Corona: Risikogruppe und Systemrelevant

Dieses Thema im Forum "Arbeit und Allgemeines" wurde erstellt von Mondkalb, 12. April 2020.

  1. Mondkalb

    Mondkalb Neues Mitglied

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    Hallo zusammen,

    Ich bin Gesundheits- und Krankenpflegerin und arbeite im Intensivbereich. In der aktuellen Lage mit Corona, werde ich früher oder später leider Kontakt mit einem Covidpatienten haben.
    Ein mulmiges Gefühl bleibt natürlich an der Tagesordnung, weil ich MTX s.c. und Hulio s.c spritze und somit selbst zur Risikogruppe zähle.
    Leider lässt die Fürsorgenpflicht durch den Arbeitgeber und der Betriebsmedizin sehr zu wünschen über. Morgen werden wohl von uns Abstriche genommen und dürfen danach natürlich weiter arbeiten.
    Die Situation bei uns in der Klinik ist aktuell recht Chaotisch und fast täglich gibt es neue Forschriften etc. .
    Meine Stationsleitung versucht es irgendwie dass ich aktuell keine Covid Patienten betreuen muss, wobei das auf lange Sicht nicht funktionieren wird. Dabei muss ich sagen, dass mir diese bekannten Fälle weniger Angst bereiten, als die, welche erst im Verlauf des Aufenthalts Symptome entwickeln und man sie anfangs ohne ausreichenden Schutz betreut, oder die Kollegen und Kolleginen welche Covid positiv sind und weiter arbeiten müssen weil sie keine Symptome zeigen und oder nicht getestet werden von der Betriebsmedizin weil sie keine Symptome zeigen. Selbst wenn mich die Stationsleitung vorübergehend auf eine andere Station versetzen würde, würde es keinen Sinn machen, da auch die Normalstationen regelrecht verseucht sind (Mitarbeiter, Ärzte und Patienten).

    Gibt es hier im Forum auch noch betroffene wie mich? Wie wird es bei euch gehandhabt.
    Ich verstehe ja dass das Personal gebraucht wird, aber man fühlt sich ehrlich gesagt schon dermaßen ans Gesundheitssystem verbraten, dass es nicht mehr feierlich ist. Vor allem wenn so gar keine Rückmeldung von der Betriebsmedizin kommt, die man übrigens aktuell auch telefonisch nicht erreichen kann.

    In zwei Wochen habe ich einen Termin bei meiner Rheumatologin der hoffentlich statt finden wird. Ich bin schon gespannt was sie von der ganzen Geschichte hält und wie sie die Situation einschätzt. Ich hab allerdings schon überlegt ob ich mich nach Ostern direkt bei ihr telefonisch melde. Wie würdet ihr es handhaben?
    Ich möchte jetzt nicht so rüber kommen als wolle ich ne extra Wurst, ich liebe meinen Job, aber in der aktuellen fühle ich mich gerade schon sehr unsicher.

    Schon mal lieben Dank für eure Rückmeldung.

    Viele Grüße,
    Stephie
     
  2. allina

    allina Bekanntes Mitglied

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    Liebe Stephie,

    die Situation in deiner Klinik ist nicht chaotisch, sondern verantwortungslos. Positiv geteste Krankenpfleger weiter arbeiten zu lassen ist in dieser situation eine Straftat. Ich bin keine Juristin. Aber hier in Berlin und wahrscheinlich auch woanders bekommen Menschen, die sich wiederholt nicht an die Ausgangsbeschränkungen halten eine Strafanzeige.

    Der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass dann der Einsatz von auf Corona positiv getesten Krankenpfleger wahrscheinlich mindestens eine gefährliche Körperverletzung darstellt.

    Selbst, wenn der Grund hierfür Personalmangel ist. Denn infiziertes Personal steckt nicht nur Pateinten, sndern auch andere Kollegen an.

    Ich nehme an, dass dies auch der Grund für das Abtauchen der Betriebsärzte ist. Sie wollen nicht dafür mit zur Verantwortung gezogen werden. Also ziehen es sie wahrscheinlich vor nichts mitgeteilt zu bekommen.

    Wende dich an den Betriebsrat und teile ihm oder ihr mit wie verantwortungslos mit der Gesundheit des Personals umgegangen wird. Erkläre ihm deine gesundheitliche Situation und dass du als Hochrisikopatient in jedem Fall die gesamte Arbeitszeit geeigneten Schutz, wie Maske, Schutzkittel etc. brauchst.

    Man kann unmöglich von dir verlangen, dass du wegen fehlender Schutzkleidung dein Leben aufs Spiel setzt. Denn unter MTX, das weißt du besser als ich, bist du einem großen Risiko ausgesetzt.

    Und du brauchst keine Angst vor Abmahnungen, Entlassung etc. haben.

    Erstens ist das nicht so einfach. Du würdest bei dieser verantwortunglosen Pflegedienstleitung jeden arbeitsrechtlichen Gerichtsverfahren gewinnen und zweitens findest du bei dem Krankenpflegermangel jederzeit woanders eine Stelle.

    Also nur Mut und trete für deine Gesudheit ein!

    Alles Liebe

    allina
     
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  3. Resi Ratlos

    Resi Ratlos Registrierter Benutzer

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    allina,

    ich gäbe dir Recht, wenn das so wäre. Kann ich aber Mondkalbs Beitrag nicht entnehmen, dass konkret positiv getestete Pflegekräfte weiter arbeiten.
    Vielmehr verstehe ich sie so, dass sie von potenziell positiven, aber (noch) symptomlosen Mitarbeitern und Patienten spricht, mit denen sie es zu tun haben könnte oder bei denen sie das für die Zukunft vermutet.

    Vielleicht klärt Mondkalb uns ja auf ;)
     
    #3 12. April 2020
    Zuletzt bearbeitet: 12. April 2020
  4. Maine Coonchen

    Maine Coonchen Registrierter Benutzer

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    Ich habe vor ein Paar Tagen im Fernsehen; fragt nicht wo; habe es vergessen, obwohl die Auswahl ist bei mir auf die rechtlichen beschränkt, eine sehr gute Sendung gesehen bzw. gehört.
    Es ging darum; ob der Staat insoweit in die Persönlichkeitsrechte des Pflegepersonals eingreifen darf, dass Personal gezwungen werden kann a). als positiv getestete Person ohne Symptome weiter arbeiten zu müssen und b) ob man sich weigern kann. Es wurde dort sehr deutlich gemacht, dass Infizierte ohne Symptome ein absolutes Risikopotential darstellen und wenn der Arbeitgeber davon weiß und trotzdem einen zwingen möchte mit Schutzkleidung zu arbeiten, ein extrem hohes Risiko für Patienten eingeht und er somit fahrlässig handelt. Zumal ja mehrere Teste notwendig sind bis man als infiziert aber gesund gilt. Die Aussage war, man ist ja infiziert und somit arbeitsunfähig geschrieben und muss nicht arbeiten gehen. Zu dem anderen Thema hab ich nicht alles mitbekommen.

    An deiner Stelle würde ich einen Termin mit der oberen Personalleitung machen und eine Zeugin von der Interessenvertretung MAV oder Betriebsrat mitnehmen. Und diesen auf seine Fürsorgepflicht deinerseits als Angehörige einer Risikogruppe aufmerksam machen. Dieses auch am besten schriftlich und wie er gedenkt dich zu schützen. Wenn du schwerbehindert bist hat er nochmals auf besonderen Schutz zu achten. Ich würde darauf bestehen; dass er dir dann diese Aussagen auch schriftlich gibt, egal ob besondere Hygiene oder Schutzvorschriften und auch das du das ausreichte Schutzmaterial erhältst und nur damit arbeiten wirst. Meistens knicken sie ein, wenn sie wenn du erstens schriftlich auf deine besondere Lage hinweist und du dieses als Bestandteil deiner Personakte haben möchtest und noch ungerader geben sie dir schriftlich dass sie obwohl sie von deinem Risiko wissen, Arbeitsanweisungen, weil sie wissen, das der Schuss für sie juristisch auch zurück gehen kann.
    Ich kann kaum glauben, dass positiv getestete Personen noch arbeiten, da diese sich krankschreiben lassen können bis zum Nachweis. Das hört sich wie in einem Horrorfilm an! Und wenn es so ist, sollte man die Presse oder das Gesundheitsamt einschalten!!!
     
  5. Mondkalb

    Mondkalb Neues Mitglied

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    Hallo ihr Lieben,

    es ist tatsächlich so, und auch von der Regierung so vorgeschrieben, dass Pfelgepersonal welche positiv getestet sind, aber SYMPTOMLOS sind, weiter arbeiten müssen bis sie Symptome entwickeln. Bei uns im Haus ist es so geregelt dass du dann eine FFP3 Maske tragen musst und weiter arbeiten "darfst". Natürlich kommen dann noch die ganzen anderen symptomlosen, nicht getesteten, Mitarbeiter und Patienten, als Risiko dazu. Wir müssen zwar alle die einfachen Chirugischen Masken und Augenschutz bei der Arbeit tragen, aber jeder weis dass diese nicht aussreichend Schützen können.
    Derzeit haben wir noch ausreichende Schutzkleidung vorhanden. Am Covid Patienten müssen wir verständlich volle Montour auffahren, aber am Rest arbeitet man eben nur mit Augenschutz und den einfachen Masken.
    Aktuell ist die Lage auf den Intensivstationen auch noch halbwegs händelbar, das liegt aber mitunter auch leider daran, dass sämtliche Covid Patienten schneller sterben als das man was tun könnte. Die meisten sind zwar uralt und massiv vorerkrankt, aber die Patienten die es auf Intensiv schaffen sind halt doch eher die jüngeren bis mittelalten (30 - 60), welche wirklich sehr schwere Verläufe haben. Selbst ein Teil dieser Patienten stirbt. Es wäre gelgogen wenn ich sagen würde ich hätte keine Angst zu erkranken.

    Heute morgen sind wir, die Nachtdienstbesetzung, getestet worden und bekommen dann hoffentlich in zwei Tagen bescheid. Diese Tests für unsere Mitarbeiter sind jedoch nicht von der Betriebsmedizin angeordnet sondern von der Anästhesiologischen Chefärztin welche den Intensivbereich mit leitet. Diese Tests sind jedoch auch mit vorsicht zu genießen da es viele falsch-negative Ergebnisse gibt, weil zum Zeitpunkt der Abnahme die Viruslast noch zu gering ist. Davon abgesehen, wenn ich heute negativ bin kann übermorgen schon positiv sein.

    Das mit unserem Betriebsrat ist leider so ne Sache. Wenn es hart auf hart kommt steht der Betriebsrat leider in keinster weise hinter einem. Da sind leider sämtliche Stationsleitungen und Pflegedienstleitungen zu eng mit dem Betriebsrat. Unsere stellvertretende PDL sitzt da leider auch direkt mit im Betriebsrat. Einer meiner Stationsleitungen sieht das ganze auch eher als "nuja was soll ich machen, wir bekommen es eh alle!" Nur ist es natürlich was anderes, es nur zu bekommen, als ständig dieser massiven Viruslast ausgesetzt zu sein. Da höchstwahrscheinlich eine höhere Viruslast auch zu schwereren Verläufen führt.
    Angst vor einer Kündigung hab ich ehrlich gesagt nicht. Selbst wenn es dazu käme, hätte ich mit meinen Qualifikationen sehr viele offene Türen.
    Viele meiner Kollegen sind auch der Meinung dass ich zu Hause bleiben sollte. Nur ist das einfacher gesagt als getan.

    Ich denke ich werde nächste Woche schon vorzeitig meine Rheumatologin anrufen und nachfragen wie sie die Situation einschätzt.


    Schöne Ostern euch.
     
  6. Tusch

    Tusch Registrierter Benutzer

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    @Mondkalb .. ich habe dir eine PN geschickt...
     
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  7. allina

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    Mondkalb,

    ich bin mir ziemlich sicher, dass dies eine Straftat darstellt.
     
  8. allina

    allina Bekanntes Mitglied

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    Hallo Stephie,

    such dir einen Arzt, der dich krankschreibt, egal welchen. Und ehrlich gesagt würde ich an deiner Stelle diese verantwortungslosen Zusrände öffentlich machen.
     
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  9. Mondkalb

    Mondkalb Neues Mitglied

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    Hallo,
    die RKI empfiehlt das ganze sogar. Das ist ein Bildausschnitt von der Seite des RKI.
    sd.PNG
    Hier ist noch der Link zum Auschnitt:

    Die ganze Sache hat nur einen Haken, nämlich den, das es jetzt schon nicht funkitoniert Verdachtsfälle und nicht infizierte getrennt zu betreuen. Klar man trängt Schutzausrüstung, aber Optimal ist es nicht. Zudem finde ich es auch etwas fragwürdig wenn Personal welches kaum Symptome zeigt, schwerst Betroffene betreuen muss und sich noch zusätzlich, durch die höhere Virenlast, in Gefahr bringen muss. Man gießt ja auch kein Öl ins offene Feuer.

    Mein Abstrich war im Übrigen negativ. Ich bin gespannt ob das jetzt eine einmalige Sache war oder ob sie jetzt regelmäßig das Personal testen.

    lg
     
  10. Resi Ratlos

    Resi Ratlos Registrierter Benutzer

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    Mondkalb, das ist aber eine ganz andere Sache als das, was du vorhin beschrieben hast: Erkältungssymptome sind nicht gleichzusetzen mit positiv getesteten, also nachweislich coronainfizierten Mitarbeitern. Die sind meines Wissens nach wie vor von jeglicher Patientenversorgung ausgeschlossen und gehören in mindestens 2-wöchige häusliche Quarantäne.

    Eine solche Regelung oder gar Anordnung - dass Infizierte auch weiterhin Patienten in einschlägigen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Pflegeheimen versorgen sollen oder gar müssen - ist zumindest mir bisher nicht bekannt und würde jeglichen Bemühungen der Infekteindämmung widersprechen.

    Die "absoluten" Ausnahmen sind bisher in Deutschland nicht eingetreten und betreffen als ultima ratio den totalen Versorgungsengpass, und auch da kann niemand gezwungen werden......die Betroffenen sind dann nämlich üblicherweise krank geschrieben.
    Wie es sich mit den Betroffenen verhält, die die Infektion hinter sich haben, ist ein anderes Thema.
     
    #10 13. April 2020
    Zuletzt bearbeitet: 13. April 2020
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  11. Mondkalb

    Mondkalb Neues Mitglied

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    Hallo Resi,

    stopp, schau dir die Grafik genau an. Unten links steht definitv SARS-Cov-2- positives Personal und so wird es uns auch in der Arbeit gepredigit.
    Hier nochmal die Grafik:

    makiert.PNG
    Da ist nichts an den Haaren herbei gezogen. Ich hab auch sehr viele Freunde in der Pflege, welche in anderen Häusern arbeiten, dort wird gleiches berichtet.
    Mal davon abgesehen dass in Bayern der Katastrophenfall ausgerufen wurde und diese Regelung somit gültig sind. Der relevante Personalmangel ist auch Auslegungssache. Wir haben z.b auch schon ohne Corona am limit und unterhalb vom Stellenschlüssel arbeiten müssen, deshalb wird es sehr schnell passieren dass der Arbeitgeber das Prozedere des relevanten personalmangel einsetzen wird. Ob das die Mitarbeiter so mit machen steht natürlich auf einen anderen Blatt.
     
  12. Resi Ratlos

    Resi Ratlos Registrierter Benutzer

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    Mondkalb, ich habe die Verordnung gelesen: covid-19-positives Personal = KEINE Versorgung von Patienten bzw. ausschließliche Versorgung von covid-betroffenen Patienten im absoluten Ausnahmefall.
    Die grundsätzliche Wiederaufnahme der Tätigkeit im Regelbetrieb ist klar definiert und gibt die Arbeit für geheilte Kräfte frei - wieso auch nicht?

    Du musst vorher 2 Tage symptomfrei sein UND 2 negative Abstriche haben.
    Dann gibt es m. E. keinen Grund, nicht in einem systemrelevanten Betrieb zu arbeiten. Gerade die geheilten Pflegekräfte sind ja höchstwahrscheinlich die, die am wenigsten Risiko haben, sich UND Andere zu infizieren, da bereits immunisiert.
    Die Pandemie ist kein Grund, jemanden dauerhaft von der Arbeit am Patienten freizustellen - DAS ist es nämlich, was systemrelevant auf Dauer nicht gehen wird.

    Aktiv positive Betroffene *edit: gemeint sind damit Pflegende mit positivem Test UND Symptomen * sind von der Regelung nicht betroffen, sondern gehen weiterhin in Quarantäne, sobald der Test die Infektion belegt hat.
    Dass das ein Grund für manche ist, sich gerade NICHT testen zu lassen, ist eine gänzlich andere Angelegenheit und müssen wir hier nicht diskutieren.
     
    #12 13. April 2020
    Zuletzt bearbeitet: 13. April 2020
  13. Mondkalb

    Mondkalb Neues Mitglied

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    Hallo,

    Das mit der Immunität ist auch so eine Sache die noch nicht 100% sicher ist. Davon abgesehen gibt es viele Fälle in dem erst positive Personen, negativ getestet worden sind und später dann wieder positiv waren. Das hängt mit unter aber auch daran dass die Viruslast erstmal abfallen kann und sich später nochmal aufbaut. Und da seh ich den Knackpunkt, weil man dann wieder die nicht infizierten Patienten betreuen kann, nach diesen Richtlinien.

    Ich rede auch nicht davon dass man die Leute dann dauerhaft von der Arbeit weg halten soll, aber keiner meiner Kollegen würde, falls sie positiv wären und Symptomlos, weiter die Patienten betreuen wollen.

    Aber darum ging es eig. ursprünglich auch nicht direkt. Ich wollte lediglich Erfahrungsberichte wie es in anderen Häusern gehandhabt wird wenn man eig. selbst zur Risikogruppe gehört.

    Meine Stationsleitung versucht mich erstmal vom direkten Kontakt mit Covid Patienten fern zu halten. Man darf nur nicht vergessen dass Patienten jederzeit im Verlauf Symptome entwickeln können und sich rausstellt das sie Covid positiv sind, und genau das finde ich eig. das problematische wenn man selbst zur Risikogruppe gehört. Letztens wurde eine Normalstation dicht gemacht, weil sämtliche Pflegekräfte und Ärzte positiv waren und auch Symptome hatten. Die Patienten waren natürlich zum Großteil auch infiziert.

    Lg
     
  14. anurju

    anurju anurju

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    Liebe Mondkalb - leider oder zum Glück kann ich keine Erfahrungen beitragen - möchte aber kurz schreiben, wie schwierig ich deine Situation finde und mit welcher Bewunderung ich sehe, wie verantwortungsbewusst du dich damit auseinandersetzt.
    Ich halte die Maßnahme deiner Stationsleitung auch für sehr schwer durchführbar... und hoffe sehr, dass es bald klarere Vorschriften gibt, die auch Risikogruppen betreffen.
    Mir stellt sich in einer Woche auch die Frage, ob ich meinen ziemlich riskanten Beruf (extrem viele verschiedene Menschenkontakte - kaum durchführbare Abstände...) unter Biologika- und Coritsontherapie wirklich ausüben kann... (aktiell habe ich Urlaub)
    Muss ich dringend mit meinen Ärzten besprechen...
    Gut, dass du morgen deinen Rheumadoc anrufst - vielleicht hat er dazu eine klarere Einschätzung.
    Meine hat (als die Krise begann) mir zunächst geraten, die Biologika-Einnahme zeitlich etwas zu strecken und zur Not mit Cortison abzufedern (was ich erstaunlich finde, weil gerade Cortikoide ja wohl etwas heikel in Bezug auf Infekte sein können...) - ist aber alles kein Vergleich mit deiner Situation in unmittelbarer Begegnung und direktem Körperkontakt mit potentiell Erkrankten.
    Mein erstes Bauchgefühl sagte: du musst für diese Zeit in eine andere Funktion versetzt werden - nur wohin?
    Ich drücke die Daumen und fände toll, wenn du uns weiter berichtest...
     
  15. Resi Ratlos

    Resi Ratlos Registrierter Benutzer

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    Abschließende Bemerkung meinerseits, dann bin ich raus:

    1. Davon ist zurzeit wirklich keine Rede.

    2. Es können nicht nur Patienten, sondern grundsätzlich ALLE bisher unauffälligen Menschen im Verlauf Symptome entwickeln, und das beschränkt sich auch nicht auf Gäste oder Mitarbeiter in medizinischen Einrichtungen. Hundertprozentige Immunität und garantierte Sicherheit kann es bei keiner Erkrankung und auch mit keiner anderen Maßnahme geben.
     
  16. allina

    allina Bekanntes Mitglied

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    Hallo Mondkalb,

    wie gesagt der Einsatz positiv getester Krankenpfleger, auch wenn symptomlos, in der Krankenpflege ist ganz sicher eine Straftat. Deshalb ist es nicht nur verantwortungsvoll, sondern geradezu eine Pflicht, dass positiv geteste Krankenpfleger sich weigern weiter zu arbeiten bis sie zumindest 2-3 Mal hintereinander negativ getestet wurden.

    Ich denke, dass dies auch eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung nicht möchte.

    Es ist auch niemandem zu vermitteln, dass Verstöße gegen das Kontaktverbot wie mehr als 2 nicht in einem Hausahlt lebenden Personen mit 200 Euro pro Person geahndet werden und in der Krankenpflege und sogar auf Intensivstationen positiv geteste Krankenpfleger tätig sind.

    Das gefährdet die Gesundheit aller, die der Krankenpfleger, die der Patienten und die der gesamten Bevölkerung.

    Ich kann gut nachvollziehen, dass dich diese verantwortunglosen Zustände in deinem Krankenhaussehr besorgen und stark verunsichern.

    Und die Argumentation der Stationsleitung, dass ihr euch eh alle antecken werdet und deshalb eine Herausnahme der positiv getesten Krankenpfleger nicht notwendig sei, ist der Gipfel der Verantwortungslosigkeit!

    Das würde wohl jeden sehr besorgen. Und in deinem Fall kommt noch hinzu, dass du selbst ein Hochrisikopatient bist.

    In jedem Fall musst du jetzt zumindest für dich sorgen. Wie gesagt, ich würde an deiner Stelle mir einen Arzt suchen, der dich krank schreibt. So hättest du etwas Zeit über eine Lösung nachzudenken.

    Als Intensivkrankenpflegerin hast du ja vielfältige berufliche Möglichkeiten. Es besteht z.B. ein großer Mangel an Intensivkrankenschwestern in der ambulanten Pflege. Es gibt ja nicht wenige Pflegebedürftige, die zuhause beatmet werden und einer solchen qualifizierten Fachkraft bedurfen oder auch anderer Schwerstpflegebedürftiger, die auch eine hochqualifizierter Fachkraft bedurfen.

    Eine Cousine pflegt als Krankenschwester eine solche Schwerstpflegebedürftige. Und pflegt diese Patientin fest seit 2 Jahren, also immer nur diese Patientin.

    Ich habe gestern mit ihr telefoniert.

    Dieser Pflegedienst lässt regelmäßig seine Pflegekräfte testen und zieht konsequent die Pflegekräfte raus, die positiv getestet werden, auch die symptomlosen Kräfte.

    Und setzt sie erst wieder ein, wenn sie 2-3 mal hintereinander negativ getestet wurden.

    Das wäre vielleicht eine Möglichkeit für dich. Das Risiko sich anzustecken wäre weitaus geringer.

    Und ich wollte dir nochmals dafür danken, dass du zumindest uns über diese verantwortungslosen Zustände informiert hast.

    Mir stellt sich jetzt allerdings die Frage, ob das ein Einzelfall darstellt oder ob dies auch in anderen Krankenhäusern so verantwortungslos gehandhabt wird.

    Es wird sich wahrscheinlich erst dann etwas grundsätzlich daran ändern, wenn große Teile der Öffentlichkeit das erfährt.

    Dir wünsche ich viel Kraft und dass du sorgsam mit dir selbst umgehst.

    Und nur Mut, denn wie gesagt, als krankenschwester hast du vielfältige Möglichkeiten.Du brauchst vor einer beruflichen Veränderung wirklich keine Angst zu haben!

    Alles Liebe

    allina
     
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