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Wohnungslose...

Dieses Thema im Forum "Kaffeeklatsch" wurde erstellt von Sabinerin, 11. November 2003.

  1. Sabinerin

    Sabinerin Aktives Mitglied

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    Guten Morgen an alle,

    gestern war ich bei einem Treffen, wo die Arbeit mit Wohnungslosen vorgestellt wurde. Ich bin nicht von gestern und mir ist auch bewusst, daß es viel Elend gibt, aber als ich den Saal verließ war ich ziemlich betroffen.
    Es ist erschreckend wieviele Menschen auf der Straße und am Rande der Gesellschaft leben, die nicht wissen wie sie satt werden. Es gibt Anlaufstellen, wo diese Menschen hingehen können, wo sie als Gäste (!) empfangen und verköstigt werden.
    Ich fand dies sehr beeindruckend.

    Für mich ist es nicht normal, daß ich so lebe wie ich lebe. Für mich ist es auch nicht normal, daß ich in Deutschland geboren bin und hier leben darf (und hier auch Rente beziehen "darf"). Für mich bzw. meinen Mann und mich ist es täglich ein Geschenk, daß wir ausreichend zu essen und eine schöne Wohnung haben. Seit ich krank bin, ist für mich fast nichts mehr "normal".

    Wenn ich dann sehe, wieviele Menschen mit sich und der Welt unzufrieden sind, die keinen Sinn sehen und sich über den dunkle Stelle an den Äpfeln/Bananen aufregen und sie nicht mehr kaufen, dann frage ich mich, WAS diese Menschen überhaupt zufrieden macht...von Glück will ich garnicht reden.

    Ich rede hier nicht von Schmerzen und von Erkrankungen, die das Leben einschränken, die traurig machen können und auch mutlos. Ich rede hier von dem Gefühl, daß das Leben, so wie die meisten es leben, ein Geschenk ist.

    Wer in einer Wohnung, in einem Haus leben darf, wer am Ende des Monats noch satt wird, wer täglich neue Wäsche anziehen kann und sich im Kreis seiner Familie/Freunde aufhalten darf, der hat täglich etwas ganz besonderes...und das vergessen viele Menschen.

    M.E. ist es nicht das Große im Leben, was glücklich und zufrieden macht. Aber es wird dann "groß", wenn man es nicht mehr hat oder bekommt.

    Viele Grüße
    Sabinerin
     
  2. egypt

    egypt Guest

    Wohnungslose

    Hallo,Sabinerin,

    in unserer schnellebigen , auf materiellen Reichtum eingerichteten Zeit, ist es nicht mehr selbstverständlich, sich um die Menschen zu kümmern, die da nicht mehr Schritt halten können. Leider, denn aus welchem Grund auch immer, es kann jeden treffen. Viele Leute schauen einfach weg, wenn sie einen Obdachlosen an der Straße sitzen sehen und denken sich: " Der ist doch selbst schuld,wieder einer, der zum Arbeiten zu faul ist. "
    Das "Monopolispiel des Lebens" ist hart und es wird noch härter, auch bei uns.
    Ich habe mich in meinem Leben sehr viel für benachteiligte Menschen,u.a. psychisch Kranke und auch für Obdachlose eingesetzt und immer versucht zu helfen. Es ist traurig aber diese Menschen haben keine Lobby.
    Solche Situationen kenne ich auch aus eigener Erfahrung und deshalb bedeuten mir auch gerade diese Menschen sehr viel.

    Manchmal gebe ich eine Kleinigkeit oder kaufe die Obdachlosenzeitung ,nehme mir aber immer Zeit für ein Gespräch.Ja, auch in München gibt es dieses Elend und viele Kinder sind betroffen.
    Es hilft schon sehr, wenn die Menschen nicht mehr weg schauen, sondern überlegen,was sie für Obdachlose und Menschen, die in Not sind, tun können.Wenn sie ein bischen von sich und ihrem materiellen Reichtum abgeben, ist schon viel getan.

    Leider können die Betroffenen sich in diesem oder irgendeinem Forum nicht selbst äußern aber trotzdem sind sie ein Teil unserer Gesellschaft und wir dürfen sie nicht ausgrenzen.

    Menschlichkeit gehört nicht nur in die Vorweihnachtszeit !


    Iphigenia
     
  3. Farera

    Farera Neues Mitglied

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    irgendwo gelesen

    und finde es passend zu Deinem Beitrag, Sabienerin :)

    Wofür wir dankbar sein sollten,

    es aber oft nicht mal registrieren:



    *****************************





    den Partner, der Dir jede Nacht die Decke wegzieht,

    weil es bedeutet,

    dass er mit keinem anderen unterwegs ist



    das Kind, das nicht sein Zimmer aufräumt und lieber fern sieht,

    weil es bedeutet,

    dass es zu Hause ist und nicht auf der Straße



    die Steuern, die ich zahlen muß,

    weil es bedeutet,

    dass ich eine Beschäftigung habe



    die riesige Unordnung, die ich nach einer gefeierten Party aufräumen muss,

    weil es bedeutet,

    dass ich von Freunden umgeben war



    die Kleidung, die mal wieder zu eng geworden ist,

    weil es bedeutet,

    dass ich genug zu essen habe



    den Schatten, der mich bei meiner Arbeit "verfolgt",

    weil es bedeutet,

    dass ich mich im Sonnenschein befinde



    den Teppich, den ich saugen muß und die Fenster, die geputzt

    werden müssen,die Knöpfe, die angenäht werden müssen,

    weil es bedeutet,

    dass ich ein Zuhause habe



    die vielen Beschwerden, die ich über die Regierung höre,

    weil es bedeutet,

    daß wir die Redefreiheit besitzen



    die Straßenbeleuchtung, die so endlos weit von meinem Parkplatz weg ist,

    weil es bedeutet,

    daß ich laufen kann und ein Beförderungsmittel besitze



    die hohe Heizkostenrechung,

    weil es bedeutet,

    daß ich's warm habe



    die Frau hinter mir in der Kirche, die so falsch singt,

    weil es bedeutet,

    daß ich hören kann



    den Wäscheberg zum Waschen und Bügeln,

    weil es bedeutet,

    dass ich Kleider besitze



    die schmerzenden Muskeln am Ende eines harten Arbeitstages,

    weil es bedeutet,

    daß es mir möglich ist hart zu arbeiten



    den Wecker, der mich morgens unsanft aus meinen Träumen reisst,

    weil es bedeutet,

    daß ich am Leben bin



    und schließlich: die vielen nervenden E-Mails,

    weil es bedeutet,

    daß ich Freunde habe und es genügend Menschen gibt, die an mich denken.......



    ....und solltest du immer noch glauben, Dein Leben wäre "beschissen",

    dann lies dies nochmal!



    Liebe Grüße
    Farera
     
  4. Uschi

    Uschi Neues Mitglied

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    Armut in Deutschland

    Hallo,

    ja - Sabilein hat es gut beschrieben. Und ich weiss aus eigener, bitterer Erfahrung, wie schnell man abrutschen kann - von Topgehalt auf Sozialhilfe zur EU-Rente nach Scheidung. Und ich hatte noch Glück.

    Auch hier bei uns in Karlsruhe leben viele Familien am Rande des Existenzminimums, besonders unsere Alten, diejenigen, denen wir unser Wirtschaftswunderland verdanken !!!

    Ich habe mir seit meiner sozialien Niederlage 1997 angewöhnt, jedes Jahr um die Weihnachtszeit aufs Sozialamt zu gehen und mir eine Person, Familie etc. nennen zu lassen, denen ich Geld bringe, Materialien, Lebensmittel, Spielzeug etc. Dazu gehe ich bei meinen Freunden und Verwandten rum und sammel !! Jeder kann was geben.

    Wenn ich mal in die Stadt komme und sehe Menschen auf dem Gehsteig, denen man ansieht, dass sie wirklich in Not sind, dann setze ich mich oft dazu und rede mit ihnen. Ich gebe gerne, denn ich verstehe nicht, dass wir in einem Land leben, so Menschen arm sein müssen - wir, das Superwirtschaftsland Deutschland, das Milliarden ins Ausland steckt, aber die eigenen Leute hängen lässt.

    Ich spende nur ganz selten, wenn man dazu aufruft. Wieso ? Weil ich lieber € 20 nehme und es einer alten Frau gebe, die an unserem Postamt in Rüppurr ärmlich gekleidet steht und für ein paar Euro selbstgepflückte Walnüsse aus ihrem kleinen Garten verkauft. Ich fahre zu einer alten Dame, die ihr ganzes Sein den armen hungrigen Tieren widmet und spende Futter - ich gebe viel und gerne, aber ich will es selbst tun.

    Wenn wir uns wieder an den gedeckten, reichen, gut riechenden Tisch setzen und uns vollschlagen mit Gänsebraten, Knödeln, Marzipantorten usw. und wenn der Baum im Lichterglanz erstrahlt, dann sollte uns allen klar sein:

    Danke Gott für diese Gaben und für die Chance, es in einem schönen Leben geniessen zu dürfen. Lasst uns nicht hadern mit unseren Krankheiten, sondern lasst uns an die denken, die in ihrer Not, Armut und Krankheit hungrig schlafen gehen müssen.

    In diesem Sinne,

    eine frohe Vorweihnachtszeit.


    Pumpkin
     
  5. Manuela

    Manuela Guest

    hallo ihr

    Ich hab ne zeilang drüber nachgedacht hier

    auszusteigen

    weil diese unwichtigen diskusionen über wer is kränker als krank
    mich zeimlich traurig und auch der sinn verloren ging einer gemeinschaft die sich doch sehr nah ist oder war?

    Mich beschäftigen auch eher die wichigen dinge wie von Sabi beschrieben und ich hoffe es bringt alle ein stück wieder näher


    in dem sinne Hulda
     
  6. Sabinerin

    Sabinerin Aktives Mitglied

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    @Manuela und andere

    Hallo Manuela, hallo an alle,

    die Diskussionen, oder ich möchte es eher der Meinungsaustausch nennen, ist für chronisch Kranke wichtig. Punkt! Um dies ganz deutlich zu machen ;)

    Jeder Mensch geht mit Erkrankung anders um, der eine nimmt es "auf die leichte Schulter", der andere ignoriert es, der nächste beschäftigt sich viel und intensiv damit und wieder um ein anderer versucht es mit Arbeit zu vergessen.
    Jeder Mensch hat eine andere Art zu leben und das ist gut so und jede Art ist "richtig".

    Ich habe einen schlimmen Schub (oder den schlimmsten überhaupt) mal wieder hinter mir. Wenn ich nicht in so einer heftigen Schubphase bin, gibt es zig andere Dinge, die mich interessieren.

    Krankheit, ok, sie gehört irgendwie mit zum Leben, aber ist nicht mein Lebensmittelpunkt. Sie ist da, mal rede ich darüber, mal nicht.
    Es gibt noch soviele Dinge, die mich beschäftigen, die mich berühren.

    Grundsätzlich habe ich alles, was ich zum guten Leben benötige. Ich habe es bereits oben beschrieben: Familie, Freunde, Wohnung, Nahrungsmittel und Kleidung.
    Nun, ich bin krank, aber trotzdem kann ich doch an Leben teilnehmen.

    Ein Puzzle ist, wenn es noch nicht zusammengesetzt ist, "nur" ein Wirrwarr aus kleinen Teilen, die irgendwie vorhanden sind. Aber jedes einzelne Teil hat seinen Platz und seinen Sinn und JEDES kleine Teil ist so wichtig ....für das Ganze.

    Wenn jeder Mensch nur eine winzige Sache für andere Menschen machen würde, dann wird das in der Gesamtheit viel, sehr sehr viel.
    Ob ich nun zuhöre, anpacke oder organisiere. Ich kann da sein.

    Ich werde belächelt, von vielen Menschen. Ich mache so "dumme Dinge", die so "unwichtig" sind. "Es nützt doch eh nichts. Damit rettest Du nicht die Welt!"

    Nein, ich werde nicht die Welt retten, dafür bin ich zu "unwichtig". Aber ich bin eins dieser winzigkleinen Puzzleteile und davon gibt es viele und all diese Puzzleteile, die so "unwichtige Dinge" tun, werden etwas Tolles vollbringen. Etwas, was der Gesellschaft zugute kommt, etwas was die Wärme in die Herzen und das Lächeln auf die Gesichter zaubert.

    Und ich bin gerne eins dieser Puzzleteile, vielleicht unwichtig und klein, aber ich habe einen Platz in dem Bild, den nur ich ausfüllen kann.

    Jeder kann ein kleines Puzzleteil sein.......

    Sabinerin


    [​IMG]
     
  7. Elke

    Elke wünscht allen

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    hallo sabinerin,

    ich kann nur sagen: deine worte sind sooooooooooo toll!!

    ich bin froh das ich dich "persönlich kenne, aber das weißt
    du ja und ich kann nur auch hier noch mal sagen:

    DANKE

    ich habe durch dich schon sehr viel gelernt was mir in meinem
    leben mit und ohne krankheit schon geholfen hat und noch
    weiter helfe wird.

    danke für deine gedankenanstöße, meiner meinung nach steckt
    viel wahres drinn.

    ich wünsche dir eine lange gute zeit
    lg
    elke
     
  8. merre

    merre Aktives Mitglied

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    Helfen

    Man braucht leider garnicht so weit zu gehen oder zu sehen um irgendwie helfen zu können. Vielfach reicht eine kleine Geste, ein Lächeln oder einfach ein bisschen Zeit für jemand anderes zu haben.
    Wir selbst haben uns angewöhnt direkt zu helfen, manchmal auch bei diesen Benfizveranstaltungen zu spenden, aber eben meist an Betroffene direkt.
    Sicher muß man versuchen nicht ein Gefühl des Bemitleidens zu wecken, ich denke aber jeder der in unserer Gesellschaft lebt und -ich sag mal- gewisse Grundregeln beachtet, hat ein Recht auf Hilfe, wenn er wie immer auch in Not gerät. Aber ganz besonders auch auf Achtung seiner Persönlichkeit.
    Deutschland ist nicht das Land wie in der Werbung, leider oft das ganze Gegenteil. Wir werden immer als reiches Land bezeichnet....sicher geldmäßig gesehen stimmt das, aber sonst würd ich da einiges in Zweifel ziehen. Vielleicht ist gefühlsarm übertrieben, aber oft nah dran.
    Ja eigentlich machen die Meisten nicht viele Worte und helfen einfach im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Nicht immer mag das gleich zum Erfolg führen, doch allein der Wille und ein Anfangen kann manchmal vieles möglich machen.
    Ich kenne mitlerweile viele Leute, die auf Probleme angesprochen fast immer versuchen Hilfe möglich zu machen, manchmal reichen die eigenen Möglichkeiten halt nicht aus.
    Und ich sehe das immer so und sage das dann auch, wenn Betroffene auch mal in eine Situation kommen, wo jemand dann ihre Hilfe bräuchte, sollen sie helfen und dann ist das schon alles in Ordnung.
    Grundsätzlich geht es mir und meiner Famile gut, wir sind eigentlich zufrieden....ein bissl trübt aber das oben Angesprochene diese Zufriedenheit, deswegen engagiert man sich halt und versucht zu helfen.
    Manchmal wünschte ich mir, es würde früher jemand sagen...."könntet ihr vielleicht". Aber das ist sicher schwer. Gut wenns mans aber bemerkt und wieder "in die Reihe bekommt".
    Ja also sehen wir mal was die Festtage bringen und wie das neue Jahr wird, ....ich hab den unruhigen Verdacht es wird wieder etwas Ungerechter und Rauher. Sehen wir halt zu ein bisschen davon wegzukriegen.
    "merre"