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Das Märchen von den sieben Zwergen

Dieses Thema im Forum "Kaffeeklatsch" wurde erstellt von Mehlinger, 16. Januar 2002.

  1. Mehlinger

    Mehlinger Guest

    .. die Mär vom Aufschwung

    Es waren einmal sieben Zwerge, die lebten hinter den sieben Bergen. Tag
    für Tag suchten sie im Bergwerk nach Gold. Jeder der Zwerge war
    rechtschaffen, fleissig und achtete den Anderen. Wenn einer von ihnen
    müde wurde, so ruhte er sich aus, ohne daß die Anderen erzürnten. Wenn
    es einem von ihnen an etwas mangelte, so gaben die Anderen bereitwillig
    und gerne. Abends, wenn das Tagewerk geschafft war, aßen sie einträchtig
    ihr Brot und gingen zu Bett. Am siebten Tage jedoch ruhten sie.

    Doch eines Tages meinte einer von ihnen, daß sie so recht nicht wüßten,
    wieviel denn geschafft sei und begann, die Goldklumpen zu zählen, die
    sie Tag für Tag aus dem Bergwerk schleppten. Und weil er so mit Zählen
    beschäftigt war, schufteten die Anderen für ihn mit. Bald nahm ihn seine
    neue Arbeit derart in Anspruch, daß er nur noch zählte und die Hacke für
    immer beiseite legte. Nach einer Zeit hob ein Murren an unter den
    Freunden, die mit Argwohn auf das Treiben des Siebten schauten. Dieser
    erschrak und verteidigte sich, das Zählen sei unerläßlich, so sie denn
    wissen wollten, welche Leistung sie vollbracht hatten und begann, den
    Anderen in allen Einzelheiten davon zu erzählen. Und weil er nicht
    erzählen konnte, während die Anderen hackten und hämmerten, so legten
    sie alle ihre Schaufeln beiseite und saßen am Tisch zusammen. So
    entstand das erste MEETING. Die anderen Zwerge sahen das feine Papier
    und die Symbole, aber schüttelten die Köpfe, weil sie es nicht
    verstanden.

    Es dauerte nicht lange und der CONTROLLER (denn so nannte er sich
    fortan!) forderte, die Zwerge, die da Tagein, Tagaus schufteten, mögen
    ihm ihre Arbeit beweisen, in dem sie ihm Zeugnis auf Papier ablegten
    über die Menge Goldes, die sie mit den Loren aus dem Berg holten. Und
    weil er nicht verstehen konnte, warum die Menge schwankte, so berief er
    einen unter ihnen, die Anderen zu führen, damit der Lohn recht
    gleichmäßig ausfiele. Der Führer nannte sich MANAGER und legte seine
    Schaufel nieder.

    Nach kurzer Zeit arbeiteten also nur noch Fünf von ihnen, allerdings mit
    der Auflage, die Arbeit aller Sieben zu erbringen. Die Stimmung unter
    den Zwergen sank, aber was sollten sie tun? Als der Manager von ihrem
    Wehklagen hörte, dachte er lange und angestrengt nach und erfand die
    TEAMARBEIT. So sollte jeder von ihnen gemäß seiner Talente nur einen
    Teil der Arbeit erledigen und sich spezialisieren. Aber ach! Das
    Tagewerk wurde nicht leichter und wenn einer von ihnen krank wurde,
    wußten die Anderen weder ein noch aus, weil sie die Arbeit ihres
    Nächsten nicht kannten. So entstand der TAYLORISMUS.

    Als der Manager sah, daß es schlecht bestellt war um seine KOLLEGEN,
    bestellte er einen unter ihnen zum GRUPPENFÜHRER, damit er die Anderen
    ermutigte. So mußte der Manager nicht mehr sein warmes Kaminfeuer
    verlassen. Leider legte auch der Gruppenführer, der nunmehr den Takt
    angab, die Schaufel nieder und traf sich mit dem Manager öfter und öfter
    zu Meetings. So arbeiteten nur noch Vier.

    Die Stimmung sank und damit alsbald die Fördermenge des Goldes. Als die
    Zwerge wütend an seine Bürotür traten, versprach der Manager Abhilfe und
    organisierte eine kleine Fahrt mit dem Karren, damit sich die Zwerge
    zerstreuten. Damit aber die Menge Goldes nicht nachließ, fand die Fahrt
    am Wochenende statt. Und damit die Fahrt als GESCHÄFTSREISE abgesetzt
    werden konnte, hielt der Manager einen langen Vortrag, den er in
    fremdartige Worte kleidete, die er von einem anderen Manager gehört
    hatte, der andere Zwerge in einer anderen Mine befehligte. So wurden die
    ersten ANGLIZISMEN verwendet.

    Eines Tages kam er zum offenen Streit. Die Zwerge warfen ihre kleinen
    Schaufeln hin und stampften mit ihren kleinen Füßen und ballten ihre
    kleinen Fäuste. Der Manager erschrak und versprach den Zwergen, neue
    Kollegen anzuwerben, die ihnen helfen sollten. Der Manager nannte das
    OUTSOURCING. Also kamen neue Zwerge, die fremd waren und nicht recht in
    die kleine Gemeinde paßten. Und weil sie anders waren, mußte auch für
    diese ein neuer Führer her, der an den Manager berichtete. So arbeiteten
    nur noch Drei von ihnen.

    Weil jeder von ihnen auf eine andere Art andere Arbeit erledigte und
    weil zwei verschiedene Gruppen von Arbeitern zwei verschiedene
    ABTEILUNGEN nötig werden ließen, die sich untereinander nichts mehr
    schenkten, begann, unter den strengen Augen des Controllers, bald ein
    reger Handel unter ihnen. So wurden die KOSTENSTELLEN geboren. Jeder sah
    voller Mißtrauen auf die Leistungen des Anderen und hielt fest, was er
    besaß. So war ein Knurren unter ihnen, daß stärker und stärker wurde.

    Die zwei Zwerge, die noch arbeiteten, erbrachten ihr Tagewerk mehr
    schlecht als recht. Als sich die Manager und der Controller ratlos
    zeigten, beauftragten sie schließlich einen UNTERNEHMENSBERATER. Der
    strich ohne die geringste Ahnung hochnäsig durch das Bergwerk und
    erklärte den verdutzten Managern, die Gründe für die schlechte Leistung
    sei darin zu suchen, das die letzten Beiden im Bergwerk verbliebenen
    Zwerge ihre Schaufeln falsch hielten. Dann kassierte er eine ganze Lore
    Gold und verschwand so schnell, wie er erschienen war.

    Während dessen stellte der Controller fest, daß die externen Mitarbeiter
    mehr Kosten verursachten als Gewinn erbrachten und überdies die
    AUSLASTUNG der internen Zwerge senkte. Schließlich entließ er sie. Der
    Führer, der die externen Mitarbeiter geführt hatte, wurde zweiter
    Controller.

    So arbeitete nur noch ein letzer Zwerg in den Minen. Tja, und der lernte
    in seiner kargen Freizeit, die nur noch aus mühsam errungenen
    abgebummelten Überstunden bestand, SCHNEEWITTCHEN kennen, die ganz in
    der Nähe der Mine ihre Dienste anbot. Dann holte er sich bei ihr den
    Siff und verreckte elendig. Die Firma ging pleite, die Manager und
    Gruppenführer und Controller aber fanden sich mit großzügigen Summen
    gegenseitig ab und verpissten sich, um der Anklage wegen Untreue zu
    entgehen, ins Ausland und diese deprimierende, aber wahrheitsgetreue Mär
    ist aus.
     
  2. Jutta Norden

    Jutta Norden Guest

    Ist auch gut geschrieben, habe es mit Abkopiert.
    Liebe Grüße Jutta
     
  3. ines

    ines Guest

    Hallo,
    danke für diese nette Unterhaltung , habe sogar geschafft es zu kopieren-Lieben Gruß - Ines