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Der Sinn des Lebens...

Dieses Thema im Forum "Kaffeeklatsch" wurde erstellt von Sabinerin, 19. April 2005.

  1. Sabinerin

    Sabinerin Aktives Mitglied

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    Der Sinn des Lebens


    Als ich eines Tages, wie immer traurig, durch den Park schlenderte und mich auf einer Parkbank niederließ, um über alles nachzudenken was in meinem Leben schief läuft, setzte sich ein fröhliches kleines Mädchen zu mir.
    Sie spürte meine Stimmung und fragte: “ Warum bist Du traurig?“
    “Ach“, sagte ich „ich habe keine Freude im Leben. Alle sind gegen mich. Alles läuft schief. Ich habe kein Glück und ich weiß nicht wie es weitergehen soll.“
    “Hmmm “, meinte das Mädchen, „wo hast Du denn Dein rosa Tütchen? Zeig es mir mal. Ich möchte da mal hineinschauen.“
    “Was für ein rosa Tütchen?“, fragte ich sie verwundert. „Ich habe nur ein schwarzes Tütchen.“
    Wortlos reichte ich es ihr. Vorsichtig öffnet sie mit ihren zarten kleinen Fingern den Verschluss und sah in mein schwarzes Tütchen hinein. Ich bemerkte wie sie erschrak.
    „Es ist ja voller Alpträume, voller Unglück und voller schlimmer Erlebnisse!“
    “Was soll ich machen? Es ist eben so. Daran kann ich doch nichts ändern.“
    “Hier nimm,“ meinte das Mädchen und reichte mir ein rosa Tütchen. „Sieh hinein!“
    Mit etwas zitternden Händen öffnete ich das rosa Tütchen und konnte sehen, dass es voll war mit Erinnerungen an schöne Momente des Lebens. Und das, obwohl das Mädchen noch jung an Menschenjahren.
    “Wo ist Dein schwarzes Tütchen?“ fragte ich neugierig.
    “Das werfe ich jede Woche in den Müll und kümmere mich nicht weiter drum“, sagte sie.
    „Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, mein rosa Tütchen im Laufe des Lebens voll zu bekommen. Da stopfe ich soviel wie möglich hinein. Und immer wenn ich Lust dazu habe oder ich beginne traurig zu werden, dann öffne ich mein rosa Tütchen und schaue hinein. Dann geht es mir sofort wieder besser. Wenn ich einmal alt bin und mein Ende droht, dann habe ich immer noch mein rosa Tütchen. Es wird voll sein bis obenhin und ich kann sagen, ja , ich hatte etwas vom Leben. Mein Leben hatte einen Sinn!“
    Noch während ich verwundert über ihre Worte nachdachte gab sie mir einen Kuss auf die Wange und war verschwunden. Neben mir auf der Bank lag ein rosa Tütchen mit der Aufschrift: Für Dich! Ich öffnete es zaghaft und warf einen Blick hinein. Es war fast leer, bis auf einen kleinen zärtlichen Kuss, den ich von einem kleinen Mädchen auf einer Parkbank erhalten hatte. Bei dem Gedanken daran musste ich schmunzeln und mir wurde warm ums Herz. Glücklich machte ich mich auf dem Heimweg, nicht vergessend, am nächsten Papierkorb mich meines schwarzen Tütchens zu entledigen.
     
  2. Mni

    Mni Aktives Mitglied

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    Danke,

    das ist wunderschööön. Nun weiß ich, warum mein Täschle immer soooo dick und schwer ist...aber ich würds nie tauschen.....

    Bitte, Sabinerin, kannst Du uns noch die Quelle verraten?
    Einen schönen Tag wünscht Euch Mni
     
  3. kerstin67

    kerstin67 Neues Mitglied

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    Schön

    danke,das ist so wunderschön und ich sollte wirlich in meiner Situation nur noch das rosa Tütchen aufmachen und das schwarze auf dem schnellsten Weg in den Müll schmeißen! Wenn ich das geschafft habe,dann geht es mir bestimmt wirklich gut.
    lg kerstin
     
  4. Sabinerin

    Sabinerin Aktives Mitglied

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    *hochschieb*

    Hallöchen zusammen,

    ich habe mal einige schöne Geschichten rausgekramt.

    Vielleicht gefällt es ja dem ein oder anderen neuen User.

    Liebe Grüße
    Sabinerin
     
  5. merre

    merre Aktives Mitglied

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    auch eine kleine Geschichte hab:

    Hier eine kleine lehrreiche Geschichte:

    "Sag, wie schwer ist eine Schneeflocke", fragte ein Sperling eine wilde Taube.

    "Nicht mehr als nichts", war die Antwort.

    "Dann", meinte der Sperling, "muss ich dir eine wunderbare Geschichte erzählen":

    "Ich sass auf dem Ast einer Tanne, nahe dem Stamm, als es zu schneien anfing. Nicht sehr, nicht wie in einem Sturm. Nein, so wie in einem Traum, ohne Spur von Heftigkeit. Da ich nichts Besseres zu tun hatte, zählte ich die Schneeflocken, die sich auf den Zweigen und den Nadeln meines Zweiges festsetzten. Ihre Zahl war genau 3 741 952. Als die nächste Schneeflocke auf den Ast fiel - nicht mehr als nichts, wie du sagst - brach der Ast ab."

    Nachdem er dies gesagt hatte, flog der Sperling davon.

    Die Taube, die seit Noahs Zeiten als Autorität auf diesem Gebiet gilt, dachte eine Weile über diese Geschichte nach und sagte schliesslich zu sich selbst :
    "Vielleicht fehlt nur noch die Stimme eines einzigen Menschen, dass es Friede wird auf unserer Welt, und wer sagt daß nicht Deine Stimme die entscheidende Schneeflocke ist ?"

    Ja wer ?? "merre"
     
  6. Rosarot

    Rosarot trägt keine Brille ... ;)

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    Ich habe auch zwei passende Geschichtchen ...

    Ach wie schön ... :) Ich hätte auch zwei kleine Geschichtchen beizutragen

    Das Tränenkrüglein

    Es lebte vor Jahren eine junge Frau, der war das einzige Kind gestorben.
    Sie weinte bitterlich und konnte sich gar nicht trösten.
    Jede Nacht lief sie hinaus auf das Grab und jammerte, dass es die Steine hätte erbarmen mögen.
    Nun sah sie einmal in der Nacht einen Zug von Kindern vorüberziehen.
    Ganz hintendrein aber lief ein ganz kleines Ding mit einem ganz durchnässten Hemdchen angetan.
    Das Kindlein trug in der Hand einen Krug mit Wasser.
    Es war ganz matt und schwach geworden und konnte den anderen nicht folgen.
    Ängstlich blieb es vor dem Zaun stehen, über den die anderen Kinder kletterten.
    Die Mutter erkannte in diesem Augenblick ihr Kind, eilte hinzu und hob es über den Zaun.
    Während sie es so in den Armen hielt, sprach das Kind:
    "Bitte liebe Mutter, lass das Weinen. Du weinst mir meinen Krug sonst so schwer und voll.
    Da sieh, ich hab schon mein ganzes Hemdchen damit beschüttet."
    Da weinte sich die Mutter noch einmal herzlich aus und dann nie wieder.

    (Grimm)

    ..........


    Das Märchen von der traurigen Traurigkeit

    Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlang kam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens. Bei der zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub auf dem Wege saß, schien fast körperlos. Sie erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen. Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: "Wer bist du?"
    Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. "Ich? Ich bin die Traurigkeit", flüsterte die Stimme stockend und leise, dass sie kaum zu hören war.
    "Ach, die Traurigkeit!" rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte grüßen.
    "Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit misstrauisch.
    "Natürlich kenne ich dich! Immer wieder hast du mich ein Stück des Weges begleitet."
    "Ja, aber...", argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?"
    "Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtling einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?"
    "Ich... bin traurig", antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme.
    "Die kleine alte Frau setzte sich zu ihr. "Traurig bist du also", sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. "Erzähl mir doch, was dich so bedrückt."
    Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht. "Ach, weißt du", begann sie zögernd und äußerst verwundert, "es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest." Die Traurigkeit schluckte schwer. "Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter. Und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht. Und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: Man muss sich nur zusammenreißen. Und spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen. Und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen."
    "Oh ja", bestätigte die alte Frau, "solche Menschen sind mir schon oft begegnet."
    Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. "Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf, wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich ihnen dabei helfe. Statt dessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu."
    Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt. Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlte, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel. "Weine nur, Traurigkeit", flüsterte sie liebevoll, "ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt."
    Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin: "Aber ... aber - wer bist eigentlich du?"
    "Ich?" sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd, und dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen. "Ich bin die Hoffnung."

    (Autor mir unbekannt)
     
  7. Melisandra

    Melisandra immer auf der Suche...

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    Ludwig Bechstein

    ....schrieb auch schöne Märchen und Kurzmärchen.
    Ludwig Bechstein - Das Natterkrönlein

    Alte Großväter und Großmütter haben schon oft ihren Enkeln und Urenkeln erzählt von schönen Schlangen, die goldene Krönlein auf ihrem Haupte tragen; diese nannten die Alten mit mancherlei Namen, Otterkönig, Krönleinnatter, Schlangenkönigin und dergleichen, und sie haben gesagt, der Besitz eines solchen Krönleins bringe großes Glück.

    Bei einem geizigen Bauern diente eine fromme, mildherzige Magd, und in dessen Kuhstalle wohnte auch eine Krönelnatter, die man zuweilen des Nachts gar wunderschön singen hörte, denn diese Nattern haben die Gabe, schöner zu singen als das beste Vögelein. Wenn nun die treue Magd in den Stall kam und die Kühe molk oder sie fütterte und ihnen streute, was sie mit großer Sorgfalt tat, denn ihres Herrn Vieh ging ihr über alles, da kroch manchmal das Schlänglein, welches so weiß war wie ein weißes Mäuschen, aus der Mauerspalte, darin es wohnte, und sah mit klugen Augen die geschäftige Magd an, und dieser kam es immer vor, als wolle die Schlange etwas von ihr haben. Und da gewöhnte sie sich, in ein kleines Untertäßchen etwas euterwarme Kuhmilch zu lassen und dem Schlänglein dieses hinzustellen, und das trank die Milch mit gar großem Wohlbehagen, drehte und wendete dabei sein Köpfchen, und da glitzerte das Krönlein wie ein Demant oder ein Karfunkelstein und leuchtete ordentlich in dem dunkeln Stalle.

    Das gute Mädchen freute sich über die weiße Schlange gar sehr und nahm auch wahr, daß, seit sie dieselbe mit Milch tränkte, ihres Herrn Kühe sichtbarlich gediehen, viel mehr Milch gaben, stets gesund waren und sehr schöne Kälbchen zur Welt brachten, worüber sie die größte Freude hatte.

    Da traf sich's einmal, daß der Bauer in den Stall trat, als just die Krönleinnatter ihr Töpfchen Milch schleckte, das ihr das gute Mädchen hingestellt, und weil er geizig und happig über alle Maßen war, so begehrte er gleich so wild auf, als ob die arme Magd die Milch eimerweise weggeschenkt hätte.

    »Du miserable, nichtsnutze Magd, die du bist!« schrie der böse Bauer. »So gehst du also um mit Hab und Gut deines Herrn? Schämst du dich nicht der Sünde, einen solchen giftigen Wurm, der ohnedies den Kühen zur Nacht die Milch aus den Eutern zieht, auch noch zu füttern und in den Stall zu gewöhnen? Hat man je so etwas erlebt? Schier glaub ich, daß du eine böse Hexe bist und dein Satanswesen treibst mit dem Teufelswurm!«

    Das arme Mädchen kounte diesem Strome harter Vorwürfe nur mit reichlich geweinten Tränen begegnen, aber der Bauer kehrte sich nicht im mindesten daran, daß sie weinte, sondern er schrie und zankte sich mehr und mehr in den vollen Zorn hinein, vergaß alle Treue und allen Fleiß der Magd und fuhr fort zu wettern und zu toben: »Aus dem Hause, sag ich, aus dem Hause! Und auf der Stelle! Ich brauche keine Schlangen als Kostgänger! Ich brauche keine Milchdiebinnen und Hexendirnen! Gleich schnürst du dein Bündel, aber gleich! Und machst, daß du aus dem Dorfe fort kommst, und laßt dich nimmer wieder blicken, sonst zeig ich dich an beim Amt, da wirst du eingesteckt und kriegst den Staubbesen, du Malefiz-Wetterdirn!«

    Laut weinend entwich die so hart gescholtene Magd aus dem Stalle, ging hinauf in ihre Kammer, packte ihre Kleider zusammen und schnürte ihr Bündlein, und dann trat sie aus dem Hause und ging über den Hof. Da wurde ihr weh ums Herz, im Stalle blökte ihre Lieblingskuh. Der Bauer war weiter gegangen; sie trat noch einmal in den Stall, um gleichsam im stillen und unter Tränen Abschied von ihrem lieben Vieh zu nehmen, denn frommem Gesinde wird das Vieh seiner Herrschaft so lieb, als wäre es sein eigen, daher pflegt man auch zu sagen, un ersten Dienstjahre spricht die Magd: meines Herrn Kuh, im zweiten: unsere Kuh, und im dritten und in allen folgenden: meine Kuh.

    Und da stand nun die Magd im Stalle und weinte sich aus und streichelte noch einmal jede Kuh, und ihr Liebling leckte ihr noch einmal die Hand - und da kam die Schlange mit dem Krönlein auch gekrochen.

    »Leb wohl, du armer Wurm, dich wird nun auch niemand mehr füttern.« Da hob sich das Schlänglein empor, als wollte es ihr seinen Kopf in die Hand legen, und plötzlich fiel das Natterkrönlein in des Mädchens Hand, und die Schlange glitt aus dem Stalle, was sie nie getan, das war ein Zeichen, daß auch sie aus dem Hause scheide, wo man ihr fürder nicht mehr ein Tröpflein Milch gönnen wollte.

    Jetzt ging das arme Mädchen seines Weges und wußte nicht, wie reich es war. Es kannte des Natterkrönleins große Tugend nicht. Wer es besitzt und bei sich trägt, dem schlägt alles zum Glücke aus, der ist allen Menschen angenehm, dem wird eitel Ehre und Freude.

    Draußen vor dem Dorfe begegnete der scheidenden Magd der reiche Schulzensohn, dessen Vater vor kurzem gestorben war, der schönste junge Bursche des Dorfes, dem entbrannte gleich in Liebe das Herz zu der jungen Frau und er grüßte sie und fragte sie: Wohin sie gehe und warum sie aus dem Dienst scheide. Da sie nun ihm ihr Leid klagte, hieß er sie zu seiner Mutter gehen, und sie solle dieser nur sagen, er sende sie. Wie nun die Magd zu der alten Frau Schulzin kam und ausrichtete, was der Schulzensohn ihr aufgetragen, da faßte die Frau gleich zu ihr ein großes Vertrauen und behielt sie im Hause, und als am Abende die Knechte und die Mägde des reichen Bauern zum Essen kamen, da mußte die Neuaufgenommene das Tischgebet sprechen, und da deuchte allen, als flössen des Gebetes Worte von den Lippen eines heiligen Engels, und wurden alle von einer wundersamen Andacht bewegt und gewannen zu dem Mädchen eine mächtig große Liebe. Und als abgegessen war und die fromme Magd wieder das Gebet und den Abendsegen gesprochen hatte, und das Gesinde die Stube verlassen, da faßte der reiche Schulzensohn die Hand des ganz armen Mädchens und trat mit ihr vor seine Mutter und sagte: »Frau Mutter, segnet mich und die - denn die nehm ich mir zur Frau oder keine. Sie hat mir's einmal angetan!«

    »Sie hat's uns allen angetan«, antwortete die alte Frau Schulzin. »Sie ist so fromm als sie schön ist, und so demütig als sie makellos ist. In Gottes Namen segne ich dich und sie und nehme sie von Herzen gern zur Schwiegertochter.«

    So wurde die arme Magd zu des Dorfes reichster Frau und zu einer ganz glücklichen noch dazu.

    Mit jenem geizigen Bauern aber, der um die paar Tröpflein Milch sich so erzürnt und die treueste Magd aus dem Hause getrieben, ging es baldigst den Krebsgang. Mit der Krönleinnatter war all sein Glück hinweg. Er mußte erst sein Vieh verkaufen, dann seine Äcker, und alles kaufte der reiche Schulzensohn, und seine Frau führte die lieben Kühe, die nun ihre eigenen waren, mit grünen Kränzen geschmückt, in ihren Stall und streichelte sie und ließ sich wieder die Hände von ihnen lecken und molk und fütterte sie mit eigener Hand. Auf einmal sah sie bei diesem Geschäfte die weiße Schlange wieder. Da zog sie schnell das Krönlein hervor und sagte: »Das ist schön von dir, daß du zu mir kommst. Nun sollst du auch alle Tage frische Milch haben, so viel du willst, und da hast du auch dein Krönlein wieder, mit tausend Dank, daß du mir damit so wohl geholfen hast. Ich brauch es nun nicht mehr, denn ich bin reich und glücklich durch Liebe, durch Treue und durch Fleiß.«

    Da nahm die weiße Schlange ihr Krönlein wieder und wohnte in dem Stalle der jungen Frau, und auf deren ganzem Gute blieb Friede, Glück und Gottes Segen ruhen.
     
  8. Melisandra

    Melisandra immer auf der Suche...

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  9. cpschaf

    cpschaf Neues Mitglied

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    Hab ich heute per E-Mail bekommen.

    Wenn du NACH 1970 geboren wurdest,
    dann hat das hier nichts mit dir zu tun!

    Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70er Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, dass wir so lange überleben konnten ! Wir sind Helden !!! Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurt und ohne Airbag. Unsere Bettchen waren angemalt mit Farben voller Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel. Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen und auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm. Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen. Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar. Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wusste, wo wir waren . Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach "Aufsichtspflicht". Wir kämpften und schlugen einander manchmal grün und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht besonders. Wir aßen ungesundes Zeug, keiner scherte sich um Kalorien,und wir wurden trotzdem nicht zu dick. Wir tranken mit unseren Freunden aus einem Glas und niemand starb an den Folgen. Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo64, X-Box. Wir hatten: Freunde ! Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu denen nach Hause und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns... Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeihungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir auch nicht besonders viele Augen aus. Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen. Fahrräder wurden von uns selbst repariert! Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte damals nicht zu emotionalen Elternabenden . Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar, dass die Eltern ihn nicht automatisch aus dem Schlamassel herausboxen. Im Gegenteil: Sie waren oft der gleichen Meinung wie die Polizei! Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem mussten wir umgehen, wussten wir umzugehen! geb. vor 1970 WIR SIND HELDEN ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! !!
     
  10. Sabinerin

    Sabinerin Aktives Mitglied

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    Es ist schon wieder viel Zeit vergangen und ich schiebe diese Geschichte mal nach oben.


    Ich schenke Euch diese rosa Tasche,


    [​IMG]


    damit Ihr ganz viele schöne Momente einpacken könnt.

    Liebe Grüße
    Sabinerin
     
  11. PiRi

    PiRi IG-Mitglied

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    Danke,

    das habe ich heute brauchen können.
     
  12. Hope2003

    Hope2003 Neues Mitglied

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    jetzt sitz ich mit Tränen in den Augen im Büro. Wo ist die Sonnenbrille :cool: ?

    Hab den Text natürlich auch gleich weitergeschickt. ;)

    Dankeschön!!!!!!!!
     
  13. Sabinerin

    Sabinerin Aktives Mitglied

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    Ich hole den Beitrag nach oben und möchte Euch allen ein wunderbares rosa Tütchen schenken......

    LG
    Sabinerin
     
  14. Britta1904

    Britta1904 Neues Mitglied

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    Vielen Dank,

    das sind wunderschöne Geschichten, die nachdenklich machen und sehr berühren.

    LG Britta
     
  15. Muckel1986

    Muckel1986 Neues Mitglied

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    Guten Tag zusammen,

    sind wirklich schöne Zeilen dabei. Möchte hier keine Werbund machen, aber "Das Märchen von der Traurigkeit" ist eine schöne Geschichte / Märchen und wurde von einer Frau geschrieben, die im sozialen Bereich arbeitet. (Aus diesem Grund kann ich auch nur den Link reinsetzten.)

    LG Muckel
     
  16. Sabinerin

    Sabinerin Aktives Mitglied

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    Ein rosa Tütchen für alle, die eins haben wollen :)

    LG
    Sabinerin
     
  17. puffelhexe

    puffelhexe Bärenmama von Pedro

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    hä????

    wie bitte was???
     
  18. enya

    enya Mitglied

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    Hallo,
    die Geschichte mit dem Update der Liebe finde ich besonders berührend, ist gerade auch mein Thema!

    Lieben Dank euch für die schönen Geschichten!!!
    Enya
     
  19. be-ta

    be-ta Neues Mitglied

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    Danke Sabinerin, ich neheme gerne ein Tütchen, muß meins wohl verlegt haben oder es hat sich aufgebraucht. Hatte meins mit vielen Geschichten, vorallem Lustigen gefüllt, die einem im Laufe der Zeit, des Lebens so passieren und sie immer rausgeholt, wenn`s mir so traurig war und schon konnte ich lachen und weiter ging`s.

    Die Geschichte "Update Liebe" gefällt mir auch. LG
     
  20. puffelhexe

    puffelhexe Bärenmama von Pedro

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    hhm. kommt, laßt mich nich dumm sterben.

    was habt ihr denn alle mit den rosa tütchen???