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Reaktive Arthritis? Bechterew?

Dieses Thema im Forum "Allgemeines und Begleiterkrankungen" wurde erstellt von steinsil, 21. September 2005.

  1. steinsil

    steinsil Guest

    Hallo Leute,
    bin neu hier. Ich habe seit Januar eine rheumatische Erkrankung, die im Mai als solche festgestellt wurde. Es fing mit Schmerzen im Schlüsselbeinbereich und Ziehen in beiden Beinen an, die noch nicht schlimm waren. Mitte April begann es, daß ich morgens mit sehr starken Rückenschmerzen im Brustwirbelsäulenbereich aufwachte, die nach dem Aufstehen besser wurden. Der Orthopäde verschrieb mir zunächst Voltaren und Krankengymnastik, es wurde aber immer schlimmer. Ende April fing es dann an in beiden Beinen zu ziehen, daß ich Schwierigkeiten beim Gehen bekam, und dann bekam ich über Nacht solche Schmerzen im rechten Fuß, daß ich nicht mehr auftreten konnte. Daraufhin kam ich mit Verdacht auf eine rheumatische Erkrankung zu einem Internisten, der sowohl Antikörper auf Yersinien als auch positives HLA-B27 feststellte und mich mit Verdacht auf M. Bechterew zu einem Rheumatologen überwies. Der Rheumatologe meint, es sei wahrscheinlich kein Bechterew, weil die Beweglichkeit der Wirbelsäule dazu zu gut sei, und er tippt auf eine reaktive Arthritis nach Yersinieninfektion. Ich wurde dann mit einem Antibiotikum für 10 Tage und Cortison behandelt. Leider wurde es aber auch damit erst noch schlimmer, Anfang Mai hatte ich dann massive Ergüsse in beiden Kniegelenken, die zweimal punktiert wurden, dann begann eine zusätzliche Therapie mit Sulfasalazin (Azulfidine). Es ist inzwischen deutlich besser geworden, und ich kann wieder einigermaßen normal leben. Ich mache mir aber trotzdem Sorgen, weil es einfach nicht weggeht. Der Fuß tut mir jeden Morgen beim Aufstehen weh. Verschiedene Gelenke ziehen abwechselnd tageweise. Der Rücken ist etwas steif, wobei nicht die Lenden-, sondern nur der Brustwirbelsäulenbereich betroffen ist. Die Knie ziehen eigentlich immer.
    Kann eine reaktive Arthritis so lange dauern? Gibt es noch Hoffnung, daß ich jemals von den Medikamenten wegkomme? Ich habe immer noch Angst, vielleicht doch eine chronische Erkrankung zu haben, z.B. Bechterew....
    Grüße, Silke
     
  2. kate

    kate Guest

    hallo!!

    ich hab ähnliche probleme seit ca. 2 jahren. mittlerweile reden alle ärzte von morbus bechterew, davor war die diagnose: undifferenzierte spondylarthritis bzw. reaktive arthritis.
    auch bei mir wurden positive IGG antikörper gegen yersinien gefunden, da es aber nur IGG und keine IGA antikörper waren, wurde dem verdacht nicht weiter nachgegangen. mein chlamydien-antikörper-titer war grenzwertig.

    ich kann dich und deine sorgen gut verstehen: aber: wenn bei dir der verdacht auf yersinienarthritis steht, würde ich auf JEDEN fall eine langzeitantibiose über 3 monate versuchen!!
    dr. langer, der beratende arzt von rheuma-online, hat hierzu einiges geschrieben, guck doch mal auf der seite nach unter dem thema-...
    ich hab im letzten jahr zu mehreren leuten kontakt gehabt bzw. habe kontakt, die ein ähnliches problem haben und das problem mit 200-400mg doxycyclin für 3 monate (teilweise noch in den ersten wochen intravenöse antibiotika dazu,aber nur in sehr schweren fällen) in den griff bekamen!
    die alten leitlinien behaupten immernoch, antibiotik helfen nicht, wenn die arthritis mal da ist, bzw. empfehlen nur eine antibiose für 10-14 tage, aber heute weiß man, dass das viel zu kurz ist.
    es gibt mittlerweile eine fülle von studien-größtenteils in den usa, aber auch in finnland, da dort das problem häufiger ist, da eine größere prozentzahl der bevölkerung HLA B27 positiv ist- die zeigen, dass eine langzeitantibiose einen chronischen verlauf verhindert!
    die nebenwirkungen sind verschwindend gering im vergleich zu den immunsupprimierenden medikamenten, die du bei einer rheum. erkrankung bekommst.
    ich nehme zur zeit doxycyclin. um einem pilzbefall (habe oft probleme mit scheidenpilzen, auch ohne antibiose) vorzubeugen nehme ich 2mal in der woche 200mg diflucan.
    sonst nehme ich nichts mehr.
    ungefähr nach der dritten woche antibiotika begannen die schmerzen in knien, handgelenken und schulter wegzugehen. nur die wirbelsäule und die ISG sind noch nicht besser. aber ich bin auch erst bei tag 26....hoffe, es wird noch....

    würde mir an deiner stelle diese option mal durch den kopf gehen lassen...

    lg von kate
     
  3. kate

    kate Guest

    p.s.eine reaktive arthritis kann oft bis zu 12 monaten dauern, aber manchmal auch länger oder insehr seltenen fällen auch in eine chron. rheum. erkrankung wie bechterew oder cp übergehen.
    bei yersinien ist der verlauf aber oft günstig (günstiger als bei chlamydien). drücke dir die daumen!!
     
  4. steinsil

    steinsil Guest

    Hallo Kate,
    vielen Dank für Deine schnelle Antwort!
    Der Rheumatologe, bei dem ich bin, meinte, Antibiotika würden nichts mehr bringen. Ich habe ja für 10 Tage Doxycyclin genommen, und ich finde es auch nicht so angenehm, wenn die Darmflora dadurch mit kaputt geht, dadurch wird man ja wieder anfälliger für Magen-Darminfekte. Ich habe vom Internet her auch den Eindruck, daß insgesamt diese Langzeitantibiose umstritten ist. Ich kann mir das auch nur schwer vorstellen, nach 10 Tagen müßten doch alle Erreger im Körper wegsein, und dann kann es doch auch sein, daß die Beschwerden dann in den nächsten Wochen/Monaten verschwinden.
    Was für Studien sind das denn aus Finnland?
    Viele Grüße von Silke
     
  5. kate

    kate Guest

    hey,

    verbringe heute einen ruhigen tag vorm pc und fernsehen, habe noch ferien ;-)

    die meisten rheumatologen teilen die meinung deines rheumatologen.
    leider sind die erreger nach 10 tagen meist noch nicht weg!!!!, das ist nur bei unkomplizierten infekten so. gerade die yersinien nisten sich oft in den lymphknoten des darmes ein und sind unheimlich schwer wegzubekommen!!

    also wegen der darmflora :))
    was meinst du, was die basismedikamente anrichten????die legen deine gesamte immunabwehr lahm, zerstören auf dauer leber und niere, dein blutsystem und heilung ist nicht !!! dadurch in sicht, die krankheit wird nur unterdrückt.
    zu der antibiose nimmt man 1mal täglich perenterol und omniflora zum darmaufbau. nach der antibiose dann noch ein paar monate länger, damit die flora sich wieder regeneriert.
    bei jugendlichen mit akne wird doxycyclin für teilweise 6 monate bis 1 jahr gegeben, glaub mir, ich kenne die nebenwirkungen, ich muss seit 10 jahren laufend antibiotika wegen meinen blasenentzündungen schlucken.
    aber die aussicht, wieder ganz gesund zu werden, lässt mich evtl. nebenwirkungen in kauf nehmen.
    ich will ehrlich gesagt alles tun, um später kein mtx nehmen zu müssen. lieber antibiotika als eine "wirkliche" chemotherapie.
    die antibiose ist schon umstritten: nur-mal ehrlich gesagt_ was haben wir für eine wahl?`
    entweder die tatsache akzeptieren, dass die krankheit im prinzip unheilbar ist und uns ein lebenlang mit chemie vollzupumpen, um die symptome zu lindern, oder im anfangsstadium alles tun, was einen chronischen verlauf verhindert?
    ich wette mit dir, dass in 20 jahren die antibiose standardtherapie ist, nur dann ist es für uns zu spät.
    ich schick dir gleich mal den link zu der seite von dr. langer....

    ich will dich weiß gott jetzt nicht zu einer therapie überreden. das muss jeder für sich selbst entscheiden. ich will nur nicht in 10 jahren mit selber vorwerfen, dass ich heute nicht alles getan habe, um wieder gesund zu werden.
    ich hab schon eine chronische krankheit (blase) und die reicht mir!!!
    lg vonkate
     
  6. kate

    kate Guest

    http://www.rheuma-online.de/a-z/y/yersinien-induzierte-arthritis.html

    und ein kleiner auszug:


    Ich selber tendiere bei meinen Patienten mit einer sicheren Yersinien-Arthritis eher zu einer längerdauernden antibiotischen Therapie, vorzugsweise mit Doxycyclin, wobei nach unserer Erfahrung die Therapiedauer mindestens 3 Monate in ausreichend hoher Dosierung (2 x 100 mg Doxycyclin pro Tag) betragen sollte. Da in jüngster Zeit auch eine „basistherapeutische“ Wirkung von Tetracyclinen nachgewiesen worden ist, stellt sich bei einem solchen therapeutischen Vorgehen natürlich die Frage, ob die Wirksamkeit der längerdauernden antibiotischen Therapie mit Doxycyclin bei der Yersinien-induzierten Arthritis auf die eigentliche antibiotische Wirkung oder auf die „basistherapeutische“ Wirkung dieser Substanz zurückgeht. Vom Ergebnis her ist dies allerdings eher eine akademische, dennoch sehr wichtige Frage (da sich daraus ergibt, daß es u.U. nicht darauf ankommt, ein beliebiges Yersinien-wirksames Antibiotikum einzusetzen, sondern speziell Doxycyclin; dies könnte auch erklären, warum die Studienergbnisse mit anderen Antibiotika, beispielsweise Gyrasehemmern wie Tarivid, bei der Behandlung der infektreaktiven Arthritis nicht sehr überzeugend waren).

    Wenn nach Ablauf von etwa 3-4 Monaten die symptomatische Therapie mit cortisonfreien Entzündungshemmern und ggf. die zusätzliche Therapie mit Doxycyclin bei der Yersinien-induzierten Arthritis nicht ausreichend gewirkt hat und die Symptomatologie weiterhin besteht, deutet sich ein chronischer Verlauf an. Dies hat zur Konsequenz, daß zur Vermeidung einer weiteren Chronifizierung und der damit verbundenen Spätfolgen über die Einleitung einer klassischen langwirksamen antirheumatischen Therapie (LWAR, „Basistherapie“, DMARD-Therapie), je nach Krankheitsausprägung und Manifestationen in Analogie zur Therapie der rheumatoiden Arthritis oder der ankylosierenden Spondylitis (M. Bechterew), nachgedacht werden sollte.

    Yersinien-Arthritis: Wie lange ist eine antibiotische Therapie sinnvoll? Was tun bei Unverträglichkeit von Doxycyclin? (http://rheuma-online.de/fua/83.html)

    Arthritis nach Yersinien-Infektion? (http://rheuma-online.de/fua/79.html)

    Chronischer Verlauf einer yersinien-induzierten Arthritis oder andere Erkrankung? (http://rheuma-online.de/fua/68.html) Unbemerkte Yersiniose oder was? (http://rheuma-online.de/fua/39.html)