Bitte alle mitmachen: Naturgedichte und -lieder

Dieses Thema im Forum "Kaffeeklatsch" wurde erstellt von Neli, 18. März 2007.

  1. corinna

    corinna Registrierter Benutzer

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    Das Leben ist schön

    Das Leben ist schön,
    Die Blumen sind schön,
    Der Garten ist schön...


    Doch am schönsten ist es,
    wenn man einem Menschen
    auf seinem Weg
    die Hand gibt.

    Corinna
     
  2. Gucki

    Gucki Guest

    Schlittenfahrt

    Ein feiner Dunst liegt in der Luft,
    Der Wald steht tief in Träumen,
    Nur manchmal löst im Abendwind
    Ein zitternd Flöckchen sich und rinnt
    Schlaftrunken von den Bäumen ...
    Die Peitsche knallt, der Schlitten saust,
    Die Silberschellen klingen,
    Wir sitzen, Arm an Arm geschmiegt,
    Ein blaßes Winterseelchen fliegt
    Um uns mit weißen Schwingen
    Und spricht:
    Wie heiß euer Atem weht!
    Mein kaltes Kleidchen zergeht
    Vor seinem Hauch;
    Es schlagen Flammen
    Aus euren Augen,
    Und eure Hände
    Und eure Seelen
    Die glühen auch. -
    Wir sind so kühl ...
    Schnee unser Pfühl,
    Schnee unsre Speise;
    Und unser Herzchen schlägt
    Unter dem weißen Kleid
    Ganz leise. -
    Wenn die Sonne scheint,
    Ziehn wir erschrocken
    Die Mützchen über das Ohr,
    Faßen uns an und hocken
    Unter den Zweigen. -
    Aber der Vater weint ...
    Der Vater ist alt
    Und die Mutter jung,
    Und die Sonne weckt
    Die Erinnerung
    An das lachende Leben!
    Dann liegt sie unter den weißen Decken
    So traumhaft schön,
    Kleine, kichernde Seufzer wehn
    Um ihrem Mund, die Hände recken
    Sich sehnsüchtig aus,
    Und über der Brust, der große Strauß
    Eisiger Blüten nickt dazu:
    »Schlafe, liebe Königin du ...!«
    Aber der Vater weint!
    »Wir fürchten uns,
    Wenn die Sonne scheint ...«
    Die Peitsche knallt, der Schlitten saust,
    Das Seelchen ist zerstoben,
    Unmerklich hat die Winternacht
    Die ganze, weiße Märchenpracht
    Mit Dunkelheit umwoben.
    Zu Tale gehts, es stäubt der Schnee,
    Die Silberschellen klingen,
    Am Wege blitzen Lichter auf,
    Der Lärm der Stadt wacht brausend auf,
    Und kleine Buben singen:
    »Morgen kommt der Weihnachtsmann ...«


    Anna Richter
     
  3. Gucki

    Gucki Guest

    das Christkind

    Das Christkind ging durch den Winterwald,
    es war schon dunkel und ihm war's kalt.
    Es trug verschnürt im großen Sack,
    die schönsten Geschenke huckepack.
    Zu den braven Kindern auf den Weg
    lief es über Hügel, Tal und Steg.
    Was im Sack war, darf ich nicht sagen,
    ihr werdet es sehen in ein paar Tagen.​

    Annegret Kronenberg
    [​IMG]
     
  4. Neli

    Neli Optimistin

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    Advent

    Es treibt der Wind im Winterwalde
    die Flockenherde wie ein Hirt
    und manche Tanne ahnt, wie balde
    sie fromm und lichterheilig wird,
    und lauscht hinaus;
    den weißen Wegen streckt sie die Zweige hin,
    bereit und wehrt dem Wind
    und wächst engegen
    der einen Nacht der Herrlichkeit.


    Rainer Maria Rilke (1875-1926)
     

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  5. Gucki

    Gucki Guest

    Tannengeflüster


    Wenn die ersten Fröste knistern,
    In dem Wald bei Bayrisch-Moos,
    Geht ein Wispern und ein Flüstern
    In den Tannenbäumen los,
    Ein Gekicher und Gesumm
    Ringsherum.

    Eine Tanne lernt Gedichte,
    Eine Lärche hört ihr zu.
    Eine dicke, alte Fichte
    Sagt verdrießlich: "Gebt doch Ruh!
    Kerzenlicht und Weihnachtszeit
    Sind noch weit!"

    Vierundzwanzig lange Tage
    Wird gekräuselt und gestutzt
    Und das Wäldchen ohne Frage
    Wunderhübsch herausgeputzt.
    Wer noch fragt: "Wieso? Warum?!
    Der ist dumm.

    Was das Flüstern hier bedeutet,
    Weiß man selbst im Spatzennest:
    Jeder Tannenbaum bereitet
    Sich nun vor aufs Weihnachtsfest,
    Denn ein Weihnachtsbaum zu sein:
    Das ist fein!

    (James Krüss)
    [​IMG]
     
  6. Neli

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    So ruhig geh' ich meinen Pfad,
    So still ist mir zu Mut;
    Es dünkt mir jeder Weg gerad'
    Und jedes Wetter gut.

    Wohin mein Weg mich führen mag,
    Der Himmel ist mein Dach,
    Die Sonne kommt mit jedem Tag,
    Die Sterne halten Wach'.

    Und komm' ich spät und komm' ich früh
    Ans Ziel, das mir gestellt:
    Verlieren kann ich mich doch nie,
    O Gott, aus Deiner Welt!


    Josef von Eichendorff
     

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  7. Gucki

    Gucki Guest

    Gestillte Sehnsucht

    In gold'nen Abendschein getauchet,
    Wie feierlich die Wälder stehn!
    In leise Stimmen der Vöglein hauchet
    Des Abendwindes leises Weh'n.
    Was lispeln die Winde, die Vögelein?
    Sie lispeln die Welt in Schlummer ein.

    Ihr Wünsche, die ihr stets euch reget
    Im Herzen sonder Rast und Ruh!
    Du Sehnen, das die Brust beweget,
    Wann ruhest du, wann schlummerst du?
    Beim Lispeln der Winde, der Vögelein,
    Ihr sehnenden Wünsche, wann schlaft ihr ein?

    Was kommt gezogen auf Traumesflügeln?
    Was weht mich an so bang, so hold?
    Es kommt gezogen von fernen Hügeln,
    Es kommt auf bebendem Sonnengold.
    Wohl lispeln die Winde, die Vögelein,
    Das Sehnen, das Sehnen, es schläft nicht ein.

    Ach, wenn nicht mehr in gold'ne Fernen
    Mein Geist auf Traumgefieder eilt,
    Nicht mehr an ewig fernen Sternen
    Mit sehnendem Blick mein Auge weilt;
    Dann lispeln die Winde, die Vögelein
    Mit meinem Sehnen mein Leben ein.

    Friedrich Rückert
    [​IMG]
     
  8. Neli

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    Meinem Kinde

    Du schläfst und sachte neig' ich mich
    Über dein Bettchen und segne dich.
    Jeder behutsame Atemzug
    Ist ein schweifender Himmelsflug,
    Ist ein Suchen weit umher,
    Ob nicht doch ein Sternlein wär'
    Wo aus eitel Glanz und Licht
    Liebe sich ein Glückskraut bricht,
    Das sie geflügelt herniederträgt
    Und dir auf's weiße Deckchen legt.
    Du schläfst und sachte neig' ich mich
    Über dein Bettchen und segne dich.



    Gustav Falke (1853-1916)

     

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  9. Gucki

    Gucki Guest

    an die Bäume im Winter

    Gute Bäume, die ihr die starr entblätterten Arme
    Reckt zum Himmel und fleht wieder den Frühling herab!
    Ach, ihr müßt noch harren, ihr armen Söhne der Erde,
    Manche stürmische Nacht, manchen erstarrenden Tag!
    Aber dann kommt wieder die Sonne mit dem grünenden Frühling
    Euch; nur kehret auch mir Frühling und Sonne zurück?
    Harr geduldig, Herz, und bringt in die Wurzel den Saft dir!
    Unvermutet vielleicht treibt ihn das Schicksal empor.


    J.Gottfried v.Herder
     
  10. Neli

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    Verschwiegene Liebe

    Über Wipfel und Saaten
    In den Glanz hinein -
    Wer mag sie erraten,
    Wer holte sie ein?
    Gedanken sich wiegen,
    Die Nacht ist verschwiegen,
    Gedanken sind frei.

    Errät es nur eine,
    Wer an sie gedacht
    Beim Rauschen der Haine,
    Wenn niemand mehr wacht
    Als die Wolken, die fliegen -
    Mein Lieb ist verschwiegen
    Und schön wie die Nacht.

    Joseph von Eichendorff
     

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  11. Gucki

    Gucki Guest

    Winterlüfte wehen

    durch des Äthers Raum,
    halb entblättert stehen
    Strauch und Kraut und Baum,
    Tot sind Floras Kinder,
    hin ihr Wohlgeruch,
    starr deckt sie der Winter
    mit dem Leichentuch.
    Welk ist, was mit Prangen
    feil sich bot zur Schau,
    selbst des Himmels Wangen

    Franz Grillparzer
     
  12. Neli

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    Der Weg an unserm Zaun entlang,
    wie wunderschön war das!
    War morgens früh mein erster Gang,
    bis an das Knie im Gras,
    da spielt' ich bis zum Dämmerschein
    mit Steinen und mit Sand;
    Großvater holt' mich abends rein
    und nahm mich bei der Hand.

    Dann wünschte ich mir, groß zu sein
    und übern Zaun zu sehn.
    Großvater meinte: Laß das sein!
    Wird früh genug geschehn!
    Es kam so weit; ich hab' besehn
    die Welt da draußen mir,
    es war darin nicht halb so schön
    als damals an der Tür.


    Klaus Groth (1819-1899)
     

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  13. Gucki

    Gucki Guest

    Die Stille Zeit

    Laut Kalender kommt sie bald,
    laut Geschäftswelt ist sie schon längst da,
    lauter angepriesen noch als letztes Jahr.

    Die Menschen eilen, hetzen, hasten,
    um auch ein Stück davon zu ertasten.
    Voller Hetze geht der Tag herum,
    vor Müdigkeit ist jeder abends stumm.

    Nach außen hin ist alles froh,
    wie´s angepriesen wird, g´rade so.
    Ich lächle zu mir voll Zufriedenheit,
    genieß ich doch - die stille Zeit -
    wenn mir danach zumute ist.

    Ich freue mich über der Flocken Tanz,
    aus Blättern mach´ich mir ´nen Kranz,
    beruhigend ist der Kerze Schein,
    von alles Hetze kann ich mich befrei´n.

    Mit der Familie ein ruhiges Gespräch am Abend,
    ist nicht allein für mich so labend.
    Ein gutes Buch ist auch was wert,
    basteln mit den Kindern nicht verkehrt.
    Wenn sie also kommt zu mir - die stille Zeit-
    bin ich tief im Herzen dazu bereit.

    von Christine Wolter aus "Bayrische Weihnacht"

    [​IMG]
     
  14. Neli

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    Wär ich ein Sonnenstrahl,
    fern am Himmelsbogen,
    käm ich heimlich
    zu dir herab gezogen,
    ließe die Täler,
    ließe die Auen,
    in dein Fensterlein zu schauen:

    wär ich ein Strahl am
    fernen Himmelsbogen,
    käm ich heimlich zu
    dir herabgezogen.

    Oder als Vöglein
    möcht auf leichten Schwingen
    dir am Morgen den
    ersten Gruß ich bringen,
    ließe die Täler,
    ließe die Auen,
    in dein Fensterlein zu schauen:

    wär ich ein Vöglein,
    möcht auf leichten Schwingen
    dir am Morgen den
    ersten Gruß ich bringen.


    Stefan Witwicki (1801-1847)
     

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  15. Neli

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    Durch den Wald mit raschen Schritten,
    Trage ich die Laute hin,
    Freude singt was Leid gelitten
    Schweres Herz hat leichten Sinn.

    Durch die Büsche muß ich dringen
    Nieder zu dem Felsen Born,
    Und es schlingen sich mit Klingen
    In die Saaten Ros' und Dorn.


    Clemens von Brentano (1778-1831)
     

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  16. Neli

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    Morgen-Hymne

    Bald ist der Nacht ein End' gemacht,
    Schon fühl' ich Morgenlüfte wehen.
    Der Herr, der spricht: »Es werde Licht!«
    Da muß, was dunkel ist, vergehen.

    Vom Himmelszelt durch alle Welt
    Die Engel freudejauchzend fliegen;
    Der Sonne Strahl durchflammt das All.
    Herr, laß uns kämpfen, laß uns siegen!



    Robert Reinick (1805-1852)
     

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  17. Neli

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    Noch ahnt man kaum der Sonne Licht,
    Noch sind die Morgenglocken nicht
    Im finstern Tal erklungen.

    Wie still des Waldes weiter Raum!
    Die Vöglein zwitschern nur im Traum,
    Kein Sang hat sich erschwungen.

    Ich hab' mich längst ins Feld gemacht,
    Und habe schon dies Lied erdacht,
    Und hab' es laut gesungen.



    Ludwig Uhland (1787-1862)

     

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  18. Gucki

    Gucki Guest

    Winterabend

    Über den dämmernden, zärtlichen Schatten
    Des blauen und schneeigen Matten,
    Wirft die sinkende Sonne mit Mühen
    Rötliches Glühen.

    Über die schneeigen Fluren, die grenzlos weiten,
    Sich so kahl und öde breiten
    Die einsame Pfade und ein Weg
    Über des Flusses Steg,
    Wo bräunliche Bäume
    Nun sehen die Träume.

    Längs dem endlosen Wege glitten
    Und rollten Schlitten,
    Bei des blassen Mondes Funken sprühen
    In des Abends roten Glühen
    In die Ferne...

    (Aus dem Estnischen übersetzt von Paul Kuuse)
     
  19. Neli

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    Hirtenlied

    O Winter, schlimmer Winter, wie ist die Welt so klein!
    Du drängst uns all' in die Täler, in die engen Hütten hinein.

    Und geh' ich auch vorüber an meiner Liebsten Haus,
    Kaum sieht sie mit dem Köpfchen zum kleinen Fenster heraus.

    O Sommer, schöner Sommer, wie wird die Welt so weit!
    Je höher man steigt auf die Berge, je weiter sie sich verbreit't.

    Und stehest du auf dem Felsen, traut' Liebchen, ich rufe dir zu.
    Die Halle sagen es weiter, doch Niemand hört es, als du.

    Und halt' ich dich in den Armen auf freien Bergeshöh'n:
    Wir seh'n in die weiten Lande, und werden doch nicht geseh'n.


    Ludwig Uhland
     

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  20. Neli

    Neli Optimistin

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    Es gibt so wunderweiße Nächte,
    drin alle Dinge Silber sind.
    Da schimmert mancher Stern so lind,
    als ob er fromme Hirten brächte
    zu einem neuen Jesuskind.

    Weit wie mit dichtem Demantstaube
    bestreut, erscheinen Flur und Flut,
    und in die Herzen, traumgemut,
    steigt ein kapellenloser Glaube,
    der leise seine Wunder tut.



    Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)
     

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