Hallo @ alle,
@ calacyra - du verallgemeinerst selbst ! Meine Erfahrung, auch aus meiner Arbeit heraus, ist nunmal das, was ich schrieb. Viele Menschen sehen Gesundheit als etwas Selbstverständliches an und fangen erst an, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, wenn sie in eine Krise geraten.
Ich lese ehrlich gesagt heute gar keine "Lebensratgeber" mehr, nicht, wie mein Kind wie "jedes Kind schlafen lernt", noch "wie ich mein Leben entrümpeln kann" usw.
Ich habe gelernt, meinem eigenen Verstand zu folgen und auch meinem Bauchgefühl. Dennoch frage ich mich manchmal, wie gewisse Emotionen, Unwohlsein, Schmerzen und Frustrationen im Kontext mit meinen Erfahrungen, meiner Psyche, meiner derzeitigen Situation usw. zusammen hängen. Ich sehe das nicht im Zusammenhang mit "Schuld", sondern als Entwicklung.
Ich habe mich mit vielen dieser Bücher beschäftigt, sie gelesen, darüber nachgedacht, teils empört, teils beeindruckt, teils gelangweilt oder belustigt. Jedem Menschen sollte offen stehen, wie er oder sie Dinge verarbeitet. Auch wenn es für Außenstehende destruktiv aussehen mag, ist es vielleicht für denjenigen heilsam, auch wenn man das nicht direkt sieht. Vielleicht führt der Weg ins Tal zu einem Punkt mit mehr Aussicht oder aber zu mehr Mut, den Aufstieg wieder zu wagen. Vielleicht muss man auch erst das Tal gesehen haben, um den Ausblick später wieder geniessen zu können.
In der Verarbeitung von "Krankheit" gibt es Stufen, Schritte, zu der auch mal Trauer, Wut, Depression, Resignation usw. gehören.
Interessant finde ich,dass Dahlkes Thesen hier sehr unter dem Aspekt der Schuld gesehen werden, ich denke, man muss das nicht so dicht an sich heranlassen, sondern als einen Aspekt sehen. Deine Schwiegertochter darauf "anzustossen", dass diese Thesen Ideen, Anreize - aber kein Rezept - sein können, wäre eine Möglichkeit. Im Christentum ist der Gedanke von "Schuld", "Strafe" und "Belohnung" VIEL stärker gegeben, das wird einfach hingenommen...
In der antroposophischen Medizin wird der Aspekt " was will meine Krankheit mir sagen" auch ganz stark betont. Nicht,dass man mich hier falsch versteht : ich teile diese Thesen nicht, aber ich gestehe sie anderen zu, und ich lasse sie ihre Erfahrungen machen.
Julika- Marie, ich sehe in dir kein "Schwiegermutter -Monster" - ehrlich gesagt, habe ich mir viele Gedanken gemacht und einfach ehrlich geantwortet - schade, dass du nicht auf meine Fragen eingehst. Wass willst du hören ? Ja, ich denke auch, es tut deiner Schwiegertochter nicht unbedingt gut, in ihrer Situation Dahlke zu lesen. Aber wenn DU ihr das sagst, tut ihr das genausowenig gut... ! Verstehst du ? Ich habe versucht, nachzuempfinden, was in deiner Schwiegertochter vorgeht. Ja, und ich kann verstehen, dass du dir Sorgen machst, wenn sie, wie du es nennst, "destruktiv" mit ihrer Erkrankung umgeht. Vielleicht entspricht das aber ihrem Wesen. Deine Einwände oder Tips können von ihr nicht wirklich als Hilfe verstanden werden, sie geben ihr vielmehr das Gefühl, "jetzt bitte den Schalter umzulegen" und wieder "lustig" zu sein. Wie, denkst du denn, sollte man damit umgehen, zu wissen, dass man chronisch krank ist, das die Schmerzen immer wieder kommen können, dass man müde ist, bevor der Tag beginnt, dass man weniger leistungsfähig ist, als Menschen gleichen Alters... da findet ein Abschied statt, ein Dahinscheiden des "alten Ichs" - und es gibt eine Trauerarbeit, und die kann dauern. Das Schlimmste, was einem in dieser Zeit passieren kann, sind Menschen um einen, die ständig guteTips, Zeitungsauschnitte, "Aufmunterungen" oder Mitleid parat haben.
Mein Anliegen war, dir aufzuzeigen, in welcher emotionalen Krise deine Schwiegertochter steckt und das Druck nicht hilfreich ist. Akzeptiere sie, wie sie (gerade) ist, und unterstütze sie im Alltag, sag ihr etwas Nettes, bau sie auf - und kritisiere nicht an ihr herum ! Denn : auch Ratschläge sind Schläge... ( wenn man nicht darum bittet ).
Herzliche Grüße an alle, Tina