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Cortison und Depressionen? / Weitere Therapietips??

Dieses Thema im Forum "Allgemeines und Begleiterkrankungen" wurde erstellt von susschen, 25. April 2008.

  1. susschen

    susschen Neues Mitglied

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    Liebe Rheuma-Online-Gemeinde,

    wieder mal suche ich Rat im Namen meiner Mutter! Sie hat letzten Winter im Alter von 73 den allerersten Rheumaschub ihres Lebens bekommen, sehr heftig und leider zunächst nicht adäquat behandelt. Ich hatte im Februar mal dazu geschrieben - und sage nochmals danke für die aufmunternden Worte!

    Nun ist sie bei einem Rheumatologen in Nürnberg in Behandlung, von dem sie einen guten Eindruck hat und gern hingeht, soweit man das von einem Arztbesuch sagen kann ;) Diagnose: Polymyalgia rheumatica.

    Unter Cortison (derzeit 7,5 mg täglich nach anfänglichen 10 mg, soll langfristig auf 5 mg runter) geht es ihr jetzt prinzipiell schon deutlich besser. Schulter-Arm-Schmerzen treten dennoch häufig in den frühen Morgenstunden auf, lassen sich aber mit Schmerzmitteln (Tramadol) gut in den Griff kriegen. Ibuprofen und Diclofenac verträgt sie leider nicht (Allergie).

    Das Cortison scheint nun allerdings bei ihr depressive Verstimmungen auszulösen: schlapp, niedergeschlagen, total appetitlos (bzw. Reingefülltes will schnell wieder zurück), mutlos und noch so etliche andere Losigkeiten dazu. Internetrecherchen haben mir erzählt, daß das gar nicht sooo selten zu sein scheint.

    Meine Mutter hatte in der Vergangenheit schon schlimme depressive Episoden, die durch zeitweilige Einnahme von Fluoxetin und längerdauernde Gesprächstherapie allmählich besser wurden. Es ging ihr so lange gut!

    Jetzt haut sie das alles „voll rein“, was der Rheuma-Genesung natürlich auch überhaupt nicht guttut. Sie ist Witwe und lebt allein. Zum Krankheitsgefühl des Rheuma mit Schmerzen, Kraftlosigkeit etc. kommt die psychische Schieflage in Einsamkeit, und das ist eine, Entschuldigung, beschissene Kombination, ein Teufelskreis.

    Gibt es Erfahrungen, Tips, Hilfestellung von Ihrer, Eurer Seite? Depression als Nebenwirkung von Cortison? Wie stünde es mit unterstützender Physiotherapie, Wassergymnastik etc. zur Schmerzlinderung und Entspannung und zum Kraftaufbau bzw. -erhalt? Akupunktur? Kann/darf der Hausarzt das verordnen angesichts der Rheuma-Diagnose?

    Ich sehe nämlich die Gefahr, daß durch zunehmende Unbeweglichkeit wegen Schmerzen und Depression die Kraft rapide nachläßt, die Sturzgefahr steigt (und eine künstliche Hüfte hat sie schon ...). Sowohl meine Schwester als auch ich leben weit entfernt und können daher nicht akut praktisch helfend da sein. Töchterliche Telefonseelsorge wird natürlich gern und häufig geboten!

    Wir freuen uns über jeden Rat und sagen schonmal dankeschön in die Runde!

    susschen
     
  2. Colana

    Colana Musikus

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    Hallo susschen,

    vielleicht solltest Du mit dem Hausdoc mal sprechen, dass sie wieder das Fluoxetin einnimmt u eine weitere Gesprächstherapie in Anspruch nimmt, denn sie muss ja auch die Schmerzen bewältigen... So richtig weiter weiß ich da auch nicht, nur diese Dinge sind mir eingefallen....

    Bei mir hat Cortison in hohen Dosen ab 60 mg u. a. Aggressivität zur Folge u Unruhe...

    Gute Besserung für Deine Mutter
    Viele Grüße
    Colana
     
  3. mandoline

    mandoline Neues Mitglied

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    Hallo Susschen! :)
    Ich habe auch Polymyalgia rheumatica. Die Depression die du beschreibst ist ganz typisch bei dieser Erkrankung. Ich bekomme dafür Cipralex 10 mg täglich.
    Zur Zeit muß ich täglich 15 mg Cortison einnehmen und gegen die Schmerzen Tramal 50 mg und Deflamat 75 mg. Ich kann dir nur von mir sagen , diese Erkrankung ist zeitweise die Hölle auf Erden, weil sie sehr, sehr starke Schmerzen verursacht, auch zeitweise Muskelschwäche, Kraftlosigkeit usw.
    Ich vesuche mich mit kurzen leichte spaziergängen und etwas lesen , Handarbeiten , autogenen Trainig abzulenken. Außerdem mach ich eine Psychotherapie. Auf der Kur hatte ich Therapie unter anderem wie lerne ich mit Schmerzen besser umzugehen. Und trotzdem bin ich manchmal ganz schön verzweifelt, ich bin erst 53 Jahre und habe auch eine Vaskulitis dabei die sehr starke Schläfenschmerzen verursacht. Ab jetzt was positives ich stricke gerade für meine Enkelkinder Puppenbekleidung . die ist nicht so schwer zum Heben und sie haben eine riesen Freude daran. Ich mache halt viele Pausen das lenkt ab. Ich wünsche dein Mama alles Gute. Liebe Grüße Mandoline
     
  4. Katjes

    Katjes Bekanntes Mitglied

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    hallo susschen,
    die nebenwirkungen können auch vom tramal kommen.
    das sollte vieleicht alles noch mal abgeklärt werden?evt.in einem krankenhaus oder einer reha-einrichtung,wo deine mutter auch kg und diverse andere anwendungen bekommen kann die ihr gut tuen und sie ist nicht allein,sondern da sind auch andere betroffene.
    liebe grüße
    katjes
     
  5. susschen

    susschen Neues Mitglied

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    Guten Abend,

    erstmal ein Dankeschön in die Runde!

    Hallo Katjes, das Tramal nimmt sie nur relativ selten; sie verkneift es sich meist. Bevor das Cortison eingesetzt wurde, brauchte sie davon (natürlich) mehr (täglich) und war insgesamt zwar schlecht drauf wegen der Schmerzen und der massiven Schwellungen, aber weniger "durchhängend". Daher glaube ich nicht unbedingt an einen Zusammenhang.
    Eine Kur, wegen Atemwegsgeschichten, hatte sie Ende letzten Jahres, in der Anfangszeit des Rheumaschubs. Die Doktors in der Kurklinik könnte ich heute noch sowas von in den Allerwertesten treten: die haben sie einfach mit ihren Schmerzen und geschwollenen Händen rumlaufen lassen, ohne Blutwerte zu nehmen und eine Therapie einzuleiten - außer Tramal ist nix passiert. So sind fast vier Wochen einfach verschenkt worden. Und zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich auch nicht Druck gemacht habe dort. Diagnostik etc. haben wir dann nach Ende der Kur erst alles angefangen. Insofern ist die Begeisterung für Reha-Einrichtung o. ä. momentan mütterlicherseits natürlich seeehr klein ...

    Hallo Colana, ja, an das Fluoxetin hatte ich auch schon gedacht. Andererseits hat es meine Schwester und mich damals fast zwei Jahre Überredung gekostet, bis meine Mutter bereit war, ein Antidepressivum einzunehmen. Sie gehört halt noch zu der Generation, die a) Depressionen für eine persönliche Schwäche/Schande hält und b) total Angst vor süchtigmachenden/dämpfenden Psychopharmaka hat. Der Leidensdruck war dann aber so dermaßen groß, daß sie das Medikament dann rund zwei Jahre lang genommen hat. Immerhin denkt meine Mutter nun darüber nach, zu einem Neurologen zu gehen, den sie in anderem, privatem Zusammenhang kennengelernt und sehr sympathisch gefunden hat - einfach mal alles bequatschen und dann weitersehen.

    Hallo Mandoline, was Du da schreibst, ist natürlich hochinteressant und aufschlußreich für mich! Meine Schwester hatte sich heute auch nochmal kundig gemacht und sozusagen zeitgleich herausgefunden, daß die Depressionen bei der Polym. rheum. zum Krankheitsbild gehören (können). Schmerz- und Krankheitsbewältigungsstrategien zu finden werden wir jetzt aktiv angehen! Hoffentlich ist besagter Neurologe (den ich persönlich nicht kenne) zugänglich in dieser Richtung. Rheumaliga steht auch noch auf dem Zettel, es gibt eine Gruppe vor Ort. Da ziepft die Mutter momentan noch, warum, ist mir allerdings nicht ganz klar ... ;) MIR hilft es immer, LeidensgenossInnen zu finden und zu sprechen!

    Nun wünsche ich allseits noch einen schönen Abend und ein gutes, schmerzfreies :):) Wochenende!
    Herzliche Grüße
    susschen
     
  6. Mücke

    Mücke Guest

    hallo susschen,

    dann kannst du ihr aber eher erzählen, dass ihr tramal süchtig macht und nicht das antidepressivum.diese haben kein suchtpotenzial.-zumindest theoretisch ;)
    da sie es einmal genommen hat, würde ich den schritt versuchen, dass sie es nochmal nimmt, zumal ihr ja offenbar nun etwas habt, was ihr ihr zu lesen geben könntet-eben das depresion unter umständen zu ihrer erkrankung gehören könnten ( wo henne und wo ei, ist im augenblick ja egal, sollte trotzdem behandelt werden)

    das sie sich bei rheumaliga etwas ziert mag vielleicht daran liegen, dass sie selber sich nicht als krank sehen möchte und schon gar nicht vor anderen????
    das könnt ihr aber besser beurteilen.

    eurer mutter alles gute und euch gutes gelingen bei zuspruch etc
     
  7. Arjuna

    Arjuna Neues Mitglied

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    Das Steroide depressive Verstimmungen machen kann steht auch im Beipackzettel. Ihr solltet darüber mit dem Rheumatologen sprechen. Hat sie beim Arzt ihre Vorgeschichte nicht erwähnt? Bei Patienten mit psychischen Erkrankungen in der Vorgeschichte sollte man Cortison mit Vorsicht geben-also ab zum Arzt und gemeinsam eine Lösung suchen.
    Ich nehme 5mg Cortison habe aber auch mal höhere Dosen genommen und hatte starke Stimmungsschwankungen darunter. Die meiste Zeit allerdings eher euphorisch. Das war auch recht anstrengen für meine Umgebung! ;-)

    Alles Gute euch!
    Arjuna
     
  8. susschen

    susschen Neues Mitglied

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    Hallo Mücke und Arjuna,

    auch Euch vielen Dank, daß Ihr Euch die Zeit nehmt!

    Jaha, das mit den (wohl/vielleicht) nicht süchtig machenden Antidepressiva und der Abhängigkeit vom Tramal, das weiß sie ... aber wissen und wahrhaben wollen, realisieren, ist wohl zweierlei.
    Beim Rheumatologen hat sie die Depressions-Vorgeschichte garantiert NICHT angesprochen (schämt sich - augenverdreh). Aber der nächste Termin steht Anfang Mai an, und dann werde ich ihr vorher nochmal ins Gewissen reden.

    Den Cortison-Beipackzettel hab ich halt nicht hier, beamen über 700 Kilometer mag immer noch nicht funktionieren :mad:. Sonst wär ich vielleicht auch eher auf den Trichter gekommen.

    Arjuna, wie läuft es bei Dir jetzt mit der 5mg-Dosis? Ist Dein Nervenkostüm diesbezüglich wieder im Lot? Das wäre ja z. B. was Aufmunterndes, was ich meiner Mutter erzählen könnte! Ein bissl Euphorie ist ja nett, aber zuviel ist auch bei guten Sachen einfach doch zuviel ...

    Das Rheumaliga-Zieren hat wohl noch einen anderen Hintergrund: ich habe mich erinnert, daß bei einer Unterhaltung über eine junge Verwandte, bei der Morbus Crohn diagnostiziert worden war, von meiner Mutter das Argument kam, Selbsthilfegruppen würden die Leute doch nur runterziehen, weil man dann "ja bloß noch Kranke um sich hat". Kann das jemand aus der Runde hier bestätigen?!?

    Ich werde die gesammelten guten Ratschläge und Wünsche weitergeben (u. ev. auch nochmal um Rat und Hilfe fragen - aber vielleicht lieber im Angehörigen-Teil des Forums?), vielen herzlichen Dank Euch allen!

    susschen
     
  9. Ruth

    Ruth Bekanntes Mitglied

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    hallo, susschen!

    wegen der selbsthilfegruppe: ich denke, das muss man einfach mal ausprobieren. es kommt ja immer drauf an, was dort für menschen sind, ob sie "einem liegen", ob man sich dort wohlfühlt, dann kann solch eine selbsthilfegruppe gut tun. vielleicht mag deine muttter einfach mal da vorbeischauen?
    viele grüsse und alles gute für deine mutter,
    ruth
     
  10. Lavendel14

    Lavendel14 Die Echte ;)

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    Hallo Susschen!

    Zuerst möchte ich mich dem, was Ruth schrieb, anschließen.
    Mein Vater hatte Darmkrebs und ist seither in einer Selbsthilfegruppe aktiv. Dort wird sich nicht nur über die Krankheit und diverse Hilfsmöglichkeiten ausgetauscht, auch der Spaß mit diversen Ausflügen wie Dampferfahrten oder ein Theaterbesuch gehören genauso dazu.
     
  11. Arjuna

    Arjuna Neues Mitglied

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    Mit den 5mg Cortison fühle ich mich nicht mehr ganz so, als ob mich jemand "aufgezogen und losgelassen" hat. Dafür hab ich jetzt ganz schlimmen Hunger. Eigentlich sagt man immer, daß 5mg Cortison fast keine Nebenwirkungen hätten, aber ich könnte den ganzen Tag essen! Leider habe ich mit der geringeren Cortisondosis auch wieder mehr Schmerzen. Aber insgesamt muss ich schon sagen, daß sich mein Zustand unter Cortison sehr verbessert hat und ich ganz zufrieden bin. Deine Mutter sollte auf jeden Fall in Ruhe mit ihrem Arzt sprechen, eine Selbsthilfegruppe könnte eine gute Lösung sein. Auf keinen Fall sollte sie das Cortison einfach so absetzen!!!!! Alles Gute für euch!
     
  12. susschen

    susschen Neues Mitglied

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    Hallo in die Runde,

    dankeschön für Euren Rat!

    Rheumaliga kommt gar nicht gut an ... das hatte ich gestern nochmal angesprochen. :(
    Das Cortison nimmt sie aber "brav" und denkt gottlob auch nicht darüber nach, es eigenmächtig abzusetzen. Dafür waren die Schmerzen vorher zu heftig und die Erleichterung jetzt ist doch sehr groß. Es hilft ja, das Teufelszeug - aber es ist doch irgendwie die Wahl zwischen Pest und Cholera ... das zeigt ja auch Dein Beispiel wieder, Arjuna.

    Viele Grüße
    susschen
     
  13. kitty0609

    kitty0609 Schnucki macht Picknick!

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    Boah, wenn ich eine hohe Dosis Corti, ich rede von 100mg, brauche und dann ausschleichen muss, dann werde ich aggressiv.
    Also, ich meine richtig aggressiv. Bei der kleinsten Kleinigkeit raste ich dann aus. :mad::mad:Ich bemühe mich immer, dass ich gelassen bleibe, aber es klappt zu dieser Zeit einfach nicht. Da hilft mir nur das meditieren.
    Gott sei Dank brauch` ich nur 1 - 3 mal im Jahr diese Dosis. Depressive Verstimmungen kenne ich auch, aber nicht so schlimm.
     
  14. nome

    nome Neues Mitglied

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    Das Problem mit den Depressionen und den schweren Medikamenten hatte ich auch schon des öffteren. Als unwissender stellt man sich wirklich die Frage, welche Möglichkeiten es sonnst noch gibt.

    Ich bin zu einem alternativen Arzt gegangen (obwohl ich nicht zu 100% begeistert bin von alternativer Medizin) und dieser hat mir empfeholen anstelle der harten Medikamente mal Johannisbeerkraut gegen meine Probleme zu nehmen.... Leider hilft das Kraut grundsätzlich gegen leichtere Probleme bzw. länger anhaltende. Siehe auch http://www.tutgut.at/depressionen/ bzw. http://www.web4health.info/de/answers/bipolar-hypericum-treat.htm

    schau unter dem Punkt Behandlung oder unter wirkung.

    Als Resüme kann ich aus meiner Erfahrung nur im Positiven berichten.
    Das Kraut hilft :a_smil08:

    Hat sonnst noch jemand alternative Tipps, was man nehmen kann gegen Depressionen außer die harten Medikamente?