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Das Märchen von der traurigen Traurigkeit

Dieses Thema im Forum "Kaffeeklatsch" wurde erstellt von engel, 10. Dezember 2005.

  1. engel

    engel Petra aus Gelsenkirchen

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    Siegen
    [font=Times New Roman, Times, serif][size=+1][font=Georgia, Times New Roman, Times, serif]Diese Geschichte bekam ich im Krankenhaus geschenkt[/font][/size][/font]
    engel
    [font=Times New Roman, Times, serif][size=+1][font=Georgia, Times New Roman, Times, serif][/font][/size][/font]
    [font=Times New Roman, Times, serif][size=+1][font=Georgia, Times New Roman, Times, serif][/font][/size][/font]
    [font=Times New Roman, Times, serif][size=+1][font=Georgia, Times New Roman, Times, serif]Traurigkeit und Hoffnung - Das Märchen von der traurigen Traur[/font][/size][/font][font=Georgia, Times New Roman, Times, serif][size=+1]igkeit[/size][/font][font=Georgia, Times New Roman, Times, serif][size=+1]t [/size][/font]
    [font=Times New Roman, Times, serif][size=+1]
    Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg
    entlang kam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr
    Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen
    Glanz eines unbekümmerten Mädchens. Bei der
    zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah
    hinunter.

    Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im
    Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es
    erinnerte an eine graue Flanelldecke mit
    menschlichen Konturen. Die kleine Frau bückte sich
    ein wenig und fragte:
    "Wer bist du?"

    Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. "Ich? Ich
    bin die Traurigkeit", flüsterte die Stimme stockend
    und so leise, daß sie kaum zu hören war.
    "Ach, die Traurigkeit!" rief die kleine Frau erfreut
    aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.
    "Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit
    mißtrauisch.

    "Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast
    du mich ein Stück des Weges begleitet."
    "Ja, aber...", argwöhnte die Traurigkeit, "warum
    flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn
    keine Angst?"

    "Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe?
    Du weißt doch selbst nur zu gut, daß du jeden
    Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will:
    Warum siehst du so mutlos aus?"
    "Ich... ich bin traurig", antwortete die graue
    Gestalt mit brüchiger Stimme.

    Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr. "Traurig
    bist du also", sagte sie und nickte verständnisvoll
    mit dem Kopf. "Erzähl mir doch, was dich so
    bedrückt."

    Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal
    wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie
    sich das schon gewünscht. "Ach, weißt du", begann
    sie zögernd und äußerst verwundert, "es ist so, daß

    mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine
    Bestimmung, unter den Menschen zu gehen und für eine
    gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich
    zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten
    sich vor mir und meiden mich wie die Pest."

    Die Traurigkeit schluckte schwer. "Sie haben Sätze
    erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie
    sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter. Und ihr
    falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot.
    Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht. Und dann
    bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: Man muß sich
    nur zusammenreißen. Und sie spüren das Reißen in den
    Schultern und im Rücken. Sie sagen: Nur Schwächlinge
    weinen. Und die aufgestauten Tränen sprengen fast
    ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol
    und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen."

    "Oh ja", bestätigte die alte Frau, "solche Menschen
    sind mir schon oft begegnet."
    Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich
    zusammen. "Und dabei will ich den Menschen doch nur
    helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie
    sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu
    bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist,
    hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht
    wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde, und
    das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zuläßt
    und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine
    Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar
    nicht, daß ich ihnen dabei helfe. Statt dessen
    schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre
    Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus
    Bitterkeit zu."

    Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst
    schwach, dann stärker und schließlich ganz
    verzweifelt. Die kleine, alte Frau nahm die
    zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie
    weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und
    streichelte zärtlich das zitternde Bündel.
    "Weine nur, Traurigkeit", flüsterte sie liebevoll,
    "ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst.
    Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich
    werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht
    noch mehr an Macht gewinnt."

    Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete
    sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue
    Gefährtin: "Aber... aber - wer bist eigentlich du?"

    "Ich?" sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd, und
    dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein
    kleines Mädchen. "Ich bin die Hoffnung."
    [/size][/font]​
     
  2. SonjaW

    SonjaW Neues Mitglied

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    10. Juni 2005
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    danke

    Hallo Engel, danke für die schöne Geschichte. Passt gerade gut für mich, denn vor ein paar Tagen habe ich bemerkt, dass ich oft so eine leise Traurigkeit empfinde und sie immer überspiele und wegwische. Ich werde probieren, ihr mehr Platz und Raum zu geben.
    Ich hoffe, es geht Dir gut, und sende Dir viele Grüsse aus der Schweiz!
    SonjaW
     
  3. Biglia

    Biglia Nachtkatze

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    Hm, ich habe die kleine Geschichte schon öfter gelesen und jedesmal berührt sie mich, dennoch fällt es mir schwer die Traurigkeit zuzulassen. Aber nicht aus Angst vor ihr, sondern aus Angst, dass ich wieder in ein Loch falle und aus dem nicht mehr so schnell kommen kann.

    Schöne Weihnachtstage
    Biglia
     
  4. Tini2763

    Tini2763 Oberlausitzerin

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    Hallo Engelchen,

    hab viel an dich gedacht, aber nicht geschrieben. Wollte dir nicht auf den Wecker gehen. Das ist ein unheimlich schönes Gedicht, wirklich. Ich hab es mir gleich "gemopst" und in meinen Account bei Snapscouts kopiert.

    Ich glaube, wem es nicht wirklich einmal richtig dreckig ging, der versteht den tieferen Sinn nicht. Wir schon - oder? Meld dich mal, wenn du magst.
    :Vorsichtig drück.: