Diagnose "Arthritis Psoriasis" - MTX und wie geht's weiter?

Dieses Thema im Forum "Klassische langwirksame Antirheumatika" wurde erstellt von lurch, 6. Oktober 2018.

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  1. lurch

    lurch Neues Mitglied

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    Hallo zusammen,

    da ich es als schwierig empfinde, mit nicht-Betroffenen über das Thema zu reden, möchte ich mich an das Forum wenden. Ich freue mich über Ratschläge, Einschätzungen und Tipps zu meiner Situation.

    Ich bin 30 Jahre alt und kämpfe seit ca. 5 Jahren mit Gelenkschmerzen und Schuppenflechte (wäre alleine kein großartiges Problem).
    Nun konnte ich die Schmerzen nicht mehr ertragen und bin zum Hausarzt und Anschließend zum Rheumatologen:
    - Diagnose: Arthritis Psoriasis
    - Medikation (Rheumatologe): MTX 12,5mg
    - Hausarzt rät vom MTX ab

    Nun habe ich den Pen neben mir liegen und frage mich, was ich "falsch" mache, wenn ich mich für die MTX-Therapie entscheide.
    - wie groß ist die Gefahr von Nebenwirkung, wird es mich im Job "ausknocken"?
    - kann ich mich weiterhin voll um meine kleine Tochter kümmern?
    - werde ich oft krank werden / Infekte holen?
    - macht eine MTX-Therapie jetzt Sinn, wenn man sie in ca. 9 Monaten wegen der folgenden 6 Monate Pause zum nächsten Kinderwunsch wieder absetzt?

    und andererseits: was riskiert man, wenn man "nichts macht"?!
    Sind dann mit 40 meine Gelenke hinüber?

    Ich danke euch für eure Meinungen!
     
  2. Birte

    Birte Registrierter Benutzer

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    Hallo und herzlich Willkommen!

    Deine Fragen können wir dir leider nicht beantworten, da die Krankheiten und auch die Reaktion auf die Medikamente sehr unterschiedlich sind. Prinzipiell wird sich deine Krankheit aber vermutlich nicht über Nacht verschlechtern, nur weil du jetzt die Diagnose hast.

    MTX ist ein bewährtes Mittel - ich habe damit fast 10 Jahre lang einen 60 Stunden/Woche-Job bewältigt und die Nebenwirkungen sind vernachlässigbar und nicht mal ansatzweise mit den Einschränkungen durch die Krankheit vergleichbar.
    Letztere könnten natürlich auch mal dazu führen, dass man sich (zeitweise) nicht so gut um andere kümmern kann. Ein "Sicherheitsnetz" wäre sinnvoll - also jemand, der kurzfristig einspringen kann, falls es dein Partner nicht kann.

    Mehr Infekte habe ich auch nicht bekommen.

    Ob deine Gelenke mit 40 hinüber sind, weiß ich nicht. Es gibt sehr aggressive Verläufe, die innerhalb sehr kurzer Zeit Gelenkschäden verursachen, bei anderen muckelt es so vor sich hin und es dauert lange, bis man im Röntgenbild Schäden sieht.

    Bei in naher Zukunft bestehendem Kinderwunsch würde ich es vielleicht erstmal ohne MTX versuchen. Hattest du deinem Rheumatologen vom Kinderwunsch berichtet? Ich würde versuchen nochmal einen Termin zu bekommen und das noch einmal besprechen. MTX entfaltet seine Wirkung erst 3 - 6 Monate nach Beginn der Einnahme und wird dann meist jahrelang genommen, weil es das Immunsystem dauerhaft etwas runterdrücken soll. Wenn du es in 9 Monaten wirklich wieder absetzen willst, würde ich lieber bis dahin nach Alternativen suchen, ggf. (bei einem nicht so aggressiven Verlauf) nur die Symptome mit Prednisolon und einem NSAR (z. B. Diclo/Voltaren, Ibuprofen) behandeln. Das müssen aber deine Ärzte zusammen mit dir entscheiden. Es gibt zwar auch Basismedikamente, die - nach den kurzen Erfahrungen, die man damit bisher hat - während einer Schwangerschaft genommen werden können, aber ob diese gleich als Erstmedikament nach der Diagnose verschrieben werden können, weiß ich nicht.

    Dein Gyn muss auch informiert werden und ihr müsstet dann halt alle zusammen überlegen, was man in der Schwangerschaft nehmen kann.

    Mit dem MTX könntest du dann nach der Schwangerschaft beginnen.

    Das ist schon eine Diagnose, die das Leben verändert, bei manchen nur für ein paar Jahre, bei manchen für länger. Definitiv ist es nicht in einem halben Jahr oder einem Jahr wieder weg.
    Möglicherweise ist es sinnvoll, die Realisierung des Kinderwunschs vorzuziehen oder weiter nach hinten zu schieben - ich kenne deine Situation nicht. Das sind Dinge, die in der Familie besprochen werden und dann gemeinsam entschieden werden müssten.

    Liebe Grüße,

    Birte
     
  3. Gertrud

    Gertrud Registrierter Benutzer

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    Hallo!

    Auf jeden Fall musst du was tun!
    Eine Basistherapie verhindert die Gelenkzerstörung - da hilft sonst kein Schmerzmittel und kein Cortison.
    Ansprechpartner ist der Rheumatologe - nicht der Hausarzt - schließlich ist er nicht der Facharzt und wenn ein Hausarzt an einer Basistherapie bei Rheuma zweifelt, dann ist das schon mal sowieso seltsam.

    MTX ist gut gewährt - wie Birte schon schreibt - braucht aber länger bis zur Wirkung.
    Viele vertragen es sehr gut - wenn es Nebenwirkungen gibt, unter denen es einem nicht gut geht, dann muss man die nicht ertragen: dann kann man das Mittel wechseln, es gibt ja noch viele Alternativen.

    Was den Kinderwunsch betrifft, so würde ich das natürlich VOR Beginn der Therapie mit dem Rheumatologen besprechen - und auch mit einem Gyn.

    Ansonsten kann ich nur sagen, dass es mit Psoriasis Arthritis (habe ich auch) durchaus gute, ruhige Verläufe gibt. Ich war jetzt sogar seit über einem Jahr in Remission - habe keine Medikamente genommen. Einen konkreten Verlauf in deinem Fall kann natürlich niemand vorhersagen. Aber auf jeden Fall muss man keine Panik schieben!

    Alles Gute!
     
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  4. O-häsin

    O-häsin Bekanntes Mitglied

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    Hallo lurch,
    die Vorschreiberinnen haben schon das Wichtigste gesagt. Ergänzend viell. noch folgende Hinweise: man kann vor der Behandlung Samen-/Eizellen einfrieren für Zeiten (nach einer Pause von MTX) in Remission. Es gibt auch Beratungsstellen, mit welchen Mitteln man bei rheumatischen Erkrankungen dennoch seinen Kinderwunsch nicht aufgeben muß. z.B. Uniklinik Düsseldorf, Frau PD Dr. Rebecca-Fischer.
    LG o-häsin
     
  5. lurch

    lurch Neues Mitglied

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    Hallo und vielen Dank für die hilfreichen Antworten.

    Vielleicht kurz vorweg: ich bin männlich (das Wort "Kinderwunsch" lässt wohl auf einen weiblichen Verfasser schließen...)

    Die Empfehlung von 2 unabhängigen Rheumatologen lautet:
    Lieber jetzt direkt mit MTX anfangen und nach ca. 1 Jahr wieder absetzen, wenn es mit der Zeugung eines Kindes relevant wird.

    Im Alltag halte ich die Schmerzen für verkraftbar, jedoch merke ich, dass meine Fitness und Freizeit-Gestaltung stark darunter leider. Ich befinde mich permanent in einer Schon-Haltung.

    Für mich gilt es daher abzuwägen, ob ich eher jetzt meine Gelenke der "Zerstörung" preisgebe, oder aber mit Nebenwirkungen kämpfen muss und die Familienplanung einschränke...

    Wie verhält es sich denn mit der "Wartepause" bei MTX bzgl. Kinderwunsch - ist nach den 6 Monaten alles wieder korrekt oder besteht auch hier ein Restrisiko?
     
  6. Birte

    Birte Registrierter Benutzer

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    Ok - das macht Vieles einfacher. In dem Fall würde ich kein Risiko eingehen und der Empfehlung der Rheumatologen Folge leisten. Vielleicht wäre es ja auch eine Möglichkeit, Sperma konservieren lassen, damit du das MTX (so es denn wirkt) später nicht absetzen musst - ich kenne mich bezüglich der Möglichkeiten und Kostenübernahme leider nicht aus.

    Soweit ich weiß, ist aber nach dem Absetzen vom MTX nach sechs Monaten kein erhöhtes Risiko mehr gegeben. Wissenschaftliche Studien dazu habe ich aber auch nicht parat - bin keine Ärztin.
     
  7. TrumanBurbank

    TrumanBurbank Registrierter Benutzer

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    Hallo Lurch,

    grundsätzlich ist MTX der Goldstandard. Ich habe es auch einige Jahre genommen bis ich auf Humira gewechselt habe. An und für sich ist es sehr gut verträglich. Mehr krank war ich nicht, allerdings habe ich es wegen steigender Leberwerte nicht mehr genommen. Man muss schon Einiges beachten. Zum Beispiel sollte man Alkohol am Besten gänzlich bei MTX meiden, da es die Leber sehr belastet. Die Dosierung von 12,5 mg kommt mir im Übrigen sehr sehr niedrig vor.

    Ich würde meinen Rheumatologen bei Kinderwunsch auf andere Medikamente ansprechen. Zum Beispiel ist das Biologikum Cosentyx auch für die Erstlinientherapie bei PSA zugelassen. Und im Beipackzettel steht nur, dass man eine Schwangerschaft vermeiden sollte, aber nicht, dass man keine Kinder zeugen kann.

    Herzliche Grüße

    Truman
     
  8. lurch

    lurch Neues Mitglied

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    Ok.
    Im Allgemeinen höre ich hier - und in den anderen Threads - heraus, dass am MTX (oder einer ähnlichen medikamentösen Therapie) wohl kein Weg vorbei führt. Irgendwie hatte ich das wohl insgeheim gehofft...

    Ich denke, im schlimmsten Fall muss ich das Medikament halt - bei Unverträglichkeit - relativ schnell wieder absetzen.

    Bzgl. des Themas "Kind" werde ich wohl die empfohlene Wartezeit von 6 Monate "einplanen"...
     
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