvana zurückgezogen hatte und weil man bei Morbus Ledderhose zwar unbedingt Hilfe und Behandlung braucht, aber vielleicht eher nicht so durch Kortison?

    Moin Nourani Gamal,
    es tut mir sehr leid, dass Deine Schwester das Kortison so schlecht verträgt. Ich würde mich deswegen beim Rheumadoc wieder melden und um einen früheren Termin, Diagnose und Therapiebeginn bitten. Immerhin ist der Kortisontest zwar schlecht verlaufen, weil Schwesters Blutdruck massiv reagiert, aber sie weiß ja nun, dass sie erst ab 20 mg schmerzfrei ist oder sich zumindest schmerztechnisch besser fühlt. Das ist ein Ergebnis!
    Alles Gute für Deine Schwester, cat
     
  6. Nourani Gamal

    Nourani Gamal Neues Mitglied

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    Nein, leider hat der Arzt immer gesagt es wären die Gespräche für MT X immer mittwochs, und kann auf keinen Fall vorher Therapie beginnen,
     
  7. Lagune

    Lagune Bekanntes Mitglied

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    Die Gespräche zu MTX wären immer Mittwochs, diese Aussage finde ich merkwürdig und komisch. Ehrlich gesagt würde ich mir da lieber einen anderen internistischen Rheumatologen suchen, auch wenn das leider schwierig ist, da es davon ja zu wenige gibt.
     
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  8. Gertrud

    Gertrud Bekanntes Mitglied

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    "Gespräche zu MTX immer mittwochs" ... ???!!!
    Das ist ja eine lustige Aussage.
    Was gibt es denn da zu besprechen!?

    Wenn MTX gegeben werden soll, dann entscheidet das ja erst mal der Arzt nach Abwägung aller Diagnosen, Vorerkrankungen, ggf. wird die Lunge noch mal geröntgt oder so. Dann nimmt man MTX und nach 2 Wochen wird das Blut untersucht, ob es irgendwelche Abweichungen vor allem in den Leberwerten gibt. Sonstige Merkwürdigkeiten oder Risiken unter MTX wird man ja erst merken, wenn man es genommen hat.

    Was muss man da drüber "reden" ...?

    Zur Frage ... eigentlich finde ich die Idee gar nicht schlecht, erst mal mit Cortison anzufangen, um zu sehen, ob tatsächlich etwas Entzündliches vorliegt. Etwas rustikal vielleicht - aber vielleicht gar nicht schlecht. Ein Hautarzt, zu dem ich mal wegen einer Allergie ging, meinte "Nehmen Sie eine Ceterezin, wenn sie wirkt, dann haben Sie eine Allergie, wenn nicht, dann haben Sie keine!" ... Vielleicht kann Medizin auch manchmal so einfach sein!?

    Ich frage mich vielmehr, ob Blutdrucksenker überhaupt wirken können, wenn der Blutdruck wegen z.B. Cortison so austickt (Leflunomid ist da auch so Verdächtiger!) ... das müsste man konkret hinterfragen und kontrollieren. Das sind ja komplexe und komplizierte Vorgänge im Körper - also warum der Blutdruck hoch ist und wie er dann wieder gut eingestellt werden kann. Wenn Cortison da Ursache ist, ist die Lösung sicherlich eine andere ... !?
     
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  9. Chrissi50

    Chrissi50 Bekanntes Mitglied

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    Mal meine Meinung zum "Besprechen":

    Mein Blutdruck war vor Beginn meiner Rheuma-Behandlung normal.
    Schwer einstellbar mit Krisen wurde er erst kurz nach Beginn der Behandlung. Und er konnte gesenkt werden. Allerdings tickt er einmal wöchentlich abends immernoch aus. Woran es liegt weiß man nicht, interessiert scheinbar auch nicht, aber da es einmal wöchentlich ist, könnte es auch durch MTX ausgelöst werden, denn Kortison hab ich schon auf 2 mg abdosiert.
    Auch meine Rhythmusstörungen kamen vom MTX. Das wurde mir bestätigt.
    Und ich finde es schon wichtig, dass man über die geplante Behandlung und die möglichen Nebenwirkungen/Auswirkungen des Medikaments, in dem Fall MTX, informiert wird. Es ist ja ein Medikament, das in den Ablauf einiger Körperfunktionen eingreift, und es schadet nicht, wenn man sich vorher damit auseinandersetzt und weiß was auf einen zu kommt..
    Ich wäre froh gewesen, wenn es eine Möglichkeit gegeben hätte, vorher darüber bei einem Beratungstermin zu "reden".

    Mein Doc sagte damals, ich soll spritzen, es wäre effektiver als Tabletten. Und den Waschzettel solle ich mir garnicht erst durchlesen, sonst hätte ich vielleicht Bedenken.
    Das war eigentlich zu wenig Info, denn es dauerte, bis mein Körper sich dran gewöhnt hatte, und es gab einige Dinge, die mich sehr verunsichert haben, und die ich nicht klären konnte, weil der nächste Termin erst in einem Vierteljahr war.
     
    #9 8. April 2022
    Zuletzt bearbeitet: 8. April 2022
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  10. Catwoman55

    Catwoman55 Bekanntes Mitglied

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    Hallo Gertrud, hallo Chrissi,

    zum Einen - ja, auch bei mir hat mein HA mit Cortison "getestet" ob eine entzündlich rheumatische Erkrankung vorlag. Da dies (Prednisolon) sehr schnell bei mir wirkte war es somit klar. Die Aussage, nur Mittwochs über MTX zu reden hat vielleicht den Hintergrund, dass dieser Tag in der Praxisplanung so eingerichtet wurde, dass mehr Zeit vorhanden ist (Also längere Behandlungsfenster) um Fragen zu beantworten und gut aufklären zu können. Das macht Sinn. Aufklärung ist das A und O, denn die Compliance ist wichtig und auch das therapeutische Fenster ist nicht ohne. MTX ist ein Zytostatikum, das in falscher (sprich zu hoher Dosierung aufgrund falscher Einnahme - zu häufig und nicht nur 1x wöchentlich - oder beim Aufziehen versehentlich zu hoher Dosis - beim Pen oder Fertigspritze nicht so häufig) sehr toxisch wird. Um diese Toxizität zu verhindern gibt man ja auch Folsäure dazu (ist der Antagonist zum MTX).
    Tatsächlich ist die Bioverfügbarkeit (also die Menge Wirkstoff, die tatsächlich ankommt und wirken kann) bei oraler Einnahme sehr schwankend und ggf zu niedrig, deshalb wird das MTX gerne subkutan (also unter die Haut) gespritzt, da sie so die Blut-Darm-Schranke übergeht und direkt wirken kann.
    Viele dieser Medikamente können Auswirkungen auf Reaktionen des Körpers (BD-Erhöhung, Leberwerterhöhung, Herzrhythmusstörungen...) machen, die dann mit entsprechenden Medikamenten und Massnahmen (bis zum Abbruch der entsprechenden Medikamentengaben) gehen können.
    Zum Thema Cortison zum Austesten: Ich hatte letztes Jahr ein Karpaltunnelsyndrom, bei dem im Raume stand, dass evtl auch operiert werden sollte. Da ein Karpaltunnelsyndrom auch eine "Begleiterscheinung" der RA sein kann, haben wir einen Behandlungsversuch mit Cortison gestartet (war derzeit vom Cortison weg). Eine Injektion ins Gelenk und Wiederaufnahme meiner "Minidosis" von 2,5 mg/d. - Mit durchschlagendem Erfolg! Somit wussten wir, dass es tatsächlich eine Begleiterscheinung der RA war und nicht durch Überlastung entstand und das Thema OP war obsolet.
    Durch Umstellung meiner Medikation bin ich inzwischen gut eingestellt und in Remission und konnte auch wieder mit dem Cortison raus.

    So, der Roman endet hier. ;)

    Ich hoffe meine Ausführung war etwas hilfreich.
     
    Angie 1996, Amazigh, Thea21 und 2 anderen gefällt das.
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