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Bettler - gebt ihr etwas ?

Dieses Thema im Forum "Kaffeeklatsch" wurde erstellt von Marie2, 18. August 2005.

  1. Marie2

    Marie2 nobody is perfect ;)

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    hi zusammen,

    seit der frage von sabinerin ( dankeschön! :D ) im thread spielchen für neugierige bin ich gedanklich mit dieser frage beschäftigt. die frage lautete:

    Wenn Du einen Wohnungslosen irgendwo sitzen siehst, gibst Du ihm etwas? Wenn ja, was? Geld oder kaufst Du etwas zu essen?

    ich möchte diese frage gern aufgreifen und euch alle fragen,
    (ich hoffe, sabinerin ist damit einverstanden? :D )

    wie haltet ihr das?

    [​IMG] marie
     
  2. Uschi

    Uschi Neues Mitglied

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    Betteln...........

    Liebe marie2,

    ich denke, daß wir alle die Grundlage haben, irgendwann auch mal betteln gehen zu müssen und ich wünsche das keinem von uns.

    Wenn ich einen Menschen sehe, der in unserer Stadt am Boden sitzt und wohnungslos, arbeitslos wegen Krankheit etc., da um sein tägliches Überleben bettelt, ja, dann gebe ich gerne - diese Menschen nehmen sehr oft nichts vom Sozialwesen und liegen keinem auf der Tasche.

    Ich habe z.B. ein Riesenherz für meine Jugend am Europaplatz - die da sitzen, manierlich, meist mit süssen Hunden und aufgrund der allgemeinen deutschen Wirtschaftslage keine Ausbildung finden und keine Arbeit haben. Die bekommen von mir immer einen Karton Hundefutter und was cash obendrauf. Ich habe nette junge Leute darunter gefunden und wir unterhalten uns oft.

    Ich kannte als junger Mensch diese Probleme nicht; heute bin ich krank, habe ausreichend Erfahrung mit Sozialamt und minimalem Geld - ich denke heute sehr viel anders über all das.

    Ja, ich gebe gerne und ich verachte keinen, der so lebt, egal warum. Solange ich einen satten Bauch habe, ein warmes sauberes Bett und ein dichtes Dach überm Kopf, gehöre ich zu den vom Luxus verwöhnten Menschen auf der Welt und dieses Glück haben leider zunehmend immer weniger Menschen bei uns.

    Ich gehe nicht mehr achtlos daran vorbei.

    Pumpkin
     
  3. Bianca

    Bianca Neues Mitglied

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    Hallo Marie

    Bei uns in der Stadt sitzen sehr viele " Bettler" und meistens gebe ich nichts. Es gibt einen Mann der sitzt schon seit über 10 J auf der Straße und das ist ein sehr freundlicher Mensch, zumindest uns gegenüber. Mein Göga und ich handhaben es so das wenn wir ihn sehen ,gehen wir ab und zu zum Bäcker o Metzger und holen ein Belegtes Brötchen für ihn. er hat beim ersten Mal gar nicht gewußt wie er reagieren sollte aber er freut sich immer sehr. Selbst wenn ich mal an ihm vorbei gehe ohne ihm mal etwas zu geben (wenn ich es selbst nicht kann) grüßt er mich immer freundlich. Anderen gegenüber wird er auch schon mal pampig aber nur wenn er "dumm" angemacht wird .
    Liebe Grüße Bianca:D
     
  4. Cori

    Cori Optimistin

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    Ich gebe nicht oft etwas, dann aber kein Geld. Letztens habe ich jemandem, der mich um "eine kleine Spende" bat, etwas zu essen gekauft. Die glänzenden Augen und das leise "Dankeschön!" taten gut. Und zeigten mir, daß er wirklich Hunger hatte und nicht nur auf Geld aus ist. Geld gebe ich nicht, weil ich nicht weiß, was damit passiert.
    Ab und zu kaufe ich auch mal einen "Straßenfeger" oder wie die Zeitungen sonst noch heißen. Denn da weiß ich, durch einen Fernsehbericht vor einigen Jahren, daß das etwas sehr Reelles ist; daß die Leute damit versuchen, und das oft erfolgreich, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Das unterstütze ich gerne.


    Und Du, Marie?
     
  5. Marie2

    Marie2 nobody is perfect ;)

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    hi cori, du hast gefragt, wie ich das halte....

    ich hatte dazu auf sabinerins frage bei spielchen für....
    folgendermassen geantwortet, ich kopier es natürlich gern hier rein:

    -----------------------------schnipp---------------------
    .....das ist eine gute frage....

    antwort: jein. aber meistens ja. ich kann nicht in diesen menschen hineinsehen, ich weiss nicht, was ihm im laufe seines lebens passiert ist, ich kann mir ein urteil über ihn eigentlich nicht erlauben. diie einschränkung eigentlich bezieht sich auf ausgesprochene "trinker", die bereits mit flasche dort sitzen. da denke ich, es macht keinen sinn, geld zu geben. ist ein hund dabei, kaufen wir schon mal ein würstchen. ist diese möglichkeit nicht gegeben, gebe ich doch geld.
    auch wenn es ganz arme gestalten sind, zuweilen, mir dreht sich häufig das herz um. und einjeder sollte sich fragen, ob er wirklich, 100 prozentig,
    davor gefeit ist, selber so ein schicksal zu erleiden. hochmut kommt vor dem fall.


    ---------------------schnapp---------------------

    grüsschen
    [​IMG] marie
     
  6. Cori

    Cori Optimistin

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    hi hi, gut gemacht ;)

    Deine Antwort hatte ich schon gelesen (bin ja neugierig :D), aber da dieses ein neuer Thread ist, gehört Deine Meinung auch hier herein...

    Liebe Grüße von

    Cori
     
  7. Sabinerin

    Sabinerin Aktives Mitglied

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    betteln

    Hallo Marie, hallo zusammen,

    @Marie

    aber sicher darfst Du das :)

    @all

    betteln...das ist ein dehnbarer Begriff. Ich mag kein aggressives Betteln. Also dieses forsche Auftreten "Hast Du mal nen Euro?" (wie bescheiden, sind ja mittlerweile umgerechnet fast 2 DM *g*)

    Die neueste Form von Bettelei ist das Knien in der Fußgängerzone in der Büßerhaltung mit Demutsgesicht. Da kann ich überhaupt nicht drauf.

    Es gibt noch verschiedene Arten von Bettelein, die ich ablehne und ignoriere.

    Dann kommen noch die wirklichen Obdachlosen, also die, die in der Tat ihr Hab und Gut in der Plastiktüte tragen. Wie Uschi bereits erwähnte, nehmen diese Menschen manchmal keine Leistungen vom Staat an. Die Gründe sind vielfältig.
    Ich kenne ein wenig meine Pappenheimer und die, die mich kennen, betteln mich auch nicht an*g* Einer hat mich angebettelt mit dem Hinweis, daß er Hunger hat. Den habe ich nett und freundlich auf die Wohnungsloseninitiative aufmerksam gemacht. Dort können sie frühstücken und nachmittags Tee trinken. Häufig verteilen wir ja auch Kuchen und Brötchen.
    Nach dem Hinweis fiel ihm plötzlich ein,woher er mich kannte und bettelt mich seitdem nicht mehr an *schmunzel* ;)

    Dann gibt es einen Herrn, der nicht dorthin geht. Wo er sonst speist, weiß ich mich. Er sitzt meistens an einer bestimmten Stelle.
    Wenn ich dort vorbeikomme, weiß ich schon, was er antworten wird: Laugenbrezel und Kaffee *lächel*
    Trotzdem frage ich ihn, was er gerne essen möchte und hole ihm dann zwei Laugenbrezel und einen Kaffee.

    Letztens traf mich ein Gast, der immer zur Initiative geht. Mit dem spiele ich immer Scrabble. Ich fragte ihn, ob er etwas haben wollte.
    Ja, ein Brötchen. Ok, wir gingen zum Bäcker, ich wies ihn an, sich schon mal zu setzen, woraufhin mich die Verkäuferin böse anfunkelte ;)
    Der Herr wollte gerne ein Mettbrötchen (das gibt es nicht in der Initiative) und einen Kaffee. Ich brachte ihm das an den Tisch, da er schlecht laufen konnte. Die Verkäuferin schaute immer finsterer.
    Da ich solche Reaktionen kenne, habe ich die Telefonnummer der lokalen Zeitung im Handy gespeichert. Wenn mir einer blöd kommt und einen der Wohnunglosen nicht im Cafe duldet, werde ich erst lauter und würde dann die Lokalredaktion anrufen. Ein Reporter wäre sicher schnell zur Stelle und solche Presse ist für die Geschäfte ....ich sage mal unliebsam *lächel*

    Nun, ich gebe zu, daß ich nach Sympathie etwas gebe. An erster Stelle stehen die, von denen ich weiß, daß sie "Platte machen" (also draußen schlafen). Bei allen anderen entscheide ich aus dem Bauch heraus.
    Geld gebe ich nie, ich kaufe immer etwas zu trinken und essen.

    Die, die "Platte machen" wollen eins ganz sicher nicht: Mitleid (so wie wir es in Bezug auf unsere Erkrankung es ja auch nicht wollen).
    Sie freuen sich über Gaben und über ein freundliches Wort.

    Viele Grüße
    Sabinerin
     
  8. trombone

    trombone die Schreibtischtäterin

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    ich gebe grundsätzlich nichts:

    1. jeder der betteln geht hat die Möglichkeit sich seine tägl. Unterstützung beim Sozialamt sowie bei den kirchlichen Einrichtungen abzuholen - und dieses wird auch immer genutzt.

    2. ich habe - leider - ich Erfahrung machen müssen (und das nicht nur einmal), dass wenn ich wirklich etwas gegeben habe, dieses gleich in Alkohol umgesetzt wurde - und dafür hatte ich das Geld eigentlich nicht gedacht

    3. auch wenn es sich absolut Utopisch anhört, dieser Fall ist in Bielefeld wirklich passiert: Hier hat ein Berufsbettler nach seinem "Feierabend", sich seinen Benz aus einer Tiefgarage im Innenstadt-Bereich geholt und ist damit nach Hause gefahren (übrigens ein eigenes schmuckes Einfamilienhaus) - Er selber hat seinen Tagesverdienst auf ca. 300 - 400 DM (im Durchschnitt) geschätzt - dass ist doch wirklich kein schlechter Tagesverdienst und dass wohlgemerkt Steuerfrei (übrigens der gute Mann war ganz normal Privatversichert) und hat sich auch keine staatl. Unterstützung abgeholt.

    und 4. und dass ist m.E. der für mich ausschlaggebenste Grund: Bettlerei ist grundsätzlich verboten - zumal solche, bei denen ich dann auch noch massiv bedrängt werde (ist mir in Berlin des häufigeren passiert).

    Auch habe ich die Erfahrung gemacht - wie wahrscheinlich viele von Euch - wenn ich wirklich mal Essen (natürlich frisch gekauft) geben wollte, wurde ich auch noch schräg angeblafft: Essen, ne das will ich nicht - ich brauche Geld (wofür wohl???!!)
     
  9. Sabinerin

    Sabinerin Aktives Mitglied

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    @uschi

    Liebe Uschi,

    ha....sind wir doch mal derselben Meinung *gg*;)

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Für viele Menschen ist das Dach über dem Kopf, der gefüllte Bauch und das weiche Bett "nichts Besonderes" da man es doch hat.

    Natürlich setzt jeder seine Prioritäten anders, aber trotzdem sollte er sich darüber im Klaren sein, was wäre, wenn er es NICHT mehr hätte.

    Schon bevor ich in der Wohnungsloseninitiative arbeitete, war mir klar, daß ich vom Leben reich beschenkt bin. Heute sehe ich das noch intensiver.
    Die Arbeit mit diesen Menschen, die eben genau dieses Glück nicht haben (und die Gründe sind so zahlreich, daß ich sie nicht aufführen möchte, ein großer Teil ist unverschuldet in die Situation gekommen) bereit mir Freude. Nein, einfach ist es nicht und ein "Zuckerschlecken" erst recht nicht.
    Dankbar sind die wenigsten und das sollte auch kein Kriterium für das Engagement sein.

    Wichtig ist für diese Menschen, daß sie wahrgenommen werden, daß man sie anschaut und anspricht, daß man ihnen zunickt oder sie fragt, was sie möchten.

    Nichts ist schlimmer, als ein Nummer unter vielen zu sein.
    Nichts ist schlimmer, als das Wissen, daß es den Menschen egal ist ob man stirbt oder nicht, weil es einfach uninteressant ist.

    Viele klagen darüber, "daß unsere Welt so schlecht und so unmenschlich ist".
    Nun, jeder Einzelne hat die Chance es besser zu machen und mitzuhelfen.
    Damit meine ich nicht das soziale Engagement (netteres Wort als Ehrenamt), sondern den Alltag vor der eigenen Haustür. Man muß keine große Dinge bewegen, nein, es reichen die kleinen, meistens unscheinbare Gesten.

    Die Armut in Deutschland nimmt zu!
    Aber...das soziale Engagement auch. Die Menschen rücken wieder ein Stück zusammen, helfen einander. So schwarz und finster, wie viele "unsere Welt bezeichnen" ist sie garnicht.

    Wenn viele kleine Menschen
    an vielen kleinen Orten
    viele kleine Schritte tun,
    verändert sich die Welt.
    (Afrikanisches Sprichwort)


    Liebe Grüße
    Sabinerin
     
  10. Marie2

    Marie2 nobody is perfect ;)

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    ich möchte doch noch etwas erzählen.....

    vor einigen jahren ist mir folgendes passiert:

    ich sah vor meinem geschäft eine äusserst ungepflegte frau herumlungern,
    die ich vorher schon einige male in einiger entfernung gesehen hatte.
    aber noch nie so aus der nähe. ich glaube, einen kamm hatte sie seit
    monaten nicht gesehen, über anderes will ich lieber nicht nachdenken.
    sie war schlampig und dreckig, und lief auf und ab und redete immer
    vor sich hin. dann sah ich, dass sie tatsächlich barfuss war, und auf dem
    kalten asphalt und der kalten treppe sehr kalte füsse haben musste,
    denn es war bereits ein kühler herbsttag.
    für notfälle hatte ich immer ein paar socken in der schublade,
    also ging ich raus, und bat sie, sie zu nehmen.

    das war eindeutig ein fehler.
    sie schrie mich an, wie ich dazu komme, fuchtelte wild rum,
    lief auf und ab und machte mich verbal richtig zur schnecke, ob meiner
    frechheit, ihr wärmende socken anzubieten. das ganze dauerte bedauerlicherweise ziemlich lange.
    im nachhinein ist mir schon klar, dass eine psychische störung vorlag,
    aber mir schoss ein heidenschreck in die glieder, und jedesmal, seit
    ich danach jemandem etwas anbiete, sitzt mir das im nacken,
    und ich gucke vorher 3 mal hin und hoffe, dass mir das nicht wieder passiert.

    [​IMG] marie
     
  11. Lilly

    Lilly offline

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    hallo,

    in einer großstadt wie wien, ist es unmöglich allen bettlern etwas zu geben. sie sitzen in jeder u-bahnstation, unterführungen, vor kaufhäusern und und und .........
    wir wurden auch sehr oft davor gewarnt etwas zu geben. meistens sind es organisierte banden, die aus tschechien oder polen usw. extra für diese zwecke in unsere stadt kommen. die sitzen dann stundenlang mit ihren kleinen kindern rum... mit tun diese kinder sehr leid. eigendlich würde so etwas angezeigt werden müssen, denn kinderarbeit ist verboten, und betteln finde ich als arbeit im weiterem sinne.
    anders ist es bei den strassenmusikanten, strassenbildermaler usw. da gebe ich gerne, sie machen auch etwas für ihr geld, auch wenn es sich nicht immer schön anhört, zumindest versuchen sie etwas zu tun :D
     
  12. Sabinerin

    Sabinerin Aktives Mitglied

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    @Trombone

    Hallöchen Trombone,

    mmh, in gewisser Weise hast Du recht. Solche Menschen gibt es. Aber schwarze Schafe gibt es überall.

    Ich kann Deinen Unmut verstehen, aber um genau so etwas nicht zu erleben, frage ich vorher, ob sie etwas essen möchten.

    Der Fall mit dem Einfamilienhaus...ja der hält sich hartnäckig und es gibt auch solche Menschen. Die dürften aber eher "in der Minderzahl" sein *g*

    Betteln ist verboten. Da hast Du recht. Aber schau Dir mal die Menschen an. Die, die es wirklich benötigen, betteln meistens nicht und wenn, dann nicht aggressiv, sondern sitzen still irgendwo und ohne Schild.

    Trotzdem sehe ich das etwas differenzierter.
    Deine Aussage erinnert mich an pauschale Urteile wie

    - alle Übergewichtigen sind dumm, faul und gefräßig
    - alle Blonden sind doof
    - alle Fibrokranken sind Simulanten
    - alle RA-Kranken sind zu faul um zu arbeiten
    etc.

    Der Hinweis, daß sich solche Menschen Unterstützung holen können ist berechtigt und auch gut gemeint.
    Ich kenne nun Geschichten, die haarsträubend sind. Geschichten, wo man sich fragt, wo die Menschlichkeit bleibt und warum Bürokratie solange dauert. Es gibt Geschichten, die ganz nah am Leben sind und nicht an die Öffentlichkeit kommen.
    Solche Geschichten bzw. Lebensberichte haben weder etwas mit dem versteckten Benz zu tun, noch damit daß der Staat großmütig Geld herausgibt.

    Kleines Beispiel:
    Ein Mitarbeiter aus dem Team, bedürftig und wohnungslos, wird vom Vorsitzenden betreut und soll seit November letzten Jahres eine Wohnung bekommen. Günstig, klar, Lage, naja, Ausstattung ups.
    Seit November (zum Glück haben wir ja erst wieder August) muß jemand prüfen, ob dies und das und jenes und überhaupt gerechtfertigt ist.
    Ich könnte diesen Fall noch eingehender schildern, werde es aber nicht tun.
    Und nun meine Frage: Was gibt es zu prüfen, daß 9 Monate dauert und wo der Vermieter schon sein Einverständnis gegeben hat?

    Noch etwas zum Thema "Sie können das Bekommen was ihnen zusteht."
    MIR stand vor etwas über 2 Jahren auch ein TNF-Alpha-Blocker zu.
    Leider fand ich anfangs keinen Arzt, der es mir verschrieb.
    MIR steht bei meinem Krankheitsbild auch KG zu.
    Leider ist es heute nicht mehr so einfach, wie noch vor einigen Jahren.

    Mir steht so einiges zu, aber das bedeutet nicht, daß ich es auch bekomme ;)

    Die Theorie ist häufig klar, aber die Ausführung lässt ausreichend Platz, um all die Theorie großzügig zu widerlegen, zu vermindern oder oder....


    Trombone das ist nicht persönlich oder böse gemeint, sondern einfach ein Fall von vielen. Diese Geschichten möchten die meisten weder lesen noch hören, sie möchten davon nichts wissen, weil so etwas in unserem Staat doch einfach nicht sein kann (das meine ich ebenfalls nicht persönlich!)

    Viele Grüße
    Sabinerin
     
    #12 18. August 2005
    Zuletzt bearbeitet: 18. August 2005
  13. Bianca

    Bianca Neues Mitglied

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    da hab ich auch noch was

    Vor 12 J war ich in einer Psychosomatischen Klinik. Wir hatten uns dort zu einer großen Clique zusammengeschlossen und saßen sehr oft in unserem Klinikcafe. Dort kam immer mal ein junger Mann hinein, ziemlich "verloddert". Nach ein paar Tagen konnten wir Kontakt zu ihm aufnehmen (er war sehr schüchtern), wir bekamen heraus das er aus der Psychiatrie kam (leider ist diese Klinik absolut verrufen in unserer Gegend, Pat. werden schlecht behandelt:mad: ). Nach einigen Tagen hatte er vertrauen zu uns gefasst und fing an uns seine Geschichte zu erzählen. Er war ein sehr gebildeter Mann (ich glaube er hatte Politik und Jura studiert?) Seine Familie war Vermögend und hatte ein schlimmes Spiel mit ihm getrieben,:eek: er wurde Alkoholiker und sehr krank. Er wurde Durch seine Geschwister entmündigt!:(
    Nun, es war auch schon sehr kalt und wir sahen das seine Schuhsohlen total durchlöchert waren.
    Was sollten wir tun ohne ihm den eindruck zu vermitteln er bekäme Allmosen? :confused: Wir sammelten unter uns und ein Mitpatient bekam die Schuhgröße heraus, ging und kaufte ein paar tolle Schuhe von dem Geld. Wir verpackten dies als Geburtstagsgeschenk und legten vom Restgeld noch Zigaretten und eine Karte bei. :D Als er kam übergaben wir ihm das Geschenk und sagten wir hätten gehört er habe heute Geburtstag. Er verneinte und lehnte das Geschenk ab, da er ja nicht Geb hatte. Wir haben ihn dann aber davon überzeugt das er es doch nehmen müsse da wir ihm dies zu seinem Geb gekauft haben und irgendwann habe er ja Geb.;)
    Er war so gerührt das wir auf einmal alle zusammen in diesem Cafe geweint haben.:o
    Leider weiß ich nicht wie es ihm weiterergangen ist! Ich hoffe nur er hat sein Leben wieder in seiner Hand.
    Nachdenkliche Grüße Bianca:D
     
  14. Cori

    Cori Optimistin

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    @ Bianca

    KLASSE!!!!
     
  15. JMCL

    JMCL Neues Mitglied

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    Hallo Ihr Alle, was für ein Thema! Seit einigen Jahren beobachten wir regelrechte Kolonnen, die überall knieend in der Innenstadt wortlos betteln. Nach einiger Zeit sind wieder alle verschwunden und nach noch einiger Zeit sind sie - oder auch andere - wieder da. Und ich kann und kann einfach damit nicht umgehen, ich fühle mich betroffen und beschämt und stinkewütend zugleich.
    Beim ersten Mal stieg ich aus dem Bus und stolperte fast über einen knieenden Menschen und war zutiefst betroffen über diese demütige menschenunwürdige Haltung und hab Geld gegeben.
    Inzwischen mache ich es nicht mehr, ich hab selbst gesehen, dass diese Plastikbecher zwischendurch von einem ganz normal aussehenden Mann geleert wurden. Also eine eindeutig organisierte Bettelei.
    Im vorigen Herbst haben wir einer Frau, die mit einem Kleinkind bettelnd vor einem Geschäft saß, Socken für die nackten Füsse des Kindes gekauft und selbst angezogen. Als wir nach einiger Zeit erneut vorbeikamen, hatte das Kind wieder nackte Füsse.
    Inzwischen kaufe ich die Zeitung der hiesigen Obdachlosenorganisation und gebe Geld für Straßenmusik und spende per Banküberweisung an hiesige Organisationen, aber ich gebe kein Geld mehr auf der Straße.
    Wohl fühl ich mich nicht sonderlich dabei, geb ich ehrlich zu, und die Wut packt mich immer noch, wenn ich die knieenden Menschen sehe - was für eine Welt ist das, die Menschen zwingt, sich ausbeuten zu lassen, nur um überleben zu können? Aber das gilt ja auch für viele andere Bereiche.
    Trotzdem, seitdem wir uns entschieden haben, regelmäßig für hiesige Organisationen zu spenden, geht es mir moralisch zwar ein wenig besser aber immer noch nicht gut, wenn ich die bettelnden Menschen bei uns sehe.
    JMCL
     
  16. anbar

    anbar Neues Mitglied

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    tja was soll ich sagen, ich gebe ,wenn ich kann(also Geld habe) und ich gebe es gerne.

    Ich bin mal morgens früh zur Ergo gegangen, da kam ein Mann(sah gepflegt aus) mit Hund auf mich zu und sprach mich an: heute ist der 30. und würden Sie mich zu einem Kaffee einladen? Mh, grübel, ich war über diese Ansprache sehr erstaunt. Tja meinte ich , habe in 10 Min. Ergo aber hier hab ich noch 3 € , reicht das für euch beide?
    Der strahlte mich an. und ich hatte noch den ganzen tag über diese ungewöhnliche Ansprache nach zu denken.
    Ich denke, es sind viele Menschen in den letzten Jahren in Schwierigkeiten gekommen.vor allem seit Hartz IV, und ich mich froh,noch nicht darin zu hängen und deshalb gebe ich gerne.
    Viele Grüße Anbar

     
  17. shirana

    shirana Auf den Hund gekommen *g*

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    vor dem Wasser, hinter dem Wasser überall Wasser ;
    Guten Morgen zusammen,

    Geben ? Ja, aber dann nur Kleidung, Essen, Decken usw.

    In letzter Zeit häufen sich bei uns die Bettler, die direkt an die Tür gehen. Ersichtlicherweise ( weil um der Ecke ein unbekannter Bulli steht) organisiertes Betteln. Sorry, da sträuben sich mir die Nackenhaare.

    Genauso, wie die typischen Verkaufsstrategien an der Haustür: ich armer Häftling, hab kein Geld und du musst mir doch unbedingt Abos abkaufen.

    Tut mir leid, da seh ich rot!

    Die Bettler die bei uns in der Stadt sitzen....komisch...die betteln nicht!
    Nein, sie sitzen an ihrer Bushaltestelle. Sie unterhalten sich mit Passanten. Viele von denen ( den Passanten ) interessiert es wirklich, wie es kommen konnte, das sie sozial so abgestiegen sind. Direkt neben an ist ein kleines Cafe, später sieht man die Passanten mit den Bettlern dort sitzen und einen Kaffee trinken.

    Meine Oma geht häufig in die Stadt und sitzt dort mit ihrem Rollator um Pause zu machen. So sind sie auch schon häufiger ins Gespräch mit den Bettlern gekommen. Auch sie haben schon desöftern von ihrer margeren Rente einen Kaffee ausgegeben. Man wird freundlich von diesen Bettlern gegrüsst, es wird auch ihrerseits geholfen. Wenn mal eine alte Dame Hilfe braucht, egal ob sie über die Strasse muss, die Tasche zu schwer ist usw......
    Die Hilfsbereitschaft einige unserer Bettler , davon sollten sich auch mal die anderne eine Scheibe von abschneiden.

    Auch von denen hab ich erfahren, das viele durch die Bürokratie erst zum Bettler geworden sind.
    Einige bekommen Sozialhilfe, die aber vorn und hinten nicht ausreicht. Sie freuen sich wirklich darüber, wenn einer mal nen Kaffee oder auch gebäck ausgiebt. Aber bitte ohne Mitleid, das hilft ihnen nicht weiter.

    Am liebsten ist mir Paule ! Paule ist um die 58 oder etwas älter, er gehört schon seit Jahren zum Stadtbild. Immer nett und freundlich, bringt sogar die schweren Einkaufstaschen der alten Damen nach Hause.
    er trinkt kein Alkohol, ist immer gut gelaunt. Ein netter Kerl einfach.
    Man wird immer gegrüsst von ihm, er sieht gepflegt aus, okay die klamotten weniger, aber da kann er ja nichts dafür. Ihm gib ich auch gerne was.

    Ansonsten geb ich auch gerne Naturalien für die Diakonie,AWO, die Tafel usw.... wo sich Bedürftige holen können was sie brauchen.

    Aggressives Betteln und organisierte Betteln ist mir ein Graus, auch hab ich eine Aversion , aber ganz schlimm...gegen Alkoholfahnen.
     
  18. lexxus

    lexxus Neues Mitglied

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    hi miteinander,

    ich gebe selten spenden, weil ich es mir einfach nicht leisten kann, zumal die bettelei in meiner gegend in den letzten jahren überhand genommen hat. gelegentlich kaufe ich einen strassenfeger, gestern habe ich einem einen schokoriegel geschenkt, weil ich kein geld dabei hatte. er hat sich gefreut. punks kriegen von mir prinzipiell nix, weil sie es fast immer versaufen, ausserdem kommts auch schon mal vor, dass man wenn man nix gibt auch noch beschimpft wird. aber was solls, man kann nicht jedem was geben. frech finde ich die typen die häufig in der sparkassenvorhalle rumhängen und die leute direkt vom geldautomaten weg anbetteln (so nach dem motto: der hat ja geld). ganz ätzend finde ich die leute, die ihre zeitungen in kneipen verkaufen, wenn man ihnen nix abnimmt nach geld betteln und wenn man schon dabei ist auch nach zigaretten und auch noch rumkeifen, dass man es sich ja auch leisten könne in der kneipe zu sitzen. in einer kneipe gabs da so einen spezialisten, den ich wiedererkannte als ich mit meinen eltern beim essen im restaurant saß und der keine hemmungen hatte uns direkt beim essen anzusprechen.
    tut mir leid, aber im moment fühl ich mich einfach überrannt von leuten, die alle kohle von mir wollen, die ich einfach nicht habe. wäre direkt mal interessant mal ne statistik zu erstellen, wieviel geld ich loswerden würde, wenn ich jedem der mich darum bittet einen euro geben würde (tippe auf 10 euro täglich, eher mehr).

    liebe grüsse
    lexxus