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Die Rheumafee - eine Geschichte für Kinder

Dieses Thema im Forum "Kinder- und Jugendrheuma" wurde erstellt von Nixe, 4. März 2007.

  1. Nixe

    Nixe Neues Mitglied

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    Die Rheumafee

    Auf einem fernen Stern wurde vor vielen Jahren eine kleine Fee geboren. Sie hatte blondes, langes Jahr, das in der Sonne glänzte. Ihre Augen waren so blau wie der Himmel und sie hatte
    zwei silberne Flügel, die im Mondlicht geheimnisvoll glitzerten. Die kleine Fee lebte mit ihrer
    Familie in einem wunderschönen Schloss, mitten auf einem Hügel. Im Garten des Schlosses blühten Tausende bunter Blumen, und die kleine Fee liebte es, mit ihren Geschwistern Verstecken zu spielen. Ihr Lieblingskleid war aus Seide und leuchtete genauso rot-grün wie ihre Ringelsocken.

    Zu ihrem 10. Geburtstag bekam die kleine Fee von ihren Eltern einen Zauberstab geschenkt.
    Sie war nun in dem Alter, in dem kleine Feen ihren eigenen Zauberstab bekamen und in den
    großen Rat der Feen aufgenommen wurden. Die kleine Fee war ganz aufgeregt. Welche Aufgabe würde wohl der große Feen-Rat ihr geben? Alle Feen mit Zauberstab haben ihr eigenes Aufgabengebiet. So gibt es zum Beispiel die Zahnfee, die jede Nacht durch die
    Gegend fliegt und die ausgefallenen Milchzähne der Kinder einsammelt und ihnen dafür ein Geschenk unter das Kopfkissen legt. „So eine Aufgabe würde mir auch gefallen“, dachte die
    kleine Fee. Sie liebte Kinder über alles. Da wusste auch ihre Mutter, und daher beriet sie
    gemeinsam mit der Vorsteherin des Feen-Rates, welche Aufgabe wohl für ihre kleine Tochter
    in Frage käme. Die beiden Feen kamen überein, dass es unbedingt eine Aufgabe sein sollte,
    die mit Kindern zu tun hat. Der große Feen-Rat trat einige Tage später zusammen.

    In der Sitzung berichtete eine Fee von einem Kind, dass großen Kummer hatte.
    Da meldete sich die kleine Fee zu Wort:
    “Wenn ich darf, würde ich gerne diesem Erdenkind helfen“. Der Feen-Rat beschloss, dass dies eine gute Idee wäre und gab der kleinen Fee die Aufgabe, diesem Kind zu helfen.

    Die kleine Fee machte sich sofort auf den Weg. Sie hielt ihren Zauberstab fest in der Hand
    Und machte sich auf den langen Weg zur Erde. Dabei merkte sie, wie anstrengend so ein
    Langer Flug mit so kleinen Flügeln ist. Endlich kam sie auf der Erde an. Mittlerweile war es
    Tag geworden, und die kleine Fee musste sich verstecken. Denn das Tageslicht ist Gift für die
    kleinen, feinen Feenflügel, da es sie verbrennen könnte. Die kleine Fee verbrachte den Tag
    schlafend in einer kleinem Baumhöhle. Als es dunkel wurde und der Mond am Himmel leuchtete, flog sie schnell zu dem Haus in dem das kleine Mädchen wohnte.

    Das kleine Mädchen schlief tief und fest. Aber was war das? Um seinen linken Arm hatte es eine Schiene. Vorsichtig berührte die kleine Fee den Arm. Und da schlug das kleine Mädchen
    Seine Augen auf. Es sah direkt vor sich auf der Decke eine winzig kleine Fee sitzen. Zuerst
    Dachte es, dass es ein Traum sein müsste. Doch da begann die kleine Fee zu sprechen: „Oh
    Entschuldige, dass ich dich aufgeweckt habe“. „Das macht nichts“ , erwiderte das Mädchen.
    “Wer bist du und woher kommst du?“ „Ich bin eine kleine Fee und ich komme von ganz weit
    Her“. „Und warum kommst du ausgerechnet zu mir?“ fragte das Mädchen. „Ich komme weil
    Das meine Aufgabe ist. Ich möchte dir helfen, weil du traurig bist. Aber was ist das an deiner
    Hand?“ „Ach das“, sagte das kleine Mädchen und Tränen traten ihr in die Augen. „Das ist der
    Grund, warum ich so traurig bin. Ich habe Rheuma und das ist eine Handschiene.“ „Und wofür ist die Schiene da?“ fragte die kleine Fee neugierig. „Damit die Hand nicht mehr so weh tut und sie schön gerade bleibt“, antwortete das Mädchen. „Aber dann ist die Schiene doch prima“, sagte die kleine Fee nach einigem Überlegen. „Ja, schon“ sagte das kleine Mädchen. „Aber die anderen Kinder ärgern mich deswegen immer, denn ich bin das einzige
    Mädchen in der Schule mit so einer Schiene“. „Oh, ich verstehe“, sagte die kleine Fee. „Ich möchte alles über
    dieses geheimnisvolle Rheuma wissen“, bat die Fee. Und so erzählte das kleine Mädchen der Fee, wie ihr eines Tages auf einmal die Hand weh tat. Die Mutter war mit ihm zum Arzt gegangen und dieser meinte, es hätte sich wohl beim Spielen die Hand verletzt. Aber die
    Schmerzen gingen nicht weg. Auch der linke Fuß tat immer öfter weh. Besonders schlimm war es morgens, dann kam es dem kleinen Mädchen so vor, als seien die Hand
    Und der Fuß eingeschlafen oder eingefroren. Der Arzt konnte keine Ursache für die Schmerzen finden und meinte sie sollten zu einem anderen Arzt gehen, der sich mit solchen Dingen besonders gut auskennt. Und dieser Arzt kam dann nach vielen
    Untersuchungen zu der Vermutung, dass das kleine Mädchen Rheuma haben könnte.
    „Wie findet man denn heraus, ob jemand Rheuma hat?“ fragte die kleine Fee. „Das scheint ganz schön schwer zu sein, denn es hat sehr lange gedauert“, meinte das kleine Mädchen.
    “Der Arzt hat mir mit der Nadel in den Arm gepiekst und dann Blut herausgenommen“.
    „Oh du Arme!“ rief die kleine Fee. „Tut das nicht weh?“ „Nur ein klitzekleines bischen, denn man bekommt vorher ein Pflaster mit Zaubersalbe auf den Arm“ erklärte das kleine Mädchen der staunenden Fee. „Jedenfalls musste ich dann noch zu einem dritten Arzt, der mich ganz
    lange untersucht hat und uns dann erzählt hat, dass ich tatsächlich Rheuma habe. Seitdem
    nehme ich Tabletten, und ich gehe zweimal in der Woche zur Krankengynastik zu Armin und zur Ergo nach Himmelpforten. „Was ist Krankengynastik und was ist Ergo?“ fragte die
    kleine Fee. „Du weißt aber wirklich gar nichts“ stellte das kleine Mädchen fest. „Bei der
    Krankengynastik werden meine Gelenke bewegt und wir machen Übungen. Manchmal darf
    Ich mit der Hand in die große Schüssel mit kalten Linsen greifen, in der Armin eine Tüte
    Gummibärchen versteckt hat. Das ist meine liebste Übung. Ich liebe Gummibärchen,
    besonders die roten! Und in der Ergo übe ich, wie ich meine Hand richtig bewege. Wir
    machen zusammen Übungen und ich darf Seidentücher bemalen oder so. Und dort habe
    ich auch die Handschiene bekommen, weil meine Hand ein wenig schief war. „Und trägst du die Handschiene immer nachts?“ wollte die neugierige kleine Fee wissen. „Manchmal schon,
    wenn es zu arg weh tut“.

    Der kleinen Fee brummte der Kopf, so viel hatte sie heute über dieses Rheuma erfahren.
    Langsam wurde es immer heller und der Tag brach an. Die kleine Fee zerbrach sich den
    Kopf, wie sie ihrer kleinen neuen Freundin am besten helfen könnte. „Was würdest
    Du dir denn von einer Fee wünschen, wenn du dir etwas wünschen könntest?“ fragte sie.
    “Das ich kein Rheuma mehr habe“ antwortete das kleine Mädchen wie aus der Pistole
    Geschossen. „Leider ist mein Zauber nicht so stark, dass ich das Rheuma wegzaubern
    kann“ bedauerte die kleine Fee. „Aber vielleicht können wir gemeinsam überlegen,
    ob es etwas gibt, das dir helfen würden, deinen Kummer ein wenig kleiner
    zu machen?“ Das kleine Mädchen überlegte. „Ich wünsche mir eine Freundin, die
    auch Rheuma hat und mich versteht. Und das Mama und Papa sich nicht so viele
    Sorgen machen. Das der Peter, das ist mein Klassenlehrer, mich auf Klassenfahrt
    mitnimmt. Das geht nämlich nur, wenn wir nicht so viel wandern, denn das kann ich nicht.
    Und das Frau Meier nicht meckert, wenn ich so unordentlich schreibe, weil die Hand weh tut.“ Der kleinen Fee wurde ganz schwummerig. So viele Wünsche auf einmal! Dabei hatte sie ihren Zauberstab doch erst seit kurzem und kannte sich mit den Zaubersprüchen noch nicht so gut aus. Und überhaupt –
    sie konnte diesem traurigen kleinen Mädchen nur einen einzigen Wunsch erfüllen.
    “Ich muss leider fort – meine Flügel können kein Tageslicht vertragen“ flüsterte die
    kleine Fee. „Aber ich verspreche dir, ich werde dir helfen – großen Feen-Ehrenwort.
    Aber habe etwas Geduld. Und wir sehen uns bestimmt in vier Wochen wieder, denn ich
    darf immer nur 24 Stunden auf der Erde bleiben“.

    Sie flog so schnell sie konnte zurück in ihre Baumhöhle. Aber sie konnte nicht schlafen,
    zu sehr war sie bemüht, eine Lösung für die Probleme des kleinen Mädchens zu finden.
    Als sie erwachte, kam ihr auf einmal eine Idee. Ja – das könnte funktionieren. Sie nahm
    ihren Zauberstab – und murmelte leise einen Zauberspruch. Oh, es wurde höchste Zeit zurückzufliegen – die 24 Stunden waren fast um. Schnell machte sich die kleine Fee wieder auf zum fremden Stern. Hoffentlich hatte der erste Zauber ihres Lebens geklappt!

    Am nächsten Morgen fand die Mutter des kleinen Mädchens in einer Zeitschrift einen Artikel über rheumakranke Kinder. Am Ende des Artikels standen Telefonnummern, über die man Eltern erreichen konnte, die Eltern rheumakranker Kinder beraten, das Ganze nannte sich Rheumafoon. Sie fand folgende fünf Nummern:

    Silvia Batzilla
    0 93 71 - 66 80 74 8

    Silke Buck
    0 41 40 - 87 67 12

    Angelika Kapp
    0 33 76 7 - 30 24 2

    Babette Wegehaupt
    0 42 13 - 88 71 19

    Dr. Patricia Vöttiner-Pletz
    0 77 25 - 91 77 97

    Die Mutter zögerte – einfach bei einer fremden Frau anrufen? Aber dann holte sie sich das Telefon und wählte doch eine der Nummern. Es meldete sich eine freundliche Stimme. Die Mutter erzählte, dass ihre kleine Tochter Rheuma hat und kam mit der unbekannten Frau ins Gespräch
    .
    Sie war froh, als sie erfuhr, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein war und redete sich
    Ihren Kummer von der Seele. Die Frau erzählte ihr von Familienwochenenden, an denen sich Familien mit rheumakranken Kindern treffen. Sie versprach ihr, nähere Informationen und Infomaterial zu schicken. Am übernächsten Tag kam ein dicker, brauner Umschlag an. Er enthielt eine Einladung zum Familienwochenende, das in 2 Wochen statt fand und Informationsmaterial. So gab ein Buch für Eltern „Unser Kind hat Rheuma“ und einige Infobroschüren für Lehrer.

    Vier Wochen später kehrte die kleine Fee wieder auf die Erde zurück. Ob ihr Zauber gewirkt
    hatte? Unruhig schlief sie in ihrer Baumhöhle, bis es wieder dunkel war.

    Sie flog zu ihrer kleinen Freundin, die tief schlafend im Bett lag, ihren Hund Sweety fest
    im Arm. Leise flüsterte die kleine Fee „Haaaaalloooo, kleines Mädchen.“ Sie strich dem
    Mädchen über das dunkelblonde Haar und kitzelte es an der Nase, bis es die blauen Augen
    aufschlug. „Oh, kleine Fee“. Das Mädchen strahlte die kleine Fee an. Ob der Zauber
    gewirkt hatte? „Du glaubst nicht, was passiert ist! Wir waren ein Wochenende in Cuxhaven.
    Da waren ganz viele Kinder, die auch Rheuma hatten! Und ich habe jetzt eine neue Freundin.
    Sie heisst Amelie und hat auch Rheuma! Und wir haben zusammen gespielt, und waren am
    Strand. Und eine Kinderbetreuung gibt es da auch! Carola und Justus haben mit uns gebastelt
    und gespielt. Wir waren abends ganz lange auf und hatten ein Zimmer zusammen. Und
    wir haben Lagerfeuer gemacht und Stockbrot gegrillt. Und im September fahren wir wieder
    nach Cuxhaven, weil es da so schön war!“

    Die kleine Fee staunte. „Das ist ja toll!“ antwortete sie. „Ja, und Papa hat dann danach
    mit Peter und Frau Müller geredet. Und Peter hat gesagt, wenn wir wandern kann ich
    ja meinen Roller mitnehmen und ich muss auf alle Fälle mit auf die Klassenfahrt kommen.
    Wir wollen nämlich nach Helgoland fahren, das ist eine Insel mitten im Meer. Und Frau
    Müller schimpft auch nicht mehr wenn ich mal unordentlich schreibe!“

    Die kleine Fee strahlte über das ganze Gesicht. Sie freute sich mit dem kleinen Mädchen
    darüber, dass ihr Zauber offensichtlich geklappt hatte!

    Copyright by Nixe
     
  2. Steff

    Steff Neues Mitglied

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    Toll!

    Hallo Nixe!

    Ein richtig schönes Märchen für kleine Rheumi- Kinder!
    Finde ich toll, auch wenn die "Werbung" für die Rheuma-Liga sehr prägnant am Ende steht ;)

    Möchte dich fragen, ob ich den Text auf unserer Hp, in der folgenden Kategorie verlinken dürfte?
    http://www.youngrheumis.de/html/gedichte.html

    Viele Grüße aus Erfurt!
    Stefanie
     
  3. Nixe

    Nixe Neues Mitglied

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    Für Stefanie

    Hallo Stefanie,

    ich bin selber für die Rheuma-Liga als Landeselternsprecherin und Rheumafoon-
    Beraterin tätig. Leider wissen viele Eltern nichts von der Existenz des
    Rheumafoons und auch über die Sachen, die von den einzelnen
    Landesverbänden für die Familien angeboten werden (wie z.B. die Familien-
    wochenenden).

    Die Geschichte habe ich für meine kleine Tochter geschrieben, die 8 Jahre
    alt ist und seit einem Jahr an Rheuma erkrankt ist. Vieles in der Geschichte
    ist daher "aus dem Leben gegriffen" - so eben auch das Rheumafoon, das
    bei uns im Wohnzimmer steht.

    Wenn es tatsächlich so kommt, dass Eltern aufgrund der Geschichte bei einem
    der Rheumafooner anrufen oder Kontakt zu anderen betroffenen Eltern finden, dann würde ich mich sehr freuen:)

    Gerne kannst du die Geschichte mit Copyright auf deine Homepage nehmen.

    Liebe Grüße Nixe
     
  4. Kiki65

    Kiki65 Mitglied

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    Die Geschichte ist echt super.

    Du hast recht, viele trauen sich nicht anzurufen.

    Der Chefarzt unserer Kinderklinik ruft uns auch ab und zu an, wenn er einen Fall von Rheuma hat. Er fragt die Eltern vorher, ob sie mit einer betroffenen Familie sprechen möchten. Wenn die dann einverstanden sind, fahren wir ins Krankenhaus und sprechen mit den Eltern.

    Ich bin auch ein Ansprechpartner in der Rheumaliga. Frau Schütte von der Rheumaliga NRW hat mich dahin gebracht.