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was nachdenkliches ...

Dieses Thema im Forum "Kaffeeklatsch" wurde erstellt von Sulkie, 22. August 2003.

  1. Sulkie

    Sulkie Alpaka-Infizierte

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    irgendwo im schönen Westerwald
    Diese Mail hat mich heute erreicht und auch sehr nachdenklich gemacht.

    ... ist zwar etwas viel zu Lesen aber entspricht voll und ganz der Wahrheit !!!






    Wir haben es tatsächlich geschafft.
    Kaum zu glauben, aber es ist so.
    Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft, speziell was der Gesetzgeber
    und die Bürokraten, die Medien und die Informationsgesellschaft uns täglich vorbeten und verbieten, müssten wir alle, die in den
    Sechzigern bis Anfang der Achtziger aufgewachsen sind, längst tot sein. Unsere Kinderbetten waren mit bleihaltigen Farben bemalt und Formaldehyd sickerte aus jeder Pore. Ganz zu schweigen vom Tapetenleim, dem Kleber des Linoleums oder den PVC-Dämpfen des Stragula. Wasserfeste Filzstifte hatten Ausdünstungen die benebelten und wer erinnert sich noch an den leicht salzigen Geschmack des abzuleckenden Tintenkillers? Steckdosen, Medizinflaschen, Schranktüren und Schubladen waren noch nicht kindersicher. Messer, Schere, Gabel und Licht wurden uns zwar verboten, aber meistens mussten wir uns erst einmal daran verletzten um es zu glauben. Unsere Fahrräder, Roller und Rollschuhe fuhren wir ohne Schützer und Helme. Die Risiken per Anhalter in den nächsten Ort zu fahren waren uns unbekannt! Zum Thema Auto erinnere ich mich weder an einen Sicherheitsgurt, noch an Airbags, ABS oder ähnliche Sicherheitsvorrichtungen im Wagen meines Vaters. Man saß zwar hinten, aber an einem heißen Sommertag gab es doch nichts schöneres als seinen Kopf aus dem Fenster (das man damals noch komplett runterkurbeln konnte) des fahrenden Autos zu stecken und sich den Fahrtwind ins Gesicht blasen zu lassen, daß man kaum noch Luft bekam. Wasser haben wir direkt aus dem Gartenschlauch getrunken und
    nicht aus einer Flasche. Wahnsinn!
    Wir aßen fettige Schmalznudeln und frischgebackenes Brot mit fingerdick Butter drauf, dazu gab es überzuckerte Limonaden oder künstlich gefärbtes Tri Top. Fett geworden sind wir deswegen nie, weil wir immer draußen waren.

    Wir haben zu fünft aus einer Limoflasche getrunken und es ist tatsächlich keiner daran gestorben. Wir haben stunden- und tagelang an Seifenkisten der ähnlichen Gefährten geschraubt, die wir aus rostigem Schrott und litterigem Holz konstruiert hatten. Dann sind wir den Hügel damit runtergebrettert nur um festzustellen, daß wir die Bremsen vergessen hatten. Nachdem wir ein paar Mal in der Böschung gelandet waren, haben wir gelernt auch dieses Problem zu lösen. Wir gingen in der Früh raus und haben den ganzen Tag gespielt, höchstens unterbrochen von Essenspausen und kamen erst wieder rein, als es dunkel wurde und man den Fußball nicht mehr richtig sehen konnte. Wir waren nicht zu erreichen. Keine Handys! Wenn es regnete spielten wir bei Freunden Monopoly oder Mensch ärgere dich nicht, Mühle oder Dame und bauten mit Matchbox Autos ganze Städte auf. Wir hatten weder Playstations oder Nintendo, X-Boxen oder Videospiele, keine PCs, keine 50 Fernsehkanäle oder Surround Anlagen. Ins Kino zu gehen war ein Ereignis, für das man sich herausputzte und das einem vor Vorfreude den Magen kribbeln ließ. Es gab noch Vorfilme, die immer eine Überraschung waren, weil keiner wußte was zu erwarten war und wenn zufällig ein Donald Duck oder Micky Maus Film dabei war, hatte man das ganz große Los gezogen.

    Wir hatten Freunde! Wir gingen raus und haben uns diese Freunde gesucht. Wir haben Fußball gespielt mit allem was sich kicken ließ und wenn einer einen echten Lederball hatte war er der King und durfte immer mitspielen, egal wie schlecht er war. Um im Verein mitspielen zu dürfen gab es Aufnahmeprüfungen, die nicht jeder bestanden hat. Wer es nicht geschafft hat, lernte mit der Enttäuschung umzugehen.Wir spielten Völkerball bis zum Umfallen und manchmal tat es weh, wenn man abgeworfen wurde. Wir sind von Bäumen und Mauern gestürzt, haben uns geschnitten, aufgeschürft und haben uns Knochen gebrochen und Zähne ausgeschlagen. Wir hatten Unfälle! Es waren einfach Unfälle an denen wir Schuld waren. Es gab niemanden, den man dafür verantwortlich halten konnte und vielleicht sogar noch vor den Kadi zerrte. Wer erinnert sich noch an Unfälle?

    Unsere Knie und Knöchel waren von Frühjahr bis Herbst lädiert und ein Schienbein ohne blaue Flecke gab es nicht. Wenn wir uns an Brennesseln gebrannt haben, oder uns eine Mücke gestochen hatte, haben wir entweder drauf gespuckt, oder den Nachbars Hund drüber lecken lassen oder drauf gepinkelt. Geholfen hat alles. Wir haben gestritten und gerauft, uns gegenseitig grün und blau geprügelt und gelernt damit zu leben und darüber weg zu kommen. Wir haben Spiele erfunden mit Stöcken und Bällen, haben mit Ästen gefochten und Würmer gegessen. Und obwohl es uns immer wieder prophezeit wurde, haben wir kaum ein Auge ausgestochen und die Würmer haben auch nicht ins uns überlebt. Wir sind zu einem Freund geradelt, haben an der Tür geläutet und sind dort geblieben nur um mit ihm zu reden. Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere, also haben sie eine Klasse wiederholt. Sie sind nicht durchgefallen, sondern wurden von den Lehrern einfach zurückgestuft. Zensuren bei Proben wurden nie manipuliert, egal aus was für Gründen.

    Wir waren für unsere Aktionen selbst verantwortlich. Konsequenzen waren immer zu erwarten, wenn wir Scheisse gebaut hatten. Der Gedanke, daß ein Elternteil uns rausklopft wenn wir mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren, war undenkbar. Im Gegenteil, die Eltern stellten sich auf die Seite des Gesetzes. Stellen Sie sich das einmal vor!

    Unsere Generation hat einige der größten Enterpreneure und Erfinder hervorgebracht. Die letzten 50 Jahre waren eine wahre Explosion an Innovationen und Ideen. Wir hatten Freiheit und Zwang, Erfolg und Misserfolg. Verantwortung und Konsequenz. Und wir haben gelernt damit umzugehen.

    Erinnere Dich daran, wie Du aufgewachsen bist und Du wirst sehen, was unseren Kindern heute fehlt. Als die Eltern einmal ein Auge zudrückten, anstatt die Kinder mit übergroßer Vorsicht zu erdrücken.

    Unsere Eltern trauten uns zu die richtigen Entscheidungen zu treffen. Meistens hat es geklappt. Die paar Mal, die daneben gingen zählen wir zu unseren Lebenserfahrungen.

    Schick diese Mail an alle weiter die du kennst, die sich auch zu dieser glücklichen Generation zählen dürfen, als Kinder noch Kinder waren und noch keine Anwälte mit Schadensersatzklagen und Regierungen mit kinderfeindlicher Politik unseren Alltag bestimmten.
     
  2. Gerhard

    Gerhard Badener - in memoriam 08.07.2010 †

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    entgangen

    hi sulkie
    Vielleicht ist es dir entgangen aber dieser "Bericht" hat vor 2 Wochen glaub ich die Silke ins Forum gestellt hast schon recht es hat mich auch sehr nachdenklich gemacht

    Gruß Gerhard
     
  3. Sulkie

    Sulkie Alpaka-Infizierte

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    ups ...

    dat kann durchaus sein, Gerhard - aber da war ich ja noch in Reha -

    nun ja - dann fanden das ja andere auch *erwähnenswert* :D

    dat Sulkie
     
  4. Neli

    Neli Optimistin

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    Hallo

    Hallo Sulkie,

    diesen Artikel sollte man mal allen heutigen Eltern und Erziehern zu lesen
    geben.

    Aber leider haben sich heute auch die äußeren Umstände sehr geändert.

    Ich kann mich noch gut an diese Zeiten erinnern. Trotz einer armseligen Umgebung hatten wir nach der Flucht und nach dem Krieg eine glückliche Kindheit. Wir hatten damals keinerlei Spielzeug. Wir haben auch immer jeden Nachmittag Völkerball gespielt und konnten auch verschiedene Ballspiele an Hauswänden machen, das nannte man Probe.
    Und da die meisten Straßen ja nicht gepflastert waren, konnten wir auf der Erde Einzeichnungen für Kästchenspringen machen. Und wir konnten im Sand Messerstechen ausprobieren. Und keiner hat sich aufgeregt, wenn wir laut waren.

    Und die Lehrer kannten einen noch nach Jahren und waren immer interessiert daran,
    was wir so machten.

    Was ich heute noch als wunderbare Erinnerung habe, ist, daß wir, wenn es im Sommer
    regnete, im Badeanzug und barfuß auf die Straße liefen und den Regen auf uns niederprasseln lassen konnten.

    Und besonders beeindruckend waren für mich immer die Ruhe und die Stille am Sonntagmorgen und die weißen Schürzen, die die Frauen dann anhatten.

    Und noch, als ich schon berufstätig war, überlegte ich, ob ich lieber die Straßenbahn
    benutzen sollte oder mir für die 10 Pfennig 5 Storck-Karamell-Bonbons leisten sollte.
    Die gab es damals schon.



    Viele liebe Grüße
    Neli
     

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  5. Mareen

    Mareen Guest

    Hallo Sulkie,
    ich bin 67'er Baujahr und kann mich an solche Zeiten noch gut erinnern. - War das schön, damals -
    Wir haben mit 12/13 noch mit Puppen gespielt und uns gegenseitig das Spielzeug ausgeliehen. Als wir so 15 - 17 waren, haben wir abends mit 10 oder mehr anderen um eine Kartoffelscheune verstecken gespielt, bis es dunkel wurde. Oder haben uns aus Strohbändern Hängematten geknotet. Ich denke ein großes Problem der jetzigen Zeit ist die Zeit, die niemand mehr hat. Früher war es nicht so hektisch, es gab nicht so viele Termine. Wenn meine Mutter einkaufen ging, mußte ich nicht immer mit: ich blieb allein zu Hause und das war toll. Man ließ den Kindern ihre Zeit und verplante sie nicht. Die Kinder durften eigene Erfahrungen sammeln.
    Bei meinem Sohn halte ich es so, dass er höchstens 2 feste Termine in der Woche hat. Den Rest der Zeit muß er selbst gestalten. Und es fällt im oftmals sehr schwer.
    Bei meiner Tochter im Kindergarten gibt es nur sehr wenig Spielzeug. Die Kinder sollen selber überlegen und sich selbst welches basteln. Z. B. Puppen oder das Geschirr in der Spielküche. Ein guter Schritt nach vorn, finde ich.
    Jedenfalls: ein toller Beitrag von Dir!