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Als ich zur Kur wollte ....

Dieses Thema im Forum "Kaffeeklatsch" wurde erstellt von Nixe, 14. November 2002.

  1. Nixe

    Nixe Guest

    Mutter zu sein, bedeutet 24 Stunden am Tag in Hab-Achtung-Stellung zu stehen. Auch wenn man schläft, ist man doch eigentlich immer wachsam. Eine Mutter könnte man um Mitternacht wecken und sie könnte Dir ohne groß nachzudenken sagen, welche Erkältungsmedizin im Hause ist, mit Verfallsdatum, Apotheker und Hersteller, einschließlich sämtlicher Nebenwirkungen. Wecken Sie mal eine Mutter und fragen Sie, wo es die günstigsten Kindersachen gibt, sie kann ihnen sogar sagen, wie lange sie dort kostenlos Parken dürfen und mit welchem Verkäufer sie den besten Rabatt aushandeln dürfen.
    Mütter sind auch für alles was im Hause passiert oder nicht passiert zuständig. Ja, okay ich hab auch eine Punchingball im Keller, um mich abzureagieren. Wir müssen an alles denken. Erinnern wir zu oft, werden wir als nervig abgestempelt. Sagen wir nichts, sind wir dran Schuld wenn die Sporttasche im Flur blieb. Neulich wurde ich Zeuge eines Gesprächs zwischen zwei 8 jährigen.
    *Boah, meine Mutter nervt. Jeden früh fragt sie mich, hast du daran gedacht, hast du dieses mit.* Der andere: *Mütter sind so. Die sind schon so geboren*. Der erste: *Mensch ich frag die doch auch nicht, wenn sie auf Arbeit geht, ob sie alles mit hat.* *Tja, du bist ja auch nicht die Mutter*. Nett, oder?
    Also ich hätte mich doch sehr gefreut, wenn mich einer mal darauf hingewiesen hätte, das ich in Pantoffeln ins Amt gefahren bin, oder das mir noch Zahnpasta im Mundwinkel hing. Auch auf den Lockenwickler am Hinterkopf hätte ich letzte Woche gut verzichten können. An zwei verschiedene Schuhe haben sich meine Kollegen schon gewöhnt, aber das ich mit einer halbleeren Waschpulverschachtel anstatt mit der Handtasche über der Schulter erschien, rief dann doch ein leichtes erstaunen hervor. Ja Gott was machen die auch Henkel an die Schachteln.
    Kurz und gut, ich brauchte dringend Erholung. Urlaub wäre nicht schlecht, doch den braucht man ja im Sommer, um die Kinder in den Ferien zu belustigen. Also das Zauberwort hieß KUR.
    Beim Abendessen verkündete ich die frohe Botschaft. 2 Minuten lang sagte erst mal keiner was. Meinem Mann vielen fast die Augen raus, er hörte sogar auf zu atmen. Es dauerte einen Moment, bis ich merkte, dass er sich an einem Stück Gurke verschluckt hatte. Nachdem ich ihn wieder ins Leben zurück geholt hatte, fragte er mich: *Schatz was hast du gesagt? Deine Mutter fährt zur Kur. Das ist schön, sie hat es sich aber auch verdient.* Er hatte mir überhaupt nicht zugehört.
    Irgendwann kam es dann in allen Köpfen an. MAMA WILL ZUR KUR!
    Sie haben keine Vorstellung davon, was Psychoterror ist, wenn sie nicht schon mal versucht haben, zur Kur zu fahren.
    Meine Tochter: *Aber wer kämmt mir Früh die Haare?* Ich: *Schatz, du hast mich seit 2 Jahren nicht mehr an deine Haare gelassen, damit ich dir keine doofe Frisur machen.*
    Mein Sohn: *Aber wer bindet mir denn früh die Schuhe zu?* Ich : *Meine Hase, du hast Schuhe mit Klettverschlüssen.*
    Mein Mann: *Aber wer kocht für uns?* Ich: *Mein Liebling, ich koche euch vor und friere es ein.*
    Mein Sohn: *Wer legt für mich Sachen raus?* Ich: *Spatzel, ich leg mach Fotos von den Sachen, die zusammen passen und Papa gibt sie dir.*
    Mein Mann: *Und wo finde ich die Sachen?* Ich : *Wenn sie weder im Kühlschrank, noch in der Werkzeugkiste sind, dann im Schrank im Kinderzimmer deines Sohnes!* Mein Mann : *Unser Sohn hat ein eigenes Zimmer?* Ich: keine Antwort
    So ging es ständig hin und her. Aber ich war gut gewappnet und so gingen Ihnen irgendwann die fragen aus.
    Hatte ich das bis jetzt gut gemeistert, ging es jetzt erst richtig los.
    Meine Tochter trat in den Hungerstreik. Sie wußte aber nicht, das die Bäckersfrau, bei der Sie morgens einkehrte mein ehemalige Schulfreundin war. Problem gelöst.
    Mein Mann dachte sich auch was feines aus. Er wurde krank. Jede Frau, mit einem männlichen Partner weiß, wie das ist, wenn die Männer krank sind. Sie LEIDEN. Keine noch so talentierte Schauspielerin kann auf der Streckbank so leiden, wie Männer wenn sie krank zu sein scheinen.
    Bei meinem Mann lief das so ab. Es fängt damit an, das er immer stiller wird. Wenn man fragt, bekommt man zur Antwort: *Ach, laß man. Ich brauche nur etwas Ruhe*. Man sorgt sich : *Schatz, geht es dir nicht gut?* Wieder *Ach, laß man, ich will dich nicht belasten.* Wenn ich diese *Ach* schon höre!!!!!! Zwei Tage später ruft er mich im Amt an. Leicht belegte stimme. Etwas zitternd. *Ich wollte dich nicht stören. Aber ich bin jetzt zu Hause*. Nun muss man doch etwas Sorge offenbaren. *Was ist denn los mein Liebling. Bist du krank?* Ein Huster wird losgelassen, vielleicht gesellt sich auch noch ein Nieser dazu. *Hm, ich glaub schon. Ich hab auch ziemliches Fieber* Fieber? *Ohje, wie hoch ist es denn?* Bevor ich eine Antwort bekomme wieder ein Husterchen. *Es ist schon 37,2.* In dem Moment bin ich froh, das ich gerade einen Aktenordner vor mir habe, in den ich vor lachen beissen kann. *Du sagst ja gar nichts.*, kommt es aus dem Hörer. *Meinst du es ist schlimm?* Ja unbedingt meine ich das. Vielleicht sollte ich gleich den Notarzt vorbei schicken. *Ich denke nach, wie ich dir am besten helfen kann, mein Liebling. Ich komm gleich vorbei.* Da sowieso gerade Mittagszeit ist, sause ich auf meinem Fahrrad nach Hause. Da liegt mein Göttergatte auf der Couch. Schal um den Hals und auf dem Tisch ein lustige Auswahl aus unserem Arzneischrank. *Das ist aber lieb von Dir.* werde ich krächzend begrüßt. Er hätte schon mal was von der Medizin genommen. Ich seh mir das bunte Durcheinander genauer an. *Ähm Schatzi, hast du von diesen auch was genommen?* Und halte ihm eine grün-weiße Schachtel hin. *Ich weiss nicht genau, ich hab so einen Schleier vor den Augen.* *Tja mein lieber, dann solltest du vielleicht deine Brille aufsetzen, dass hier sind Abführtabletten.*
    Ich komme dann nicht drum herum zu fragen, was ihm den noch weh tun würde. Der Hals bekomme ich zu Antrwort. Wo denn genau, wollte ich wissen. Mein Mann deutet auf die Brust. Klarer Fall von fiebrigem Wanderhals. Da hilft nur noch Notoperation. Ich koche Tee und mache mich wieder auf den Weg zu meinem Schreibtisch. Nicht ohne meinem Mann einen Kuss dazulassen mit den Worten: *Auch wenn du ein Querschnittslähmung vortäuschst, ich fahre zur Kur.*
    Männer! Aber wehe wir sind mal krank. Wir können mit Bronchitis noch das Haus putzen. Ziehen mit einer Lungenentzündung das Osterfest durch. Ein Bandscheibenvorfall hindert uns nicht, die Geburtstagsparty der Kids zu einem Erfolg werden zu lassen.
    Irgendwann schien sich meine ganze Familie an den Gedanken, dass die Mama ZUR Erholung fährt gewöhnt zu haben. Ich war schon drauf und dran tatsächlich den Antrag zu stellen, als mein Sohn das schlagende Argument vorbrachte.
    *ABER WER KUSCHELT DENN MIT UNS, WENN DU WEG BIST?*
    Mein Punchingball wird wohl doch bald einen neuen Bezug brauchen.
     
  2. ulilou

    ulilou Guest

    ...
    dann sollte man wohl gar nicht erst darüber NACHDENKEN zur kur zu fahren? :)

    sag bescheid, wenn du es geschafft hast und bei der kur BIST!

    liebe grüsse
    ulilou.
     
  3. Nixe

    Nixe Guest

    Ulilou

    ....... hm ich glaube nicht das ich das nochmal schaffe -
    aber Hand aufs Herz, ich glaube auch nicht, das ich so lange ohne
    die Familie aushalten würde *lächel*

    Bist du nach Prüfungsstress etwa kurreif ;o)?

    Liebe Grüsse
    Nixe