gisipb
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Hallo Leute,
ich habe gerade was intressante im TV gesehen.
http://www.swr.de/odysso/-/id=1046894/nid=1046894/did=2938994/vez8u9/index.html
Wollen wir dadrüber diskutieren was haltet ihr davon?
LG Gisi
ich habe gerade was intressante im TV gesehen.
Fleißige Chirurgen?
Unnötige Operationen
Jedes Jahr werden in Deutschland bis zu 40.000 Amputationen bei Diabetikern durchgeführt. Mehr als die Hälfte dieser Operationen wäre vermeidbar, wenn die Füße der Diabetiker regelmäßig untersucht und die Patienten rechtzeitig einem Gefäßspezialisten vorgestellt würden.
Folgen von Diabetes
Unnötige Fußamputationen
Es beginnt häufig mit einem Kribbeln in den Füßen, so als wäre ein Heer von Ameisen dort unterwegs. Wer an Diabetes leidet sollte dieses Warnsignalernst nehmen, denn dann ist der Fuß in Gefahr. Wer nicht schnell reagiert und eine Gefäßbehandlung vornehmen lässt, dem bleibt irgendwann nur noch die Amputation. [mehr zu: Unnötige Fußamputationen]
Schlüssellochchirurgie verändert Operationsverhalten
Prophylaktische Gallenblasen-OP
In Deutschland darf jeder Arzt die Operationen durchführen, die er sich zutraut. Eine sogenannte Mindestfallzahl, die nur geübte Ärzte an schwierige Fälle lässt, wurde bei der Gesundheitsreform gekippt. Gesundheitsexperten sagen, dies würde Tausenden von Menschen jedes Jahr das Leben kosten, und es sorgt dafür, dass viele Menschen unnötig unter dem Skalpell landen wie für eine Gallenblasen-OP. [mehr zu: Prophylaktische Gallenblasen-OP]
Ein Mediziner klagt anKasse machen statt Heilen
Im Vergleich zu anderen Ländern steht Deutschland bei keiner einzigen Volkskrankheit besonders gut da. Die Überlebensraten liegen meist nur im Mittelfeld. Und das obwohl wir uns das dritt-teuerste Gesundheitssystem der Welt leisten. Nur die USA und die Schweiz geben noch mehr aus. Die Politik hat deswegen den Krankenhäusern einen Sparkurs verordnet. Mit Rationalisierungen und mehr Wettbewerb sollen sie fit gemacht werden. Das wird dazu führen, dass voraussichtlich ein knappes Drittel der rund 2.200 Kliniken in Deutschland schließen müssen. Die Hoffnung ist, dass dies die Qualität insgesamt steigert. Es wäre notwendig. Ein Insider hat über die wahren Verhältnisse in den Krankenhäusern ausgepackt.
Dr. Frank König klagt an
Bis vor kurzem war Doktor Frank König Chefarzt. Doch sein altes Leben in Deutschland hat er verloren. „Aus dem Versuch, den passenden Job zu finden, wurde ein Leben aus dem Koffer“, sagt der Nervenarzt. „Dieser Koffer ist so etwas mein Talisman geworden. Mit dem habe ich die letzten Jahren die deutsche Kliniklandschaft kennen lernen müssen, in der leider zunehmend nicht mehr das Patientenwohl, sondern das Kasse machen im Vordergrund steht.“
Profit statt Fürsorge?
Spricht hier ein gescheiterter Ex-Chefarzt? Oder klagt der Psychiater mit seinem Buch, das er über seine Erfahrungen geschrieben hat, zu Recht deutsche Kliniken an? Die traurige Anklageschrift des ehemaligen Chefarztes Frank König gegen die Betreiber von Kliniken liest sich in Kurzform so: Überlastete Ärzte, erschöpfte Schwestern und Pfleger. Die Ursache für diesen Notstand: Personalmangel - Gerätemangel – Zeitmangel. Der Grund: zunehmende Kosteneinsparung. Das Krankenhaus wird nach Frank Königs Beschreibung mehr und mehr zum knallharten Unternehmen, in dem beim Umgang mit dem Patienten der Profit die Pflege in den Hintergrund drängt.
Gewinner und Verlierer
Professor Gerd Glaeske sieht das anders. Er ist Mitglied im Sachverständigenrat für Gesundheitsfragen und studiert die deutsche Kliniklandschaft seit Jahren: „Mein Eindruck ist, dass die Krankenhäuser vernünftig arbeiten, das aber unter dem neuen Entgeltsystem - das sind ja ganz neue Entgelte, mit denen ganz bestimmte Prozeduren mit einer Pauschale bezahlt werden - es Krankenhäuser gibt, die verlieren und es Krankenhäuser gibt, die gewinnen. Das ist immer das Problem des Wettbewerbs, dass ich Häuser habe, die letzen Endes verlieren werden.“
Was meint er mit jener „Pauschale“, die unsere Krankenhäuser in Gewinner und Verlierer unterteilt? Früher verdiente die Klinik für jeden einzelnen Tag, den ein Patient im Krankenhaus verbrachte, gutes Geld. Heute wird nur noch eine feste Fallpauschale gezahlt. Das bedeutet: nur eine schnelle Behandlung mit möglichst wenig Aufwand an Zeit, Technik und Personal rechnet sich.
„Wenn Sie das mit den Krankenhäusern tun“, meint Frank König, „dann kommen die natürlich an ein Limit, wo Verwaltungsleitungen entscheiden müssen: Wo können wir jetzt Ressourcen einsparen? Das ist ähnlich wie wenn Sie eine Zitrone auspressen, sie dann zurück ins Regal legen und anschließend die Zitrone dafür verantwortlich machen, dass sie nicht mehr verkauft werden kann.“
Die Klinik als Zitrone
Sind solche Klagen wirklich berechtigt? „Ich halte die Klagen für wichtig“, sagt Gesundheitsexperte Glaeske. „Die Klagen sind immer Signale. Wo Klagen auftreten ist irgendwas nicht in Ordnung. Und das ist auch etwas, was wir den Krankenhausträgern vorwerfen müssen: Sie müssen auf diese Klagen hören. Ein Arzt wird nicht ohne Grund bestimmte Missstände anprangern.“
Ist der Psychiater Frank König aber ein Einzelfall, oder beschreibt er die typische Situation vieler Krankenhäuser, die dem Wettbewerb nicht mehr gewachsen sind? Aus Sicht von Frank König jedenfalls wurden die Folgen der wettbewerbsbedingten Kosteneinsparung in seinen Häusern deutlich. „In einer Klinik, in der ich leitend tätig war, führte das dazu, dass trotz aller Warnungen der verantwortlichen Ärzte die internistische Fachkompetenz zeitweise nicht vorhanden war, aber der Krankenhausträger von uns verlangte, Chemotherapiepatienten aufzunehmen und zum Teil dann Praktikantinnen beziehungsweise Medizinstudenten am Ende der Ausbildung quasi Stationsarztfunktionen ausführen mussten. Und das halte ich für eine ganz tragische Entwicklung: nur um den Preis, Betten auszulasten, Menschenleben in Gefahr zu bringen.“
Seine Erfahrungen machte Frank König in einer Rehabilitations-Klinik. Also dort, wo normalerweise keine Akutfälle behandelt werden. Doch der Zwang zur Kostersparnis trieb behandlungswürdige Menschen wie jene Chemotherapie-Patientin nach seiner Meinung in den Rehabilitations-Bereich. Sind frühzeitige Verschiebungen Einzelfälle oder die Regel?
„Wir werden das immer haben“, glaubt Gerd Glaeske, „und wir werden das sicher auch behalten. Weil es sicherlich auch Situationen gibt, in denen Patientinnen und Patienten nicht in hochspezialisierten Stationen in einem Krankenhaus weiter liegen müssen, sondern dann der Hotelbetrieb dazukommt. Es soll jemand betreut werden, fachlich betreut werden, qualitativ hochwertig betreut werden. Aber er muss dann nicht in einem teuren Bett in einer Intensivstation liegen, sondern das kann auch irgendwo anders passieren."
Billigere Medikamente mit größeren Nebenwirkungen
Auch Dr. Gerhard Schell war Chefarzt. Inzwischen hat er sich selbständig gemacht. Auch er ist aus dem Krankenhaussystem ausgestiegen, wollte nicht mitmachen, was in seinen Kliniken unter dem Slogan ‚Einsparung’ passierte. Als Beispiel nennt der Kollege von Frank König den Umgang mit der Vergabe von Medikamenten. Gerade bei psychischen Leiden seien häufig teure Präparate notwendig, doch auf Kosten des Betroffenen werde hier nur allzu oft gespart: „Medikamentenbudgets sind so bemessen, dass Patienten nicht nebenwirkungsärmere Präparate bekommen und das, finde ich, ist ein Unding, das ist ein Skandal.“
Veränderung der Krankenhaus-Landschaft
Dr. Frank König und Dr. Gerhard Schell. Stellvertreter für alle, die das Streben nach Profit anklagen das Kliniken in Gewinner und Verlierer aufteilt aus Gründen der Kosteneinsparung. Wann endet das Wettbewerbs-Drama in unseren Krankenhäusern? „Wenn man jetzt ’mal perspektivisch denkt, dann denke ich schon, dass sich das Ganze innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre konsolidiert haben wird. Ich werde die Krankenhauslandschaft - ich sage das mal so ausdrücklich - bereinigt haben, auch um Häuser die nicht mehr mitkommen, die auch jetzt schon im Grunde genommen gegenüber den Patienten keine vernünftige Qualität abliefern können. Das haben wir heute, das müssen wir einfach konstatieren. Und insofern wird sich die Krankenhauslandschaft in Richtung Qualität und Effizienz verändern. Das wird sicher die nächsten fünf bis zehn Jahre dauern, aber mein Eindruck ist, dass das eine Veränderung ist, die für das System und für den Patienten gut ist.“
Doch das Qualitätskrankenhaus ist noch Zukunft. Für die Gegenwart gilt: Solange sein anklagendes Buch der einzige Erfahrungsbericht eines Arztes bleibt, ist Frank König ein wirkungsloser Außenseiter.
Medizinische WeiterbildungÄrzte-TÜV
Jeder Teekessel, jedes Moped und erst recht jedes medizinische Gerät wird bei uns wieder und wieder getestet und auf Risiken geprüft. Ein Arzt aber, der einmal die Lizenz zum Schneiden, Spritzen und Therapieren verliehen bekommen hat, der behält sie wie selbstverständlich ein Leben lang. Facharzt wird man in Deutschland mit Anfang 30, danach wird man nie wieder geprüft. Und Weiterbildungen sind keineswegs selbstverständlich. Viele Ärzte halten daher an den alten Methoden fest die sie kennen, anstatt neue zu lernen. Die Idee, die Götter in Weiß einem TÜV zu unterziehen, scheint nicht verkehrt.
Am Unfallkrankenhaus Berlin Marzahn forscht Professor Wolfgang Friesdorf an Verbesserungen medizinischer Arbeitsabläufe. Im Fokus steht dabei besonders die Bedienbarkeit medizinischer Hightech-Geräte. Rund 120 Geräte spielen heute im Klinikalltag eine Rolle. Und die Hersteller werfen regelmäßig neue Entwicklungen mit erweiterten Funktionen auf den Markt. Was dazu führt, dass Mediziner schnell überfordert werden.
Moderne Medizin überfordert manch Mediziner
„Das Institute of Medicine in den USA hat Anfang der 2000er Jahre ein Buch herausgegeben, „To err is human“ - Irren ist menschlich - und kam auf Grundlage mehrerer Studien zu dem Schluss, dass im Krankenhaus durch Fehler mehr Menschen sterben als im Straßenverkehr. Es hat dann eine ganze Reihe von Folgestudien in vielen anderen Ländern gegeben. Die Größenordnung wird von allen anderen Studien bestätigt“, erzählt Prof. Friesdorf. In der Bundesrepublik wären das gut 15.000 Todesfälle pro Jahr.
Moderne OP-Geräte sind nicht immer bedienungsfreundlich.
Je komplexer die Technik, desto mehr Fehlerquellen. Ähnlich wie bei der Unterhaltungselektronik gilt auch bei lebenserhaltenden Systemen: Es gibt zu viele Funktionen und unübersichtliche Bedienungsanleitungen. Hinzu kommt, dass der Klinikalltag keine Zeit für umfangreiche Schulungen lässt. Sind unsere Mediziner den Anforderungen einer sich immer schneller entwickelnden Medizin nicht mehr gewachsen?
TÜV-Plakette für Arztpraxis
Diese Frage stellt sich auch bei Deutschlands niedergelassenen Ärzten. Patienten können kaum einschätzen, ob Diagnose und Therapie ihres Arztes auf dem neuesten Stand sind. Deshalb soll nun ein so genannter Ärzte-TÜV eingerichtet werden.
Dr. Thomas Köhler von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung beschreibt das Vorhaben so: „Wir werden neutrale Einrichtungen schaffen die Praxen prüfen und das Prüfergebnis in der Form sichtbar machen, dass auf dem Praxisschild ein so genanntes deutsches Gesundheitssiegel angehängt wird, so dass der Patient weiß: Diese Praxis ist eine in ihrer Qualität geprüfte Praxis.“
Weiterbildung muss belohnt werden
Ärzte sollten hin und wieder die Unibank drücken.
Trotz Fortbildungsverpflichtung fällt das Qualitätsniveau der Ärzte sehr unterschiedlich aus. Ein Teil der Ärzte bildet sich auch über das verlangte Maß fort. Der neue Ärzte-TÜV soll zumindest das belohnen. Viele Mediziner stoßen allerdings heute schnell an Belastungsgrenzen. Denn im Gegensatz zu anderen Berufen müssen sie sich in ihrer Freizeit fortbilden.
„Das Wissen in der Medizin muss alle drei Jahre erneuert werden. Das hat was mit der Forschung zu tun und es ist sehr schwierig, sich auf dem aktuellen Stand zu halten. Aber ich gebe zu, dass wir eine strukturelle Fortbildung erst seit wenigen Jahren betreiben. In der Vergangenheit war das der individuellen Einstellung überlassen. Und dass es da Defizite gab, das will ich gar nicht leugnen“, bestätigt Thomas Köhler.
Wissensüberflutung
Am Kölner Institut für Medizinische Soziologie hält man den Ärzte-TÜV für eine gute Idee, fordert als nächsten Schritt aber auch eine Reform des Fortbildungssystems: „Für die Ärzte ist es in der Tat ein Problem, mit der neuen Wissensflut fertig zu werden. Man muss noch mal unterscheiden zwischen Fachärzten und Hausärzten: den schwierigen Job haben die Hausärzte, weil die praktisch in sehr vielen Krankheiten zu Hause sein müssen, und in sehr vielen Krankheiten den Überblick haben müssen, was denn das Neueste auf diesem Gebiet ist. Der Facharzt hat es da einfacher. Er hat einen überschaubaren Bereich und kann daher auch eher Bescheid wissen was es Neues gibt. Das ist eine Herkulesaufgabe“, meint Prof. Holger Pfaff.
Die Kölner Wissenschaftler hatten rund 10.000 Ärzte nach den aktuellen Leitlinien zur Behandlung von Bluthochdruck befragt. Nur 23 Prozent der Befragten konnten korrekt Antwort geben. Ein Ergebnis das selbst die kritischsten Versorgungsforscher überraschte:
„Die Erfahrung bei unserem Test war, dass wir mit passiven Verfahren - wie zum Beispiel dass man die Leitlinien verschickt, auch als CD oder in lesbarer Form - dass das praktisch keinen Effekt hat. Die das bekommen wissen nachher nicht mehr Bescheid als die, die es nicht bekommen“, bilanziert Prof. Pfaff vom Institut für medizinische Soziologie.
Medizinisches Fremdwort "Versorgungsforschung"
Ständige praktische Weiterbildung ist wichtig
Liegt es nun an den Ärzten? Oder am Fortbildungssystem? Oder am immer schnelleren Fortschritt in Forschung und Technik? Für den Arbeitswissenschaftler Wolfgang Friesdorf gilt es, auf seinem Gebiet erst einmal die Fehlerquellen des Systems auszuschalten: „Die Arbeitswissenschaft hat hier eine ganz klare Vorgehensweise, nämlich ein Topmodell. Erstens technische Sicherheit. Wenn die nicht 100prozentig zu gewährleisten ist organisatorische Maßnahmen, und wenn die nicht die Sicherheit gewährleisten, persönliche Ansätze, das heißt Schulung.“
Versorgungsforschung und Arbeitswissenschaft in der Medizin haben in Deutschland noch keine lange Tradition - im Gegensatz zu anderen Ländern wie den USA oder in Skandinavien. Dort hat man schon frühzeitig organisatorische Instrumente zur Versorgungssicherheit entwickelt. In Deutschland herrscht dringender Nachholbedarf.
http://www.swr.de/odysso/-/id=1046894/nid=1046894/did=2938994/vez8u9/index.html
Wollen wir dadrüber diskutieren was haltet ihr davon?
LG Gisi
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