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Ergotherapie bei Chronischer Polyarthritis

Dieses Thema im Forum "Physiotherapie, Ergotherapie, Sport usw." wurde erstellt von Campus, 26. Januar 2008.

  1. Campus

    Campus Neues Mitglied

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    Hallo,
    wir müssen im Unterricht in der Gruppe ein Fallbeispiel ausarbeiten..Da wir Rheuma erst besprochen haben und noch gar keine große Ahnung haben was man alles machen kann wollte ich euch um Vorschläge etc. fragen:
    Fallbeispiel:

    "Frau S. ist 32 Jahre alt, glücklich verheiratet und Mutter von 3 Kindern (8, 6 und 2 Jahre). Vor 4 Jahren erkrankte sie an cP. Hauptproblem ist der Befall des Handgelenks (Stadium 2) mit schmerzen und kraftlosigkeit, sowie beginnender Formveränderung. Die Hauptaufgabe von Frau S. besteht in der Versorgung der Familie, des Hauses und des kleinen Gartens. Herr S. kann seiner Familie nur am Wochenende helfen, da er als LKW-Fahrer unter der woche nicht anwesend ist. Familie S. ist sehr stolz auf ihr erst vor 6 Monaten erworbenen Eigenheimes im Vorort einer Großstadt. Zur Sicherung der Finanzierung arbeitet Frau S. (gelernte Bürokauffrau) 2-mal pro Woche vormittags, wenn die Kinder in der Schule/Kita sind, als Servicekraft in einem Cafe auf 400 Euro Basis."

    Unsere Aufgabe besteht darin, dass wir uns als zuständiger Berater für Frau S. sehen und verschiedene Vorschläge für Frau S. erarbeiten und begründen sollen hinsichtlich der Bereichen:
    - Haushalt und Familie,
    - sowie Berufliche Perspektive
    wir hatten uns schon überlegt, dass Hilfsmittelversorgung auf jeden fall ein vorschlag wäre z.b. einen Arthrodesenstuhl, damit sie während dem bügel, kochen etc. sitzen kann evtl auch keilkissen dazu...und Griffverdickungen für diverse Haushaltsgeräte.
    Wie gesagt, wir kennen uns dazu doch noch zu wenig aus um zu wissen was genau man in einem solchen fall vorschlagen könnte!
    Ich würde mich sehr freuen wenn ihr mir weiterhelfen könnt...
    freu mich auf antworten,
    liebe grüße
    Janine
     
  2. gledi

    gledi Frischling

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    Hallo Janine!

    Bist/wirst du Ergotherapeutin?
    Du schreibst, dass das Hauptproblem deiner "Patientin" im Handgelenk liegt. Warum dann ein Arthrodesenstuhl?
    @Hilfsmittelversorgung: Griffverdickungen finde ich gut, ergonomische Messer u.a. (Garten-) Werkzeuge. Eine Erleichterung für das Tragen von div. Gegenständen wäre gut. Eine Orthese, die während der Arbeit mit Essen und Getränken im Job getragen werden soll, und eine für "schmutzige" Tätigkeiten, wie putzen oder im Garten arbeiten fände ich gut. Evtl. auch eine Nachtlagerungsschiene.
    @Haushalt: Möbel so stellen bzw. einräumen, dass die häufig gebrauchten Gegenstände in guter Sicht- und Greifhöhe liegen, um häufiges Bücken oder das Herunterholen von schweren Gegenständen zu vermeiden. Bad (wenn noch möglich) vorsorglich so einrichten, dass evtl. Haltegriffe o.ä. Hilfsmittel nachträglich leicht eingebaut werden können. Keilkissen kann nie schaden.
    @Job: Ein Hauptproblem wird das Tragen von schweren Gegenständen sein, ein Anderes feine Arbeiten und Schreiben. Was muß Frau S im Beruf tun: Servieren wie im Cafe - Kaffeetassen und Tortenstücke, mal ein Bier oder ein Essen, oder servieren wie am Oktoberfest mit etlichen Maßkrügen Bier zugleich? Können Hilfsmittel wie ein Servierwagen verwendet werden oder kann Frau S die Arbeit hinter der Theke übernehmen während die KollegInnen durch das Lokal laufen? Ist die dominante oder die nicht dominante Hand schwerer betroffen - das ist wichtig fürs Schreiben oder den raschen Umgang mit Geld oder anderen kleinen Teilen. Grundsätzlich müssten "leichte körperliche Tätigkeiten" ok sein, individuelle Einschränkungen ergeben sich aus Anamnese und Krankheitsverlauf.

    So, genug der Theorie. Mehr müssen cP-Betroffene schreiben.

    LG Gledi,
    die zum Glück nur Berufserfahrung auf diesem Gebiet hat.
     
  3. Campus

    Campus Neues Mitglied

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    hallo Gledi,

    vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Hat mir schon sehr viel weiter geholfen...eigentlich ist das, was du geschrieben hast ja ganz einleuchtend, nur wenn man in diesem bereich einfach noch gar keine Erfahrung hat, kommt man da nicht so schnell darauf :rolleyes:
    Und wie sieht es aus, wenn die Patientin weiterhin ihren erlernten Job als Bürokauffrau machen will?? Auf was müsste man hier achten??? Eventuell Unterstützung bei Tastatur etc. oder Einhändertastatur, schnurloses Telefon...ein paar Sachen habe ich hier im Forum schon gefunden???
    Ich bin mir nur noch sehr unsicher ob das sozusagen "alles" ist, was man der Patientin vorschlagen kann also wirklich nur im Bereich der Hilfsmittel oder ob es da nicht noch mehr gibt????
    ..und zu deiner Frage: ja, ich bin angehende Ergotherapeutin im 2. Ausbildungsjahr..
    liebe grüße und nochmals vielen Dank
     
  4. Christi

    Christi Mitglied

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    hallo janine,

    diese aufgabe erscheint mir ziemlich unlogisch. wieso arbeitet eine gelernte bürokauffrau als serviererin. dannn kann sie ja mit der cp (heißt übrigens heute ra) ja noch viel besser als bürokauffrau arbeiten. bin selbst restaurantfachfrau, habe cp und bin berufsunfähig, d.h. mittlerweile in rente wegen voller erwerbsminderung auf zeit. was büroarbeiten angeht, ich hatte eine op am rechten handgelenk und 8 wochen gips, schreiben mit links am pc ging nach kurzer einarbeitungszeit einwandfrei. aber weder als serviererin noch an der theke geht es noch. der vorschlag mit der theke, wie soll das gehen, mache mal eine weinflasche mit einer hand auf, wenn du nicht mal eine sprudelflasche einfach auf bekommst und das dann die ganze zeit, ist doch etwas schwierig. habe selbst zum flaschen öffnen in der reha eine art gummiöffner, den man auf den verschluss setzt und dann mit der anderen hand die flasche dreht, bekommen, aber dieses ding passt nicht auf jede flasche --- also auch keine lösung...

    während die griffverdickten gegenstände für den haushalt wie messer, scheren usw. doch recht gut zu gebrauchen sind.

    liebe grüße
    christi
     
  5. Campus

    Campus Neues Mitglied

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    hallo christi,
    wie gesagt, das ganze ist ein fallbeispiel, das uns vorgegeben wurde!!
    wahrscheinlich hat sie in ihrem erlernten beruf nichts mehr gefunden oder wurde gekündigt VOR ihrer Erkrankung...und hat dann mit Kellnern angefangen....
    Deswegen war eben meine frage ob es nicht sinnvoller wär, der Patientin zu raten sich eventuell wieder einen Job als Bürokauffrau zu suchen trotz Erkrankung...oder ist das unmöglich???? eben aus deinen genannten gründen wäre es viel vorteilhafter für sie im büro als hinter der theke...

    Hast du denn sonst noch irgendwelche Hilfsmittel für den Haushalt außer Griffverdickungen...???

    Danke für deine Antwort
    Lg
    janine
     
  6. Mupfel

    Mupfel Guest

    @Campus

    Dein Fallbeispiel kann auf keinen Fall wieder als Bürokauffrau
    arbeiten. Ich habe komplett alle drei Arthrosearten in beiden
    Händen und habe sogar geraten bekommen ganz auf die Tastatur
    zu verzichten und dem PC zu entsagen. Was ich nicht kann ...

    Aber eben dann eingeschränkt ... und das geht ja auf Arbeit
    wohl kaum. Stifte halten zum Schreiben geht ein paar Minuten
    dann fallen sie aus den Händen.

    Aber zumindest, wenn ihr auf Bürokauffrau besteht, dann eine
    ergononische Tastatur, ein Pad mit Handballenauflage und
    eine spezielle Maus. Darauf achten dass alle paar Minuten
    die Tätigkeiten gewechselt werden.

    Den Rest haben die anderen geschrieben!

    Mupfel
     
  7. berlinchen

    berlinchen Aktives Mitglied

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    hallo janine,

    schnurlose telefon?? dann lieber ein normales mit leichtem hörer. den kann ich dann zumind. für kurze zeit zwischen die schulter klemmen...optimalerweise
    ein headset:)
    den meisten reheuma-patienten wird empfholen das sie abwechselnd sitzend, gehend, stehend ihren arbeit verrichten sollen...daher wäre vielleicht ein stehtisch sinnvoll...

    vielleicht gibt es ja ergotherpapeuten die sich auf die handpatienten und rheumapatienten spezialisiert haben und sind so nett und dir helfen???.
    ich bin bei einer in behandlung:)
    in berlin biete die rheuma-liga freitags eine telefonsprechstunde an für rheumapatienten. auch für nicht mitglieder!!!!
    es wird sogar kostenlos hilfsmittelkunde angeboten. da dieses hotline leider wenig genutz wird, hat man ja vielleicht zeit dir zuhelfen;) bei interesse suche ich dir die telefonnr. raus und sende sie dir gerne per pn zu. oder du suchst dir die telefonnr. auf der hp der rheuma-liga berlin selber raus....
    wäre eine gute ergänzung zu den tips die du hier im forum bekommen hast.
    die ergotherapeutin die dies freiwillig anbietet ist sehr nett und erfahren mit rheumapatienten...

    im grunde ist eine berufswahl selbst im büro für den betroffenen wahnsinn,da das meiste ja nun mal mit den händen gemacht werden muß. daher habe ich 2003 das letzte mal gearbeitet....als serviererin zuarbeiten ist noch unverständlicher;) wenn es meinen händen sehr schlecht geht, nutzte ich geschirr aus kunstoff,damit es leichter ist und nicht soviel bruch gibt...;)
    kann manche tage kaum aus einem glas trinken,geschweige denn auf einem tablett servieren, ohne alles fallen zulassen;)

    lg
    bine
     
  8. Christi

    Christi Mitglied

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    hallo janine,

    wichtig im haushalt ist auf alle fälle eine standküchenmaschine. kann keinen handmixer halten, keinen kuchenteig kneten. je nach dem wie viel im haushalt gemacht werden muss (ich muss selten kochen, da ich im gastronomiebetrieb meines mannes lebe) sollte das gerät mit zubehör zum raspeln, schneiden etc. ausgestattet sein. da ich gerne backe habe ich auch noch ein wellholz, dessen griffe seitlich nach oben geklappt werden können, also das handgelenk bein auswellen gerade gehalten werden kann. . wie gesagt, ich habe nicht allzu viel mit kochen zu tun, deshalb halten sich auch meine hilfsmittel in grenzen.

    liebe grüße
    christi
     
  9. Campus

    Campus Neues Mitglied

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    Mittlerweile ist mir auch klar, dass es für die Pat. sehr schwierig sein wird weiterhin beruflich zu arbeiten...aber was will man ihr sagen?? Dass sie das plötzlich nicht mehr kann und nun nur noch für den haushalt zuständig ist??? wichtig ist halt, dass man alles mit dem arbeitgeber abklärt, ob es möglich ist überhaupt hilfsmittel für die arbeit zu bekommen, und wie er zu der angelegenheit überhaupt steht, oder???? bevor man schon von vorn herein sagt, nein sie kann nicht mehr arbeiten....????

    wie schaut es eigentlich für weitere hilfsmittel bezüglich des Gartens aus??? Ich denke hier gibt es auch diverese griffverdickungen für verschiedene geräte...aber sonst?? Ist es noch möglich dass sie nicht nur haushalt schmeißt sondern sich weiterhin noch um den garten kümmert??

    Danke für eure antworten!!!
     
  10. Tennismieze

    Tennismieze Neues Mitglied

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    Die Gartengeräte sollten nicht das Problem sein, die Griffe von diesen Artikeln sind meist sowieso schon dicker, weil sie Kraft übertragen sollen. Für den Garten wäre eher wichtig, die anstrengenden Tätigkeiten abzumildern. Soll heißen: Kniekissen für Pflanzarbeiten direkt am Boden, eventuell Verlängerungen von Besen- und anderen Gerätestielen und rutschsichere Griffe bzw. Greifzonenbeschichtungen. Ersatz eines eventuell vorhandenen manuellen Rasenmähers durch einen elektrischen. Eimer mit Griffzone am Henkel. Vielleicht gibt es auch Pflückhilfen für Obstbäume/-büsche.

    Für den Haushalt dann noch Fensterputzer mit langem Griff.

    Wichtig ist vor allem, die langen gebeugten Tätigkeiten zu entschärfen.