Ich habe auf dem diesjährigen Kongress der EULAR in Paris tatsächlich ein oder zwei Vorträge gehört, bei denen im Rahmen einer Studie Gewebeproben entnommen wurden und sich dann angeguckt wurde, wie das so aussieht - der Aufwand dafür ist in der täglichen Praxis tatsächlich viel zu hoch. Und ob dann wirklich eine
genaue Auskunft möglich ist, weiß ich nicht. "Genau" würde ja (nahezu) 100%ige Sicherheit bedeuten -- ob das eine einzige mikroskopische Untersuchung wirklich zeigen kann, kann ich nicht beurteilen -- die EULAR-Vorträge waren eher Grundlagenforschung im Bereich der Histologie, keine Validierung von diagnostischen Verfahren.
An der Aussage dieser Orthopädin stört mich die Schwarz-Weiß-Malerei - als ob es neben einer mikroskopische Untersuchung keinerlei Alternativen gäbe, um Rheuma zu diagnostizieren. Es gibt von den einschlägigen rheumatologischen Fachgesellschaften Diagnosekriterien, die von Experten-Kommissionen ausgearbeitet wurden. Dort lese ich nirgendwo, dass eine mikroskopische Untersuchung notwendig wäre, um eine Diagnose zu stellen, vgl. z.B.
http://de.wikipedia.org/wiki/Rheuma...skriterien_f.C3.BCr_die_rheumatoide_Arthritis
Damit steht jetzt für mich die Aussage einer Orthopädin, die sich zwar Deine Gelenke angesehen hat, ohne aber z.B. auf Laborwerte zu gucken, gegen die einer Expertenkommission bestehend aus renommierten Rheumatologen ... da muss ich persönlich nicht lange überlegen, wem ich mehr Gewicht gebe.
Insgesamt gibt es schon Gründe, warum immer wieder und überall betont wird, dass man mit Rheuma oder Verdacht auf Rheuma zu einem internistischen Rheumatologen gehen soll, und nicht etwa zu einem Orthopäden. Mit Herzproblemen gehe ich auch nicht zum Onkologen.