Hallo rinnchen,
das mit den hohen Ansprüchen hat mich auch viele Jahre begleitet. In meinen Gedanken war immer dieses „das muss doch gehen“ und meine Ziele gingen in die Richtung, wieder so Leistungsfähig zu werden wie als ich noch Gesund war.
Du kannst Dir bestimmt vorstellen dass mich das überhaupt nicht weiter gebracht hat und mir nur Frust beschert hat.
In der Schmerztherapie hat eine Psychologin versucht, uns den Satz „ geht nicht ist auch in Ordnung“ näher zu bringen.
Habe mir das jeden Tag vorgesagt aber das passende Gefühl wollte sich lange nicht einstellen.
Irgendwann bin ich im Internet auf die Löffeltheorie gestoßen. Da hab ich mich total wiedergefunden und es hat Klick gemacht.
Heute ist es mein Ziel, mir meine Kräfte und Energie so einzuteilen dass ich über den Tag komme. Wichtige Sachen versuche ich mir so einzuteilen dass diese zu bewältigen sind (nicht zu viel auf einmal, sondern immer schön verteilt). Nice to have Sachen freue ich mich wenn ich die noch unterbringe. Wenn nicht, ein anderes mal. Die Sachen die eh nicht gehen würden, plane ich erst gar nicht mehr, sondern versuche eine andere Lösung zu finden oder bitte um Hilfe. Zwischendurch gönne ich mir so oft es geht Ruhepausen und auch Zeiten für die Entspannung. Und am allerwichtigsten, immer bisschen was in der Hinterhand behalten für unvorhergesehenes und Freudenspender.
Natürlich geht es mir genauso wie Dir, dass ich das nicht immer schaffe. Aber an den Tagen wo es mir gelingt erhöht es meine Lebensqualität und auch meine Zufriedenheit erheblich. Meine Energie und Leistungsfähigkeit sind dadurch nicht wesentlich gesteigert, aber konstanter, sodass ich tatsächlich weniger Tage habe an denen ich komplett ausfalle.
Für das Schubgeschehen habe ich lange gekämpft, Kortison auf Vorrat für zu Hause zu bekommen. Wenn ich merke dass sich was größeres anbahnt kann ich mit einem gezielten Kortisonstoß meist schlimmeres abwenden. Damit konnte ich auch schon so manche Krankentage, wo gar nichts mehr geht, sparen.
Ganz wichtig finde ich auch noch das schlechte Gewissen abzulegen wenn mal wieder wenig oder gar nix geht. Ich meine, von jemanden der Grippe hat, würde ich doch auch nicht den großen Hausputz erwarten. Warum schleicht sich dann bei mir immer wieder das schlechte Gewissen ein wenn ich an einem schlechten Tag nix schaffe. Im Kopf ist bei mir der richtige Gedanke schon da und am Gefühl arbeite ich noch.
Vielleicht mag noch jemand anderer seine Tipps und Tricks teilen. Würde mich sehr freuen.
Dir rinnchen wünsche ich vor allem dass du so viele Genussmomente wie möglich einfangen kannst. Das mag nicht immer gelingen, aber wenn man mitnimmt was geht, dann ist das doch auch was.
LG
Murmelmaus