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Der Kurschatten

Dieses Thema im Forum "Kaffeeklatsch" wurde erstellt von Nixe, 17. Dezember 2003.

  1. Nixe

    Nixe Neues Mitglied

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    Der Kurschatten

    Lou hatte 'ne Ballonfigur,
    der Onkel Doktor riet zur Kur;
    drum fuhr sie nach Bad Reichenhall,
    ihr Hüftspeck galt als Härtefall.
    Trotz Schonkost, Sauna, Kräuterpillen
    ließen die Pfunde sich nicht killen.

    Selbst Wassertreten half nicht viel,
    fern lag das angestrebte Ziel;
    beim Wandern ward die Luft ihr knapp,
    am Abend sank sie müd' und schlapp,
    total erledigt in die Kissen,
    und anderntags ging's ihr beschissen.

    Ein neuer Kurgast reiste an,
    Sepp Guglhupf aus Hohentann.
    Lou war entflammt, als sie ihn sah,
    fühlte sich schon dem Himmel nah';
    Sepp stand auf mollige Kaliber,
    spürte ein wohlbekanntes Fieber.

    Sie wärmte sich an Guglhupf,
    fand nächtens bei ihm Unterschlupf.
    Er mühte sich um jedes Pfund,
    zur Klage gab es keinen Grund;
    nichts brachte ihr die Kuranwendung:
    Hier in der Koje lief die Sendung.

    Man tuschelte im Kurhotel,
    denn Lou verlor die Kilos schnell;
    die Wände gaben manches preis,
    den Zimmernachbarn wurde heiß;
    meist konnten die es kaum erwarten,
    bis nebenan Sprungfedern knarrten.

    Und dann war Heimfahrt angesagt,
    den beiden hat's nicht recht behagt,
    doch wollte man sich wiederseh'n,
    ein Jahr würde ja schnell vergeh'n.
    Der Hausarzt hüstelte verlegen,
    dies Kurhaus sei ein wahrer Segen.

    Es lauerte der Kummerspeck;
    Lou mampfte für den guten Zweck,
    sehnte sich nach Bad Reichenhall,
    wurde allmählich wieder prall.
    Der Doktor zog die Stirn in Falten:
    Die Kur hat nicht lang' vorgehalten.

    So stieg sie freudig in den Zug,
    der sie zu neuer Hoffnung trug;
    doch Glück gab's nicht ein zweites Mal.
    Beim Abendbrot im Speisesaal
    war zwar Herr Guglhupf zur stelle:
    leider mit Gattin Arabelle.

    Inge Schmitz
     
  2. Melisandra

    Melisandra immer auf der Suche...

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    auf dem Land
    Habe noch ein nettes Gedicht gefunden:

    Kurschatten


    Müde schleich ich durch den Park
    Geschwächt durch Knäckebrot und Quark;
    Die Füße sind so schwer wie Blei
    Als ob ich hundert Jahre sei.

    Vor Wochen war ich noch ganz munter,
    heut' rutschen mir die Hosen runter;
    verschwunden ist die Lebenskraft,
    alle Glieder sind erschlafft.

    Und was sonst mein ganzer Stolz,
    hängt nun an mir wie morsches Holz;
    zaghaft tret ich hinter'n Baum,
    ich traue meinen Augen kaum.

    Was einst in voller Blüte stand,
    liegt nun wie tot in meiner Hand.
    Ich wage nicht daran zu denken,
    mich irgendeiner Frau zu schenken.

    Von Lust und Liebe keine Spur:
    Das sind die "Schatten" einer Kur.
     

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