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Brief an meinen Rheumatologen

Dieses Thema im Forum "Allgemeines und Begleiterkrankungen" wurde erstellt von VerenaHH, 4. Juni 2007.

  1. VerenaHH

    VerenaHH KrankeSchwester

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    Sehr geehrter Herr Professor ..............,

    ich habe meinen letzten Termin bei Ihnen nun fast eine Woche verdaut. Leider stößt es mir noch immer sehr übel auf und ich möchte mich Ihnen hiermit mitteilen.

    Angefangen mit der Tatsache dass Sie nicht meine Informationen auf Ihrem Bildschirm hatten, sondern die der Patientin vor mir, deren Daten standen dann auch auf meinen sämtlichen von Ihnen ausgedruckten Überweisungsscheinen, was Ihnen eine Ihrer Mitarbeiterinnen gerne bestätigen wird.

    Ich krieche am morgen auf allen vieren aus dem Bett. Ich bekomme mich nur unter Schmerzen an- und wieder ausgezogen. Ich habe körperlich kaum die Kraft eine Flasche Mineralwasser zu öffnen. Ich schwitze in Sturzbächen. Ich habe ca. fünf mal täglich Schüttelfrost. Mir ist vierundzwanzig Stunden am Tag schwindelig. Am gesamten Körper erlebe ich ununterbrochen Missempfindungen. Ich habe eine Fußpilzinfektion an der noch vorhanden Brust. Ich habe schmerzhafte arthritische Veränderungen in den Schultern, Händen, Hüften und Füßen. Ich schlafe maximal zwei Stunden am Stück, ich habe ununterbrochen Schmerzen, kann nur unter Schmerzen laufen oder mich sonst irgendwie bewegen...............................
    Ich muss zum Rheumatologen, Orthopäden, Onkologen, Dermatologen, Gynäkologen, Neurologen, Psychologen und Radiologen. Jedem dieser Fachmänner darf ich alles von vorne erzählen. Jeder sieht lediglich die Schäden welche die jeweils andere Fraktion angerichtet hat. Keiner ist bereit einmal alles als Ganzes zu sehen und Verantwortung zu übernehmen. Ich muss ständig aufpassen welcher Arzt mir welche Diagnosen stellen oder nicht stellen möchte, welche Medikamente an- oder abgesetzt werden. Ich muss sorgfältig darauf achten dass die üblichen Nachsorgetermine und –Untersuchungen statt finden. Ich sitze Stunden schwitzend und frierend mit Schmerzen in diversen Wartezimmern. Ich jammere nicht rum und belaste die Fachmänner nicht mit langem Jammern und hohen Erwartungen.

    Und ich muss mir dann von Ihnen folgenden Satz anhören: „meinen Sie nicht Ihre Beschwerden verschwinden mit dem Erhalt der Rente“

    Ich werde mit Sicherheit noch einen letzten Termin in Ihrer Praxis wahrnehmen, aber nicht mehr mit der Hoffnung auf Hilfe oder Verständnis.


    Hochachtungsvoll ..................................



    die dazugehörige vorgeschichte kann man in meinem tagbuch nachlesen:
    http://su-anne.log.ag/
     
  2. Liebe Verena
    Was du erlebt hast lässt dir sicher Tränen in die Augen schiessen. Ich kann dein Entsetzen verstehen, nicht diesen Professor. Ich finde sehr schlimm, das viele Erkrankte über einen Kamm geschoren werden. Da gibt es welche, die haben nette Freizeitbeschäftigungen, bei denen sie all das können, was im Berufsleben nicht möglich ist. Da brauchen andere dringend wichtige Medis, ohne die es nicht geht. Aber im Urlaub gehts auch mal ohne. Ich spreche von der Allgemeinheit, ich kenne ja nicht nur die Beiträge von RO oder User von hier. Und ich sehe sehr wohl auch einen Unterschied zwischen "geschminkt" und "ungeschminkt". Aber was du schon durchgemacht hast und noch durchmachst, das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht.
    Auch meine Mutti hatte Brustkrebs, durfte aber nach der ersten OP wieder arbeiten. Dann gab es wieder Metastasen, Chemo, Bestrahlung...und danach wieder zur Arbeit. Kurze Zeit später starb sie dann an Leberkrebs. Was hat sie über Raucher geschimpft( auch über mich ;) , hat nie Alkohol getrunken. Sie "durfte" bis zuletzt arbeiten. Eine Schande, wie Menschen Menschen behandeln dann mit solch respektlosen Worten.
    Ich wünsch dir von Herzen, das du dein Erlebnis rasch verarbeitest.
    Mir schwillt der Hals.
    Liebe Grüsse von Sylke, die ja auch in Hamburg wohnt und sich wünscht, niemals an diesen Professor zu geraten
     
  3. anbar

    anbar Neues Mitglied

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    Hallo,guten abend Verena.
    Das ist hammerhart und mir tut es unendlich leid, das du so einen Brief an einen Arzt schreiben muß.
    Leider scheint es nicht anders zu gehen,denn das,was du da so schreibst ist echt schlimm.
    Lasse Dich mal ganz lieb umärmeln.

    Ich wünsche Dir gute Besserung Deiner schlimmen Beschwerden und hoffe sehr,das du einen richtigen Arzt findest,der Dir helfen kann und Deine Beschwerden gelindert werden.

    Gute Nacht
    Anbar
     
  4. berlinchen

    berlinchen Aktives Mitglied

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    hallo verena,

    so traurig der anlass und umstand der entstehung dieses briefes ist..damit hast du wohl sehr vielen aus der seele gesprochen...auch wenn einige vielleicht nicht so einen leidensweg erleben müssen wie du....

    leider ist solch ein verhalten vieler ärzte normal und alltag geworden...früher war der beruf arzt nicht nur ein beruf..sondern wohl auch eine zumind. gewisse berufung....und ein menschlicher umgang mit den patienten öfters möglich....und die seele eines menschen wurde nicht nur wahrgenommen, wenn es einfach ist dem patienten eine psychische erkrankung anzuhängen, als sich mit ihm zubeschäftigen;)
    auch standen vor den gesundheitsreformen nicht nur oder nicht so extrem das finanzielle im fordergrund..klar ist eine arzpraxis, krankenhaus usw..ein wirtschaftsunternehmen..das aber keiner zwingt eine kassenzulassung zubehalten....
    ..
    auf meine frage warum ein arzt immer nur über die schlechte bezahlung bzgl.der kassenpatienten jammert und nicht einfach seine kassenzulassung abgibt..wozu ihn ja keiner zwingt diese zubehalten.....folgt ein rauswurf aus dem behandlungszimmer;)

    briefe mit ähnlichem inhalt bzw dem zweck solcher briefe bekommen so manche krankenhäuser und gutachter auch schon mal von mir....ab und an kommt wohl auch einwenig einsicht und sogar ein entschuldigungsbrief....

    ich wünsche dir viel erfolg bei deinen zukünftigen ärzten und gute besserung...und wenig solcher erlebnisse !!

    lg
    bine
     
  5. klaraklarissa

    klaraklarissa Neues Mitglied

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    hallo verena,
    das du diesen brief geschrieben hast, ist genau richtig. es gibt zeiten, da ist man nicht mehr in der lage sich verbal zu äußern .... weil es einem einfach die sprache verschlägt ..... die bemerkung von sylke
    darüber sollte dringend n a c h g e d a c h t werden !!!!!
    dir lieben verena wünsche ich verständnisvollere ärzte, wenig aufregung und stress und das es dir bald etwas besser gehen möge...ich schieb dir mal einen virtuellen knuddler rüber
     
  6. grummelzack

    grummelzack Barbara

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    meine Güte Verena, *tztztz*, da bleibt einem die Spücke weg. Beschwerde an die Ärztekammer!

    grmlgrml
     
  7. Sabinerin

    Sabinerin Aktives Mitglied

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    Liebe Verena, hallo zusammen,



    bei solchen Äusserungen wünsche ich den Ärzten nichts Böses, nur mal eine Woche die Beschwerden und eine Woche Aufenthalt in der Rheumaklinik...mit allen Behandlungen.


    Bei solchen Äusserungen sollte man den Ärzten sagen, daß sie keine Schlenker-Puppe, sondern einen Menschen vor sich haben. Einen Menschen, dessen Leben nicht nur anders verläuft, wie das anderer, gesunder Menschen, sondern einen Menschen, der verzweifelt, hoffnungslos, desorientiert ist und zum Arzt geht, weil er sich dort Hilfe erhofft.


    Ich frage mich immer wieder, was in den Köpfen mancher Ärzte vor sich geht...aber vielleicht ist es auch besser, genau das nicht zu wissen.


    Angesäuerte Grüße
    Sabinerin
     
  8. Sabinerin

    Sabinerin Aktives Mitglied

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    Hallo Grummelzack,



    theoretisch hast Du recht, praktisch sieht es so aus, daß man noch eins vor den Latz geknallt bekommt, weil man zu blöd ist, den Arzt richtig zu verstehen...



    LG
    Sabinerin, die sich schon bei der Ärztekammer beschwert hat und zu blöd ist umfassenden (*hüstel*) Arztgesprächen zu folgen...
     
  9. sunnysan

    sunnysan Neues Mitglied

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    Hallo Verena, ich finde, Du bist sehr mutig. Die meisten, ich auch, ärgern sich über einen bestimmten Arzt und suchen sich wortlos einen anderen, in der Hoffnung, das der besser ist.
    Du nennst die Missstände beim Namen und richtest Dein Schreiben an denjenigen, dafür verantwortlich ist.
    Deine Geschichte ist unglaublich - unglaublich ergreifend und leider auch unglaublich erschreckend, wie mit Patienten umgegangen wird.
    Herzliche, liebe Grüße
    Sunnysan
     
  10. Sanchen

    Sanchen Neues Mitglied

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    hallo Verena

    mir fehlen schon lange die Worte für dererlei Erlebnisse! Irgendwie hatte auch ich resigniert.
    Die letzten meiner Worte waren vor ein paar Jahren an den MDK gerichtet. Ich sagte da, dass ich mit Sicherheit nicht vor hätte meine Lebenszeit in Wartezimmern zu vergeuden und, dass ich in Zukunft an keinen weiteren verbalen Sterbehilfen durch unqualifizierte ärztliche Bemerkungen an Schmerzpatienten interessiert bin.

    Vielleicht hätte ich das auch besser schriftlich einreichen sollen.
    Vorangegangen war der Suizidversuch einer lieben Bekannten, die ihre chronischen Schmerzen nicht mehr ertragen wollte. (Oder die missachtungsvollen Bemerkungen einer ihrer behandelnden Ärzte?)

    Danke für die Formulierung und Veröffentlichung dieses Briefes. Er stärkt mich darin, mir meine Selbstachtung in Arztpraxen nicht mehr so ohne Weiteres rauben zu lassen.
    lg Sanchen
     
  11. Sprotte79

    Sprotte79 Sprotte79

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    Hast du schon einen neuen Arzt?

    Hallo Verena,
    auch mich hat dein Brief geschockt, besser gesagt nicht dein Brief, sondern das, was du erlebt hast! :mad:
    Ich finde es sehr mutig und gut von dir, dass du dem Prof. deinen Brief geschrieben hast! Ich finde auch, dass du dich bei der zuständigen Ärztekammer über den Arzt beschweren solltest.
    Ich komme aus Lübeck, habe aber meinen Rheumatologen in Hamburg, den ich dir sehr empfehlen kann. Wenn du Bedarf hast, schick mir einfach eine PN.
    Liebe Grüße,
    Sprotte79
     
  12. Mupfel

    Mupfel Guest

    Hi VerenaHH

    Ich kann deinen wütenden Brief zwar nachvollziehen aber es ist der falsche Weg. Oder zumindest nur ein Teil des Weges.

    Setz dich hin und schreibe eine Beschwerde an die Bundeärztekammer. Und wende dich an die Patientenliga und eventuell die Zeitung. Un dvor allem ohne große Emotionen. Sondern sachlich das Gespräch schildern und die Fakten dazu. Je emotionaler ein Brief abgefaßt ist desto weniger ernst nimmt man die Patienten. Tut mir leid, ist aber so.

    Den Beschwerdebrief schmeißt der Rheumatologe in den Papierkorb.

    Viel Glück und Geduld. Und beides braucht man heutzutage :) Und übrigens, ich würde dem Arzt mitteilen dass ich einen Arztwechsel vornehmen werde und ihn informieren dass eine Beschwerde an die Ärztekammer rausgeht.

    Und halte das durch! Auch wenn es schwer fällt.
     
  13. Mupfel

    Mupfel Guest

    Nachtrag, liebe Verena

    Ich habe vergessen eine Frage zu stellen. Vielleicht weiss das hier jemand, kann man gegen einen solchen Arzt/Professor eine Dienstaufsichtsbeschwerde starten? Es kann doch nicht sein, dass die Herrschaften mit solchen Sprüchen durchkommen :mad:

    Ich habe schon einige Dienstaufsichtsbeschwerden geschrieben (Arge, Amt für Soziales, Landesregierung usw.) und eigentlich meistens erreicht was ich wollte :) Natürlich würde nie ein Arzt wegen mir abgemahnt aber zumindest kann man ihm auf dem Dienstweg ein wenig Ärger machen ...

    Viel Kraft und Gesundheit wünsche ich dir!
     
  14. sunnysan

    sunnysan Neues Mitglied

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    Hallo Mupfel, ich hab kürzlich gelesen, dass man den Arzt schon den Grund eines Arztwechsels mitteilen soll. Ich hab das bei meinem ersten Rheumadoc versäumt und ärgere mich noch heute, dass ich es nicht gemacht hab (hab überhaupt nichts gemacht - ich Schaf). Vielleicht kann man so auch Mißverständnisse aus dem Weg räumen - was hier wahrscheinlich nicht der Fall sein wird.
    Mit Beschwerden hab ich ganz andere Erfahrung gemacht. Eine Dienstaufsichtsbeschwerde von mir über einen Polizisten ist abgeschmettert worden - der betroffene Beamte und seine Kollegin haben sich abgesprochen und eine nötige Zeugenaussage "verschwinden" lassen :mad:

    Aber der Tipp mit der Patientenliga od. Patientenberatung ist gut, werd ich mir merken!
     
  15. VerenaHH

    VerenaHH KrankeSchwester

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    hallo zusammen,

    inzwischen hat der betreffende herr geantwortet. :mad:

    ein zweizeiler mit der dringenden empfehlung mir doch einen guten hausarzt zu suchen. :mad::mad: entschuldigung oder einsicht????? fehlanzeige.

    ich habe aber im augenblick gerade genug am kampf gegen meinen körper und werde an solchen schwachsinn keine kräfte mehr verschwenden. ich halte das da wie im privaten leben auch, ich such mir menschen mit denen ich kann und der rest tangiert mich nicht mal mehr peripher. mein letzter termin dort wird abgesagt und damit ist das für mich abgehakt. naja, der herr wird eben auch älter und ist mir der masse an patienten überfordert und da kann ich gut abhilfe schaffen. :p meine mich sonst behandelnden ärzte habe sich alle ne kopie von meinem brief in die akte gelegt und habe eine klare meinung ;)

    danke für eure anteilnahme und ich vermute mal solche aussagen über die herren weißkittel fliessen sicher in die "nenn-liste" hier ein.

    lieben gruss aus dem heissen, sonnigen, gut gelaunten hamburg
     
  16. zecke73

    zecke73 Neues Mitglied

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    hallo Verena,

    ich war im letzten Jahr bei einem Orthopädischen Rheumadoc, der mir gesagt hat, das ich 500,-- € zahlen soll wenn ich eine Untersuchung will die würde er in den 8 min. nicht schaffen die ihm vorgeschrieben werden.

    Ich war da drüber so sauer das ich am nächsten Tag an das Gesundheitsmenisterium eine e-mail geschreiben habe. Nach ein paar Tagen habe ich eine Antwort bekommen, mit der bitte den Namen des Arztes zu nennen. Das tat ich dann auch.
    Nach einiger Zeit bekam ich dann Post, das der Brief zur ins Landesgesundheitsmeisterum nach Hannover ging. Von dort habe ich Bescheid bekommen das er Vorfall der KV mitgeteilt wurde und das sie sich melden sobald die KV mit ihren Ermittlungen fertig sind.

    Ich finde es schon schade das sich die Ärzte wie bei dir nichtmal entschuldigen.

    Alles Gute

    zecke