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Autofahren mit Rheuma

Dieses Thema im Forum "Sonstige Medikamente und Schmerztherapie" wurde erstellt von Sven1974, 2. Februar 2015.

  1. Sven1974

    Sven1974 Neues Mitglied

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    Hallo,

    ich suche an dieser Stelle Erfahrungsberichte über eure Schmerzmittel in Zusammenhang mit der Erteilung der Fahrerlaubnis.
    Und zwar ist es ja so, dass bestimmte Medikamente, nun ja, dazu führen dass man nicht mehr besonders reaktionsschnell ist. Ich möchte hier nicht auf meine persönliche Medikamentation eingehen und für mich ist auch klar, dass ich mich nur an das Autosteuer setze, wenn ich dazu in der Lage bin.
    Doch ich habe gehört, dass einem der Führerschein entzogen werden kann auch wenn man nicht einmal unter akuten Medikamenten-Einfluss Auto fuhr sondern zufällig in eine Kontrolle geriet.
    Schmerzmittel laufen also als Drogen?

    Wer hat Erfahrungen? Kann mein Arzt mir ein Gutachten ausstellen dass ich bei einer Verkehrskontrolle Zeigen kann? Oder sollte ich gar nicht mehr Auto fahren wegen der Medis?
    Aber ich fühle mich sonst sehr unselbstständig und man weiß ja nie wie lange es noch "geht" aufgrund der Schmerzen :(

    Ich hänge euch noch die aktuellen Bestimmungen zum DrogenKonsum im Straßenverkehr an - Die Strafen sind bei Medikamenten gleich: http://www.bussgeldkataloge.eu/deutschland/drogen.html
     
  2. josie16

    josie16 PsA

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    Hallo Sven!
    Vielleicht hilft dir das weiter:
    http://schmerzliga.de/arzneimittel_hinweise.html

    Meine Info ist vom beh. Arzt, daß man in der Eingewöhnungsphase lieber darauf verzichten sollte, ein Fahrzeug selbst zu steuern, danach ist das kein Problem mehr.
     
  3. She-Wolf

    She-Wolf Weihnachtsfan

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    Ich habe einen Schein, dass ich die Schmerzmittel aufgrund einer Erkrankung benötige und sie nicht als Droge missbrauche. Mittel und Dosierung steht drin. Habe ich zwar noch nie gebraucht, fühlt sich aber gut an, es in der Tasche zu haben.

    Wölfin
     
  4. Sven1974

    Sven1974 Neues Mitglied

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    Hast du den einfach von deinem Arzt erhalten?
    Ist dieser auch irgendwie "amtlich" gültig?
    Da werde ich meinen Hausarzt wohl auch mal darauf ansprechen. Schaden wird es ja zumindest nicht!
     
  5. josie16

    josie16 PsA

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    Hallo Sven!
    Das ist sicher ein Opioid Ausweis:
    http://schmerzliga.de/download/Opioidausweis.pdf

    Ein Polizist aus dem Bekanntenkreis hat mir allerdings mal erklärt, daß man einen Ausweis erst vorzeigen soll, wenn man gezielt auf Schmerzmitteleinnahme angesprochen wird, da es durchaus auch versicherungstechnische Probleme geben kann und wenn man nicht danach gefragt wird, sollte man es auch nicht sagen.
     
  6. Lächeln

    Lächeln Aktives Mitglied

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    Der Ausweis bescheinigt zwar die Notwendigkeit der Einnahme, d.h. wenn die Polizei einen Drogentest macht, ist klar, dass es nicht um illegal besorgte Drogen geht.

    ABER:
    Er bescheinigt NICHT die Fahrtüchtigkeit!!!!!!

    Ich hab auch schon versucht, mich kundig zu machen, aber das Ganze ist sehr schwierig (es gibt eine gute Broschüre vom ADAC). Man muss einen Arzt finden, der einem bescheinigt, dass trotz der Medikamenteneinnahme die Fahrtüchtigkeit nicht beeinträchtigt ist. So viel ich weiß, gibt es bei Psychopharmaka die Möglichkeit, beim Psychialter einen Test zu machen auf Reaktionsfähgikeit und sich das Bestehen dieses Tests bescheinigen zu lassen. Leider habe ich nichts darüber gefunden, ob es das auch bei Schmerztherapeuten oder so gibt.
     
  7. Mupfel

    Mupfel seropositive RA u. Fibro

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    Ich habe gerade meinen Arzt hier im Krankenhaus darauf angesprochen und er sagt, dass dieser Ausweis nichts bringt, denn er besagt nicht, dass der Fahrer der Kraftfahrzeugs unter der Einnahme verkehrstauglich ist. Ist für mich auch logisch. Was bringt mir ein Ausweis in dem steht, Frau xyz nimmt z.b. 10 mg Morphin. Wenn ich einfach 20 mg nehme, weil ich einen Schub habe, bin ich nicht mehr verkehrstauglich und es bringt mir nichts, wenn ich dem kontrollierendem Polizist meinen Ausweis vorhalte. AUSSCHLIEßLICH ICH bin verantwortlich als Führer eines KFZ.
     
  8. She-Wolf

    She-Wolf Weihnachtsfan

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    Nein, Sven, der ist nicht amtlich gültig. Erhalten habe ich ihn vom Schmerzarzt, der damit bescheinigt, dass ich in ärztlicher Behandlung bin, die Medikamente zwingend mitführen muss und dass man das nicht ohne schwerwiegenden Grund streichen soll.

    Es ist nur ein gewisser Schutz, aber kein Freibrief. Wenn ich sowas einnehme und mich dann wie ein Straßenrowdy aufführe, nützt mir das gar nichts. Ich muss ganz im Gegenteil damit rechnen, dass ich härter bestraft werde, weil ich deutlich verantwortungslos handel.

    Es ist ein Opioid-Ausweis. Mein damaliger Hausarzt hat mich auf Nachfrage mit großen Augen angeguckt und den Kopf geschüttelt, ob meiner "anmaßenden" Frage. Er kannte so einen Ausweis einfach nicht und dachte ernsthaft, ich will ihm ans Bein pinkeln. Dein Ansprechpartner ist ein Schmerzmediziner. Der Ausweis ist zweisprachig (deutsch/englisch).

    Wölfin

    OT: Ich habe übrigens auch immer eine aktuelle Medikamentenliste mit Dosierung in der Tasche. Falls ich unterwegs medizinische Hilfe brauche und nicht mehr denken/antworten kann, sind die behandelnden Ärzte schnell informiert.
     
  9. Lächeln

    Lächeln Aktives Mitglied

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    Ich denke, so bald man ein Medikament nimmt, in dessen Beipackzettel steht, dass die Fahrtüchtigkeit oder die Bedienung von Maschinen eingeschränkt ist, wird es schon schwierig. Allerdings sind das meist Medikamente, die bei einem Drogentest nicht anschlagen.
    Aber bei anderen, bei denen klar steht, man solle während der Behandlung damit nicht autofahren - da gibt es kaum eine Möglichkeit, wirklich sicher zu sein, dass einem nicht unterstellt wird, ein Unfall wäre als Folge des Medikaments entstanden - und dass die eigene Versicherung zwar zunächst zahlt, sich das Geld aber dann später bei einem holt.

    Eine Sicherheit wäre ein Attest von einem Arzt, dass trotz der Einnahme die Reaktionsfähigkeit nicht eingeschränkt ist. Aber ich könnte mir vorstellen, dass die meisten Ärzte vor einem solchen Attest zurückschrecken.
    Bisher habe ich auch nichts gefunden, wo man die eigene Reaktionsfähigkeit testen lassen könnte. Ich meine, dort wo die MPUs gemacht werden, die könnten das vermutlich schon - aber gerade da würde ich ja nicht hin wollen, um keine schlafenden Hunde zu wecken.

    Für mich ist das der Grund, warum ich bisher kein Tilidin nehme, obwohl ich den Effekt bei einer "Probeeinnahme" als sehr angenehm empfunden habe. Ich lebe in einem Dorf und wäre ohne Auto total isoliert. Wenn es mir so schlecht geht, dass ich Tilidin brauchen würde, schaffe ich die Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs auch nicht - vor allem, wenn es nur 3 bis 4 Busse pro Tag gibt.
     
  10. Mupfel

    Mupfel seropositive RA u. Fibro

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    Leider habe ich die Wahl nicht, keine Schmerzmedikamente zu nehmen. Und ich kann auch nicht einfach zu Hause bleiben sondern muss zur Arbeit. Und das geht nicht ohne Morphium.

    Öffentliche Verkehrsmittel gehen aus mehreren Gründen nicht und mir ein Taxi jeden Tag mehrmals zu nehmen aus Kostengründen auch nicht.

    Also muss ich so fahren. Ich habe keine Alternative.

    Und hoffen, dass ich niemals in eine Polizeikontrolle komme. Auf die dann folgende Diskussion graut es mir beim blossen Gedanken daran.

    Ich finde es ja toll, wenn man in solch einer Situation nicht ist und sich das aussuchen kann.

    Auch in solchen Fällen sollte es eine rechtliche Absicherung geben. Wieder eine Gesetzeslücke bei chronischen Schmerzpatienten.:(
     
  11. moi66

    moi66 Aktives Mitglied

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    grundsätzlicheahrtüchtigkeit

    Grundsätzliche Fahrtüchtigkeit wird kein Arzt attestieren, weil er ja nicht zu jeder Zeit die Reaktion des Patienten auf ein Medikament sicher wissen kann. Wenn Einschränkung der Fahrtüchtigkeit als Möglichkeit angegeben wird, ist das so.
    Und liegt einzig und allein in der Verantwortung des Fahres/der Fahrerin, täglich neu zu entscheiden, obs geht oder nicht.
    Wahrscheinlich sind die Maßstäbe sogar strenger: "Sie wissen doch... wie konnten Sie dann.."


    PS: den Tippfehler im Titel krieg ich nicht weg..sorry...
     
    #11 3. Februar 2015
    Zuletzt bearbeitet: 3. Februar 2015
  12. Mupfel

    Mupfel seropositive RA u. Fibro

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    Gerade gefunden :top:

    Merkblatt des Bundesministeriums für Gesundheit

    Opiate am Steuer


    Laut § 24 Abs. 2 der Straßenverkehrsordnung ist das Führen eines Kraftfahrzeuges nicht generell verboten, wenn der Fahrer "ein für den konkreten Krankheitsfall verschriebenes Arzneimittel", darunter beispielsweise Morphin oder andere starke Schmerzmittel (Opioide), bestimmungsgemäß einnimmt.

    Zwar gibt es individuelle Unterschiede, doch in der Regel sind Patienten, die dauernd stark wirksame Opioide einnehmen, geistig und körperlich in der Lage, ein Fahrzeug zu führen. Allerdings müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu gehören etwa ein guter Allgemeinzustand sowie ein stabiler Therapieverlauf.

    Nur zu Beginn einer Behandlung, wenn ein Patient auf ein Opioid eingestellt oder auf ein anderes Medikament umgestellt wird, können Beeinträchtigungen wie etwa Müdigkeit oder Benommenheit auftreten, bei denen man sich auf gar keinen Fall ans Steuer setzen darf. Doch dies ist nur vorübergehend der Fall.

    Generell gilt:

    Sie müssen mit Ihrem Arzt klären, ob Sie fahrtüchtig sind oder ob eine Fahrunsicherheit besteht
    Ihr Arzt ist verpflichtet, Sie sehr genau aufzuklären, und er muss seine Zustimmung, dass Sie Auto fahren dürfen, auch dokumentieren. Hilfreich für Sie wäre die Kopie seiner Zustimmung.
    Bei fahrtüchtigen Patienten ist ein Opioid-Ausweis eine wertvolle Hilfe. In ihm vermerkt der Arzt, dass der Betroffene diese Medikamente benötigt. Der Ausweis kann bei der Deutschen Schmerzliga angefordert werden. Das Formular zur Anforderung können Sie im Servicebereich unter Bestellungen/Downloads kostenfrei herunterladen.



    Quelle schmerzliga.de/arzneimittel_hinweise.html

    Link zur Seite um vorgenannten Opioid-Ausweis herunterzuladen (ziemlich unten)

    schmerzliga.de/downloads.html
     
    #12 3. Februar 2015
    Zuletzt bearbeitet: 3. Februar 2015
  13. Lächeln

    Lächeln Aktives Mitglied

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    Wow, danke, diese Aussage hilft weiter! So was hatte ich vergeblich gesucht!
     
  14. She-Wolf

    She-Wolf Weihnachtsfan

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    Danke, Mupfel. Sowas habe ich vom Schmerzarzt bekommen und zwar ohne nachzufragen. Mir wurde das komplett ausgefüllt von der Arzthelferin in die Hand gedrückt mit einer kurzen Erklärung.

    Wölfin
     
  15. Sven1974

    Sven1974 Neues Mitglied

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    Danke für eure Zahlreichen Antworten!
    Toll @Mupfel, das hilft mir - und sicher vielen anderen - doch ein ganzes Stück weiter.
    Jetzt hab ich auch eine gute Ausrede zur Hand wenn ich meine Frau bitte dass sie mich fährt :D
    "Och Schatz, heute bin ich so müde - das sind sicher meine Schmerzmedis - da darf ich dann frei nicht Auto fahren!"
    Hihi.